From November 2015

Electro Swing Carneval

Im Club mit: Electro Swing Carneval (Interview + Mix)

Seit einigen Jahren hält das Lebensgefühl der 1930er Jahre wieder Einzug in die hiesige Jugendkultur. Hosenträger, Schiebermützen und Petticoats finden reißenden Absatz, Swing- und Lindy-Hop-Tanzkurse platzen aus allen Nähten und Acts wie Parov Stelar, Caravan Palace, Kormac und Swing Republic liefern mit elektronisch aufgefettetem Swing – kurz Electro Swing – den passenden Soundtrack dazu. Mit dem Electro Swing Carneval hat dieses Movement in Wien einen monatlichen Treffpunkt, der in unserer Interview-Serie über die bedeutendsten Veranstaltungen der Stadt natürlich nicht fehlen darf!

Electro Swing Carneval – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Den Electro Swing Carneval haben Adish, ein Wiener Musikproduzent und Marx West, der ehemalige Musikmanager des Ost-Klubs gegründet.

Wir haben beide Preferenzen, was Acts betrifft, aber Adish kümmert sich mehr um das Booking, weil Marx mit seinem veganen Bistrot Harvest viel um die Ohren hat. Wir beide legen unsere teilweise sehr voneinander verschiedenen Nu-Swing-Sets auf, hosten unsere internationalen Gäste gemeinsam und zeigen ihnen Wien, wenn es sich zeitlich ausgeht.

Seit wann ist Electro Swing Carneval im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Kalletti Klub (Hamburg) beim Electro Swing Carneval
Kalletti Klub (Hamburg) beim Electro Swing Carneval

Eigentlich war es eine spontane Idee. Wir wollten zur Faschingszeit eine Party im Leopold machen und hatten noch keinen musikalischen Schwerpunkt. Marcus hatte – in Kooperation – schon seit 2007 im Ost Klub ein Swing Event – eine Mischung aus Live-Bands und anschliessender Electro Swing Auflegerei. Adish veranstaltete wiederum im Leopold Radio Vira Mundo – ein Showcase aus moderner “Weltmusik” – wo es auch bereits mehrere brasilianische angehauchte Carnivals gab.

Da uns beiden Electro-Swing sehr gut gefiel und der Sound gerade durch Releases von z.B. Parov Stelar oder Caravan Palace stark im Kommen war, entschieden wir uns, einen Electro Swing Carneval zu machen (samt Rechtschreibfehler den wir erst entdeckt haben als bereits Flyer gedruckt, Facebook Seite erstellt war und der jetzt unsere persönliche Note ist 😉

Und wie sieht es bei Electro Swing Carneval aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Nach den Regressionen der ansässigen Nachbarn gegen den Ost-Klub – der zu dessen Schliessung geführt hat – haben wir uns entschieden, ausschliesslich im Leopold zu veranstalten und haben dort eine wahre Heimstätte gefunden. Wir veranstalten zur Zeit monatlich. Unser Zielpublikum ist breit gefächert, eint sich aber in einer offenen Haltung zu Musik und Genres, da im Electro- bzw Nu-Swing die Stilrichtungen verschwimmen und wir uns musiklisch ungern festlegen. Daher sind unsere Bookings sehr unterschiedlich. Was wir nie wollten war eine Mottoparty (auch wenn es in diesem Fall so enstanden ist), wo die Leute kommen um gesehen zu werden anstatt sich für die Musik zu interessieren.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Davon leben? Der war gut 😉 Wir haben beide unsere Brot-Jobs, veranstalten und auflegen ist unser “Hobby”. Wir lieben es einfach, uns die Nächte um die Ohren zu schlagen, aber sorgen dabei lieber selber für die Musik. Und wir freuen uns sehr, die Leute feiern zu sehen. So anstrengend das sein kann, es gibt uns viel Energie.

Audio Device, Swing A Ting, Schinowatz Bobofkof, Mr. Harvey Miller und Bastard Bastoni (v.l.n.r.) beim 3 Years Birthday Bash von Electro Swing Carneval
Swing A Ting, Schinowatz Bobofkof, Mr. Harvey Miller und Bastard Bastoni (v.l.n.r.) beim 3 Years Birthday Bash von Electro Swing Carneval

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Leider ist die Wiener Club-Szene an musikalischer Vielfalt sehr begrenzt. Fast überall hört man den gleichen House oder Hip-Hop Einheitsbrei. Es fehlt derzeit definitiv an Mut zum Progress, und das macht das Wiener Nachtleben im Vergleich zu anderen Städten ziemlich langweilig. Die Einstellung der Party People spielt dabei natürlich auch eine große Rolle. Hier vermissen wir teilweise ebenfalls die Offenheit und den Wunsch, in einem Club zu gehen und zu Musik abzutanzen, die man eben nicht kennt.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Wer sich erinnert war nicht dabei 😉 Da die Szene die wir bedienen aber relativ klein ist und wir selber DJs sind, freuen wir uns immer besonders über “Gegen-Bookings”, die uns schon sehr feine Gigs z.B. in Paris, London, Genf, etc. beschert haben. Wir verbinden diese Bookings gerne mit einem mehrtägigen Aufenthalt, sozusagen ein Kulturausflug.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Wer sich erinnert war nicht dabei 😉

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Scooby Duo (Irieology & Olinclusive) bei Electro Swing Carneval
Scooby Duo (Irieology & Olinclusive) bei Electro Swing Carneval

Naja, nicht immer funktioniert die Verbindung von Künstler zum Publikum, manche Acts buchen wir dann vielleicht nicht mehrmals. Wir können aber behaupten, diesbezüglich noch nie einen totalen Reinfall erlebt zu haben. Das liegt vor allem daran, dass wir unsere Artists nicht nach Followern auf diversen Social Network Seiten aussuchen sondern nach deren Musik oder Mixes. Deshalb sind bei unseren Bookings neben diversen “Grössen” auch immer wieder Newcomer dabei, an die wir einfach glauben. Bis jetzt gefiel das unserem Publikum genauso gut wie uns. Menschlich gab es noch nie ein Problem.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Es gibt natürlich einige Acts die wir uns nicht leisten können wie z.B. Caravan Palace oder ein Parov Stelar DJ Set. Aber die Party unserer Träume wäre wohl eher eine genreübergreifende Veranstaltung, wo oben genannte Künstler mit Bands wie Cat Empire und Balkan Beat Box aufeinandertreffen, aber neben der musikalischen Komponente auch verschiedene Formen von Kunst und Kulinarik eine Rolle spielen. Und vielleicht ein Lagerfeuer wo Manu Chao ein unplugged Solo Konzert gibt. Einfach so…

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Ganz klar werden wird es den Electro Swing Carneval in gleichbleibender Qualität weiterhin geben. Für die Wintermonate haben wir bereits ein großartiges Programm erstellt. Wir arbeiten aber auch zusätzlich an einem zweiten Konzept, das musikalisch noch viel offener und vielfältiger sein wird. Darüber können wir aber jetzt noch nichts verraten…

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Was uns sehr gefällt ist das der Focus gleichermassen auf bekannten wie Nischen-Acts gerichtet ist, als Veranstalter wünschen wir uns natürlich mehr Werbe-Möglichkeiten , selbstverständlich gratis 😉

Danke für die fantastische Arbeit, die Wiener Club und Musikszene braucht genau solche Enthusiasten wie Euch.

Neben einem netten Interview haben uns Adish und Marx West hier auch noch zwei Hörproben davon zur Verfügung gestellt, wie Electro bzw. Nu Swing im Jahr 2015 so klingt – wer mehr davon hören möchte hat wie jeden Monat auch am 12. Dezember im Cafe Leopold Gelegenheit dazu, diesmal mit Arts & Leni aus Hamburg als Special Guest!

Electro Swing Carneval Promo Mix 2 (Electro Blues Special) by on play.fm

 

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Electroboot

Im Club mit: ElectroBoot (Interview + Mix)

Strahlender Sonnenschein statt Stroboskopblitzen, der Duft des blauen Donauwassers statt dem von Rauch und eingetrocknetem Bier, ein Schiffsdeck anstatt eines Kellerclubs – so außergewöhnlich lässt es sich in Wien dank dem ElectroBoot feiern. Wir haben Armin, den Chefkapitän dieser Veranstaltungsreihe, zum Interview gebeten – er hat uns Rede und Antwort gestanden und ein paar schöne Live-Mitschnitte mitgebracht!

ElectroBoot – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

ElectroBoot besteht aus keinem fixen Team, auch die Aufgabenbereiche werden immer wieder neu verteilt. Es sind hauptsächlich Freunde, die das Projekt unterstützen und ihre Ideen mit einbringen, um jedes Jahr aufs Neue etwas Einzigartiges für Wien zu schaffen. Einige sind von Anfang an dabei gewesen, manche nur für die eine oder andere Veranstaltung.

Seit wann ist EletroBoot im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Geduldiges Anstellen bei der Anlegestelle...
Geduldiges Anstellen bei der Anlegestelle… (Foto credit: Georgeye)

Ich war immer viel auf Reisen um Freunde zu besuchen und mit ihnen auf die verschiedensten Festivals und Parties zu gehen. Was mich dabei interessiert hat, war natürlich in erster Linie die Musik, aber auch immer das Gesamtkonzept, von der Location angefangen bis hin zur Deko. In den vielen Jahren habe ich es aber leider nie auf eine Boot Party gechafft, sei es aus Zeitgründen oder weil sie schon ausverkauft waren. Bis heute war ich nur auf meinen eigenen.

Im Sommer 2012, nach einem Kurzbesuch in London und einer weiteren Boot Party auf die ich wieder einmal nicht gehen konnte, habe ich mich entschlossen in Wien selber eine für und mit meinen Freunden auf die Beine zu stellen. Ursprünglich sollte es nur eine private Boot Party werden, aber da es in Wien nicht so eine große Auswahl an Schiffen gibt und das kleinste welches in Frage gekommen ist für ca. 200 Gäste ausgestattet ist, war der nächste logische Schritt, einen Veranstaltungsnamen samt Logo zu gestalten, Tickets zu verkaufen und so eine öffentliche Veranstaltung daraus zu machen.

Schnell fanden sich viele Freunde um gemeinsam das Projekt ElectroBoot zu realisieren, und das Vienna Summerbreak Festival, welches Anfang September stattfand, hat sich optimal dazu angeboten es zu promoten.

So entstand in wenigen Wochen das ElectroBoot mit einem kleinen Truck im Look vom ElectroBoot Logo auf der Streetparade, Afterparty im Badeschiff und Afterhour in der Pratersauna. Es hat so viel Spass gemacht und so ein tolles Feedback bekommen, dass klar war: Es gibt 2013 eine Wiederholung.

Und wie sieht es bei ElectroBoot aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Bis 2014 fand das ElectroBoot immer nur einmal im Jahr statt, und immer auf Schiffen der DDSG, an Bord gab’s bisher immer Techno und House. Dieses Jahr haben wir ein wenig herum experimentiert, mehrmals auf Schiffen, auch von anderen Schifffahrtsunternehmen veranstaltet und auch mal Drum & Bass an Bord gehabt, aber grundsätzlich wollen wir unserer Linie treu bleiben.

Wenn eine Location außergewöhnlich ist, kann es auch gerne etwas anderes als ein Schiff sein, dann meistens aber unter einem anderen Namen.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

...und ausgelassenes Feiern an Bord!
…und ausgelassenes Feiern an Bord! (Foto credit: Georgeye)

Einige können bestimmt davon leben, ich rede da aber eher von kommerziellen Groß-Veranstaltungen – die Mehrheit von Veranstaltern glaube ich nicht. Ich weiss nicht was die Motivation der anderen ist, für mich ist es, dass die Menschen für ein paar Stunden aus der Realität entspringen können und gemeinsam mit einer unglaublichen Energie kollektiv feiern.

Die behördlichen Hürden und die vielen Steuern, vor allem die Vergnügungssteuer, sind das größte Problem. Meiner Meinung nach verhindert das sicher so einiges an Kreativität, die es in unserer Stadt gibt. Ich weiß, da stehe ich sicher nicht alleine mit meiner Meinung da. Ich hoffe es wird in der Regierung bald ein Umdenken zu diesem Thema geben.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Im internationalen Vergleich ist Wien sicher noch ein wenig hinten nach, braucht sich aber auch nicht zu verstecken, es gibt einige sehr gute Clubs und Veranstaltungsreihen. Für die Größe unserer Stadt gibt es zum Teil vielleicht auch zu viele Veranstaltungen, aber ich glaube das wird sich schon einpendeln und macht die die Szene auch kreativer in der Frage, wie sie das Publikum anzieht.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Das erste ElectroBoot, der TechnoGrill Open Air im Prater letztes Jahr und das Season Opening im April gehören auf jeden Fall zu meinen Favoriten.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Ganz klar, die Reinigung des Schiffes nach einer exzessiven Party, um es innerhalb weniger Stunden wieder zum ursprünglichen Touristen-Dampfer herzustellen 🙂

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Ja klar, aber dazu äußere ich mich jetzt nicht.

...und nach dem fröhlichen Donauausflug heißt es rechtzeitig zur Afterparty wieder anlegen :)
…und nach dem fröhlichen Donauausflug heißt es: Rechtzeitig zur Afterparty wieder anlegen 🙂 (Foto credit: Georgeye)

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Wenn Geld und Ressourcen keine Rolle spielen wäre die ganze Welt eine Riesenparty.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Das steht noch alles in den Sternen, aber man kann gespannt sein.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Dazu fällt mir nur ein Wort ein. Geil!

Da es sich in den kühlen Wintermonaten auf einem offenen Deck naturgemäß weniger gut feiern lässt, ist das ElectroBoot in den nächsten Monaten mal auf wohlverdienter Pause – wer über die nächsten Ausflüge informiert bleiben möchte, sollte unbedingt die Facebook-Page von ElectroBoot abonnieren. Zur Überbrückung hat uns die ElectroBoot-Crew außerdem sonnige Mitschnitte vom diesjährigen Season Opening zur Verfügung gestellt – insgesamt vier Stunden Musik mit so viel sonnigen Vibes, dass sich selbst der bitterste Winter gut übertauchen lässt!

 

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Vihanna

Im Club mit: Vihanna (Interview + Mix)

“For greater glory in Vienna’s nightclub scene” liest es sich kurz und bündig auf der Facebook-Page des DJ- und Veranstaltungskollektivs Vihanna, und mehr müsste dazu eigentlich nicht gesagt werden. Wir tun es trotzdem und haben dafür die Verantwortlichen für viele durchtanzte Abende, in denen zwischen massentauglichem R&B und vertracktestem Underground Grime so ziemlich alles passieren kann, zum Interview gebeten!

Vihanna – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Wir sind insgesamt zu sechst und alle vor allem einmal DJs. Die Aufteilung bei den Veranstaltungen passiert dann immer spontan. In Kürze haben dann auch alle von uns einen Führerschein. Wirklich.

Seit wann ist Vihanna im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Unsere erste Veranstaltung war Anfang 2013. Wieso? Der Klassiker: Wir wollten unsere Musik auch wieder mehr im Club hören und eine gute Zeit haben. Nachdem die wegweisenden Loud Minority Parties immer weniger wurden, lag das ein bisschen brach. Es ging dann ziemlich schnell.

Vihanna #01 anno 2013
Vihanna #01 anno 2013

Und wie sieht es bei Vihanna aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Aktuell machen wir uns ein bisschen die Unregelmäßigkeit zur Regel. Hier und da Kollaborationen mit anderen, aber natürlich auch reine Eigenveranstaltungen. Als Nächstes haben wir mit den Fairlights DJ Haus und dann im Jänner wieder ein eigenes Festl.

Musikalisch kommt das alles aus dem Bass, Rap, Grime, Footwork, aber auch Pop und R’n’B‘ und was da noch dazu kommt. Konzept ist, was gefällt. Wir wollen uns nicht zu schade für irgendwas sein, ironisch ist dabei aber nichts.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Wir sind recht froh darüber, nicht davon leben zu müssen, einfach weil der Zwang wohl den Spaß ebnen würde. Wenn man sich ein Hobby zum Beruf macht, geht dann damit das Hobby flöten. Wir machen das, weil es uns gefällt, würde auch Jimmy Hoffer sagen.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Vihanna auf Ausflug in Vorarlberg
Vihanna auf Ausflug in Vorarlberg

Wien ist super. Mit den anderen Veranstaltern gibt es einen freundschaftlichen Austausch und so geht das eben dahin. Insgesamt weniger Jammern vielleicht. Ein paar zusätzliche Locations wären auch ganz nett, aber im Großen und Ganzen passt das hier schon alles. Ich finde, Wien ist in punkto Clubkultur ganz gut aufgestellt.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Highlights gab es einige, aber es ist ein bisschen schwer das zu trennen. Aus Sicht des Veranstalters freue ich mich über viele Gäste, aus DJ-Sicht über eine gute Stimmung und als Gast über beides und gute Musik. Unsere erste Party war vielleicht deshalb ein Highlight, weil es so unerwartet und spontan gut funktionierte.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Gerade die erste Party wurde fast abgesagt weil uns die Location zwei Tage davor abgesprungen ist. Wir haben uns gar nicht ausgekannt und geflattert was nur geht, aber dass dann aus der Not eine Tugend wurde freut uns natürlich. Sonst der ganz normale Wahnsinn wie:

  • Clubbesitzer um 01:00: “Das Bier ist aus.”
    Wir: “Oasch”
  • Clubbesitzer um 21:00: “Hi, das ist übrigens unser Rechtsvertreter. Ihr könnt dann hier unterschreiben, dass ihr für alles haftet und die Heisln putzen müsst.”
    Wir: “Oasch”
  • Clubbesitzer um 20:00: “Schauts da hab ich auch alles hingestellt.”
    Wir: AÄh, CDJs und Turntables sind alle hinüber und es gibt keinen Monitor.”
    Clubbesitzer: “Letzte Woche hat noch alles funktioniert. Ganz sicher.”
    Wir: „Oasch“

Usw.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Cid Rim bei Vihanna mit Bart-Simpson-USB-Stick im Mund (Foto credit: Andreas Hagenauer)
Cid Rim bei Vihanna mit Bart-Simpson-USB-Stick im Mund (Foto credit: Andreas Hagenauer)

Pfuh, Endgültigkeiten sind immer schwierig. Unser erstes Booking war Cid Rim und er wollte, dass wir ihm das Ticket für die 5er Linie zahlen, ihm alle paar Minuten die FA-Cup-Zwischenstände durchgeben und dann hat er mit seinem Bart-Simpson-USB-Stick im Mund die Kenny G Version von “My Heart Will Go On” gespielt. Es war sehr nett.

Wir hatten nie ein Problem mit einem Booking, ganz im Gegenteil. Manche waren rauschig, manche nicht. Manche wollten Erdnüsse, manche nicht. Alles voll ok und wir würden wohl jeden einzelnen wieder holen. Wichtig ist uns, dass die Menschen, die wir einladen auch eine gute Zeit haben. Vielleicht ist das auch irgendwo ein Vermächtnis der Loud Minority (Danke Claus).

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Das würde jeder einzelne von uns wohl anders beantworten. Und das ist auch gut so.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

2016 wird super.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Eure Seite ist auch sehr super.

Wie all das so ungefähr klingen kann präsentiert uns The Shambolic, ein Sechstel von Vihanna, im einstündigen Exklusiv-Mix – mehr davon wie erwähnt am Freitag, 27. November im Aux Gazelles, wo Vihanna in Kooperation mit dem Fairlight Club den grandiosen DJ Haus von Unknown To The Unknown präsentieren!

 

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Basstrace

Im Club mit: Basstrace (Interview + Mix)

Ein Umstand, der bei vielen unserer bisherigen Interviews mit Wiener Veranstaltungs-Crews bemängelt wurde, ist der besch..eidene Zustand der hiesigen Soundsysteme. Die Truppe von Basstrace nimmt die Dinge selbst in die Hand und zieht mit eigenem Soundsystem durch die Clubs – und dieses hat es in sich. Musikalisch drehen sich die Abende dabei naturgemäß um alles, was in niedrigeren Frequenzbereichen ordentlich wummert. Isonoe, einer der Mitgründer des Soundsystems, war so nett uns mehr davon zu erzählen.

Basstrace – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Wir sind eine Wiener Neigungsgruppe für elektronische Bassmusik, kollektive Herzschlagrate 130 – 160 bpm. Die meiste Zeit allerdings 140, weil Dubstep im Fokus steht. Dabei pflegen wir Verbindungen zum dubstep.at Netzwerk und darüber hinaus.

One big fam – und eigentlich verstehen wir uns als regelrechten Clan. Und so ein Clan der hat Rollen. Da gibt es von Clan-Daddies bis zum Einzelgängerkind fast alles dabei. Wie bei den Waltons. Wieviel waren das nochmal? Keine Ahnung, wir sind jedenfalls mehr! Über zwanzig Leute aus verschiedenen Ecken des Landes und darüber hinaus, aus mehreren Altersklassen (von 20 bis 35) machen Basstrace aus. Der Sound allein hat einen Haufen verschiedener solider Talente zusammengebracht. DJs, VJs, Soundmen, Soundboys & Soundgirls, Merch- & Goodie Produzent_innen, Bühnenbauer_innen, Fahrer, Clan Cater_innen, Securities und und und. Wir wachsen und gedeihen fortlaufend und freuen uns über jede_n der/die aktiv mitmachen will und kann.

An dieser Stelle many many shouts out to Moon, The Zion Archives, Nobody, Damask, Rubbah, SORA, Apoxid, Ronin, Leomann, Sprengmeister, Tetrapak, Syrup Visuals, Marina, Ronja, Nadine, Vali, Carina, Andi, Dani, Moritz, Michel, Billy!

Seit wann ist Basstrace im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Ein Teil der Basstrace Family
Ein Teil der Basstrace Family (Foto credit: Persé Photography)

Basstrace ist neu im Sinne von 2015 gegründet. Eigentlich ist das eine lange Geschichte, aber das war demnach der Kern der Frage. Also – es war einmal…

Log System Sound, ein Zwei-Mann-Soundsystem-Kollektiv. Isonoe und sein damaliger Partner haben über mehrere Jahre hinweg in liebevoller Kleinstarbeit ein besonders bass-starkes HiFidelity Soundsystem gebaut (eine Geschichte für sich, die hier nicht näher ausgeführt werden soll – besser man kommt und spürt selbst rein).

Das System wurde dann in Wien erstmals 2013 in der Fluc_Wanne aufgestellt, Veranstaltungstitel: “Speakers Corner”. Das war übrigens auch das Jahr in dem RAW in die Langzeitpause gegangen war und nachdem Bounce sich selbst für tot erklärt hatte. Funkstille in Wien am untersten Ende der Frequenz-Fahnenstange als wir kamen. Sehr hart für uns. Und hat sich dann doch nicht bewährt. Gründe gab es viele, aber vor allen Dingen der herannahende Ausstieg eines der beiden Soundmen.

Sollte Isonoe, also ich, die bis dahin hart erarbeiteten Träume auch wieder fallen lassen? Sicher nicht! Ich habe mir dann das ganze System auf den Buckel geschnallt, nicht wissend wo die Reise hinführt. Es wurden viel Kartoffeln gegessen. Systemanteile ablösen kann recht teuer sein. Und manchmal waren die Nächte schlaflos, weil 1,5 Tonnen Sound allein daheim zu haben manchmal ein schwerer Brocken ist. Wohin damit? Wie handeln? Und vor allem mit wem? Für wen? Phase 0 nannte ich das für mich. Immer viel Hoffnung dabei, dass sich was entwickeln wird. Und so kam es dann auch.

Über den Beitritt zu einem wundervollen Kollektiv (Spezial/Hoppala/Technosonntag), das non-kommerziell Open-Airs, Underground-Raves und sonstigen Techno-lala an unüblichen Wochentagen macht, wurden mir und damit Basstrace vor seiner Gründung schon wichtige Grundwerte vorgelebt: DIY, Community Spirit und die Freude an der Sache an sich. Diese bereichernden Erfahrungen und gute Gespräche mit diesen tollen Menschen sowie anderen langjährigen Weggefährten zeigten mir, dass es gut ist wie es gekommen war. Und dass die Zeit Ende 2014 reif war, wieder was für Bassmusik zu tun in einer Stadt, die vor House, Techno, Freetek geradezu am Überquellen war. Wo waren die eklektischen Musikliebhaber geblieben, die mehr als nur auf 4×4 zählen konnten? Bestimmt irgendwo da draußen, versteckt. Meine Mission: Basstrace. Let’s go find them. Let’s build a scene – together.

Ende Herbst 2014 waren wir zu zweit. The Zion Archives, Dubstep Producer, DJ, Illustrator und damit auch unser Grafiker, stieg sofort ein als ich ihm von dem Vorhaben erzählte. Wir traten mit dem Fluc in Kontakt und bekamen prompt für Jänner 2015 einen Termin. Die ersten Bassheads gaben sich in der Crowd schnell zu erkennen und neue Clanmitglieder kamen, die unsere Philosophie vom Fleck weg teilten.

Und wie sieht es bei Basstrace aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Das Basstrace Soundsystem
Das Basstrace Soundsystem (Foto credit: Kurt Prinz)

Kurz gesagt: “Basstrace is here to share, enjoy and recultivate what so many miss: the trueschool roots of dubstep. Providing an alternative to mainstream. Beyond mass spectrum.”

In einer Zeit, wo der Hype schon lange weitergezogen ist machen wir unser Ding in seinem Schatten. Koste was es wolle, wir haben da eigentlich keine Wahl. So ist das, wenn man etwas wahnsinnig liebt und es auch teilen will.

Live & direct, keine unnötigen selbstbekräftigenden Schnörkeleien, geradlinig und echt. Trueschool sound system culture eben. Und das in einem Spektrum, das gerade im Herkunftsland UK noch immer wahnsinnig boomt, doch hierzulande nach wie vor massiven Entwicklungsbedarf hat.

In Basstrace hörst du vor allem Eines: Dubstep, Dubstep, und noch mehr Dubstep. In all seinen Spielformen, EDM Brostep ausgenommen (eh klar). Wohldosierte Ergänzungen durch Artverwandtes (UK Bass, Grime, Garage/2-step, Halfstep DnB) kommen vor, werden aber sicher nie das Ruder übernehmen. Aus tiefer Überzeugung heraus und im Sinne einer kulturellen Artenvielfalt wollen wir gerade Dubstep den Raum geben den er verdient. Zumindest einmal im Monat. Von der intimen Fluc-Session im Café oben bis zum massiven Dubrave mit bass-schwerem Soundsystem an entsprechenden Off-Locations wie bisher dem Tüwi oder dem EKH.

Manch Eine_r weiß mitunter noch gar nicht, was er/sie verpasst. Im Ernst jetzt. Neben den Heads, die wissen was sie wollen und sich ein Bein bis zur nächsten Session wegfreuen, kommen auch immer wieder genrefremde Personen dazu. Die wissen zwar Anfangs nicht mal wie das Genre heißt, sind aber oft vom Fleck weg emotional berührt und löchern uns dann mit leuchtenden Augen 1000 Fragen in den Bauch.

Demografische Kategorien wie Alter (ab Volljährigkeit), Herkunft, soziale Schicht usw. sind natürlich völlig nebensächlich. Einzig wichtig ist uns, dass unsere Community friedlich vereint und frei von Ismen funktioniert. Das heißt, Respekt und Toleranz ist ein Muss. Gilt nicht für Blauwähler, die müssen uns mal vor der Türe draußen erklären, warum sie solchen Blödsinn machen *lacht*

Zu Basstrace gehört auch, dass wir wo auch immer wir können, ein sozialcharitatives Element einbauen. Schon im April hatten wir gemeinsam mit dem Label Red Moon Rising für den Humanitarian Bazaar, einem in Somalia tätigen Sozialprojekt, Spenden gesammelt sowie im Juli für das gerade überall rund um uns aufpoppende #refugeeswelcome Thema Geld- und Sachspenden entgegengenommen und zweckgebunden zugeführt. Wenn wir feiern, soll es in mehrfacher Sicht wirken. People have to feel it.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Die Basstrace Crowd
Die Basstrace Crowd (Foto credit: Persé Photography)

Brötchen verdienen wir am Tag woanders. Basstrace ist bislang nichts als Liebhaberei. Alles was reinkommt wird ins Kulturschaffen reinvestiert bzw. gespendet. Das gehört zum Underground-Dasein dazu.

Wovon wir aber sehr wohl „leben“ ist der Spirit. Glückliche Community, glückliche Location-Geber, glücklicher Clan. Einfach die Kraft, die bei unseren Nächten rüberkommt.

Von was wir wie alle anderen abhängig sind ist natürlich Geld. No money, no honey. Gutes Finanzmanagement ist wirklich essentiell, gerade als Underground Bewegung. Weil bei uns alles auf freiwilligen Spenden läuft, müssen wir hart wirtschaften. Da können uns keine Patzer leisten, sonst blutet einer (meistens ich) und steckt rein.

Wenn es um Dubraves mit Soundsystem geht, ist der größte Problemfaktor die Location. Da haben wir kaum uns bekannte Wahlmöglichkeiten. Was wir bisher probiert haben, war immer verbesserungswürdig, dh. wir haben entweder produktionstechnisch draufbezahlt oder die Leute sind nicht hingekommen, weil der Ort nicht extrabequem angebunden ist mit Nacht U-Bahn. Da könnte man schon auch sagen, es liegt auch ein bisschen an den Fortgehgewohnheiten der Wiener_innen. Wenn man nicht Freetek oder Goa Kultur innehat, will man nicht weit fahren.

Wir bräuchten jedenfalls echt eine solide und gut erreichbare Off-Location die wir nach unserem Geschmack mit unserem System bespielen können ohne dass uns wer zu viel dreinredet (Anrainer, Betreiber etc.).

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

The Zion Archives
The Zion Archives (Foto credit: Persé Photography)

Die Entwicklung des Publikumsgeschmacks folgt aus unserer Sicht gegenläufigen Trends. Während die einen vom Höher-Schneller-Weiter-Prinzip nicht genug kriegen können, mehrt sich die Zahl jener, denen es auch nach Anderem dürstet, was nicht immer aber auch gleichzusetzen ist mit Entschleunigung. Insofern eine Entwicklung in die richtige Richtung.

Dass zu viel los ist, unterschreiben wir sofort. Dass zu viel vom Gleichen passiert auch. Dass dadurch die Sichtbarkeit auf Neues unterbunden ist gehört da dazu. Immer noch zu viele rennen dort hin wo sie’s schon kennen. Teils blinder Konsum. Dass sie da zehnmal mehr Geld liegen lassen, als an einem spannenderen, aber nicht so etablierten Ort scheint noch zu oft egal zu sein.

Da sollten auch die Clubs couragierter dran und selbst mehr wagen in Sachen Preispolitik kultureller Diversität, auch wenn es schwierig ist. A) das liebe Geld, darin schwimmen die Clubs wohl auch nicht mehr (sagen sie zumindest – keine Ahnung). Und B) Besucherzahlen immer mehr von virtuellen Communities abhängt, die der Fremdveranstalter halt mal so mitliefern muss, um den Club über Break Even zu bringen.

Weiters würden wir uns mehr solide und gut erreichbare Off-Locations wünschen, die ohne großem Risiko bespielt werden könnte. Gerade wir Soundsystem-Leute brauchen mit unserem passende Räume. Vielleicht fände sich da was das man auch selbst verwalten könnte, sofern sich die Stadt Wien mal ernsthaft ins Zeug legt in Sachen Zwischennutzung.

Letzter Punkt dazu wenn wir gerade bei der Wechselbeziehung Politik und Gesellschaft sind: das Wiener Lärmschutzgesetz. Es ermöglicht jedem, der sich gestört fühlt, Veranstaltern und Location-Betreibern das Leben schwer zu machen. Ein Anruf bei den helfenden Freunden genügt und die „Verursachenden“ sind schnell abgedreht.

Egal wer zuerst da war und in welchem zeit- und ortsgebundenen Zusammenhang es steht. Hier appellieren wir an die Toleranz in der Bevölkerung und bei den Behörden. Ein koexistentes aufeinander Zugehen in einer wachsenden Stadt sollte da möglich sein, sind wir überzeugt.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

The Zion Archives
The Zion Archives (Foto credit: Persé Photography)

Wenn zum Beispiel unser Soundsystem den ersten Ton von sich gibt und sprichwörtlich zum organischen Wesen wird, das uns mit Bass und süßen Melodien im Innersten trifft, umfließt, dann hat das schon gewaltiges Motivationspotential!

Wenn alles weitere rundherum stimmig ist und sich gut anfühlt, haben wir einfach Lust auf mehr. Auch bei den Session ohne eigenem System macht uns die gute Musik, die wir mit allen Anwesenden teilen, echt glücklich. Toll finden wir auch, dass wir mit unseren Sessions wiederholt Leute außerhalb von Wien anziehen. Und das sogar wiederkehrend – aus der Steiermark, Oberösterreich, aber auch aus Ungarn oder Italien.

Dazu die Zuversicht, dass wir wiederholt sowohl durch unsere lokalen DJs und Producer sowie internationale Gästen extrem hohe Qualität liefern. Wir hatten bislang Egoless (der Taktgeber schlechthin im dubbigen Spektrum von Dubstep), LSN (Meister aller melodischen Sparten) oder Joe Nice (“The ambassador of dubstep in America”, ein weltbekanntes Urgestein über den sogar mittlerweile eine eigene Doku gedreht wurde – also auch eine Geschichte für sich). Und die haben sich echt wohl gefühlt in Wien!

Das Sahnehäubchen ist die Resonanz in der internationalen Dubstep-Community, d.h. wir sind sichtbar und pflegen Beziehungen zu Veranstaltern die anderswo auf dem Erdball genau dasselbe machen. Auch namhafte Artists wie Mala, Gantz, Kahn, Om Unit, uvm. kennen uns.

Schließlich wurden wir auch schon gleich dieses Jahr zur Sound System Culture Conference im Zuge vom Outlook Festival eingeladen, dem globalen Bass Music Mekka dieser Tage.

Ganz schön cool für uns Neulinge, oder? *grinst*

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Schwierig ist, wenn wir uns voll reinhauen, alles astrein läuft, wir gut kalkuliert haben aber wegen bereits erwähnten Faktoren doch nicht genug Besucher hinkriegen. Kam schon auch vor, Joe Nice im Juli zum Beispiel. Das schmerzt nicht nur finanziell sondern auch und von der vergebenen Liebesmüh her und was die nicht Anwesenden verpasst haben. Gerade Letzteres besonders. Aber motiviert umgekehrt nach einer Zeit des Wundenleckens umso mehr, noch weiter zu optimieren und noch besser “den Fuß in die Tür zu bekommen”.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Isonoe
Isonoe (Foto credit: Persé Photography)

Ja einmal, und das war keiner der oben Genannten. Der unliebsame Gast hat partout sein Serato nicht zum Laufen gebracht obwohl wir ihn angehalten haben, dass er sich besser mehr als 5 Minuten vor seinem Slot darum kümmern sollte bzw. wir ihm auch gerne helfen. Als er dran war war natürlich nix ready und dann mal 15 Minuten still. Er hat es vorgezogen – so wurde berichtet – seinen Status lieber dafür zu nützen alle möglichen Mädels anzugraben (inklusive der Freundin eines Kernmitglieds). Gar nicht professionell. Aufgelegt hat er übrigens auch grottenschlecht. Leider haben sich in Folge eine kleine Handvoll von Leuten im Publikum den Mund darüber zerrissen und es uns angekreidet.

Naja, sowas passiert garantiert nicht mehr. Wir legen seitdem noch mehr Wert auf eine gute Mischung aus persönlicher Beziehung und professionellem Anspruch mit den Artists.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Bomben Lineup (weniger Big Names, mehr Talente – die Liste ist zu lang zum Ausführen). Location ist da ein ordentliches Warehouse mit reichlich Infrastruktur (Hygienebereiche *grins*). Zwei Floors (groß, medium). Double Stack Soundsystem im einen, eine mittelgroße Void Anlage im Anderen. Stunning visuals everywhere. Tolle Bühnenaufbauten, wo es passt. Dazu ein Raum mit Pölstern, Wasserpfeifen am Boden zum Chillen und gutem Essen. Die Bars haben eine gute Auswahl an alternativen Erfrischungsgetränken und Alkoholika. Erschwingliche Preise.

Jede_r kann kommen. Freie Spenden gehen 50 % in unsere zukünftige Kulturarbeit, 50 % an ein gutes Sozialprojekt. Artists und alle Mitwirkenden bekommen eine adäquate Gage / Aufwandentschädigung. Purer Luxus sowas.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Basstrace Slipmat
Basstrace Slipmat (Foto credit: Persé Photography)

Weiterhin organisches Wachstum ohne Zwang. Nachhaltiges Kulturschaffen. Echte Erlebnisse die hängen bleiben – Killer Bookings und verstärkt auch wieder nationale Talentschauen. Arbeiten auch noch dran über unser eigenes Stamm-Format hinaus extern auftreten zu können, d.h. auf kleineren Festivals, in den anderen Bass-Mekkas des Landes bei unseren befreundeten Crews. Und sicherlich kommt auch eine weitere Location zum Fliegen (sachdienliche Hinweise sehr willkommen, liebe Leser_innen!)

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Respekt, eure Seite macht echt was her! Toll wäre, wenn ihr es schafft, noch mehr die lokalen Communities zu stärken, lokale Artists sichtbarer zu machen dadurch stärker auf eure Seite zu ziehen – weg von den Big Players wie Soundcloud, Facebook, o.ä. Wie ihr das hinbekommt außer über Initiativen wie diese, können wir euch leider nicht sagen. Wir wünschen uns das halt und euch dabei viel Erfolg!

Gleich eine ganze Reihe an Hörproben davon, was man bei Basstrace musikalisch so erwarten darf, hat uns die Crew hier zu Verfügung gestellt. Wer den Sound in full effect genießen möchte ohne es sich gleich mit den Nachbarn zu verscherzen hat in den nächsten Wochen gleich zweimal in der Fluc_wanne Gelegenheit dazu: Am Samstag, 28. November bei einer Free Party in Kooperation mit RAW und Vollkontakt sowie am Freitag, 11. Dezember beim nächsten “richtigen” Basstrace mit Dublix von der Deepnheavy Sounds Crew in Graz!

Mixes by Basstrace on play.fm

 

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Maschinenraum

Im Club mit: Maschinenraum (Interview + Mix)

Techno – mehr bräuchte es als Einleitung für dieses Interview eigentlich nicht. Denn wenn es in Wiens Nachtleben sowas wie Techno in Reinkultur gibt, dann beim monatlichen Maschinenraum im Werk. Etwas mehr über das wer, wie, wo, wann und warum erzählen uns Tilo Stahl und DJ Mushroom, beide Mitgründer, Mitveranstalter und Residents des Maschinenraums.

Tilo Stahl (Foto credit: VJ Azz)
Tilo Stahl (Foto credit: VJ Azz)

Maschinenraum – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Die Crew:

Tilo Stahl (Event Coordinator, Resident DJ)
Jojo Todos (Event Coordinator, Resident DJ)
Dj Mushroom (Event Coordinator, Resident DJ)
Lena:k (Resident DJ)
Zosima (Noiztank Records Mastermind, Resident DJ)
Schwartz (Schwartz Records Mastermind, Resident DJ)
Stuwer (Graphic Designer, Resident DJ)
Peter Balon (Club Founder)
Florian Bogdan (Website Admin, Club Founder)

Seit wann ist Maschinenraum im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Angefangen hat alles am 21.12.2011 in der Fluc Wanne. Unsere erste Veranstaltung hieß Klub der Maschinen und wurde von den Gründervätern Peter Balon und Florian Bogdan organisiert. Headliner war damals Mussurunga, ein Projekt von Didi Bruckmayr.

Da wir damals alle den Einheitsbrei aus schlechtem Minimal und Techhouse auf den Parties dieser Stadt satt hatten, musste etwas geschehen. Es ging uns vor allem darum, harten, düsteren, industriallastigen, basslastigen State of the Art Techno und damit verwandte Genres in den Club zu bringen. Roher Sound, analoge und digitale Maschinen, Berlin und Detroit als Bezugspunkte standen für uns im Vordergrund. Hirn einschalten und den Körper spüren statt sich zu Billigsound wegballern war die Devise. Daraus entwickelte sich einige Monate späterdie Veranstaltungsreihe Maschinenraum.

Maschinenraum #1 fand am 20.04.2012 mit Tilo Stahl, Jojo Todos und DJ Mushroom an den Decks im Expedit Keller statt. Mittlerweile haben wir #28 erreicht.

Und wie sieht es bei Maschinenraum aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Jojo Todos (Foto credit: VJ Azz)
Jojo Todos (Foto credit: VJ Azz)

Seit März 2013 ist das Werk unsere feste Homebase. Jeden vierten Freitag im Monat kann man uns hier antreffen.

Dem musikalischen Konzept sind wir seit den Anfängen treu geblieben. Wir versuchen allerdings auch, ständig mit der Zeit zu gehen. So konnten wir bei unserer letzten Veranstaltung einen modernen internationalen Act (SNTS) präsentieren, der ein Hybrid Set – sprich DJ Set kombiniert mit analogen und digitalen Klangerzeugern – zum Besten gab.

Auf den Punkt gebracht geht es um modernen, frischen, zukunftsorientierten Techno. Die Vergrößerung des Werks auf zwei Floors gab uns Gelegenheit zu Kooperationen mit befreundeten, geistesverwandten Crews wie Mutter oder Commandyoursoul, aber auch zu Ausflügen zu musikalischen Roots wie Detroit Techno, Industrial, Dark Ambient, Acid House, IDM, New Beat, Electronic Body Music etc.

Wir wollen ein Publikum ansprechen, welches unsere Bemühungen zu würdigen weiß. Verantwortungsbewusstsein, Respekt, die richtige Stimmung und Atmosphäre sind der Maschinenraum-Community wichtig.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Wir können momentan nur vom Werk sprechen. Wir fühlen uns sehr wohl hier. Die Kommunikation zwischen uns und dem Club funktioniert gut und ist von gegenseitiger Wertschätzung getragen.

Leben können und wollen wir von unseren Veranstaltungen nicht. Wir sind nicht profitorientiert. Es ist ein ständiges Nullsummenspiel.

Was uns antreibt, ist unsere gemeinsame Leidenschaft zur Musik und unsere Freundschaft. So wie wahrscheinlich die meisten unserer Kollegen würden auch wir uns eine andere Sperrstundenregelung wünschen.

Wir hoffen, dass uns in Zukunft neue Regelungen und Gesetze nicht die Arbeit erschweren.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

DJ Mushroom (Foto credit: Ursula Leitgeb)
DJ Mushroom (Foto credit: Ursula Leitgeb)

Die Wiener Technoszene, der wir uns verbunden fühlen, ist nach wie vor recht überschaubar, aber immerhin seit ein paar Jahren wieder lautstark präsent. Die Community, die bei Partyreihen wie Maschinenraum, Kanal Royal oder Meat Market die Dancefloors füllt, ist entsprechend dedicated und musikalisch anspruchsvoll. Wiener Labels wie Bare Hands, Noiztank, Schwartz, Minimalsoul, Felga Ltd., Yoshi oder Mego haben unseren vollen Respekt und Support.

Im internationalen Vergleich fällt auf, dass in Wien generell wenig Wert auf gute Tonanlagen gelegt wird. Ein Sound auf Kneipenniveau macht die adäquate Präsentation elektronischer Musik nicht einfacher. In diesem Bereich hat unsere Stadt definitiv Aufholbedarf. Voraussetzung dafür wäre natürlich zuerst mal ein Wegfallen bürokratischer Schikanen sowie das politische Bekenntnis zu einer lebendigen urbanen Musikszene auch abseits der subventionierten Festivals.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Alle unsere Veranstaltungen waren für uns Highlights, auf die wir gerne zurückblicken. Ein Tisch voller Equipment, ein angenehm gefüllter Club und gute Stimmung sind für uns Dinge, an die wir uns gerne erinnern.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten

Unangenehm sind für uns Momente, bei denen sich Leute nicht angemessen verhalten. Von Taschendiebstählen über Agression bis zu sexueller Belästigung haben wir schon einiges miterlebt. Solche Leute werden, sofern wir sie erwischen, umgehend nach draussen befördert.

Mühsam können sich auch Preisverhandlungen an der Kassa gestalten, zumal sich bei uns niemand persönlich bereichert und beim MR schon sehr lange eine Newsletter-Aktion läuft, bei der allen, die sich dort einmalig anmelden, immer ein reduzierter Eintrittspreis garantiert wird!.

Zosima (Foto credit: Ursula Leitgeb)
Zosima (Foto credit: Ursula Leitgeb)

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Mit den Künstlerinnen und Künstlern hatten wir bis jetzt überwiegend positive Erfahrungen.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Wir wollen von dem ausgehen, was wir haben und nicht von “was wäre wenn”. Teure Bookings sind kein Garant für den Erfolg einer Party. Wichtiger ist uns eine konsequente musikalische Ausrichtung, die auch von der Crowd am Dancefloor honoriert wird.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Wir setzten unsere Reihe im Werk jeden vierten Freitag im Monat fort und bleiben unserer Linie treu. Geplant sind spannende Kollaborationen mit anderen Veranstaltern. Verstärkt werden wir den Focus auf unsere Residents, Locals und Newcomer setzen. Internationale Acts wird es auch geben.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Die neue Seite macht einen modernen, übersichtlichen Eindruck. Wir finden es schade, dass niemand von uns bei der 30 Wiener DJ Liste dabei ist.

Das hoffen wir hiermit gebührend nachgeholt zu haben – dass Tilo Stahl wie auch die restliche Crew auf jeden Fall zum Besten gehören, was Wien in Sachen Techno zu bieten hat, stellt er im nachfolgenden Mix unter Beweis! Wer nun auf den Geschmack gekommen ist trägt sich am besten gleich in besagten Newsletter ein und feiert zum Beispiel am Freitag, 27. November, zum Spezialpreis: Wie jeden vierten Freitag im Monat gastiert der Maschinenraum da nämlich im Werk, diesmal mit Verstärkung aus Frankfurt in Form der DJs Plague, Pentaton und Maus!

 

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Funkroom

Im Club mit: Funkroom (Interview + Mix)

Es ist kein Geheimnis, dass Techno und House – in Wien wie so ziemlich überall auf der Welt – mit den Jahren durchaus zu einem nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor geworden ist. Und so erfreulich die weiterhin steigende Reichweite für eine ehemals verkannte Subkultur grundsätzlich sein mag, ruft sie naturgemäß auch Mengen von Trittbrettfahrern auf den Plan und es entsteht eine Kluft zwischen jenen Szene-Protagonisten, die aus niederen Motiven wie wirtschaftlichem Erfolg oder gesellschaftlichem Status aktiv sind und solchen, denen man das Herzblut bei jeder Kickdrum anhört. Zu letzterer Gattung darf man die Burschen vom Funkroom getrost zählen, die seit Jahren mit nahezu fanatischer Begeisterung Platten sammeln und auflegen, internationale Acts mit ebensolchen Ambitionen in die Stadt holen, sich dabei durchaus in Understatement üben und inmitten des Marketing-Trubels lediglich vereinzelt lauter zu hören sind – einfach, weil es ihnen dermaßen wichtig ist. Viel mehr Realness geht nicht. Grund genug, Roli alias Rol:e und Oli alias Moxx im Zuge unserer Interview-Serie auszufragen!

Funkroom – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Wir sind ein Kollektiv aus Künstlern, DJs, Musikproduzenten und Plattensammlern. Gemeinsam veranstalten wir Partys, tauschen Know-How aus und pflegen unsere Freundschaft.

Seit wann ist Funkroom im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Roli: Wir kennen uns aus der Clubszene. Der gemeinsame Gedanke, dass wir die Wiener Partyszene bereichern können, führte letztendlich dazu, dass wir Funkroom ins Leben gerufen haben.

Oli: Seit 2008 ca., als ich mir ein Mixtape vom Schicki angehört habe und mit ihm zusammenarbeiten wollte. Angefangen haben wir mit Einzelveranstaltungen, als die Crew dann größer wurde, sind wir auf eine monatliche Partyreihe umgestiegen.

Moxx (Funkroom) @ Club Auslage
Moxx (Funkroom) @ Club Auslage

Und wie sieht es bei Funkroom aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Roli: Vor 3-4 Jahren starteten wir unsere monatliche Partyreihe, welche nach einem halben Jahr in den Club Auslage übersiedelte. Im Moment veranstalten wir Afterparties in Off-Locations und hosten diverse Clubnights. Aktuell immer nachzulesen auf www.funkroom.net.
Ein Auszug unserer Philosophie beschreibt unser musikalisches Konzept ziemlich genau: “We aim to live pure dj culture by presenting artists who play extended sets, that reflect diverse styles and a broad spectrum of music.”

Oli: Neben musikaffinem Publikum sind natürlich alle weiteren Ausgeher herzlich eingeladen bei uns vorbeizuschauen. Prinzipiell ist jeder willkommen, der gerne unserer Musik lauscht und einen Abend mit netten und offenen Menschen verbringen möchte. Diskriminierung jeglicher Art hat jedoch keinen Platz bei uns.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Oli: Natürlich nicht… Die Gründe, weswegen wir Partys veranstalten sind keine monetären, sondern vorwiegend gesellige und musikalische.

Roli: Die Quelle meiner Motivation sind meist neue Platten und die Performances von Kollegen.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Oli: Es gibt einige seriöse Veranstalter, die ihr Bestes geben, um den Gästen ein tolles Programm zu bieten und interessante Künstler buchen. Mit denen wollen und werden wir auch zusammenarbeiten. Bei einigen kann ich jedoch nicht von einer Entwicklung sprechen, wenn seit Jahren immer dieselbe, hirnlose Musik gespielt wird… Ich würde mir generell mehr Offenheit und Toleranz gegenüber ausgefallener und artifiziellerer Tanzmusik wünschen.

Roli: Es gibt Licht und Schatten. Privat besuche ich gerne Veranstaltungen von Maschinenraum, Ascending Waves, Turbo oder die Klubnacht in der Pratersauna.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Oli: Silvester 2014 @ Metz. Das war eine unfassbare sicke Party… Gerne blicke ich auch auf einige Partys in der Auslage vor dem Umbau zurück. Ich bin im Nachhinein froh, dass wir dort veranstaltet und viele neue Leute kennengelernt haben.

Roli: Ich erinnere mich gern an Steve Rachmad und Dario Zenker in der Auslage.

Moxx & Rol:e (Funkroom)
Moxx & Rol:e (Funkroom)

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Oli: Nachhause schicken und -fahren nach der Party.

Roli: Montagmorgen.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Oli: Auch wir entwickeln uns musikalisch weiter… trotzdem bereue ich keines unserer Bookings. Unsere Gäste waren sehr freundlich und wir hatten eine gute Zeit.

Roli: Die waren eigentlich alle sehr umgänglich 😉

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Roli: Jeff Mills, Mad Mike, Robert Hood @ Grelle Forelle

Oli: Stinson @ Planet Mars, open air

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Oli: Wir konzentrieren uns derzeit vor allem auf unser YOSHI Label. Hier und da übernehmen wir ein Hosting oder bespielen das Metz. Es wird aber weitere Veränderungen geben, über die wir noch nichts Konkretes berichten können.

Roli: Überraschung.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Oli: Eventuell eine Eventsektion verlinkt mit dem Artist-Profil, um live Termine auszuchecken.

Roli: Einen Downloadbutton.

Funkroom gehört praktischerweise zu jenen Veranstaltern, die wir gar nicht erst um einen aktuellen Mix bitten mussten – sie sind bei der Verbreitung ihrer musikalischen Message ohnehin so konsequent, dass der regelmäßige Mix-Upload auf Play.fm zur Selbstverständlichkeit gehört. Daher sei an dieser Stelle auf diese angenehm umfangreiche Sammlung an Mixes und Mitschnitten verwiesen, die es aus dem Funkroom ins Internet geschafft haben – Zeit nehmen lohnt sich, jeder einzelne ein Juwel! Wer mehr davon hören möchte hat dazu am 21. November in der Grellen Forelle Gelegenheit, wo Moxx den Support für Ryan Elliott übernimmt, sowie bei der Yoshi Label Night am 28. November im Metz mit Buffered Multiple – dem Techno-Moniker von Microthol!

Mixes by Funkroom on play.fm

 

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Prasselbande

Im Club mit: Prasselbande (Interview + Mix)

Die Prasselbande darf man getrost zu jenen Crews zählen, die in den letzten paar Jahren am meisten Schwung in die Wiener Clubszene gebracht haben – und das obwohl sie sich musikalisch so überhaupt nicht festlegen mag. Auf ihrer monatlichen Haus- und Hofparty, dem Bande à Part im Cafe Leopold, darf man zwischen Hip Hop, Beats, Disco, House, Grime und Bass Music so ziemlich alles erwarten, was Spaß macht. Wodurch sich die Prasselbande denn definiert erzählen uns Matija, Markus, Jakob und Dominik im Interview!

Prasselbande – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Matija: Wie bei jeder Schulband hatten auch wir den Namen bevor wir überhaupt wussten, was und wie und wo.

Markus: Wer für was zuständig ist, wissen wir selbst nicht so genau, aber meistens schaffen wir es die Arbeit gut aufzuteilen, so dass niemand einen Monat schlafen kann ohne für unsere Parties zu arbeiten.

Dominik: Prasselbande bedeutet Freundschaft, Freiheit, Gleichberechtigung, Spass, Liebe und Frieden. Ein Kreis an Freunden, der sich nicht allzu ernst nimmt, aber sehr gern hat. Der harte Veranstalterkern beschränkt sich dabei auf Matija, Jakob, Markus und mich. Jeder von uns hat über die Jahre eine eigene Rolle bei der Bande eingenommen, ohne dass es einem gleich bewusst war. Wie es halt unter Freunden ist, hat jeder unterschiedliche Stärken und Schwächen, und anhand dessen haben sich dann auch die Aufgaben herauskristallisiert. Dennoch fällen wir jede grössere Entscheidung nach dem Mehrheitsprinzip. Da wir zu viert sind kann es aber manchmal auch länger dauern bis wir alle gleicher Meinung sind.

Seit wann ist Prasselbande im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Prasselbande und Bande à Part - was Sie bisher versäumt haben...
Prasselbande und Bande à Part – was Sie bisher versäumt haben…

Markus: Wir sind mehr oder weniger zufällig zusammen gekommen und haben uns einfach von Anfang an gut verstanden. Die Partys waren ein Weg selbst aufzulegen und unseren Freunden für wenig Eintritt viel zu bieten.

Dominik: Um es genauer zu sagen war Prasselbande zunächst eine Zusammenwürfelung an neuen Leuten die sich auf Anhieb gut verstanden haben. Das Wort Prasselbande ist an einem durchtanzten Abend zufällig erwähnt worden. Als wir dann die erste Party organisiert haben war zunächst nicht mal klar, wer dann wirklich im Organisationsteam dabei ist. Erst nach der 3. oder 4. Veranstaltung sind wir zusammen bei einem Bier zum Entschluss gekommen: “Jungs, es macht Spass, wir sind Freunde geworden und es funktioniert toll, lasst es uns öfters machen”. Nachdem unterschiedliche Freundeskreise zusammengekommen sind waren wir quasi die Bande, bei der sich alle ungezwungen wiedersehen und gemeinsam feiern konnten.

Und wie sieht es bei Prasselbande aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Matija: Natürlich steht bei unseren Events meistens die Musik im Vordergrund, zumindest wirkt es so nach außen. Mindestens genauso wichtig ist für uns aber auch, dass wir einen Abend schaffen, an dem jede/r Spaß haben kann. Es soll ein Abend sein, der mit dem Eintauchen ins Wiener Nachtleben Abstand vom Alltag schafft; nette Leute und gute Musik inklusive.

Markus: Wir binden am liebsten MusikerInnen und DJs ein, die für uns einen spannenden Sound verfolgen. Dies ist auch gar nicht an ein bestimmtes Genre gebunden, da dies alles was wir tun extrem eingrenzen würde. Innovation im Bezug auf die performte oder gespielte Musik und Genre-Nichen, die ansonsten vielleicht keinen oder nur wenig Platz in Wien bekommen würden, finden wir besonders spannend.

Jakob: Wir freuen uns auf ein Publikum bestehend aus musikaffinen, offenen und experimentierfreudigen Menschen, die sich mit unserem Konzept & Booking anfreunden können. Solche, die das noch nicht tun, sind auch herzlich willkommen, vielleicht können wir sie ja auf den Veranstaltungen noch von unseren Bookings und musikalischen Vorlieben überzeugen.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Matija: Wir können das, was wir selber gerne machen, mitgestalten. Das ist doch Motivation genug. Vor Probleme werden wir oft durch teure Mieten und die Politik der Clubs gestellt, die das Risiko auf den Veranstalter abwälzen wollen. Hier sehe ich noch deutlich mehr Potential zur engeren Zusammenarbeit.

Markus: Davon leben können wir sicher nicht, ist aber auch glaub ich nicht unser Ansporn, sonst müssten wir wesentlich öfter veranstalten und auch kommerzieller buchen. Außerdem wird einem durch hohe Mieten in den Clubs, Gagen die am englischen Markt orientiert sind (Pfund → Euro), die Vergnügungssteuer und den Mangel an Clubs in mittlerer Größe (300-500 Leute) das Leben nicht immer einfach gemacht.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

"Peace, love, happiness and partys" - die Eigendefinition der Prasselbande
“Peace, love, happiness and partys” – die Eigendefinition der Prasselbande (Foto credit: Dominik Geiger)

Matija: Es gibt Stimmen, die meinen, in Wien gäbe es zuviele Veranstaltungsreihen. Da frag ich mich, was daran das Problem sein sollte? Das zeigt doch nur, dass die Stadt sehr viele junge Leute hat, die Lust darauf haben, etwas zu machen. Am schönsten finde ich es, wenn kleine Veranstaltungen, die sich etwas trauen, mit Erfolg belohnt werden, wie zum Beispiel Basic Rhythm, Pomeranze oder Erdbahnkreuzer. Würde die Stadt nicht einen Club nach dem anderen zudrehen könnte Wien international so zu einer großartigen Clubstadt werden. Sehr viele TouristInnen kommen wegen der Oper, wenige wegen den Wiener Clubs – das könnte man doch ändern.

Markus: Ich glaube, das Problem liegt auch darin, dass die Politik nicht erkennt welche Chance – besonders für die Tourismusbranche – für eine Stadt wie Wien bestünde, wenn sie Clubs, VeranstalterInnen und auch den Feiernden nicht andauernd Steine in den Weg legen würde (wie zum Beispiel absurde Lärmbestimmungen, Vergnügungssteuer again und unfaire Strafen), sondern eine gut aufgestellte, organisierte Musikszene unterstützt und die Stadt damit zu einem international attraktiven Standort für eine internationale, breite Musikcommunity werden lässt. Gelunge Veranstaltungsreihen und Kollektive wie Bliss, Canyoudigit, Belegschaft oder disko404 in Graz und auch MusikerInnen und Produzenten rund um die Affine-Riege, Mieux, Franz Ganz, B.Visible und Franjazzco gibt’s zu Genüge in Wien. Es müsste nur endlich auch richtig wertgeschätzt werden.

Dominik: Blicke ich 10 Jahre zurück, dann erkenne ich Wien nicht mehr wieder. Es ist offener, belebter und vielfältiger geworden. Man merkt, dass Wien sich durchaus eine Eventstadt nennen darf. Leider gibt es auch Verbesserungspotential was rechtliche Hürden anbelangt, die international gesehen in Städten wie London und Berlin viel geringer und konkreter sind. Alleine die Vergnügungssteuer, die mehr Personalkosten verursacht als sie Einnahmen generiert, sowie die Ausländersteuer könnten durchaus abgeschafft werden um den Markt zu beleben – und so könnte die Stadt einen positiven Beitrag zur kulterellen Vielfalt leisten.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Markus: Das schönste ist wenn man es schafft, die Leute mit Musik zum Lachen und Tanzen zu bringen und viele bekannte Gesichter auf den eigenen Veranstaltungen zu sehen. Die schönsten Parties waren mitunter nicht die finanziell erfolgreichsten, und umgekehrt waren jene mit wenigen BesucherInnen oft wirklich schöne Abende, wo fast alle Leute die um vier noch da waren auch bis sechs blieben und gemeinsam der Musik gehuldigt haben.

Jakob: Kann dem Markus nur beipflichten, Highlights gibt es viele, jedoch das Schönste ist einfach wenn die Leute bis zum Schluss bleiben und sich mit einem Grinser im Gesicht die letzte Nummer auch noch anhören. Mit Jamie XX auf der eigenen Party zu spielen war aber auch nicht schlecht (:

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Jakob: Die Momente, wo man gegen 0:30 Uhr noch ein wenig nervös ist, da noch nicht viele Leute da sind, aber du weißt es wird noch.

Markus: Wenn man im Clubleben aktiv ist, muss man sich immer wieder neu erfinden, drehen, wenden und dennoch seinem eigenem Musikgeschmack treu bleiben. Dass dies manchmal auf Widerstand – zum Teil – aus dem eigenen Freundeskreis stößt und manche experimentellere Bookings einfach nicht so angenommen werden wie andere, kann ganz schön ermüdend werden. Innovation wird in diesem Sektor auch in Besucherzahlen gemessen nicht immer belohnt, weshalb sich viele VeranstalterInnen musikalisch auch nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen. Dies kann zum Teufelskreis werden und bremst die Entwicklung einer vielfältigen Clubkultur. Zum Glück gibt’s dann in Wien doch einige sehr motivierte VeranstalterInnen, denen dieser Vorwärtsgedanke wichtiger als der finanzielle Erfolg ist und die für die Vielfalt, ein Lächeln und ein paar Schulterklopfer sehr gerne auf den neuen Bugati verzichten.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Markus: Da wir eigentlich in all den Jahren kaum einen internationalen Act doppelt gebucht haben, auch weil wir ständig auf der Suche nach neuen KünstlerInnen sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass wir bei unseren monatlichen Veranstaltungen jemanden wieder holen. Das heißt aber nicht, dass dies nie passieren wird.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Matija: Vielleicht wie eine riesige WG-Party, nur mit guter Musik und ohne Nachbarn, die um Mitternacht die Polizei rufen.

Markus: Eine Party im alten Morisson mit befreundeten DJs, die Anlage etwas aufgestockt, Javi hinter der Bar, bummvoll, der Schweiß rinnt von den Wänden, nur musikalisch vielleicht etwas anders als damals. (:

Dominik: Ich würd alle wortwörtlich auf eine Reise schicken. Ein Bus ins Unbekannte, eine Burg, Ruine oder ähnliches, mitten in der Natur mit Off Location Floors, Wodka, Fackeln, Essen,Film, Kunst, Live, Essen Tanz. Ein Traum 🙂

Jakob: Jacuzzi, 69. Floor, GreyGoose Brunnen, ein schier unendlicher Vorrat an Minze und zu guter letzt Danny Brown b2b Goldlink!

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Markus: Wir haben bereits zum Saisonstart von Bande À Part im September eine neue visuelle Identität präsentiert und auch die musikalische Ausrichtung etwas verändert. Soviel sei verraten: Es wird auch weiterhin breit gebucht, ob das jetzt Gqom, Grime, House, Disco, Techno oder Acid ist, wird sich von Party zu Party unterscheiden.

Dominik: Wir haben für 2016 einiges vor, denn über die letzten Jahre haben wir uns meiner Meinung nach schon fast zu stark auf Bande À Part konzentriert, so dass bestehende Projekte vernachlässigt wurden. Das wird sich kommendes Jahr definitiv ändern. Zudem sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir neues ausprobieren wollen – und das nicht nur musikalisch, sondern auch konzeptuell. Wir haben zum Beispiel einen Film-Blog mit von uns geprüften Filmen, bei welchem wir Film und Filmmusik neu erleben lassen wollen. Auch mit Bande À Part beginnen wir neue Kooperationen einzugehen, wie mit der diesjährigen Viennale. Belleville haben wir im Frühjahr in der Pratersauna in die Pause geschickt, aber über die letzten Monate ist es bei uns wieder ein Thema geworden, denn hier können wir Bookings machen, die wir uns mit einer anderen Veranstaltungreihe nicht trauen würden. Wer bei der Gestaltung und Umsetzung neuer Konzepte mitwirken will, kann sich jederzeit bei uns melden. Denn 2016 wird mit neuer Energie ein gutes Jahr.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Markus: Ich finde es sehr schön, dass Play.fm sich die Mühe macht und Zeit nimmt auf die verschiedensten VeranstalterInnen Wiens einzugehen und so etwas wie einen Querschnitt erstellt. Das macht die oft unüberschaubare “Szene” wieder etwas kleiner und dadurch greifbarer. Außerdem wird Soundcloud wie es aussieht bald nicht mehr als DJ-Plattform genutzt werden können, da ist es mehr als zu begrüßen, dass Play.fm als Wiener Firma hier eine wunderbare Alternative bietet. Vielen Dank dafür!

Neben dem Interview waren Markus, Dominik und Matija alle drei so nett, uns jeweils einen Mix und damit zumindest einen Teil des schier unendlichen musikalischen Spektrums der Prasselbande zur Verfügung zu stellen. Und schier grenzenlos geht es gleich bei der nächsten Bande à Part Veranstaltung am 21. November im Cafe Leopold weiter – mit so spannenden wie unterschiedlichen Acts wie dem Südafrikanischen Affine-Import Okmalumkoolkat, dem Wiener Beats-Export B.Visible und Canyoudigit-Resident Antonia!

150++ by on play.fm

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!

HAM

Im Club mit: HAM (Interview + Mix)

Der Editor dieser Zeilen kann sich auch nur mehr ungefähr dran erinnern, als vor etwa drei Jahren ein Facebook-Event mit spärlicher Information (viel mehr als die viel zu kleine Location, der Titel HAM und der Hinweis, dass es eine Rap-Party wird, war nicht zu entnehmen) ähnliche Attending-Ausmaße annehmen sollte wie jene privaten Geburtstagsfeiern von Teenagern, die tags darauf wegen Eskalation und Polizeihubschrauber-Einsatz in die Schlagzeilen kommen. Der Rest ist Geschichte und bei den vielen HAM-Nächten seither hat sich daran nichts geändert – bis vielleicht auf die Größe der Locations. Nunmehr eine feste Größe im Wiener Veranstaltungsdschungel und eines der verlässlichsten Brands für guten Hip Hop erzählen uns die Macher hinter HAM mehr über sich und ihre Partys!

HAM – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Wir spielen hauptsächlich Rap und irgendwie ist jeder für alles zuständig. Wir haben fließende Hierarchien, wie in jedem Startup. Einer kümmert sich halt mehr um die Technik, der andere mehr um Veranstaltungen, der dritte um die Drinks, aber im Grunde haben wir nie festgelegt, wer was macht.

Seit wann ist HAM im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Seit 3 Jahren. Wir wollten einfach Musik im Club spielen, die uns gefällt und die so gar nicht gespielt wurde. Wir dachten, dass eventuell noch 50 Leute vorbeischauen. Es waren dann doch ein paar mehr, zu unserem Glück.

Und wie sieht es bei HAM aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Wir versuchen alle 2-3 Monate eigene Veranstaltungen zu machen und dazwischen legen wir bei jedem auf, der uns mag und uns booked. Wir spielen noch immer sehr viel Rap, aber auch, was man gemeinhin als Future Beats bezeichnet. 80er und Yacht Rock sind sowieso immer super. Publikum? Haben wir uns so konkret nie überlegt – Hauptsache der/die will eine gute Zeit verbringen.

HAM mit S-Type in der Fluc_Wanne
HAM mit S-Type in der Fluc_Wanne

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Wir müssen zum Glück nicht davon leben. Wir machen das alles eher aus Spaß an der Freude plus Work-Life-Balance und so. Das ist auch was uns motiviert. Wir spielen einfach gerne Musik, am liebsten mit properer Anlage. Und da ist das Problem in Wien: Locations. Wir hätten echt gerne einen netten Club mit gutem Sound für ca. 400 Leute. In Graz gibt es sowas, in Wien leider noch nicht wirklich.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Wir hätten gerne die Grazer Postgarage in Wien. Aber im Ernst, Wien ist super. Was Partys angeht, so finden wir es gut, dass möglichst viele Menschen möglichst viel machen, hoffen aber auch, dass Leute wissen was Inflation ist und zu viele Partys dann irgendwann auch einfach zu viel werden. Aber uns ist das fast egal. Wir wollten wie gesagt anfangs für uns und 50 Heinzeln Rap spielen.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Wir wollten im Grunde S-Type booken und mit Just Blaze auflegen. Haben wir beides geschafft. Jetzt müssen wir uns neue Ziele setzen: Ein Shout-Out von DJ Khaled zum Beispiel oder ein Montag Abend mit DJ Esco.

Der HAM Styrofoam Cup - langjährigen Fans noch gut in Erinnerung!
Der HAM Styrofoam Cup – langjährigen Fans noch gut in Erinnerung!

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Um es mit den Worten von King Kool Savas zu sagen: “Wieso wollen manche **** einfach nicht verstehen was Rap ist.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Wir hatten bis jetzt 3 wirkliche Bookings, The Clonious, Twin Towas und S-Type. Würden wir jedes mal wieder machen.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

DJ Esco legt auf und Celo & Abdi hosten.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?
Wir sind eine Überraschungstüte. Wir werden es gemeinsam rausfinden.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Ganz klar: Finden wir super!

Eine genauere Vorstellung, wie HAM so klingt, bekommt ihr im folgenden Mix – wie sie es selbst umschreiben eine “Ansammlung von unseren Lieblingskünstlern, Local OGs und Jungs die wir sonst Klasse finden”! Live erleben kann man das Ganze als allernächstes am 20. November im zuletzt wieder entdeckten Aux Gazelles, wo es neben den HAM-Residents den Beat-Produzenten Eric Dingus aus Austin zu bestaunen gibt – und danach am 5. Dezember im Cafe Leopold in Kooperation mit BLVZE und Jon Phonics aus London zu Gast.

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!

Sweet Heat

Im Club mit: Sweet Heat (Interview + Mix)

Zeichnet sich die Clubszene in Wien wie auch andernorts größtenteils durch Zuordenbarkeit, klar abgegrenzter Genre- und Subkultur-Zugehörigkeit und einem Maß an Vorab-Promotion aus, durch das man schon vor Einlass ganz gut weiß worauf man sich einlässt, gibt es hie und da doch Überraschungen, schwer bis Undefinierbares und Veranstaltungen, bei denen gar zu engstirnige Musikfanatiker meinen könnten, man wüsste gar nicht, wofür die genau stehen – während jene, die schlicht eine schöne, aufregende Zeit verbringen möchten, davon schwärmen, dass dort alles passieren könne und mit höchster Wahrscheinlichkeit auch wird. Ein solches Phänomen hat sich in der lokalen Szene über die letzten Jahre in Form von Sweet Heat gebildet – anfangs und die längste Zeit über in der Bar der Kunst- und Kulturstätte brut und damit auch eher einer Off-Location als einem dezidierten Musik- und Szeneclub, zuletzt in wechselnden Locations quer über die Stadt verteilt. Über das Leben, Wirken und vor allem Veranstalten in Wien haben uns die beiden Schöpfer dieses wundersamen Projekts Rede und Antwort gestanden.

Sweet Heat – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?
Hinter Sweet Heat stecken zwei Jungs: Agent Well und A++. Wir machen alles gemeinsam, vom Auflegen über das Booking bis hin zur Selektion der Visuals. Nur die Flyerherstellung haben wir ausgelagert an die großartige Lena Gold.

Seit wann ist Sweet Heat im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Sweet Heat ist seit bald 5 Jahren im Wiener Nachtleben aktiv, dazu gekommen ist es über Haiko, der damals Chef der Brut Wien war. Die Partyschiene steckte dort damals noch in den Kinderschuhen und er war gewillt, etwas Neues auszuprobieren. So kam es zu regelmäßigen und immer ausschweifenderen Parties.

Sweet Heat - die Hall of Fame...
Sweet Heat – die Hall of Fame…

Und wie sieht es bei Sweet Heat aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

In der Brut wird es bis auf weiteres keine Sweet Heat Parties mehr geben, das ist natürlich ein herber Verlust für uns; wir haben uns dort immer sehr wohl gefühlt. Sweet Heat wird für die nächsten Monate ein wenig herumtingeln: Im Oktober waren wir im Heuer zu Gast, im November bespielen wir das Leopold und das Celeste. Wir spielen grundsätzlich lieber in kleineren Locations, da ist es intimer und die Party oft umso intensiver.

Musikalisch bewegen wir uns zwischen House, Bass und HipHop, vielleicht geben wir noch einer Prise Disco dazu. Es war uns immer wichtig, zu spielen, was wir gut finden, ohne allzusehr auf Genres zu achten. Bester Wegweiser war immer unser Geschmack und eine gewisse Durchmischung.

Grundsätzlich sollte Sweet Heat haupsächlich eines sein: N i c e. Ein netter Abend in sympathischer Umgebung. Wer bloß zuhören will, bekommt spannendes Zeug geliefert, wer wegen des Tanzens da ist, kommt auch auf seine Rechnung. Rummachen geht sowieso immer.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Bei einem Eintrittspreis von 4-5€ sind unsere Parties nicht wirklich auf finanziellen Erfolg ausgelegt. Es geht hauptsächlich darum, Kosten zu decken, genug übrig zu haben, um vernünftige Bookings zu machen und diese auch fair zu entlohnen. Schließlich soll das ganze ja Spaß machen. Die Motivation kommt aus der Liebe zur Musik, der Möglichkeit, talentierten Artists eine Bühne zu bieten und, am allermeisten, aus der Freude, die ein gut unterhaltenes Publikum bei einer spannenden, unaffektierten Party ausstrahlt.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Es kann nie zu viele gute Veranstaltungen geben. Wien hat eine prächtig gedeihende Clubszene, die aus dem Zusammenspiel kreativer Djs, guter Veranstalterinnen und einem interessierten Publikum erwächst. Ein internationaler Vergleich ist nie ganz einfach: Schön in Wien ist natürlich die Unaufgeregtheit, es gibt kaum lange Schlangen, Dresscodes oder pöbelnde Türsteher. Selbst international anerkannte Stars wie z.B.: Mieux, Salute oder die Affine Crew können in diesem Umfeld gut gedeihen.

Schlecht ist natürlich die Tendenz, Clubs mithilfe von Lärmbeschwerden und unnötig komplexen Auflagen aus dem Stadtgebiet an die Peripherie zu drängen oder ganz zum Aufgeben zu bewegen.

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Salute bei Sweet Heat in der brut

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Wir erinnern uns gerne an Parties, die entstehen, wenn spannende Bookings und ein sympathisches Publikum aufeinandertreffen. Da gab es international bekannte Größen wie Salute, Dip Some, Lockah oder B.Visible, lokale Djs wie H∆NN∆, Mike Burns oder Testa und auch untypische Bookings, wie zB Vitus, der aus Nigeria stammende Lenker des Funky Taxi. Spaß hat es auch immer gemacht, mit anderen Clubs und Veranstaltern zu kooperieren, wie z.B. dem großartigen Salon 2000, dem ImPulsTanz oder mit den Game Designern vom ZAMSpielen, die bei uns ihre neuesten Kreationen gezeigt haben.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?
Die schwierigen Momente sind, so geht es wohl allen Veranstaltern, wenn man ein tolles Booking auf die Beine gestellt hat und das Publikum ausbleibt. Meistens kann man die Faktoren gar nicht genau festmachen: Die Theorien reichen dann von alternativen Parties, Wetter, Ferien, Prüfungen, Vollmond bis hin zu kosmischer Strahlung.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Wir haben lange überlegt und eigentlich gab es diese Bookings einfach nicht. Wir dürften wohl ein glückliches Händchen haben…

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Die Parties würden ähnlich aussehen, wir würden wohl ein wenig mehr Geld für Konfettikanonen und Welcome Drinks ausgeben und weniger Eintritt verlangen. Einladen würden wir dann wohl gerne Fatima Al Quadiri, Jamie xx, J’ai Paul, Sophie, Blood Orange. Die legen dann back to back auf.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Wir werden so weitermachen wie bisher, spannend wird für uns, wo wir unsere neue Heimat finden werden, aber bis dahin: Sympathische Parties, spannende Bookings.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Schön ist die. Und umfassend. Für Veranstalter wäre es wohl spannend, wenn die Seite ein möglichst komplettes Bild von den Parties vermitteln könnte: Location, Datum, Mix, Event link etc. Aber das ist vielleicht ein wenig viel verlangt…

Klingt spaßig? Ist es auch! Das breite musikalische Spektrum, mit dem die Resident und ihre wechselnden Gäste bei Sweet Heat epische Abende vertonen, lässt sich naturgemäß schwer in einer einzigen Hörprobe abbilden – der Versuch von Agent Well und A++, es dennoch zu tun, ist deshalb auch nicht weniger als zwei Stunden lang geworden. Mehr davon schon demnächst irgendwo in dieser Stadt, womöglich gleich bei dir ums Eck..!

 

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Deep Baked

Im Club mit: Deep Baked (Interview + Mix)

Galt “Deep” vor nicht allzu langer Zeit als ein Umstandswort für Musik, deren Zauber eigensinnigen Einzelbrötlern vorenthalten und im Clubkontext schwer bis unmöglich vermittelbar schien, kann es selbst dem gängigsten EDM-Großevent aktuell nicht groß genug auf den Drucksorten stehen. Der inflationären Ausschlachtung des Begriffs zum Trotz füllt die Crew von Deep Baked derzeit mit hochqualitativen Bookings ganze Hallen – im Sass oder der Grellen Forelle hosten sie so illustre Acts wie DixonBarnt oder Ten Walls (ja, wir wissen – dazu später mehr) – was sie genau tun, wie und warum sie es tun und wie sie sich in dieser Stadt damit tun erzählen uns die sympathischen Jungspunde im folgenden Interview!

Deep Baked – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Eins vorweg, wir sind nicht alle eingeschworene Pottheads. Den Begriff „Deep“ in unserem Namen assoziieren wir nicht mit irgendeinem Musikgenre. Der Name ist uns einfach mal in einer lustigen Runde in den Sinn gekommen und er prägt sich einfach sehr schnell bei den Menschen ein. Es ist einfach nur ein Name!

Unseren allgemeinen Fahrplan und Themen wie: Bookings, wie viele Dates im Jahr etc. bestimmen wir als Crew gemeinsam. Die Grafiken macht immer Baha, der schüttelt das mit links aus dem Ärmel. Klassische Back-Office Arbeit wie Bookings/Korrespondenz mit Agencies etc., machen Aleksej und Francis. Ferenc übernimmt am Tag und vor allem am Abend der Veranstaltung die meiste Arbeit. Ralf ist unser „Finanzminister“ und wird intern gern auch als DJ Grasser bezeichnet.

Wenn es um Street-Promo, wie z.B. das allseits unbeliebte Plakatieren geht, läuft es sehr demokratisch ab. Alle müssen mal ran! (Auf der Straße munkelt man, Aleksej sei der beste Plakatierer Wiens.)

Die "Wall of Fame" der Deep Baked Veranstaltungen - diese und noch mehr Highlights hat die Crew bereits nach Wien geholt!
Die “Wall of Fame” der Deep Baked Veranstaltungen – diese und noch mehr Highlights hat die Crew bereits nach Wien geholt.

Seit wann ist Deep Baked im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Wir haben keine Plattensammlung oder DJ-Tools geerbt bekommen, sondern waren einfach sehr gern in den Wiener Szene-Clubs unterwegs. Unser großes Musikinteresse hat dazu geführt, dass wir uns DJ-Equipment für zu Hause gekauft haben – ein Mixer und zwei Plattenspieler. Die Vorstellung und der Wunsch in einem Club zu spielen war sehr bald da. So kam es zu unseren ersten „Gigs“ im Deli, Donau Techno etc. Nach einer spontanen Party im Werk, die wir binnen sieben Tagen auf die Beine gestellt haben, und am Ende so ein Erfolg war, dass dem Club das Bier ausging, waren wir motiviert weiterzumachen. Kurz darauf hatten wir unser Kick-off-Event als Deep Baked im Sass. Mit wachsender Community wurden auch die Events größer, und irgendwann fanden wir uns selbst mitten in der Wiener Szene. Nächstes Jahr im April feiern wir unser offizielles Dreijähriges in unserem Stammclub Grelle Forelle.

Und wie sieht es bei Deep Baked aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Grundsätzlich veranstalten wir ungefähr alle zwei Monate im Club Grelle Forelle, dazwischen nach wie vor im Sass. Zusätzlich hosten wir regelmäßig bei diversen Veranstaltungen einen Floor, dadurch sind wir das ganze Jahr ganz gut eingedeckt.

Über unser musikalisches Konzept könnten wir ein ganzes Essay schreiben. Fassen wir’s mal so zusammen, dass man uns schwer in eine Schublade stecken kann, so klischeehaft das nun klingen mag. Wir sind fünf Leute mit jeweils fünf verschiedenen Vorlieben. Manche mögen es percussion-getrieben, der andere mal technoider oder auch vollbepackt mit Synthies. Wir begeistern uns aber gerne immer wieder aufs Neue für aktuelle Stilströmungen, das ist ein wichtiger Teil unseres Konzepts, und prägt unsere Herangehensweise bei den Events und Sets. Auf alle Fälle vermeiden wir es, viel zu viele Sub-Genres in ein Set zu packen. Ein Set muss eine Geschichte erzählen, keinesfalls jedem Geschmack entsprechen. Genau aus diesem Grund, sprechen wir jene Leute an, die diese Überzeugung teilen.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Selbst ohne Vergnügungssteuer, könnten wir zu fünft nicht davon Leben. Es war von Anfang an klar, wir machen dass alles nur aus idealistischen Gründen und aus Spaß. Wir haben alle unsere Berufe bzw. studieren nicht im Bereich Eventmanagement. Wir finden, wenn man als Veranstalter davon leben muss, besteht die Gefahr, dass die Qualität darunter leidet, da man einem enormen Erfolgsdruck ausgesetzt ist.

Nebenher und mehrmals im Jahr kleine bis große Veranstaltungen zu planen, ist wie ein zweiter Teilzeit-Job. Es macht einfach Spaß ein gemeinsames Projekt voranzutreiben, der Zuspruch und das positive Feedback, das man aus den Events mitnimmt, sind dann noch das i-Tüpfelchen und lassen uns mit Freude weiterarbeiten. Der eine oder andere von uns könnte sich auch vorstellen, sich mit Musikproduktion ein zweites Standbein aufzubauen.

Deep Baked - eine lustige Crew mit seriöser Musik
Deep Baked – eine lustige Crew mit seriöser Musik

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Wir beobachten gerade eine starke Welle an Techno, speziell Berghain- und Detroit-Techno,

Leftfield-House und klassischen Chicago-House Events etc., die wir absolut gut heißen und cool finden. Wie vorhin angedeutet, können aufgrund des Erfolgsdrucks nicht alle Veranstalter gewagte/innovative Bookings realisieren. Das führt leider zu sich wiederholenden „Selbstläufer-Events“. Wir denken, dass pathetischer Sample-Pack Tech/Deep House noch viel zu sehr in den Underground Clubs Wiens vertreten ist.

Zum Thema Szene allgemein, ist uns bewusst, dass es in den 90er Jahren in Wien eine durchaus ausgeprägte Techno-Subkultur gab, die rund ums Millennium abgeschwächt ist, sich jedoch langsam wieder aufbaut. Das freut uns sehr!

Im Vergleich zu anderen internationalen Partymetropolen ist Wien bislang etwas „leiser“. Das heißt aber nicht, dass diese Stadt kein Potential hat. Wien wurde in den letzten Jahren „lauter“!

Speziell mit der Grellen Forelle hat sich ein Club auf internationalem Niveau etablieren können. Dem kürzlich angekündigten Umbau sehen wir sehr freudig entgegen. Auch das Sass bleibt nach wie vor, als gern besuchter Club, für Wiener Crews attraktiv. Und wir sind gespannt was noch auf uns und unsere Hauptstadt zukommt.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Da gibt’s sehr viele… wir sind nicht immer einer Meinung, aber unser zweijähriges Jubiläum mit Dixon war für jeden von uns DAS Highlight!

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Wir hatten in unseren knappen drei Jahren das Glück, von tragischen Momenten verschont zu bleiben. Man zittert nach wie vor bis 1 Uhr im Club, nervös Vodka Makava trinkend und fragt sich wann der Club endlich voll wird, aber alles andere haben wir recht gut im Griff.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Also hier haben wir kein Problem auch Namen zu nennen. Unsere erste Jahresfeier mit Ten Walls im Flex war absolut großartig, jedoch haben wir uns schon einmal in einem Post öffentlich von seiner homophoben Hetze distanziert. So etwas dulden wir nicht!

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Wir würden sofort ein ähnliches Festival wie vor allem das „ADE“ (Amsterdam Dance Event) oder etwas wie das „Off Sonar“ in Wien aufziehen. Jedoch wissen wir alle, wie schwer es einem die Behörden machen können. Wer Geld hat, findet Vettern 🙂

Umrisse einer Clubnacht mit Deep Baked - die Atmosphäre spricht für sich...
Umrisse einer Clubnacht mit Deep Baked – die Atmosphäre spricht für sich…

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten

Mit der Grellen Forelle haben wir einen Stammclub gefunden, in dem wir es schaffen unsere kreativen Ideen umzusetzen und großartige Künstler zu präsentieren. Wir versuchen nach wie vor innovativ in unseren Bookings zu bleiben und freuen uns auf weitere intensive Nächte im kommenden Jahr.

Jedoch spielen wir in letzter Zeit auch mit dem Gedanken Projekte im Bereich von Konzertveranstaltungen zu realisieren. Hier gibt es einige elektronische Bands, die wir gerne nach Wien bringen würden. Weitere Ideen schwirren uns ständig im Kopf herum. Wie vorhin erwähnt, hat der eine oder andere von uns vor, sich im Bereich Musik oder Kunst ein zweites Standbein aufzubauen. Die meisten DJs und Veranstalter träumen doch oft von einem eigenen Label. Wer weiß, wer weiß…

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Das Design finden wir gelungen. Die Möglichkeit Sets nach Herkunftsstadt zu filtern, ist super, und spart Zeit. So bleiben vor allem die Local Acts gut im Überblick. Das ist ein bedeutender Schritt in Richtung „support your locals“.

Als Veranstalter könnte man sich ein kleines Forum vorstellen, indem man Events als Veranstalter bewerben kann, abseits von Facebook.

Der nächste Streich von Deep Baked findet schon bald, nämlich am 13. November, im Heimatclub Grelle Forelle statt – natürlich mit einem weiteren musikalischen Leckerbissen in Form vom Berliner Trio FJAAK! Bereits heute als Warm-Up dafür ein Mix von Deep Baked Mitbegründer und Resident Aleksej mit einem selbst auferlegten Tempolimit von smoothen 109 Bpm – deeper geht’s kaum!

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!