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Shalamanda

Im Club mit: Shalamanda Hifi (Interview + Mix)

Die vielfältigste Clubszene wäre unvollständig ohne ein authentisches Reggae Soundsystem – in Wien übernehmen Shalamanda Hifi dankenswerterweise diesen Part. Mit meterhohen Boxentürmen, von deren Subwoofer viele Besucher der früheren Dubquake-Veranstaltungsreihe heute noch feuchte Träume haben, tourt das Kollektiv nicht nur durch die Bundeshauptstadt, sondern veranstaltet auch ein Reggae-Festival – vielleicht nicht das erste, das es in Österreich gab, aber definitiv das beste. Dimitrij und Niko, zwei der Gründungsmitglieder, haben uns im Interview mehr darüber erzählt.

Shalamanda HiFi – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Hinter Shalamanda HiFi steht ein ganzes Kollektiv an tatkräftigen und engagierten Menschen. Wenn man Videos oder Bilder sieht, sieht man meistens nur uns beide, Dimitrij und Niko – aber 2 Menschen sind weit zu wenig um ein Soundsystem am Laufen zu halten. Wir beide haben da auf jeden Fall keine strikte Aufteilung – wir beide MCn und wir beide Selecten und Operaten den Sound, wie man im Jargon so sagt.

Seit wann ist Shalamanda HiFi im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Als Shalamanda selber seit 2006 in Wien tätig – damals haben wir noch unter einer etwas anderes Konstellation zusammen gearbeitet. Unsere ersten Veranstaltungen fanden im Kaleidoskop unter dem Namen Treasure Hunt statt. Das Soundsystem begonnen wir dann im Jahr 2008 zu bauen. Zuerst hatten wir “nur” zwei Scoops und heute sind es schon acht – und wir planen einen weiteren Ausbau. Wenn man so zurückblickt hat sich seitdem wirklich einiges getan.

Und wie sieht es bei Shalamanda HiFi aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Donau und Dub, erstmals vereint beim Donau Dubbing von und mit Shalamanda Hifi
Donau und Dub – erstmals vereint beim Donau Dubbing von und mit Shalamanda Hifi

In diesem Jahr bot sich zum ersten mal eine großartige Möglichkeit an, in Form des Donau Dubbings, welches wir dieses Jahr zum ersten Mal veranstaltet haben – und dann gleich noch ein zweites Mal! Soundsystem unter freiem Himmel und das kostenlos, auch das kam bei unserer Massive sehr gut an. Beim zweiten Donau Dubbing waren schon über 700 Besucher anwesend.

Jetzt arbeiten wir gerade etwas Neues in der Simm City aus. Eine Location die erst in diesem März eröffnet hat, etwas abseits aber doch gut genug gelegen ist um nur 2 Minuten von der U-Bahn entfernt zu sein. Wir sind sehr gespannt, was sich daraus ergeben wird. Fix ist, dass die nächste bzw. erste Session dort am 19.12.2015 stattfindet.

Unser Zielpublikum sind auf jeden Fall Menschen die sehr gerne Bass fühlen ODER Reggae bzw. Dub hören. Am besten ist es natürlich, wenn man beides mag, dann hat man sozusagen eine Ganzkörpererfahrung. Ein Soundsystem kombiniert mit positiver Musik und Message kann zu einem Werkzeug werden, welches wir auch so nutzen. Und da im es im Reggae bzw. im Rastafari vor allem sehr viel Positives gibt, ist das natürlich schon auch jeher in das Soundsystem eingeflossen – so wie auch bei uns.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Shalamanda HiFi in Action in der Linzer Stadtwerkstatt
Shalamanda HiFi in Action in der Linzer Stadtwerkstatt

Es ist zurzeit leider nicht einfach in Wien Partys in unserem Genre zu organisieren, vor allem mit Soundsystem. Die Magistrate machen das mit ihren Auflagen und Plombierungen für die Clubs schier unmöglich. Auch dass die meisten Clubs sehr nahe dem Siedlungsgebiet liegen und sehr schlechte Schallisolierungen haben ist da nicht besonders hilfreich. In vielen anderen Städten, auch in Österreich, sieht es hier locationmäßig oft weit besser aus. Vielleicht liegt dies auch an der Siedlungsdichte. Deshalb gab es die letzen zwei Jahre auch relativ selten einen regulären Dance von unserer Seite aus. Durch unser Rise & Shine Festival und auch sonstige Maßnahmen wie das Donau Dubbing oder einmalige Aktionen in Locations wie dem Spittelau10 versuchen wir jedoch, die Soundsystemkultur soweit als möglich am Leben zu erhalten. Wer behauptet davon leben zu können, der wird in dieser Szene wohl zu den wenigen gehören, die man an einer Hand abzählen kann.

Soundsysteme aus England wie Aba Shanti I, Shaka oder Channel One, solche können vielleicht davon leben, aber als Wiener Rootssound kann man froh sein, wenn die Reparaturen für die Speaker, Verstärker und den Transporter halbwegs wieder rein kommen.

Wir würden uns sehr wünschen, dass sich das mit der Simm City ab jetzt wieder ändert oder, dass sich dann zumindest eine geeignete Alternative bietet, in der wir dann auch endlich bleiben können.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Es gibt in Wien und im Umfeld sehr gute Selectors and Selectresses. Es gibt mittlerweile auch ein zweites Roots & Dub Soundsystem im Umfeld von Wien und es gibt auch einige Sounds. Also es gibt mittlerweile auf jeden Fall eine Szene bzw. eine heimische Soundsystemkultur. Das Schöne an der ganzen Sache ist, dass es immer wieder Menschen gibt, die das gleiche fühlen und empfinden, wenn es um eine Session geht und nach und nach in die Crew hineinwachsen. Und insofern freuen wir uns natürlich auch über jede Entwickling, die sich hier auftut und über alle anderen Veranstalter und Sessions.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Mit dem Dubquake im Wiener Fluc hatten wir definitiv eine Hochzeit im Wiener Raum. Wir hatten dort 16 unglaubliche Soundsystem Veranstaltungen, von denen die Menschen heute noch sprechen und sich gerne erinnern. Hier hatten wir die Möglichkeit, fast alle großen Soundsysteme und Produzenten nach Wien zu holen, die auch leistbar waren. Man kann schon sagen, das war der Startschuss von Dub & Soundsystem kombiniert in Wien. Dub gab es ja auch vorher schon – und auch Soundsysteme, aber diese Kombination ist so vorher noch nicht dagewesen.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Mit Rise & Shine veranstaltet Shalamanda Hifi seit fünf Jahren österreichs authentischstes Roots & Dub Festival (Foto credit: Sabine Zach)
Mit Rise & Shine veranstaltet Shalamanda Hifi seit fünf Jahren österreichs authentischstes Roots & Dub Festival (Foto credit: Sabine Zach)

Leider hat sich das Verhältnis bzw. die Möglichkeiten in der Location nach und nachgeändert, sodass es eher unangenehm wurde dort zu Veranstalten. Nach einem zwei Jahre langem Ausweichen aus der Wiener Innenstadt in den 23. Bezirk hatten wir auch hier hochkarätige internationale Künstler & Soundsysteme zu Gast.

Was wir natürlich auch noch erwähnen wollen ist, dass unsere Veranstaltungen sich nicht nur auf den Wiener Raum beschränken. Wir haben es tatsächlich geschafft ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen, welches mittlerweile zum 6. Mal statt findet – das Rise & Shine Festival in Falkenstein. Auf diese Veranstaltung konzentrieren wir uns über das Jahr gesehen auch am allermeisten, und natürlich auch darauf, dass wir selber auch national und international viel spielen und unterwegs sind.

Das möchten wir auch besonders hervorheben bzw. darauf sind wir besonders stolz, dass wir einfach nicht “nur” Veranstalter sind, sondern auch Musiker, die das eigentlich hauptsächlich deshalb Veranstalten, weil es niemand anderer macht – natürlich auch mit dem Einfluss eigener Visionen und Vorstellungen. Und das nehmen unsere Besucher sehr gerne an. Insofern sind wir auch schon in der glücklichen Lage zu sagen, dass wir die Party bzw. das Festival unserer Träume schon haben. Das macht uns sehr stolz.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde

Wir würden freilich dennoch gerne solche Acts wie Burning Spear nach WIen holen, oder die Abyssinians, oder Israel Vibration. All das sind großartige Roots Reggae Bands, welche auf den größten Bühnen der Welt die Besucher mit ihrer musikalischen Darbietung erfreut haben, und mittlerweile auch schon in einem respektvollem Alter sind. Wir würden gerne noch einige von diesen Legends nach Wien holen – aber dafür fehlt uns teilweise leider wirklich das nötige Kleingeld.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Was man 2016 von uns erwarten kann steht, wie es so schön heißt, noch in den Sternen. Jetzt schauen wir mal was mit der Simm City weiter passiert und ob es auch wieder ein Donau Dubbing geben wird. Was auf jeden Fall auch für 2016 wieder fix sein wird ist das Rise & Shine Festival in Falkenstein.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Die neue play.fm Seite sieht auf jeden Fall sehr modern aus. Es sind halt kaum Rootsreggae oder Dubmixes online – das müssen wir schleunigst ändern!

Let Jah Music Play - Flyer
Next date: 19. Dezember @ SimmCity

Eine Hörprobe davon, was es über das hauseigene Soundsystem von Shalamanda Hifi so zu hören gibt, könnt ihr euch im folgenden Mix holen, den die Jungs netterweise exklusiv für uns aufgenommen haben. Mehr davon, wie bereits im Interview erwähnt, am 19. Dezember bei der ersten Shalamanda Session in der SimmCity – mit Live-Auftritten von Souldja sowie Martin Zobel & Soulrise und natürlich basskräftiger Unterstützung von Shalamanda selbst!

Sound:frame

Im Club mit: sound:frame (Interview + Mix)

Die Vielfältigkeit der Wiener Clublandschaft zeigt sich nicht nur in musikalischer Sicht, sondern auch in der seit jeher äußerst lebendigen VJ-Szene – also jener oft übersehenen Künstlerinnen und Künstler, die das Cluberleben mit den richtigen Visuals versehen. Zumindest einmal im Jahr wird ihre Arbeit mit jener der DJs bzw. Live-Acts auf Augenhöhe gehoben, und zwar beim sound:frame, Wiens erstem und einzigen Festival für audiovisuelle Kunst. Eva Fischer, ihres Zeichens Gründerin und Kuratorin des Festivals, Österreicherin des Jahres 2010 im Bereich Creative Industries sowie Play.fm-Supportern der ersten Stunde hat sich während der Vorbereitungen zum zehnjährigen Jubiläum Zeit genommen, mit uns über das Veranstalten in Wien zu sprechen.

sound:frame – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Hinter dem Namen steckt zum einen unser Verein, der das gleichnamige Festival umsetzt und zum anderen die Agentur sound:frame AV, die ein Netzwerk audiovisueller KünstlerInnen vertritt und unterschiedliche Projekte im Bereich audiovisueller und interdisziplinärer Kunst und Kultur umsetzt.

Seit wann ist sound:frame im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Wir feiern 2016 unser 10-jähriges Jubiläum und freuen uns total drauf. In den zehn Jahren ist in Wien und vor allem im Wiener Nachtleben ganz schön viel passiert und wir wollen neben dem aktuellen Festivalprogramm natürlich auch noch einmal alles Revue passieren lassen. Man kann sich auf einige spannende, schöne und sicher auch witzige Rückblicke freuen.

Und wie sieht es bei sound:frame aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Andreya Triana & Band @ sound:frame Festival 2015
Andreya Triana & Band @ sound:frame Festival 2015 (Foto credits: Lichtschalter/sound:frame)

Wir konzentrieren uns als VeranstalterInnen vor allem auf das sound:frame Festival, das einmal im Jahr – meisten 2 – 3 Wochen im März/ April – stattfindet. Daneben machen wir immer wieder kleinere Veranstaltungen, meistens in Kooperation mit anderen oder werden eingeladen, z.B. das visuelle Programm einer Party zu hosten. sound:frame wollte schon immer aktuelle Strömungen zeigen, junge, neue Artists und gleichzeitig etablierte Namen nach Wien holen. Wir haben elektronisch begonnen, sind dann aber schnell breiter geworden und haben Genres wie Jazz, Hip Hop, Future Beats oder auch guten Pop integriert. Mir war es immer wichtig, vor allem Qualität zu zeigen, und nicht auf ein reines Headliner-Booking zu setzen. Und natürlich ist auch eine Portion eigener Geschmack im Booking dabei, ich geb’s zu! 😉

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Wien ist nicht unbedingt ein leichtes Pflaster, um Partys zu veranstalten. Wir konzentrieren unsere Kraft auch wirklich auf das Festival einmal im Jahr und sind ansonsten vor allem in Kooperationsprojekten involviert. Vom Partys-Veranstalten konnten wir noch nie leben. Und ohne eigenem Club und idealerweise auch noch einer eigenen Gastro ist es auch kaum möglich – zumindest in unserem Bereich – am Veranstalten gut zu verdienen. Es hat nach wie vor sehr viel mit Herzblut zu tun.

Leider ist auch das Gleichgewicht manchmal etwas aus dem Ruder – Artistgagen steigen in den letzten Jahren immer mehr, doch das Publikum ist oft nicht bereit dazu, Eintritt zu zahlen. Vielleicht, weil das Angebot so hoch ist, und man immer auch etwas findet, das günstiger oder gratis ist. Das ist prinzipiell natürlich total okay. Gute Qualität kostet jedoch – Zeit, Aufwand, Kraft – und Geld.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

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wife. x wagensommerer (Foto credits: Lichtschalter/sound:frame)

Die Wiener Szene ist toll! Es ist natürlich nicht immer leicht, alles unter einen Hut zu bringen und an manchen Tagen hast du das Gefühl, dass du dich zehnteilen müsstest, was für die einzelnen Veranstaltungen oft ein Nachteil ist. Dennoch ist Vielfalt natürlich großartig! Für jedeN ist etwas dabei und es ist schön, dass sich die Szene auch differenziert und nicht seit Jahren einen Einheitsbrei kocht.

Die Wiener Clubs sind ebenfalls super! Ich finde aber, dass es ruhig noch ein paar kleinere gemütlichere Clubs geben könnte, wie es zum Beispiel das Morisson war. Dort haben wir sooo gute Stunden verbracht! Tanzen im Wohnzimmer ist einfach etwas anderes als im großen Club. Beides ist großartig! Leider findet man nur wenige Plätze in Wien, an denen sich nicht irgendeinE NachbarIn gestört fühlt… Das ist unfassbar schade!

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Wir haben wirklich viele tolle Sachen gemacht! Das wird mir gerade wieder bewusst, weil wir ja derzeit ganz intensiv auf die vergangenen 9 Jahre zurückschauen. Eine Party mit 4.000 BesucherInnen in der Rinderhalle oder am Karlsplatz! ATOM, diese unglaublich tolle Performance mit dem Luftballonballet von Robert Henke und Christopher Bauder im Marx-Palast, großartige Abende in der Ottakringer Brauerei mit Acts wie AntiVJ, Jori Hulkkonen, planningtorock oder Machinedrum. Karl Bartos (ehemals Kraftwerk) im Gartenbaukino! Party-Hightlights waren sicher auch die Premiere von John Talabot in der Fluc Wanne. Oder eine großartige Feier dort mit der drumpoet community, bei der einfach niemand heimgehen wollte. Mein Liebling als Location ist ja auch das brut, weil der Raum so toll für audiovisuelle Umsetzungen ist. Die Premiere von Jonwanye barfuß auf der brut-Bühne. Die Premieren von SOHN mit Lampenschirm, Taylor McFerrin mit Valence oder ROBB mit fuxherz gemeinsam! Andreya Triana in der Grellen Forelle. Ich hab selten so viel geheult! 😉

Ich kann sie gar nicht alle aufzählen, meine Hightlights. Wir hatten tolle audiovisuelle Acts, VisualistInnen und musikalische Live Acts. Und natürlich vor allem großartige und spannende Installationen und interdisziplinäre Arbeiten in unseren Ausstellungen im MAK, dem Künstlerhaus oder anderen Ausstellungsflächen. Allein aus diesem Grund freue ich mich schon auf das Festival im nächsten Jahr, weil wir zum 10-Jährigen unter anderem vieles noch einmal Revue passieren lassen werden und viele der Highlights in der einen oder anderen Form zurückholen werden.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

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the ruff pack x jyd (Foto credits: Lichtschalter/sound:frame)

Puh, es gab auch so viele schwierige Momente. Viele, viele Tränen. Erschöpfung. Ärger. Frustration.

Mit dem Budget ist es so eine Sache. Wie gesagt ist es kaum möglich, vom Veranstalten zu leben. Alle arbeiten hier vor allem mit Herzblut, und weil ihnen die Sache wichtiger ist als das große Geld. Zwischendurch frustriert es jedoch ganz schön, wenn man für Durcharbeiten und Sich-Auspowern kaum bezahlt wird, bzw. bezahlen kann.

Es ist schwierig, wenn Dinge nicht so laufen, wie man sie sich vorgestellt hat – man denkt, man hat ein tolles Booking und auch sonst alles richtig gemacht, und dann regnet es und die Leute bleiben lieber zuhause.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Haha! Paul Kalkbrenner 😉 Gemeinsam mit resolut hatten wir ihn 2009 in die Fluc Wanne eingeladen und davor die Österreichpremiere von “Berlin Calling” gezeigt. Seine Musik war super, das Label auch und der Film war interessant. Da das ja aber kein Geheimnis ist, traue ich es mir auch zu sagen – er selbst war leider einer der anstrengendsten Künstler, die wir jemals eingeladen hatten. Viele, viele Extrawürsteln und Herumgezicke. Das würde ich mir nicht nochmal antun. Es geht ja auch darum, dass man mit den Artists und allen Beteiligten eine gute Zeit hat. Mittlerweile ist seine Gage, soweit ich weiß, auch um das 10- oder sogar 20fache von damals gestiegen und würde wohl mehr als unser gesamtes Festivalbudget verschlingen. Damit hat sich das Thema also ohnehin erledigt.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Wow, schöne Frage! Wenn man es gewöhnt ist, jeden Euro umdrehen muss, stellt man sich diese Frage manchmal gar nicht mehr. Aber natürlich gibt’s viele Träume. Ich will da gar keine Namen nennen, aber es wäre in jedem Fall eine Party mit vielen, vielen Namen. Mit Artists, die in ihren Arbeiten eine so tolle und eigene Handschrift haben, dass sie viele andere inspirieren und damit Geschichte geschrieben haben oder schreiben. Mit Räumen, in denen man laut und hell sein kann, soviel man will und mit Technik, die alle audiovisuellen Vorstellungen möglich macht. Da komm ich schnell ins Schwärmen und Träumen. Möglich und interessant wäre vieles! Es gibt so viele tolle Künstlerinnen und Künstler!

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

2016 wird groß! 🙂 Wir feiern uns selbst, feiern die Szene, mit der wir uns in den 10 Jahren unseres Bestehens mitentwickeln durften! Ich finde, es wird einfach mal wieder Zeit, richtig ausgelassen zu feiern und darauf freue ich mich! Ohne hier selbstverliebte Hohelieder singen zu wollen, ist es mir und meinem großartigen Team (das kann ich gar nicht oft genug sagen!) einfach ein Anliegen, das hochleben zu lassen, wofür wir brennen, woran wir seit Beginn an glauben und arbeiten, von dem wir seit Beginn an lernen und worin wir soviel Herzblut gesteckt haben. Wir wollen die gesamte Szene feiern, die so viele großartige Artists, Kollektive, VeranstalterInnen und TheoretikerInnen hervorgebracht hat und wir wollen zeigen, wie sich diese audiovisuelle und interdisziplinäre Kunstform, um die es uns seit 2007 geht, entwickelt hat und was sie kann und weiterhin leisten wird. Puh, große Worte, haha! 😉 Da sind wir wieder beim Schwärmen und Träumen. Ich freu mich jedenfalls drauf und bin gespannt, wie sound:frame 2016 “TEN” am Ende aussehen wird! Das Spannende am Umsetzen des Festivals war schon immer, dass man erst am ersten Festivaltag sieht, was sich aus den vielen Ideen, Gesprächen, Konzepten und Plänen schlussendlich zu einem Festival geformt hat.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Play.fm begleitet mich, seit ich in Wien bin und veranstalte. Über Play.fm habe ich schon zu Beginn so viele tolle Leute kennen gelernt und als Veranstalterin nutze ich die Seite auch aktuell zum Kennenlernen oder Nachhören von Musik.

Play.fm ist toll! Die Seite gefällt mir im aktuellen Gesicht sehr gut! 🙂 Weitermachen, ihr Lieben!

Um die Wartezeit auf das 10-Jahres-Jubiläum zu verkürzen, gibt es anbei gleich einen Warm-Up-Mix von sound:frame-Mitarbeiter Curley Sue – sowie am kommenden Monat, 7. Dezember, einen von sound:frame gehosteten Abend im mo.ë (dem übrigens leider die Schließung droht, weswegen unbedingt auf die laufende Petition zur Erhaltung hingewiesen werden sollte!), an dem das Duo le_mol gemeinsam mit AVRG an der Schnittstelle zwischen Konzert, Visual Art und Rauminstallation entlang performen werden. Ansonsten bleibt nur, sich den Zeitraum zwischen 15. und 24. April 2016 bereits im Kalender zu markieren – da wird sound:frame dann TEN!

 

PLEMPLEM

Im Club mit: PLEMPLEM (Interview + Mix)

Unter dem Motto “Wir reden nicht – wir raven” sorgt PLEMPLEM seit nunmehr mehr als sieben Jahren in wechselnden Locations zwischen Wien, Graz, Salzburg, Linz und diversen Festival-Stages regelmäßig für pure Ekstase. Umso mehr ehrt es uns, dass Daniel Morgenstern, seines Zeichens Gründer, Resident und sowas wie der Head Honcho hinter dem weitgereisten Brand sich zwischen dem vielen Raven doch Zeit genommen hat, um auch mal zu reden – über PLEMPLEM, die Idee dahinter, das Veranstalten und die Szene in Wien und vieles mehr, den obligatorischen Gast-Mix inklusive!

PLEMPLEM – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Hinter dem Namen steckt eine memetische Vernetzung gleichgesinnter Seelen die mittlerweile in allen Himmelsrichtungen zu finden sind. Zuständigkeiten werden an all jene verteilt, die gerade Lust und Zeit haben am Wochenende zu raven.

Seit wann ist PLEMPLEM im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

PLEMPLEM auf Gastspiel im Grazer PPC
PLEMPLEM auf Gastspiel im Grazer PPC

Eigentlich bei den Vorbereitungen für meine Geburtstagsparty am 1. August 2008 im Camera Club. Es sollte lediglich eine Geburtstagsfeier ohne den Faktor “geschlossene Gesellschaft” werden. Fazit: Vor dem Camera Club stand bis 4:00 Uhr morgens eine Raver-Schlange, die zuweilen 20 Meter lang war! Für einen Kellerclub im Sommer eher ungewöhnlich. Zum Namen kam ich deshalb, weil ich die Party partout nicht “Geburtstagsparty” nennen wollte. Der Namen sollte eine besondere Eigenschaft besitzen, die alle anderen und natürlich auch mich selbst sowie was wir “tun werden” verbindet (und am besten beschreiben kann). Schlussendlich machte ich kurzerhand über Nacht eine ganze Corporate Identity samt Design fertig. Das ganze Programm: Slogan, Logo(s), Farbcodes, Testimonials, Videos, Plakate, Sticker, Flyer… Witzig ist, dass nach sieben Jahren die Infektionsgefahr von PLEMPLEM und dem mächtigen Slogan “Wir reden nicht – wir raven” derart mutiert ist, dass sich mittlerweile Leute unsere Logos tätowieren lassen…

Und wie sieht es bei PLEMPLEM aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Wir kommen primär in Wien und Graz monatlich vor. Vierteljährlich auch in Linz oder Salzburg. Wir verfolgen natürlich verschiedene Konzepte und Dinge. Es soll spannend bleiben! Wir suchen neue Gründe für einen aufregenden und verspielten Abend, wir wollen neue nationale und internationale Künstler einladen, von denen wir etwas halten, das ist uns wichtig! Herauskommen tun dann zum Beispiel:

Neben guter Musik wird bei PLEMPLEM der Spaß an der Sache groß geschrieben – beispielsweise beim PLEMPLEMPINGPONG
  • P.P.T.P ➔ PLEMPLEM-Technopoker
  • P.P.P.P ➔ PLEMPLEMPINGPONG
  • P.P.T.T➔ PLEMPLEM-TechnoTombola
  • P.P.L.G ➔ PLEMPLEM lokalgenial
  • etc.

Der klassische “Ich-zahle-Eintritt-und-muss-warten-bis-der-Danceflloor-voll-ist-um-endlich-abzugehen”-Abend erwartet dich bei uns nicht!

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Wir sehen die Besteuerung der Tickets hierzulande als Problem an. Im europäischen Vergleich liegen wir viel zu hoch. Mich treiben andere Gründe an Events zu machen. Es gibt in meinen Augen zu wenige Clubs und Vielfalt. Es gibt viele Ansätze, aber ich finde Ansätze sind zu wenig um glücklich sein zu können 🙂

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Keine Ahnung in welche Richtung es geht 🙂 Wir machen unser Ding! Nein, es gibt nicht zu viele Veranstaltungen, aber bestimmt zu wenig für die Zielgruppe 30+. Gerade im internationalen Vergleich: Also für die Zielgruppe “Erwachsen mit Nachholbedarf” 🙂

PLEMPLEM-Gründungsvater Daniel Morgenstern in Action
PLEMPLEM-Gründungsvater Daniel Morgenstern in Action

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

An das besagte Opening am 1. August 2008, an das Planetarium und unsere unglaublichen Abende(!) – unser verrücktes 2.500 Personen Rave in der Pratergalerie – an unsere Abende in Graz, Linz oder Salzburg…

Da ist in sieben Jahren einfach viel passiert!

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Die wo wir kurz davor standen ein Event absagen zu müssen und es in der letzten Minute dennoch realisieren konnten! Das sind auch die Momente, in denen wir Ergebnisse erzielen konnten mit denen wir – vor dem erwähnten Hintergrund – niemals zu träumen gewagt hätten 🙂

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Ja, es gibt zwei Bookings. Normal denke ich 🙂

Schwierig ist die Arbeit mit internationalen Leuten nie gewesen, bis auf Alan Fitzpatrick (hat uns zweimal am Tag der Veranstaltung sitzen gelassen).

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Ich würde (aus rein sentimentalen Gründen) einfach das Planetarium für einen Abend öffnen, Johannes Heil einladen, eine fette Anlage, Nebel und Stroboskop hinstellen – fertig!

"Wir reden nicht, wir raven" - so sieht's aus!Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

2015: Gerade ging unsere wöchentliche Show auf Radio Soundportal (jeden Freitag 22-00:00 Uhr) on air.

2016: Viel Musik – Mehr dazu 2016.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Mutig! Wünschen würde ich mir mehr Interaktion und ein klareres Alleinstellungsmerkmal.

Wie bei PLEMPLEM so geraved wird, davon könnt ihr euch im folgenden Mix von Daniel Morgenstern einen Eindruck machen, der letzten Monat in der Kantine aufgezeichnet wurde und den wir euch mit Freude exklusiv präsentieren dürfen! Und wer dieses Jahr noch mit PLEMPLEM raven möchte, hat das nächste Mal am 7. Dezember im ppc (Dienstag ist ein Feiertag!) im Grazer PPC Gelegenheit, und dort gleich auf zwei Floors – am Technofloor mit den Berlinern AKA AKA und am Drum & Bass Floor mit Chris.Su aus Budapest!

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!

Foto credit: Matthäus Beczak

Im Club mit: Fear le Funk (Interview + Mix)

Wenn das Wiener Publikum neben den zahlreichen wöchentlichen DJ-Lines auch in den Genuss von Live-Konzerten von so namhaften Hip Hop Acts wie Apollo Brown, Guilty Simpson, Elzhi, Retrogott & Hulk Hodn, Rapsody & 9th Wonder oder Black Milk kommt, dann ist das der Crew von Fear le Funk zu verdanken. Kurz nach der vierjährigen Jubiläumsparty haben die Mitgründer, Mitveranstalter und Residents Ottomatic und Stanley Stiffla uns mehr über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ihres Projekts erzählt und gleich einen wunderschönen Mix mitgebracht..!

Fear le Funk – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Hinter diesem Namen stehen Nina, Mat, Ottomatic und Stanley Stiffla. Wir machen jetzt seit mittlerweile vier Jahren Veranstaltungen im Bereich Hip Hop hier in Wien. Anfangs war es eher so, dass wir hauptsächlich Produzenten zu unseren Happenings eingeladen hatten, mittlerweile sind wir da aber breit gefächert, haben sowohl DJ- und Producer-Sets als auch Konzerte, die wir aber immer im Rahmen einer Party über den gesamten Abend anlegen. Ottomatic und Stanley Stiffla fungieren als Resident-Djs, ansonsten sind wir zu viert ständig im Austausch über mögliche Bookings, anstehende Termine und organisieren und bewerben die gemeinsamen Abende.

Seit wann ist Fear le Funk im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Uns gibt es seit Oktober 2011. Gerade vor wenigen Wochen haben wir im WUK zusammen mit dem Kölner Label Entbs unser 4-jähriges Bestehen gefeiert. Peace an dieser Stelle an Chlodwigplatz Pütz Money und die Jungs!

Wie es dazu gekommen ist, dass wir Partys machen? Alles begann an sich damit, dass Stanley eine tatkräftige Truppe zusammenstellen wollte und uns alle kontaktiert und gefragt hat, ob es Interesse gäbe, gemeinsam Partys in Wien zu machen, die ihren Schwerpunkt zu Beginn vor allem auf Independent Producer legen wollten. Mat, Ottomatic und Stanley kannten sich dabei schon einige bis viele Jahre aus guten Freundschaften heraus. Nina stieß dann Mitte 2013 dazu. Da wir alle einen ähnlichen Zugang zu Hip Hop haben, war anfangs ziemlich schnell klar, dass wir das so angehen wollen und machen werden.

Und wie sieht es bei Fear le Funk aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Fear le Funk mit Guilty Simpson, Elzhi und Phat Kat im B72 (Foto credit: Raphael Skrepek)
Fear le Funk mit Guilty Simpson, Elzhi und Phat Kat im B72 (Foto credit: Raphael Skrepek)

So übers Jahr gesehen machen wir an die fünf, sechs Veranstaltungen, phasenweise etwas mehr, dann wieder etwas weniger -je nachdem, was gerade möglich ist. Stanley Stiffla und Ottomatic legen ansonsten auch immer wieder bei anderen Veranstaltungen auf. Der simple Grundsatz lautet: Wir laden immer nur Artists ein, die wir auch selbst hören, feiern und schätzen. Vom Konzept her sollte es mit seinen Wurzeln immer im Hip Hop bleiben und idealerweise nationale und internationale Artists zusammenführen, auch wenn Genre-Überschneidungen natürlich kein Ausschlussgrund für uns sind. Wir haben ja auch schon Kooperationsveranstaltungen mit Canyoudigit, Beat Science oder dem Soundwave Croatia Festival gemacht, wo es dann vom Sound her etwas futuristischer zur Sache ging.

Was das Publikum betrifft, wollen wir niemanden aus- oder eingrenzen, das ist für uns so seit dem Start mit dem Ding ganz klar. Alle die sich für unsere Veranstaltungen und die auftretenden Künstler*innen interessieren, sind willkommen und sollen im Idealfall einfach eine gute Zeit mit den Artists und uns haben. Quality Time oder so ähnlich.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Wir wollen und müssen zum Glück nicht davon leben. 😉 Wir versuchen ganz einfach nur, dass sich die Veranstaltungen, so gut es eben möglich ist, selbst finanzieren. Was überbleibt, wird eins zu eins in weitere Veranstaltungen gesteckt. Uns macht es nach wie vor großen Spass, auch wenn bis zum Auftritt der eingeladenen Artists am Abend der Veranstaltung und bis die Party hoffentlich funktioniert natürlich jede Menge Arbeit steckt. Vor allem Stanley kann davon ein Lied singen, tut sich das Organisatorische wie alle anderen aus unserem Quartett aber auch gerne an, sonst ginge es sowieso nicht. Ebenso wäre vieles ohne Hilfe aus dem Freundes- und Bekanntenkreis so sicherlich nicht realisierbar gewesen.

Daher: Ein dickes Dankeschön an alle die uns unterstützen und unterstützt haben über die letzten Jahre! Viel Liebe.

Die Motivation kommt aus der Begeisterung zur Musik, unseren vergangenen Abenden und natürlich auch durch die Reaktionen unseres Publikums. In diesem Sinn: Nur die Liebe zählt oder wie es der Retrogott so schön sagt: “Peace, Unity, Love & having Fun!”

Wenn es ein Hauptproblem gibt, dann ist es für uns sicherlich die geeignete Location zur angedachten Veranstaltung zu finden. Da wir unsere Dinger nicht immer in den selben Locations veranstalten und sie idealerweise auch an die Gegebenheiten des Abend-Ambientes anpassen wollen, ist das vielleicht hin und wieder das größte Problem. Die Dichte der Veranstaltungen steigt in Wien insgesamt, das macht es für uns natürlich nicht gerade einfacher, ist aber an sich nichts Negatives.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Fear le Funk mit Radio Love Love im Cafe Leopold (Foto credit: Jonathan Meiri)
Fear le Funk mit Radio Love Love im Cafe Leopold (Foto credit: Jonathan Meiri)

Für uns hat Wien in Sachen Hip Hop in den vergangenen Jahren auf jeden Fall den Anschluss zu anderen europäischen Metropolen wie London, Paris und Berlin geschafft. Die Dichte, die Qualität aber auch die Nachfrage im Independent-Bereich sind sicherlich gestiegen. Woran es eventuell noch mangelt, sind mehr dieser kleinen aber feinen Wiener Clubs mit guter Anlage, für 150-300 Leute, in zentraler Lage. Da könnte sicherlich etwas mehr gehen. Wie auch medial sicherlich noch etwas mehr Support wünschenswert wäre. Die Clubs, die es gibt und die auch anspruchsvolleres Programm supporten, machen ihren Job aber gut bis herausragend, wenn ihr uns fragt. Siehe Cafe Leopold, Celeste, B72 oder auch das Porgy & Bess, WUK, Flex, das Loft, die Forelle oder Sauna, egal wie sympathisch man die einzelnen Venues jetzt findet oder nicht. Wenn man aber gerüchteweise hört, dass letztgenannte eventuell in ihrer aktuellen Form schon bald wieder Geschichte ist und ein weiterer Kommerzparty-Tempel daraus werden soll, ist das natürlich mehr als traurig und schade.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Puh… Da waren doch einige Abende dabei… Wenn wir welche hervorheben müssen, dann sicherlich zuletzt im Juni der Abend im Porgy & Bess mit Apollo Brown, Ras Kass und Rapper Big Pooh. Die Nächte im B72 mit Guilty Simpson, Phat Kat und Elzhi oder im Cafe Leopold mit Radio Love Love oder Figub Brazlevič und S. Fidelity waren auch absolut Hammer. Unsere bisher größte und letzte Veranstaltung im WUK mit den Jungs von Entbs war aber auf jeden Fall einfach nur unfasslich dope (hoffentlich nicht nur für uns 😉 ). Ansonsten ist sowas wirklich schwierig… Wir erinnern uns an viele feine Nächte, auch die “kleineren” Rap-ins-Gesicht Dinger im Einbaumöbel oder die anfänglichen Shows in der Auslage hatten ihre absoluten Höhepunkte.

Zusätzlich war auch die Produktion unserer 2xLP-Compilation, welche anlässlich unseres 2-jährigen Bestehens entstanden und via Vinyl und digital erschienen ist, eine sehr, sehr coole Erfahrung. Dafür auch nochmal Props und Liebe an alle involvierten Künstler*innen, die uns das zugetraut und uns mit ihren musikalischen Schätzen unterstützt haben.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Mit Sicherheit unser Abend mit 9th Wonder und Rapsody im Viper Room. Der war zwar musikalisch sehr gelungen, das Wiener Publikum hat uns damals aber leider anscheinend etwas übersehen oder vergessen… Lag wohl auch am Termin. Schade, aber ist passiert.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Fear le Funk mit Apollo Brown, Ras Kass und Rapper Big Pooh im Porgy & Bess (Foto credit: Thomas Unterberger)
Fear le Funk mit Apollo Brown, Ras Kass und Rapper Big Pooh im Porgy & Bess (Foto credit: Thomas Unterberger)

Nein, absolut nicht! Wir sind da möglicherweise sogar ein bisschen verwöhnt, jeder Artist war auf seine persönliche Art und Weise absolut schätzenswert und top. Da können wir nur eines behaupten: Wie die Musik so auch die Künstler und Menschen dahinter -für uns auf jeden Fall sehr dope!

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Auf jeden Fall mal nicht irgendein wacker Hype, ohne Namen zu nennen und damit wiederum Werbung für diese zu machen. 😉

Die Party unserer Träume? Das wäre wohl ein zweitägiges Open Air Festival, zentral in Wien – eventuell im Prater – gelegen, mit allen Künstlern von Stones Throw, Entbs, Mello Music Group, Bastard Jazz, Hector Macello, Melting Pot Music, Redefinition, den Funkverteidigern, Beatgeeks, Ecke Prenz, Radio Love Love, Waxolutionists, Sichtexot, Jakarta, VOZ, Wortsport Entertainment, Flava In Ya Ear, der 1bm-Freestylesession Crew, Huhnmensch & böser Wolf, Kroko Jack, A Tribe Called Quest, Jurassic 5, De la Soul, Kool Keith, Run The Juwels, Action Bronson, Kaytranada, DJ Premier und Kendrick Lamar (die Reihenfolge ist dabei beliebig zu setzen).

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Wir werden nicht viel ändern: weiterhin hoffentlich fette, unterhaltsame und feine Abende! Am 7. Dezember 2015 begrüßen wir erstmal zum Jahresabschluss Apollo Brown Guilty Simpson, Phat Kat und die Demograffics im B72. Im Februar 2016 duellieren sich dann Radio Love Love und Ecke Prenz im Salon des Cafe Leopold. Und dann lassen wir uns mal überraschen, was noch so alles auf uns zukommt. Im Oktober feiern wir auf jeden Fall unseren fünften Geburtstag gebührend.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Wir kennen Play.fm ja schon lange und schätzen die Seite sehr. Die neue Homepage sieht ganz cool aus. Eventuell könnte man noch aktuelle Termine zu den gefeatureten Mixes in irgendeiner Form einbinden, dann hilft das auch den Veranstaltern. 😉

Anbei freuen wir uns, euch einen Mix von DJ Ottomatic präsentieren zu dürfen, in dem erdie jüngste Vier-Jahres-Party von Fear le Funk mit Retrogott & Hulk Hodn Revue passieren lässt – weiter geht’s am 7. Dezember im B72, mit Guilty Simpson, Apollo Brown, Phat Kat und den Demograffics live am Mikrofon und den Beat-Geräten!

 

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Electro Swing Carneval

Im Club mit: Electro Swing Carneval (Interview + Mix)

Seit einigen Jahren hält das Lebensgefühl der 1930er Jahre wieder Einzug in die hiesige Jugendkultur. Hosenträger, Schiebermützen und Petticoats finden reißenden Absatz, Swing- und Lindy-Hop-Tanzkurse platzen aus allen Nähten und Acts wie Parov Stelar, Caravan Palace, Kormac und Swing Republic liefern mit elektronisch aufgefettetem Swing – kurz Electro Swing – den passenden Soundtrack dazu. Mit dem Electro Swing Carneval hat dieses Movement in Wien einen monatlichen Treffpunkt, der in unserer Interview-Serie über die bedeutendsten Veranstaltungen der Stadt natürlich nicht fehlen darf!

Electro Swing Carneval – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Den Electro Swing Carneval haben Adish, ein Wiener Musikproduzent und Marx West, der ehemalige Musikmanager des Ost-Klubs gegründet.

Wir haben beide Preferenzen, was Acts betrifft, aber Adish kümmert sich mehr um das Booking, weil Marx mit seinem veganen Bistrot Harvest viel um die Ohren hat. Wir beide legen unsere teilweise sehr voneinander verschiedenen Nu-Swing-Sets auf, hosten unsere internationalen Gäste gemeinsam und zeigen ihnen Wien, wenn es sich zeitlich ausgeht.

Seit wann ist Electro Swing Carneval im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Kalletti Klub (Hamburg) beim Electro Swing Carneval
Kalletti Klub (Hamburg) beim Electro Swing Carneval

Eigentlich war es eine spontane Idee. Wir wollten zur Faschingszeit eine Party im Leopold machen und hatten noch keinen musikalischen Schwerpunkt. Marcus hatte – in Kooperation – schon seit 2007 im Ost Klub ein Swing Event – eine Mischung aus Live-Bands und anschliessender Electro Swing Auflegerei. Adish veranstaltete wiederum im Leopold Radio Vira Mundo – ein Showcase aus moderner “Weltmusik” – wo es auch bereits mehrere brasilianische angehauchte Carnivals gab.

Da uns beiden Electro-Swing sehr gut gefiel und der Sound gerade durch Releases von z.B. Parov Stelar oder Caravan Palace stark im Kommen war, entschieden wir uns, einen Electro Swing Carneval zu machen (samt Rechtschreibfehler den wir erst entdeckt haben als bereits Flyer gedruckt, Facebook Seite erstellt war und der jetzt unsere persönliche Note ist 😉

Und wie sieht es bei Electro Swing Carneval aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Nach den Regressionen der ansässigen Nachbarn gegen den Ost-Klub – der zu dessen Schliessung geführt hat – haben wir uns entschieden, ausschliesslich im Leopold zu veranstalten und haben dort eine wahre Heimstätte gefunden. Wir veranstalten zur Zeit monatlich. Unser Zielpublikum ist breit gefächert, eint sich aber in einer offenen Haltung zu Musik und Genres, da im Electro- bzw Nu-Swing die Stilrichtungen verschwimmen und wir uns musiklisch ungern festlegen. Daher sind unsere Bookings sehr unterschiedlich. Was wir nie wollten war eine Mottoparty (auch wenn es in diesem Fall so enstanden ist), wo die Leute kommen um gesehen zu werden anstatt sich für die Musik zu interessieren.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Davon leben? Der war gut 😉 Wir haben beide unsere Brot-Jobs, veranstalten und auflegen ist unser “Hobby”. Wir lieben es einfach, uns die Nächte um die Ohren zu schlagen, aber sorgen dabei lieber selber für die Musik. Und wir freuen uns sehr, die Leute feiern zu sehen. So anstrengend das sein kann, es gibt uns viel Energie.

Audio Device, Swing A Ting, Schinowatz Bobofkof, Mr. Harvey Miller und Bastard Bastoni (v.l.n.r.) beim 3 Years Birthday Bash von Electro Swing Carneval
Swing A Ting, Schinowatz Bobofkof, Mr. Harvey Miller und Bastard Bastoni (v.l.n.r.) beim 3 Years Birthday Bash von Electro Swing Carneval

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Leider ist die Wiener Club-Szene an musikalischer Vielfalt sehr begrenzt. Fast überall hört man den gleichen House oder Hip-Hop Einheitsbrei. Es fehlt derzeit definitiv an Mut zum Progress, und das macht das Wiener Nachtleben im Vergleich zu anderen Städten ziemlich langweilig. Die Einstellung der Party People spielt dabei natürlich auch eine große Rolle. Hier vermissen wir teilweise ebenfalls die Offenheit und den Wunsch, in einem Club zu gehen und zu Musik abzutanzen, die man eben nicht kennt.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Wer sich erinnert war nicht dabei 😉 Da die Szene die wir bedienen aber relativ klein ist und wir selber DJs sind, freuen wir uns immer besonders über “Gegen-Bookings”, die uns schon sehr feine Gigs z.B. in Paris, London, Genf, etc. beschert haben. Wir verbinden diese Bookings gerne mit einem mehrtägigen Aufenthalt, sozusagen ein Kulturausflug.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Wer sich erinnert war nicht dabei 😉

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Scooby Duo (Irieology & Olinclusive) bei Electro Swing Carneval
Scooby Duo (Irieology & Olinclusive) bei Electro Swing Carneval

Naja, nicht immer funktioniert die Verbindung von Künstler zum Publikum, manche Acts buchen wir dann vielleicht nicht mehrmals. Wir können aber behaupten, diesbezüglich noch nie einen totalen Reinfall erlebt zu haben. Das liegt vor allem daran, dass wir unsere Artists nicht nach Followern auf diversen Social Network Seiten aussuchen sondern nach deren Musik oder Mixes. Deshalb sind bei unseren Bookings neben diversen “Grössen” auch immer wieder Newcomer dabei, an die wir einfach glauben. Bis jetzt gefiel das unserem Publikum genauso gut wie uns. Menschlich gab es noch nie ein Problem.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Es gibt natürlich einige Acts die wir uns nicht leisten können wie z.B. Caravan Palace oder ein Parov Stelar DJ Set. Aber die Party unserer Träume wäre wohl eher eine genreübergreifende Veranstaltung, wo oben genannte Künstler mit Bands wie Cat Empire und Balkan Beat Box aufeinandertreffen, aber neben der musikalischen Komponente auch verschiedene Formen von Kunst und Kulinarik eine Rolle spielen. Und vielleicht ein Lagerfeuer wo Manu Chao ein unplugged Solo Konzert gibt. Einfach so…

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Ganz klar werden wird es den Electro Swing Carneval in gleichbleibender Qualität weiterhin geben. Für die Wintermonate haben wir bereits ein großartiges Programm erstellt. Wir arbeiten aber auch zusätzlich an einem zweiten Konzept, das musikalisch noch viel offener und vielfältiger sein wird. Darüber können wir aber jetzt noch nichts verraten…

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Was uns sehr gefällt ist das der Focus gleichermassen auf bekannten wie Nischen-Acts gerichtet ist, als Veranstalter wünschen wir uns natürlich mehr Werbe-Möglichkeiten , selbstverständlich gratis 😉

Danke für die fantastische Arbeit, die Wiener Club und Musikszene braucht genau solche Enthusiasten wie Euch.

Neben einem netten Interview haben uns Adish und Marx West hier auch noch zwei Hörproben davon zur Verfügung gestellt, wie Electro bzw. Nu Swing im Jahr 2015 so klingt – wer mehr davon hören möchte hat wie jeden Monat auch am 12. Dezember im Cafe Leopold Gelegenheit dazu, diesmal mit Arts & Leni aus Hamburg als Special Guest!

Electro Swing Carneval Promo Mix 2 (Electro Blues Special) by on play.fm

 

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Electroboot

Im Club mit: ElectroBoot (Interview + Mix)

Strahlender Sonnenschein statt Stroboskopblitzen, der Duft des blauen Donauwassers statt dem von Rauch und eingetrocknetem Bier, ein Schiffsdeck anstatt eines Kellerclubs – so außergewöhnlich lässt es sich in Wien dank dem ElectroBoot feiern. Wir haben Armin, den Chefkapitän dieser Veranstaltungsreihe, zum Interview gebeten – er hat uns Rede und Antwort gestanden und ein paar schöne Live-Mitschnitte mitgebracht!

ElectroBoot – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

ElectroBoot besteht aus keinem fixen Team, auch die Aufgabenbereiche werden immer wieder neu verteilt. Es sind hauptsächlich Freunde, die das Projekt unterstützen und ihre Ideen mit einbringen, um jedes Jahr aufs Neue etwas Einzigartiges für Wien zu schaffen. Einige sind von Anfang an dabei gewesen, manche nur für die eine oder andere Veranstaltung.

Seit wann ist EletroBoot im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Geduldiges Anstellen bei der Anlegestelle...
Geduldiges Anstellen bei der Anlegestelle… (Foto credit: Georgeye)

Ich war immer viel auf Reisen um Freunde zu besuchen und mit ihnen auf die verschiedensten Festivals und Parties zu gehen. Was mich dabei interessiert hat, war natürlich in erster Linie die Musik, aber auch immer das Gesamtkonzept, von der Location angefangen bis hin zur Deko. In den vielen Jahren habe ich es aber leider nie auf eine Boot Party gechafft, sei es aus Zeitgründen oder weil sie schon ausverkauft waren. Bis heute war ich nur auf meinen eigenen.

Im Sommer 2012, nach einem Kurzbesuch in London und einer weiteren Boot Party auf die ich wieder einmal nicht gehen konnte, habe ich mich entschlossen in Wien selber eine für und mit meinen Freunden auf die Beine zu stellen. Ursprünglich sollte es nur eine private Boot Party werden, aber da es in Wien nicht so eine große Auswahl an Schiffen gibt und das kleinste welches in Frage gekommen ist für ca. 200 Gäste ausgestattet ist, war der nächste logische Schritt, einen Veranstaltungsnamen samt Logo zu gestalten, Tickets zu verkaufen und so eine öffentliche Veranstaltung daraus zu machen.

Schnell fanden sich viele Freunde um gemeinsam das Projekt ElectroBoot zu realisieren, und das Vienna Summerbreak Festival, welches Anfang September stattfand, hat sich optimal dazu angeboten es zu promoten.

So entstand in wenigen Wochen das ElectroBoot mit einem kleinen Truck im Look vom ElectroBoot Logo auf der Streetparade, Afterparty im Badeschiff und Afterhour in der Pratersauna. Es hat so viel Spass gemacht und so ein tolles Feedback bekommen, dass klar war: Es gibt 2013 eine Wiederholung.

Und wie sieht es bei ElectroBoot aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Bis 2014 fand das ElectroBoot immer nur einmal im Jahr statt, und immer auf Schiffen der DDSG, an Bord gab’s bisher immer Techno und House. Dieses Jahr haben wir ein wenig herum experimentiert, mehrmals auf Schiffen, auch von anderen Schifffahrtsunternehmen veranstaltet und auch mal Drum & Bass an Bord gehabt, aber grundsätzlich wollen wir unserer Linie treu bleiben.

Wenn eine Location außergewöhnlich ist, kann es auch gerne etwas anderes als ein Schiff sein, dann meistens aber unter einem anderen Namen.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

...und ausgelassenes Feiern an Bord!
…und ausgelassenes Feiern an Bord! (Foto credit: Georgeye)

Einige können bestimmt davon leben, ich rede da aber eher von kommerziellen Groß-Veranstaltungen – die Mehrheit von Veranstaltern glaube ich nicht. Ich weiss nicht was die Motivation der anderen ist, für mich ist es, dass die Menschen für ein paar Stunden aus der Realität entspringen können und gemeinsam mit einer unglaublichen Energie kollektiv feiern.

Die behördlichen Hürden und die vielen Steuern, vor allem die Vergnügungssteuer, sind das größte Problem. Meiner Meinung nach verhindert das sicher so einiges an Kreativität, die es in unserer Stadt gibt. Ich weiß, da stehe ich sicher nicht alleine mit meiner Meinung da. Ich hoffe es wird in der Regierung bald ein Umdenken zu diesem Thema geben.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Im internationalen Vergleich ist Wien sicher noch ein wenig hinten nach, braucht sich aber auch nicht zu verstecken, es gibt einige sehr gute Clubs und Veranstaltungsreihen. Für die Größe unserer Stadt gibt es zum Teil vielleicht auch zu viele Veranstaltungen, aber ich glaube das wird sich schon einpendeln und macht die die Szene auch kreativer in der Frage, wie sie das Publikum anzieht.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Das erste ElectroBoot, der TechnoGrill Open Air im Prater letztes Jahr und das Season Opening im April gehören auf jeden Fall zu meinen Favoriten.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Ganz klar, die Reinigung des Schiffes nach einer exzessiven Party, um es innerhalb weniger Stunden wieder zum ursprünglichen Touristen-Dampfer herzustellen 🙂

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Ja klar, aber dazu äußere ich mich jetzt nicht.

...und nach dem fröhlichen Donauausflug heißt es rechtzeitig zur Afterparty wieder anlegen :)
…und nach dem fröhlichen Donauausflug heißt es: Rechtzeitig zur Afterparty wieder anlegen 🙂 (Foto credit: Georgeye)

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Wenn Geld und Ressourcen keine Rolle spielen wäre die ganze Welt eine Riesenparty.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Das steht noch alles in den Sternen, aber man kann gespannt sein.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Dazu fällt mir nur ein Wort ein. Geil!

Da es sich in den kühlen Wintermonaten auf einem offenen Deck naturgemäß weniger gut feiern lässt, ist das ElectroBoot in den nächsten Monaten mal auf wohlverdienter Pause – wer über die nächsten Ausflüge informiert bleiben möchte, sollte unbedingt die Facebook-Page von ElectroBoot abonnieren. Zur Überbrückung hat uns die ElectroBoot-Crew außerdem sonnige Mitschnitte vom diesjährigen Season Opening zur Verfügung gestellt – insgesamt vier Stunden Musik mit so viel sonnigen Vibes, dass sich selbst der bitterste Winter gut übertauchen lässt!

 

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Vihanna

Im Club mit: Vihanna (Interview + Mix)

“For greater glory in Vienna’s nightclub scene” liest es sich kurz und bündig auf der Facebook-Page des DJ- und Veranstaltungskollektivs Vihanna, und mehr müsste dazu eigentlich nicht gesagt werden. Wir tun es trotzdem und haben dafür die Verantwortlichen für viele durchtanzte Abende, in denen zwischen massentauglichem R&B und vertracktestem Underground Grime so ziemlich alles passieren kann, zum Interview gebeten!

Vihanna – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Wir sind insgesamt zu sechst und alle vor allem einmal DJs. Die Aufteilung bei den Veranstaltungen passiert dann immer spontan. In Kürze haben dann auch alle von uns einen Führerschein. Wirklich.

Seit wann ist Vihanna im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Unsere erste Veranstaltung war Anfang 2013. Wieso? Der Klassiker: Wir wollten unsere Musik auch wieder mehr im Club hören und eine gute Zeit haben. Nachdem die wegweisenden Loud Minority Parties immer weniger wurden, lag das ein bisschen brach. Es ging dann ziemlich schnell.

Vihanna #01 anno 2013
Vihanna #01 anno 2013

Und wie sieht es bei Vihanna aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Aktuell machen wir uns ein bisschen die Unregelmäßigkeit zur Regel. Hier und da Kollaborationen mit anderen, aber natürlich auch reine Eigenveranstaltungen. Als Nächstes haben wir mit den Fairlights DJ Haus und dann im Jänner wieder ein eigenes Festl.

Musikalisch kommt das alles aus dem Bass, Rap, Grime, Footwork, aber auch Pop und R’n’B‘ und was da noch dazu kommt. Konzept ist, was gefällt. Wir wollen uns nicht zu schade für irgendwas sein, ironisch ist dabei aber nichts.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Wir sind recht froh darüber, nicht davon leben zu müssen, einfach weil der Zwang wohl den Spaß ebnen würde. Wenn man sich ein Hobby zum Beruf macht, geht dann damit das Hobby flöten. Wir machen das, weil es uns gefällt, würde auch Jimmy Hoffer sagen.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Vihanna auf Ausflug in Vorarlberg
Vihanna auf Ausflug in Vorarlberg

Wien ist super. Mit den anderen Veranstaltern gibt es einen freundschaftlichen Austausch und so geht das eben dahin. Insgesamt weniger Jammern vielleicht. Ein paar zusätzliche Locations wären auch ganz nett, aber im Großen und Ganzen passt das hier schon alles. Ich finde, Wien ist in punkto Clubkultur ganz gut aufgestellt.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Highlights gab es einige, aber es ist ein bisschen schwer das zu trennen. Aus Sicht des Veranstalters freue ich mich über viele Gäste, aus DJ-Sicht über eine gute Stimmung und als Gast über beides und gute Musik. Unsere erste Party war vielleicht deshalb ein Highlight, weil es so unerwartet und spontan gut funktionierte.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Gerade die erste Party wurde fast abgesagt weil uns die Location zwei Tage davor abgesprungen ist. Wir haben uns gar nicht ausgekannt und geflattert was nur geht, aber dass dann aus der Not eine Tugend wurde freut uns natürlich. Sonst der ganz normale Wahnsinn wie:

  • Clubbesitzer um 01:00: “Das Bier ist aus.”
    Wir: “Oasch”
  • Clubbesitzer um 21:00: “Hi, das ist übrigens unser Rechtsvertreter. Ihr könnt dann hier unterschreiben, dass ihr für alles haftet und die Heisln putzen müsst.”
    Wir: “Oasch”
  • Clubbesitzer um 20:00: “Schauts da hab ich auch alles hingestellt.”
    Wir: AÄh, CDJs und Turntables sind alle hinüber und es gibt keinen Monitor.”
    Clubbesitzer: “Letzte Woche hat noch alles funktioniert. Ganz sicher.”
    Wir: „Oasch“

Usw.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Cid Rim bei Vihanna mit Bart-Simpson-USB-Stick im Mund (Foto credit: Andreas Hagenauer)
Cid Rim bei Vihanna mit Bart-Simpson-USB-Stick im Mund (Foto credit: Andreas Hagenauer)

Pfuh, Endgültigkeiten sind immer schwierig. Unser erstes Booking war Cid Rim und er wollte, dass wir ihm das Ticket für die 5er Linie zahlen, ihm alle paar Minuten die FA-Cup-Zwischenstände durchgeben und dann hat er mit seinem Bart-Simpson-USB-Stick im Mund die Kenny G Version von “My Heart Will Go On” gespielt. Es war sehr nett.

Wir hatten nie ein Problem mit einem Booking, ganz im Gegenteil. Manche waren rauschig, manche nicht. Manche wollten Erdnüsse, manche nicht. Alles voll ok und wir würden wohl jeden einzelnen wieder holen. Wichtig ist uns, dass die Menschen, die wir einladen auch eine gute Zeit haben. Vielleicht ist das auch irgendwo ein Vermächtnis der Loud Minority (Danke Claus).

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Das würde jeder einzelne von uns wohl anders beantworten. Und das ist auch gut so.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

2016 wird super.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Eure Seite ist auch sehr super.

Wie all das so ungefähr klingen kann präsentiert uns The Shambolic, ein Sechstel von Vihanna, im einstündigen Exklusiv-Mix – mehr davon wie erwähnt am Freitag, 27. November im Aux Gazelles, wo Vihanna in Kooperation mit dem Fairlight Club den grandiosen DJ Haus von Unknown To The Unknown präsentieren!

 

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Basstrace

Im Club mit: Basstrace (Interview + Mix)

Ein Umstand, der bei vielen unserer bisherigen Interviews mit Wiener Veranstaltungs-Crews bemängelt wurde, ist der besch..eidene Zustand der hiesigen Soundsysteme. Die Truppe von Basstrace nimmt die Dinge selbst in die Hand und zieht mit eigenem Soundsystem durch die Clubs – und dieses hat es in sich. Musikalisch drehen sich die Abende dabei naturgemäß um alles, was in niedrigeren Frequenzbereichen ordentlich wummert. Isonoe, einer der Mitgründer des Soundsystems, war so nett uns mehr davon zu erzählen.

Basstrace – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Wir sind eine Wiener Neigungsgruppe für elektronische Bassmusik, kollektive Herzschlagrate 130 – 160 bpm. Die meiste Zeit allerdings 140, weil Dubstep im Fokus steht. Dabei pflegen wir Verbindungen zum dubstep.at Netzwerk und darüber hinaus.

One big fam – und eigentlich verstehen wir uns als regelrechten Clan. Und so ein Clan der hat Rollen. Da gibt es von Clan-Daddies bis zum Einzelgängerkind fast alles dabei. Wie bei den Waltons. Wieviel waren das nochmal? Keine Ahnung, wir sind jedenfalls mehr! Über zwanzig Leute aus verschiedenen Ecken des Landes und darüber hinaus, aus mehreren Altersklassen (von 20 bis 35) machen Basstrace aus. Der Sound allein hat einen Haufen verschiedener solider Talente zusammengebracht. DJs, VJs, Soundmen, Soundboys & Soundgirls, Merch- & Goodie Produzent_innen, Bühnenbauer_innen, Fahrer, Clan Cater_innen, Securities und und und. Wir wachsen und gedeihen fortlaufend und freuen uns über jede_n der/die aktiv mitmachen will und kann.

An dieser Stelle many many shouts out to Moon, The Zion Archives, Nobody, Damask, Rubbah, SORA, Apoxid, Ronin, Leomann, Sprengmeister, Tetrapak, Syrup Visuals, Marina, Ronja, Nadine, Vali, Carina, Andi, Dani, Moritz, Michel, Billy!

Seit wann ist Basstrace im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Ein Teil der Basstrace Family
Ein Teil der Basstrace Family (Foto credit: Persé Photography)

Basstrace ist neu im Sinne von 2015 gegründet. Eigentlich ist das eine lange Geschichte, aber das war demnach der Kern der Frage. Also – es war einmal…

Log System Sound, ein Zwei-Mann-Soundsystem-Kollektiv. Isonoe und sein damaliger Partner haben über mehrere Jahre hinweg in liebevoller Kleinstarbeit ein besonders bass-starkes HiFidelity Soundsystem gebaut (eine Geschichte für sich, die hier nicht näher ausgeführt werden soll – besser man kommt und spürt selbst rein).

Das System wurde dann in Wien erstmals 2013 in der Fluc_Wanne aufgestellt, Veranstaltungstitel: “Speakers Corner”. Das war übrigens auch das Jahr in dem RAW in die Langzeitpause gegangen war und nachdem Bounce sich selbst für tot erklärt hatte. Funkstille in Wien am untersten Ende der Frequenz-Fahnenstange als wir kamen. Sehr hart für uns. Und hat sich dann doch nicht bewährt. Gründe gab es viele, aber vor allen Dingen der herannahende Ausstieg eines der beiden Soundmen.

Sollte Isonoe, also ich, die bis dahin hart erarbeiteten Träume auch wieder fallen lassen? Sicher nicht! Ich habe mir dann das ganze System auf den Buckel geschnallt, nicht wissend wo die Reise hinführt. Es wurden viel Kartoffeln gegessen. Systemanteile ablösen kann recht teuer sein. Und manchmal waren die Nächte schlaflos, weil 1,5 Tonnen Sound allein daheim zu haben manchmal ein schwerer Brocken ist. Wohin damit? Wie handeln? Und vor allem mit wem? Für wen? Phase 0 nannte ich das für mich. Immer viel Hoffnung dabei, dass sich was entwickeln wird. Und so kam es dann auch.

Über den Beitritt zu einem wundervollen Kollektiv (Spezial/Hoppala/Technosonntag), das non-kommerziell Open-Airs, Underground-Raves und sonstigen Techno-lala an unüblichen Wochentagen macht, wurden mir und damit Basstrace vor seiner Gründung schon wichtige Grundwerte vorgelebt: DIY, Community Spirit und die Freude an der Sache an sich. Diese bereichernden Erfahrungen und gute Gespräche mit diesen tollen Menschen sowie anderen langjährigen Weggefährten zeigten mir, dass es gut ist wie es gekommen war. Und dass die Zeit Ende 2014 reif war, wieder was für Bassmusik zu tun in einer Stadt, die vor House, Techno, Freetek geradezu am Überquellen war. Wo waren die eklektischen Musikliebhaber geblieben, die mehr als nur auf 4×4 zählen konnten? Bestimmt irgendwo da draußen, versteckt. Meine Mission: Basstrace. Let’s go find them. Let’s build a scene – together.

Ende Herbst 2014 waren wir zu zweit. The Zion Archives, Dubstep Producer, DJ, Illustrator und damit auch unser Grafiker, stieg sofort ein als ich ihm von dem Vorhaben erzählte. Wir traten mit dem Fluc in Kontakt und bekamen prompt für Jänner 2015 einen Termin. Die ersten Bassheads gaben sich in der Crowd schnell zu erkennen und neue Clanmitglieder kamen, die unsere Philosophie vom Fleck weg teilten.

Und wie sieht es bei Basstrace aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Das Basstrace Soundsystem
Das Basstrace Soundsystem (Foto credit: Kurt Prinz)

Kurz gesagt: “Basstrace is here to share, enjoy and recultivate what so many miss: the trueschool roots of dubstep. Providing an alternative to mainstream. Beyond mass spectrum.”

In einer Zeit, wo der Hype schon lange weitergezogen ist machen wir unser Ding in seinem Schatten. Koste was es wolle, wir haben da eigentlich keine Wahl. So ist das, wenn man etwas wahnsinnig liebt und es auch teilen will.

Live & direct, keine unnötigen selbstbekräftigenden Schnörkeleien, geradlinig und echt. Trueschool sound system culture eben. Und das in einem Spektrum, das gerade im Herkunftsland UK noch immer wahnsinnig boomt, doch hierzulande nach wie vor massiven Entwicklungsbedarf hat.

In Basstrace hörst du vor allem Eines: Dubstep, Dubstep, und noch mehr Dubstep. In all seinen Spielformen, EDM Brostep ausgenommen (eh klar). Wohldosierte Ergänzungen durch Artverwandtes (UK Bass, Grime, Garage/2-step, Halfstep DnB) kommen vor, werden aber sicher nie das Ruder übernehmen. Aus tiefer Überzeugung heraus und im Sinne einer kulturellen Artenvielfalt wollen wir gerade Dubstep den Raum geben den er verdient. Zumindest einmal im Monat. Von der intimen Fluc-Session im Café oben bis zum massiven Dubrave mit bass-schwerem Soundsystem an entsprechenden Off-Locations wie bisher dem Tüwi oder dem EKH.

Manch Eine_r weiß mitunter noch gar nicht, was er/sie verpasst. Im Ernst jetzt. Neben den Heads, die wissen was sie wollen und sich ein Bein bis zur nächsten Session wegfreuen, kommen auch immer wieder genrefremde Personen dazu. Die wissen zwar Anfangs nicht mal wie das Genre heißt, sind aber oft vom Fleck weg emotional berührt und löchern uns dann mit leuchtenden Augen 1000 Fragen in den Bauch.

Demografische Kategorien wie Alter (ab Volljährigkeit), Herkunft, soziale Schicht usw. sind natürlich völlig nebensächlich. Einzig wichtig ist uns, dass unsere Community friedlich vereint und frei von Ismen funktioniert. Das heißt, Respekt und Toleranz ist ein Muss. Gilt nicht für Blauwähler, die müssen uns mal vor der Türe draußen erklären, warum sie solchen Blödsinn machen *lacht*

Zu Basstrace gehört auch, dass wir wo auch immer wir können, ein sozialcharitatives Element einbauen. Schon im April hatten wir gemeinsam mit dem Label Red Moon Rising für den Humanitarian Bazaar, einem in Somalia tätigen Sozialprojekt, Spenden gesammelt sowie im Juli für das gerade überall rund um uns aufpoppende #refugeeswelcome Thema Geld- und Sachspenden entgegengenommen und zweckgebunden zugeführt. Wenn wir feiern, soll es in mehrfacher Sicht wirken. People have to feel it.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Die Basstrace Crowd
Die Basstrace Crowd (Foto credit: Persé Photography)

Brötchen verdienen wir am Tag woanders. Basstrace ist bislang nichts als Liebhaberei. Alles was reinkommt wird ins Kulturschaffen reinvestiert bzw. gespendet. Das gehört zum Underground-Dasein dazu.

Wovon wir aber sehr wohl „leben“ ist der Spirit. Glückliche Community, glückliche Location-Geber, glücklicher Clan. Einfach die Kraft, die bei unseren Nächten rüberkommt.

Von was wir wie alle anderen abhängig sind ist natürlich Geld. No money, no honey. Gutes Finanzmanagement ist wirklich essentiell, gerade als Underground Bewegung. Weil bei uns alles auf freiwilligen Spenden läuft, müssen wir hart wirtschaften. Da können uns keine Patzer leisten, sonst blutet einer (meistens ich) und steckt rein.

Wenn es um Dubraves mit Soundsystem geht, ist der größte Problemfaktor die Location. Da haben wir kaum uns bekannte Wahlmöglichkeiten. Was wir bisher probiert haben, war immer verbesserungswürdig, dh. wir haben entweder produktionstechnisch draufbezahlt oder die Leute sind nicht hingekommen, weil der Ort nicht extrabequem angebunden ist mit Nacht U-Bahn. Da könnte man schon auch sagen, es liegt auch ein bisschen an den Fortgehgewohnheiten der Wiener_innen. Wenn man nicht Freetek oder Goa Kultur innehat, will man nicht weit fahren.

Wir bräuchten jedenfalls echt eine solide und gut erreichbare Off-Location die wir nach unserem Geschmack mit unserem System bespielen können ohne dass uns wer zu viel dreinredet (Anrainer, Betreiber etc.).

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

The Zion Archives
The Zion Archives (Foto credit: Persé Photography)

Die Entwicklung des Publikumsgeschmacks folgt aus unserer Sicht gegenläufigen Trends. Während die einen vom Höher-Schneller-Weiter-Prinzip nicht genug kriegen können, mehrt sich die Zahl jener, denen es auch nach Anderem dürstet, was nicht immer aber auch gleichzusetzen ist mit Entschleunigung. Insofern eine Entwicklung in die richtige Richtung.

Dass zu viel los ist, unterschreiben wir sofort. Dass zu viel vom Gleichen passiert auch. Dass dadurch die Sichtbarkeit auf Neues unterbunden ist gehört da dazu. Immer noch zu viele rennen dort hin wo sie’s schon kennen. Teils blinder Konsum. Dass sie da zehnmal mehr Geld liegen lassen, als an einem spannenderen, aber nicht so etablierten Ort scheint noch zu oft egal zu sein.

Da sollten auch die Clubs couragierter dran und selbst mehr wagen in Sachen Preispolitik kultureller Diversität, auch wenn es schwierig ist. A) das liebe Geld, darin schwimmen die Clubs wohl auch nicht mehr (sagen sie zumindest – keine Ahnung). Und B) Besucherzahlen immer mehr von virtuellen Communities abhängt, die der Fremdveranstalter halt mal so mitliefern muss, um den Club über Break Even zu bringen.

Weiters würden wir uns mehr solide und gut erreichbare Off-Locations wünschen, die ohne großem Risiko bespielt werden könnte. Gerade wir Soundsystem-Leute brauchen mit unserem passende Räume. Vielleicht fände sich da was das man auch selbst verwalten könnte, sofern sich die Stadt Wien mal ernsthaft ins Zeug legt in Sachen Zwischennutzung.

Letzter Punkt dazu wenn wir gerade bei der Wechselbeziehung Politik und Gesellschaft sind: das Wiener Lärmschutzgesetz. Es ermöglicht jedem, der sich gestört fühlt, Veranstaltern und Location-Betreibern das Leben schwer zu machen. Ein Anruf bei den helfenden Freunden genügt und die „Verursachenden“ sind schnell abgedreht.

Egal wer zuerst da war und in welchem zeit- und ortsgebundenen Zusammenhang es steht. Hier appellieren wir an die Toleranz in der Bevölkerung und bei den Behörden. Ein koexistentes aufeinander Zugehen in einer wachsenden Stadt sollte da möglich sein, sind wir überzeugt.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

The Zion Archives
The Zion Archives (Foto credit: Persé Photography)

Wenn zum Beispiel unser Soundsystem den ersten Ton von sich gibt und sprichwörtlich zum organischen Wesen wird, das uns mit Bass und süßen Melodien im Innersten trifft, umfließt, dann hat das schon gewaltiges Motivationspotential!

Wenn alles weitere rundherum stimmig ist und sich gut anfühlt, haben wir einfach Lust auf mehr. Auch bei den Session ohne eigenem System macht uns die gute Musik, die wir mit allen Anwesenden teilen, echt glücklich. Toll finden wir auch, dass wir mit unseren Sessions wiederholt Leute außerhalb von Wien anziehen. Und das sogar wiederkehrend – aus der Steiermark, Oberösterreich, aber auch aus Ungarn oder Italien.

Dazu die Zuversicht, dass wir wiederholt sowohl durch unsere lokalen DJs und Producer sowie internationale Gästen extrem hohe Qualität liefern. Wir hatten bislang Egoless (der Taktgeber schlechthin im dubbigen Spektrum von Dubstep), LSN (Meister aller melodischen Sparten) oder Joe Nice (“The ambassador of dubstep in America”, ein weltbekanntes Urgestein über den sogar mittlerweile eine eigene Doku gedreht wurde – also auch eine Geschichte für sich). Und die haben sich echt wohl gefühlt in Wien!

Das Sahnehäubchen ist die Resonanz in der internationalen Dubstep-Community, d.h. wir sind sichtbar und pflegen Beziehungen zu Veranstaltern die anderswo auf dem Erdball genau dasselbe machen. Auch namhafte Artists wie Mala, Gantz, Kahn, Om Unit, uvm. kennen uns.

Schließlich wurden wir auch schon gleich dieses Jahr zur Sound System Culture Conference im Zuge vom Outlook Festival eingeladen, dem globalen Bass Music Mekka dieser Tage.

Ganz schön cool für uns Neulinge, oder? *grinst*

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Schwierig ist, wenn wir uns voll reinhauen, alles astrein läuft, wir gut kalkuliert haben aber wegen bereits erwähnten Faktoren doch nicht genug Besucher hinkriegen. Kam schon auch vor, Joe Nice im Juli zum Beispiel. Das schmerzt nicht nur finanziell sondern auch und von der vergebenen Liebesmüh her und was die nicht Anwesenden verpasst haben. Gerade Letzteres besonders. Aber motiviert umgekehrt nach einer Zeit des Wundenleckens umso mehr, noch weiter zu optimieren und noch besser “den Fuß in die Tür zu bekommen”.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Isonoe
Isonoe (Foto credit: Persé Photography)

Ja einmal, und das war keiner der oben Genannten. Der unliebsame Gast hat partout sein Serato nicht zum Laufen gebracht obwohl wir ihn angehalten haben, dass er sich besser mehr als 5 Minuten vor seinem Slot darum kümmern sollte bzw. wir ihm auch gerne helfen. Als er dran war war natürlich nix ready und dann mal 15 Minuten still. Er hat es vorgezogen – so wurde berichtet – seinen Status lieber dafür zu nützen alle möglichen Mädels anzugraben (inklusive der Freundin eines Kernmitglieds). Gar nicht professionell. Aufgelegt hat er übrigens auch grottenschlecht. Leider haben sich in Folge eine kleine Handvoll von Leuten im Publikum den Mund darüber zerrissen und es uns angekreidet.

Naja, sowas passiert garantiert nicht mehr. Wir legen seitdem noch mehr Wert auf eine gute Mischung aus persönlicher Beziehung und professionellem Anspruch mit den Artists.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Bomben Lineup (weniger Big Names, mehr Talente – die Liste ist zu lang zum Ausführen). Location ist da ein ordentliches Warehouse mit reichlich Infrastruktur (Hygienebereiche *grins*). Zwei Floors (groß, medium). Double Stack Soundsystem im einen, eine mittelgroße Void Anlage im Anderen. Stunning visuals everywhere. Tolle Bühnenaufbauten, wo es passt. Dazu ein Raum mit Pölstern, Wasserpfeifen am Boden zum Chillen und gutem Essen. Die Bars haben eine gute Auswahl an alternativen Erfrischungsgetränken und Alkoholika. Erschwingliche Preise.

Jede_r kann kommen. Freie Spenden gehen 50 % in unsere zukünftige Kulturarbeit, 50 % an ein gutes Sozialprojekt. Artists und alle Mitwirkenden bekommen eine adäquate Gage / Aufwandentschädigung. Purer Luxus sowas.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Basstrace Slipmat
Basstrace Slipmat (Foto credit: Persé Photography)

Weiterhin organisches Wachstum ohne Zwang. Nachhaltiges Kulturschaffen. Echte Erlebnisse die hängen bleiben – Killer Bookings und verstärkt auch wieder nationale Talentschauen. Arbeiten auch noch dran über unser eigenes Stamm-Format hinaus extern auftreten zu können, d.h. auf kleineren Festivals, in den anderen Bass-Mekkas des Landes bei unseren befreundeten Crews. Und sicherlich kommt auch eine weitere Location zum Fliegen (sachdienliche Hinweise sehr willkommen, liebe Leser_innen!)

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Respekt, eure Seite macht echt was her! Toll wäre, wenn ihr es schafft, noch mehr die lokalen Communities zu stärken, lokale Artists sichtbarer zu machen dadurch stärker auf eure Seite zu ziehen – weg von den Big Players wie Soundcloud, Facebook, o.ä. Wie ihr das hinbekommt außer über Initiativen wie diese, können wir euch leider nicht sagen. Wir wünschen uns das halt und euch dabei viel Erfolg!

Gleich eine ganze Reihe an Hörproben davon, was man bei Basstrace musikalisch so erwarten darf, hat uns die Crew hier zu Verfügung gestellt. Wer den Sound in full effect genießen möchte ohne es sich gleich mit den Nachbarn zu verscherzen hat in den nächsten Wochen gleich zweimal in der Fluc_wanne Gelegenheit dazu: Am Samstag, 28. November bei einer Free Party in Kooperation mit RAW und Vollkontakt sowie am Freitag, 11. Dezember beim nächsten “richtigen” Basstrace mit Dublix von der Deepnheavy Sounds Crew in Graz!

Mixes by Basstrace on play.fm

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!

Maschinenraum

Im Club mit: Maschinenraum (Interview + Mix)

Techno – mehr bräuchte es als Einleitung für dieses Interview eigentlich nicht. Denn wenn es in Wiens Nachtleben sowas wie Techno in Reinkultur gibt, dann beim monatlichen Maschinenraum im Werk. Etwas mehr über das wer, wie, wo, wann und warum erzählen uns Tilo Stahl und DJ Mushroom, beide Mitgründer, Mitveranstalter und Residents des Maschinenraums.

Tilo Stahl (Foto credit: VJ Azz)
Tilo Stahl (Foto credit: VJ Azz)

Maschinenraum – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Die Crew:

Tilo Stahl (Event Coordinator, Resident DJ)
Jojo Todos (Event Coordinator, Resident DJ)
Dj Mushroom (Event Coordinator, Resident DJ)
Lena:k (Resident DJ)
Zosima (Noiztank Records Mastermind, Resident DJ)
Schwartz (Schwartz Records Mastermind, Resident DJ)
Stuwer (Graphic Designer, Resident DJ)
Peter Balon (Club Founder)
Florian Bogdan (Website Admin, Club Founder)

Seit wann ist Maschinenraum im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Angefangen hat alles am 21.12.2011 in der Fluc Wanne. Unsere erste Veranstaltung hieß Klub der Maschinen und wurde von den Gründervätern Peter Balon und Florian Bogdan organisiert. Headliner war damals Mussurunga, ein Projekt von Didi Bruckmayr.

Da wir damals alle den Einheitsbrei aus schlechtem Minimal und Techhouse auf den Parties dieser Stadt satt hatten, musste etwas geschehen. Es ging uns vor allem darum, harten, düsteren, industriallastigen, basslastigen State of the Art Techno und damit verwandte Genres in den Club zu bringen. Roher Sound, analoge und digitale Maschinen, Berlin und Detroit als Bezugspunkte standen für uns im Vordergrund. Hirn einschalten und den Körper spüren statt sich zu Billigsound wegballern war die Devise. Daraus entwickelte sich einige Monate späterdie Veranstaltungsreihe Maschinenraum.

Maschinenraum #1 fand am 20.04.2012 mit Tilo Stahl, Jojo Todos und DJ Mushroom an den Decks im Expedit Keller statt. Mittlerweile haben wir #28 erreicht.

Und wie sieht es bei Maschinenraum aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Jojo Todos (Foto credit: VJ Azz)
Jojo Todos (Foto credit: VJ Azz)

Seit März 2013 ist das Werk unsere feste Homebase. Jeden vierten Freitag im Monat kann man uns hier antreffen.

Dem musikalischen Konzept sind wir seit den Anfängen treu geblieben. Wir versuchen allerdings auch, ständig mit der Zeit zu gehen. So konnten wir bei unserer letzten Veranstaltung einen modernen internationalen Act (SNTS) präsentieren, der ein Hybrid Set – sprich DJ Set kombiniert mit analogen und digitalen Klangerzeugern – zum Besten gab.

Auf den Punkt gebracht geht es um modernen, frischen, zukunftsorientierten Techno. Die Vergrößerung des Werks auf zwei Floors gab uns Gelegenheit zu Kooperationen mit befreundeten, geistesverwandten Crews wie Mutter oder Commandyoursoul, aber auch zu Ausflügen zu musikalischen Roots wie Detroit Techno, Industrial, Dark Ambient, Acid House, IDM, New Beat, Electronic Body Music etc.

Wir wollen ein Publikum ansprechen, welches unsere Bemühungen zu würdigen weiß. Verantwortungsbewusstsein, Respekt, die richtige Stimmung und Atmosphäre sind der Maschinenraum-Community wichtig.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Wir können momentan nur vom Werk sprechen. Wir fühlen uns sehr wohl hier. Die Kommunikation zwischen uns und dem Club funktioniert gut und ist von gegenseitiger Wertschätzung getragen.

Leben können und wollen wir von unseren Veranstaltungen nicht. Wir sind nicht profitorientiert. Es ist ein ständiges Nullsummenspiel.

Was uns antreibt, ist unsere gemeinsame Leidenschaft zur Musik und unsere Freundschaft. So wie wahrscheinlich die meisten unserer Kollegen würden auch wir uns eine andere Sperrstundenregelung wünschen.

Wir hoffen, dass uns in Zukunft neue Regelungen und Gesetze nicht die Arbeit erschweren.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

DJ Mushroom (Foto credit: Ursula Leitgeb)
DJ Mushroom (Foto credit: Ursula Leitgeb)

Die Wiener Technoszene, der wir uns verbunden fühlen, ist nach wie vor recht überschaubar, aber immerhin seit ein paar Jahren wieder lautstark präsent. Die Community, die bei Partyreihen wie Maschinenraum, Kanal Royal oder Meat Market die Dancefloors füllt, ist entsprechend dedicated und musikalisch anspruchsvoll. Wiener Labels wie Bare Hands, Noiztank, Schwartz, Minimalsoul, Felga Ltd., Yoshi oder Mego haben unseren vollen Respekt und Support.

Im internationalen Vergleich fällt auf, dass in Wien generell wenig Wert auf gute Tonanlagen gelegt wird. Ein Sound auf Kneipenniveau macht die adäquate Präsentation elektronischer Musik nicht einfacher. In diesem Bereich hat unsere Stadt definitiv Aufholbedarf. Voraussetzung dafür wäre natürlich zuerst mal ein Wegfallen bürokratischer Schikanen sowie das politische Bekenntnis zu einer lebendigen urbanen Musikszene auch abseits der subventionierten Festivals.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Alle unsere Veranstaltungen waren für uns Highlights, auf die wir gerne zurückblicken. Ein Tisch voller Equipment, ein angenehm gefüllter Club und gute Stimmung sind für uns Dinge, an die wir uns gerne erinnern.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten

Unangenehm sind für uns Momente, bei denen sich Leute nicht angemessen verhalten. Von Taschendiebstählen über Agression bis zu sexueller Belästigung haben wir schon einiges miterlebt. Solche Leute werden, sofern wir sie erwischen, umgehend nach draussen befördert.

Mühsam können sich auch Preisverhandlungen an der Kassa gestalten, zumal sich bei uns niemand persönlich bereichert und beim MR schon sehr lange eine Newsletter-Aktion läuft, bei der allen, die sich dort einmalig anmelden, immer ein reduzierter Eintrittspreis garantiert wird!.

Zosima (Foto credit: Ursula Leitgeb)
Zosima (Foto credit: Ursula Leitgeb)

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Mit den Künstlerinnen und Künstlern hatten wir bis jetzt überwiegend positive Erfahrungen.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Wir wollen von dem ausgehen, was wir haben und nicht von “was wäre wenn”. Teure Bookings sind kein Garant für den Erfolg einer Party. Wichtiger ist uns eine konsequente musikalische Ausrichtung, die auch von der Crowd am Dancefloor honoriert wird.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Wir setzten unsere Reihe im Werk jeden vierten Freitag im Monat fort und bleiben unserer Linie treu. Geplant sind spannende Kollaborationen mit anderen Veranstaltern. Verstärkt werden wir den Focus auf unsere Residents, Locals und Newcomer setzen. Internationale Acts wird es auch geben.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Die neue Seite macht einen modernen, übersichtlichen Eindruck. Wir finden es schade, dass niemand von uns bei der 30 Wiener DJ Liste dabei ist.

Das hoffen wir hiermit gebührend nachgeholt zu haben – dass Tilo Stahl wie auch die restliche Crew auf jeden Fall zum Besten gehören, was Wien in Sachen Techno zu bieten hat, stellt er im nachfolgenden Mix unter Beweis! Wer nun auf den Geschmack gekommen ist trägt sich am besten gleich in besagten Newsletter ein und feiert zum Beispiel am Freitag, 27. November, zum Spezialpreis: Wie jeden vierten Freitag im Monat gastiert der Maschinenraum da nämlich im Werk, diesmal mit Verstärkung aus Frankfurt in Form der DJs Plague, Pentaton und Maus!

 

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Funkroom

Im Club mit: Funkroom (Interview + Mix)

Es ist kein Geheimnis, dass Techno und House – in Wien wie so ziemlich überall auf der Welt – mit den Jahren durchaus zu einem nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor geworden ist. Und so erfreulich die weiterhin steigende Reichweite für eine ehemals verkannte Subkultur grundsätzlich sein mag, ruft sie naturgemäß auch Mengen von Trittbrettfahrern auf den Plan und es entsteht eine Kluft zwischen jenen Szene-Protagonisten, die aus niederen Motiven wie wirtschaftlichem Erfolg oder gesellschaftlichem Status aktiv sind und solchen, denen man das Herzblut bei jeder Kickdrum anhört. Zu letzterer Gattung darf man die Burschen vom Funkroom getrost zählen, die seit Jahren mit nahezu fanatischer Begeisterung Platten sammeln und auflegen, internationale Acts mit ebensolchen Ambitionen in die Stadt holen, sich dabei durchaus in Understatement üben und inmitten des Marketing-Trubels lediglich vereinzelt lauter zu hören sind – einfach, weil es ihnen dermaßen wichtig ist. Viel mehr Realness geht nicht. Grund genug, Roli alias Rol:e und Oli alias Moxx im Zuge unserer Interview-Serie auszufragen!

Funkroom – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Wir sind ein Kollektiv aus Künstlern, DJs, Musikproduzenten und Plattensammlern. Gemeinsam veranstalten wir Partys, tauschen Know-How aus und pflegen unsere Freundschaft.

Seit wann ist Funkroom im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Roli: Wir kennen uns aus der Clubszene. Der gemeinsame Gedanke, dass wir die Wiener Partyszene bereichern können, führte letztendlich dazu, dass wir Funkroom ins Leben gerufen haben.

Oli: Seit 2008 ca., als ich mir ein Mixtape vom Schicki angehört habe und mit ihm zusammenarbeiten wollte. Angefangen haben wir mit Einzelveranstaltungen, als die Crew dann größer wurde, sind wir auf eine monatliche Partyreihe umgestiegen.

Moxx (Funkroom) @ Club Auslage
Moxx (Funkroom) @ Club Auslage

Und wie sieht es bei Funkroom aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Roli: Vor 3-4 Jahren starteten wir unsere monatliche Partyreihe, welche nach einem halben Jahr in den Club Auslage übersiedelte. Im Moment veranstalten wir Afterparties in Off-Locations und hosten diverse Clubnights. Aktuell immer nachzulesen auf www.funkroom.net.
Ein Auszug unserer Philosophie beschreibt unser musikalisches Konzept ziemlich genau: “We aim to live pure dj culture by presenting artists who play extended sets, that reflect diverse styles and a broad spectrum of music.”

Oli: Neben musikaffinem Publikum sind natürlich alle weiteren Ausgeher herzlich eingeladen bei uns vorbeizuschauen. Prinzipiell ist jeder willkommen, der gerne unserer Musik lauscht und einen Abend mit netten und offenen Menschen verbringen möchte. Diskriminierung jeglicher Art hat jedoch keinen Platz bei uns.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Oli: Natürlich nicht… Die Gründe, weswegen wir Partys veranstalten sind keine monetären, sondern vorwiegend gesellige und musikalische.

Roli: Die Quelle meiner Motivation sind meist neue Platten und die Performances von Kollegen.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Oli: Es gibt einige seriöse Veranstalter, die ihr Bestes geben, um den Gästen ein tolles Programm zu bieten und interessante Künstler buchen. Mit denen wollen und werden wir auch zusammenarbeiten. Bei einigen kann ich jedoch nicht von einer Entwicklung sprechen, wenn seit Jahren immer dieselbe, hirnlose Musik gespielt wird… Ich würde mir generell mehr Offenheit und Toleranz gegenüber ausgefallener und artifiziellerer Tanzmusik wünschen.

Roli: Es gibt Licht und Schatten. Privat besuche ich gerne Veranstaltungen von Maschinenraum, Ascending Waves, Turbo oder die Klubnacht in der Pratersauna.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Oli: Silvester 2014 @ Metz. Das war eine unfassbare sicke Party… Gerne blicke ich auch auf einige Partys in der Auslage vor dem Umbau zurück. Ich bin im Nachhinein froh, dass wir dort veranstaltet und viele neue Leute kennengelernt haben.

Roli: Ich erinnere mich gern an Steve Rachmad und Dario Zenker in der Auslage.

Moxx & Rol:e (Funkroom)
Moxx & Rol:e (Funkroom)

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Oli: Nachhause schicken und -fahren nach der Party.

Roli: Montagmorgen.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Oli: Auch wir entwickeln uns musikalisch weiter… trotzdem bereue ich keines unserer Bookings. Unsere Gäste waren sehr freundlich und wir hatten eine gute Zeit.

Roli: Die waren eigentlich alle sehr umgänglich 😉

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Roli: Jeff Mills, Mad Mike, Robert Hood @ Grelle Forelle

Oli: Stinson @ Planet Mars, open air

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Oli: Wir konzentrieren uns derzeit vor allem auf unser YOSHI Label. Hier und da übernehmen wir ein Hosting oder bespielen das Metz. Es wird aber weitere Veränderungen geben, über die wir noch nichts Konkretes berichten können.

Roli: Überraschung.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Oli: Eventuell eine Eventsektion verlinkt mit dem Artist-Profil, um live Termine auszuchecken.

Roli: Einen Downloadbutton.

Funkroom gehört praktischerweise zu jenen Veranstaltern, die wir gar nicht erst um einen aktuellen Mix bitten mussten – sie sind bei der Verbreitung ihrer musikalischen Message ohnehin so konsequent, dass der regelmäßige Mix-Upload auf Play.fm zur Selbstverständlichkeit gehört. Daher sei an dieser Stelle auf diese angenehm umfangreiche Sammlung an Mixes und Mitschnitten verwiesen, die es aus dem Funkroom ins Internet geschafft haben – Zeit nehmen lohnt sich, jeder einzelne ein Juwel! Wer mehr davon hören möchte hat dazu am 21. November in der Grellen Forelle Gelegenheit, wo Moxx den Support für Ryan Elliott übernimmt, sowie bei der Yoshi Label Night am 28. November im Metz mit Buffered Multiple – dem Techno-Moniker von Microthol!

Mixes by Funkroom on play.fm

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!