From Vienna

The Birds & The Bees

Im Club mit: The Birds & The Bees (Interview + Mix)

Keine Veranstaltungsreihe wurde in unseren bisherigen Interviews mit der Wiener Veranstalter-Szene dermaßen oft als Inspiration genannt wie The Loud Minority. Die existiert in seiner ursprünglichen Form leider nicht mehr – in den warmen Sommermonaten leben der Spirit, die Musik und der über die Jahre entstandene Freundeskreis jedoch weiterhin in Form von The Birds & The Bees fort. Liebhaber seelenvoller Tanzmusik können die Sommerabende unter diesem Brand wahlweise am Dancefloor, im Garten oder auf der Hollywoodschaukel verbringen. Mr. Guan, seit Beginn Resident und treibende Kraft sowohl hinter The Loud Minority als auch The Birds & The Bees hat uns mehr darüber erzählt und einen schönen Mix mitgebracht.

The Birds & The Bees
Erinnerungen an einen heißen Sommer: Mr. Guan (mi.) mit den Gast-DJs Janefondas

The Birds & The Bees – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

The Birds & The Bees soll eine Anspielung an die Gefühle des Sommers, des Erwachens, der Liebe und der Leichtigkeit sein. Ich veranstalte das wöchentliche Event seit letztem Jahr solo mit Hilfe von guten Freunden die sich um Konzept und Grafik kümmern, einem Promo Team und einer fixen Crew Vorort.

Seit wann ist The Birds & The BEes im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Vor fünf Jahren rief mich ein guter alter Freund an, der damals den Volksgarten Pavillon gemanagt hat, und fragte: “Warum machst du eigentlich nichts bei uns?”. Ich fand die Idee sofort gut, ein Abend von Freunden für Freunde guter Musik in einer großartigen Garten-Location. Die Veranstaltung war als lockere sommerliche Dj Residenz gedacht und ist aus dem Loud Minority Umfeld entstanden.

Und wie sieht es bei The Birds & The Bees aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Wir starten jedes Jahr ab dem 1. Freitag im Mai und bespielen die Location wöchentlich bis Mitte September. Unser Publikum ist großartig, bunt durchgemischt, von Szene-Kennern, Musikern, Tänzern und Künstlern bis hin zum Städtereisenden, Expat und Anzugträger ist alles dabei. Genauso abwechslungsreich ist die Musikalische Auswahl mit dem gemeinsamen Nenner qualitativer Dance Music.

The Birds & The Bees
Bei The Birds & The Bees hat man die Wahl: Gemütlicher Garten – oder volles Haus…!

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Finanziell geht sich alles unterm Strich aus, die Motivation ist aber in erster Linie leidenschaftlicher Natur.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Highlights waren zum Beispiel die “The Loud Minority” Konzert-Reihe im Porgy & Bess mit Künstlern wie Bilal, Thundercat, Aloe Blacc
Die familiären Abende damals im Roxy.. da werde ich ganz nostalgisch wenn ich daran denke. Sa-Ra Creative Partners im Planetarium!!!! Es gibt so viele…

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Nach viel Vorbereitung, Einsatz und Herzblut eine Veranstaltung mal nicht so gut gelaufen ist und man am Ende völlig erschöpft und müde Resümee ziehen muss.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Nope.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

The Birds & The Bees
Bereits das Artwork vermittelt eine Idee von Sommer, Sonne und good vibes…

Ein The Birds & The Bees New Years Eve / Full Moon Special in Mexico am Strand von Tulum mit DJ Jazzy Jeff, J Rocc, Karriem Riggins. Alle Gäste werden VIP mässig eingeflogen und verpflegt 😉

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Ich freue mich jetzt schon auf The Birds & The Bees Summer Season 2016 jeden Freitag im Volksgarten Pavillon.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Mir gefallt das schönes übersichtliche Design, die Suchfunktion über Städte ist ein nettes Feature.

Auch wir freuen uns schon auf weitere wahlweise ausgelassene oder gemütliche Freitag-Abende im kommenden Sommer – am 6. Mai 2015 geht es wieder los! Etwas Sonnenschein für die kalten Wintermonate findet ihr anbei im Mix von Mr. Guan, mitgeschnitten bei der diesjährigen Closing Party von The Birds & The Bees!

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!

Canyoudigit

Im Club mit: Canyoudigit (Interview + Mix)

Wie sehr Canyoudigit ihrer Zeit voraus sind, beschreibt ihr Februar-Booking 2013 wohl am treffendsten: Damals haben sie Baauer als sowas wie einen Geheimtipp aus dem gerade aufkeimenden Trap-Mikrokosmos gebucht – weil der Harlem Shake keine zwei Wochen vor dem Termin viral wurde, musste die Party dann kurzerhand vom Cafe Leopold ins Flex übersiedelt worden, um die Wahrscheinlichkeit einer Massenpanik in überschaubaren Grenzen zu halten. Aber auch abseits dieses populären Beispiels definiert Canyoudigit mit Acts wie RustieMount KimbieHudson MohawkeOnra oder Letherette den Sound von morgen aktiv mit. Gastgeber kidkut hat uns im Interview einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht.

Canyoudigit – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Canyoudigit habe ich (kidkut) damals mit zwei Freunden gegründet. Shoutout an Melik & Seb1 an dieser Stelle. Seit einigen Jahren kümmere ich mich zum größten Teil aber alleine um die Events. Antonia ist seit kurzem Resident DJ und teilweise auch in die Organisation involviert. Mit Vibestar arbeiten wir oft eng zusammen, König Laho ist unser Fahrer, Ra-B der Host, KajaKo macht die Visuals und die Flyer kommen von Florian Schrödl aka the great.

Seit wann ist Canyoudigit im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Im Jänner feiern wir unseren sechsten Geburtstag. Entwickelt hat sich das eigentlich ganz natürlich… Ich habe früher schon viel aufgelegt und wurde dann von einer Venue gefragt, ob ich nicht Lust hätte was bei ihnen zu machen. Yup.

Und wie sieht es bei Canyoudigit aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort - Canyoudigit mit Baauer im Flex
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – Canyoudigit mit Baauer im Flex

Veranstaltungen machen wir mindestens jeden zweiten Monat in der Homebase, dem Cafe Leopold und wie es sich gerade ergibt öfters auch in anderen Venues. Die Basis der Veranstaltungsreihe liegt, wie der Name vielleicht vermuten lässt, im Funk & Hip Hop. Beides spielen wir nach wie vor natürlich gerne, aber auch sehr viel “Bass Music”, Future Beats, Jersey, Disco, House, usw. Ansprechen wollen wir Menschen, die sich für Musik interessieren und/oder einfach nur eine schöne Zeit haben wollen.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Obwohl in Wien gerade momentan sehr viel weitergeht, kann man realistisch gesehen wohl eher nicht davon leben. Problematisch sind oft grantige Nachbarn, schlechte Anlagen und das veraltete Equipment in vielen Venues. Hauptmotivation ist das Musikalische. Gute Leute nach Wien holen, mit ihnen auflegen und sich austauschen.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Das Angebot an Veranstaltungen ist im Verhältnis zur Größe eigentlich enorm stark und gerade in unserem musikalischem Spektrum steht Wien aufgrund von Leuten wie Dorian Concept auch im internationalen Vergleich ziemlich gut da. Trotzdem dauert es, vielleicht auch wegen der gemütlichen Grundmentalität, immer ein bisserl länger bis die Leute gewisse Dinge annehmen und gut heißen können.

Schnappschuss eines Highlights: Jesse Boykins & Band bei Canyoudigit im Cafe Leopold
Schnappschuss eines Highlights: Jesse Boykins & Band bei Canyoudigit im Cafe Leopold

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Afterhour mit Seven Davis Jr. am Volksgarten Pool, Hudson Mohawke der nach dem Donauinselfest mit einer Packung Gummibärli in der Hand im Celeste Beenie Man auflegt oder während dem eigenen Set von Rustie gehostet zu werden, z.B.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Englische Booking Agenturen können richtig schwierig sein. Im Grunde hat bislang aber immer alles gut geklappt.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Das ist jetzt schon sehr lange her, aber an einem Abend ist unser Hauptact plötzlich mit nacktem Oberkörper, Bier zapfend, hinter der Bar gestanden und wollte mit unserem Lichttechniker kämpfen. Im Endeffekt ist dann aber glücklicherweise nichts passiert, und zumindest rückblickend ist das dann eh eine lustige Anekdote.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Spontan: Blood orange + Skepta + King Krule + Future Brown live,
Cashmere Cat, Brick Bandits, Soichi Terada, MCDE & Kutmah b2b J Rocc DJ-Sets.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Kidkut und Antonia - die Canyoudigit-Hosts in full effect
Kidkut und Antonia – die Canyoudigit-Hosts in full effect

Am 9. Jänner 2015 feiern wir mit vielen Freunden und internationalem Booking unseren Geburtstag. Vieles weitere ist in Planung, aber noch nicht spruchreif.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Die finden wir super!

Den 9. Jänner sollten sich Liebhaber von allem, was basslastig und funky ist, also schon mal vormerken: Da feiert Canyoudigit, wie gehabt im Cafe Leopold, seinen sechsten Geburtstag, und zwar mit Branko von Buraka Som Sistema und einer ganzen Reihe an befreundeten Acts aus Wien und darüber hinaus. Für die Zwischenzeit gibt’s im Anschluss zweimal Canyoudigit zum Immer-Wieder-Hören – einmal kidkut’s Warmup-Mix für den Hudson Mohawke Wahnsinn beim diesjährigen Donauinselfest, einmal Antonia exklusiv für unsere letzte Interview-Reihe!

 

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Daily One Hour

Im Club mit: Daily One Hour (Interview + Mix)

In Wien mangelt es bekanntlich nicht an Drum & Bass Partys, aber man wird es schwer haben, ähnlich ausgelassene, lustige und familiäre wie jene der Daily One Hour zu finden, bei denen der Spaß an der Musik und die guten Vibes im Vordergrund stehen. Deshalb und nicht zuletzt weil sie uns schon seit 2009 mit ihrer monatlichen Radioshow begleiten dürfen sie in unserer Feature-Reihe über die Wiener Szene nicht fehlen!

Daily One Hour – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Ursprünglich gegründet wurde die Daily bereits Anfang 2007 als DJ-Kollektiv für kleine private Auflegereien in Wiener Wohnungen. Anfangs waren wir zur dritt, Construct, Mojo und Urbanfreak, relativ schnell holten wir dann Milleks ins Boot. Er ist neben Mojo der Rechner und kühle Denker, während Consi & Freak eher die emotionalen Hitzköpfe mit Hang zur Dramatik sind. Nach einiger Zeit stieß dann noch unser Bayrisches Ehrenmitglied Tuff Gee dazu. Je nach Zeit und Talent sind die Aufgaben im Kollektiv derzeit fliegend verteilt.

Seit wann ist Daily One Hour im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Daily One Hour Family
Ein Bild wie aus dem Familienalbum: Die Daily One Hour Crew mit Family & Friends, damals im Jahr 2007…

Man kann sich gut vorstellen, dass uns die kleinen Wohnzimmer bald zu eng wurden und auch die Lautstärke am Limit war. Also haben wir uns entschlossen die Daily One Hour offiziell in die Nacht und den Club zu verlegen. Am 27. Juli 2007 im Club Massiv war es dann soweit. Wir als Crew mit MC Bombaman und Ramun MC! Ein paar Monate später hatten wir dann unseren ersten internationalen Act mit DJ Bungle. Nach langer schwieriger Suche und mehreren Locationwechseln haben wir vor einigen Jahren unser zu Hause im Roxy in der Faulmanngasse gefunden. Legendärer Club mit sub-kultureller Geschichte. Wer erinnert sich nicht an die All Souled Out Partys, noch unter der Aufsicht von Aziz und Mat, an der Bar mit Ravin und Ramis! Wir haben den Jungs wirklich viel zu verdanken.

Und wie sieht es bei Daily One Hour aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Urbanfreak
Die Crew 1/5: Urbanfreak (Foto credit: Martin Uhlir)

Aktuell wollen wir Mellow Drum & Bass in Wien wieder stärker etablieren und sind froh in Eugen, dem neuen Besitzer des Roxy, einen guten Partner gefunden zu haben. Das Roxy ist für unser Konzept von der Größe und seinem Ambiente genau richtig. Seit Anfang 2015 sind wir wieder vermehrt aktiv und veranstalten derzeit jeden vierten Freitag im Monat eine Party. Unserem Alter entsprechend, sind wir nach einer Sturm&Drang-Phase mit JumpUp & Neuro nun bei Mellow und Soulful Drum & Bass angekommen. Und dort bleiben wir!!!!

Unsere Gäste sind so um 25+ herum, aber auch jüngere, abseits des harten Rave Sounds, sind bei uns herzlich willkommen! Als reinem Gentlemansclub sind uns jedoch 30jährige, finanziell unabhängige Frauen mit “Beinen bis zum Hals“ am liebsten 😉

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Construct
Die Crew 2/5: Construct (Foto credit: Warda)

Davon leben könnte nicht mal einer von uns, das war aber auch nie unser Anspruch. Uns geht es um die Party und den Vibe, der dort entsteht. Vor allem unsere tanzenden Freunde sind Motivation und Antrieb, Zeit in so ein Projekt zu investieren. Wenn das Budget mal wieder schwach ist, können wir keine Internationalen Acts holen, Österreich bietet aber genug talentierte DJs, die unseren Sound spielen wollen, der jedoch auf ihren eigenen Partys einfach nicht passt.

Da dieses Projekt an keine finanziellen Ziele geknüpft ist, sondern durch die Leidenschaft zur Musik getrieben wird und dank dem Support unserer Wegbegleiter gestützt wird, gibt es uns auch nach acht Jahren noch.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Mojo
Die Crew 3/5: Mojo (Foto credit: Warda)

Wir in Wien sind wirklich gesegnet mit Drum & Bass-Partys, derzeit sogar schon übersättigt. Dieses Jahr am Sun and Bass Festival in Sardinien haben wir mit vielen Engländern und anderen Drum & Bass-Heads aus der ganzen Welt geplaudert, die haben zwei bis drei Drum & Bass-Partys im Monat!! Wir haben drei in der Woche!!!!!! Hinsichtlich der begrenzten Gästezahl und der raren Locations ist die Grenze wohl derzeit erreicht, zusätzlich kommen noch diverse Festivals im Sommer.

Wirkliche “Probleme” sehen wir jetzt für uns keine, allerdings ist es ärgerlich, dass immer mehr Dates aufgrund des Überangebotes kollidieren. Die etablierten Veranstaltungen leiden währenddessen unter Gästemangel und kommen eventuell dadurch in Schwierigkeiten, die nicht notwendig wären.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Milleks
Die Crew 4/5: Milleks (Foto credit: Warda)

Das ist wirklich schwierig, jede DOH-Party hat einen eigenen Groove, rückwirkend gesehen waren alle geil! Vieles ist auch sehr verschwommen in Erinnerung. 😉

Aber da waren schon viele gute Partys, sonst würden wir es nicht mehr machen. Dieses Jahr waren auf jeden Fall unser Acht-Jahres-Jubiläum, LSB, Loz Contreras & DJ Chap waren vom Vibe her schon sehr feine Partys.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Als zum ersten Mal ein von uns gebuchter Act ohne Muh und Mäh einfach nicht gekommen ist. Kein Anruf, kein Abheben am Telefon, keine Email, nichts!!!!! Da waren wir echt schockiert, aber man lernt dazu und wird entspannter. Aber das ist außer finanziell auch nicht schlimm, gefeiert wird bei uns immer, denn wir haben verlässliche Freunde die gerne Aushelfen.

Tuff Gee
Die Crew 5/5: Tuff Gee

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Fällt uns jetzt niemand ein. Bei uns bekommt fast jeder eine 2te Chance 😉

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

PPfff…?, Marky & Stamina, B2B Calibre & Makoto in einem unserer Wohnzimmer! Oder eine Party im Süden, eventuell ein Festival for free für alle, die für gute Musik auch in den Süden reisen würden!

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Daily One Hour @ Play.fm Studio
Jedes Monat ein Highlight: Die Daily One Hour Radioshow – damals (2007) noch live aus unserem Studio im MQ!

Das Wichtigste ist für uns vor allem die Kontinuität, jetzt weiterhin jeden vierten Freitag eine DOH-würdige Party abzugeben und natürlich unsere geliebte DOH-Radioshow fortzusetzen, die in diesem Projekt definitiv die stabilste Konstante ist.

Wir wollen aber auch auf allen uns verfügbaren Wegen den Mellow Sound wieder stärker etablieren und glauben daran, dass dies funktionieren wird, denn all die jungen Raver werden auch älter und dann landen sie soundtechnisch bei uns. 2016 werden wir wieder einige talentierte Produzenten als Debütanten oder Legenden nach Wien holen und vor allem gute Partys mit unseren Freunden feiern!

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Wir vermissen die Livefunktion, das Studio und die Lounge schon sehr, die neue Website aber ist toll!

Daily One HourEin letztes Mal im alten Jahr gibt es am kommenden Freitag, 25. Dezember, noch die Möglichkeit mit der Daily One Hour und Freunden in ihrer Stammlocation zu feiern – neben der gesamten Crew werden die Gäste Paul SGMenaceDoggsta, Sic Vic und Ken für seelenvollen Drum & Bass vom feinsten sorgen. Für davor und danach findet ihr anbei zwei brandneue, exklusive Mixes von Milleks und Urbanfreak sowie das beeindruckende Archiv aller Daily One Hour Radioshows seit 2009 – damit kommt ihr locker über die Feiertage!

 

 

 

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Beatmaker Sessions

Im Club mit: Beatmaker Sessions (Interview + Mix)

Vor Jahren, als wir mit Play.fm noch ein Radiostudio im MuseumsQuartier hatten, hat unser damaliger Sendungsgestalter Alan Brown uns nach dem einen oder anderen alkoholhaltigen Konzept mal seine Version vom Club der Zukunft erzählt: Damals gab es im Londoner Plastic People eClub einen Abend namens CDR, bei dem nur Musik gespielt wurde, die zuvor von noch nicht gesigneten Produzenten eingereicht wurde. Wir einigten uns, dass sich in Wien wohl niemand über sowas drüber trauen würde – und staunten nicht schlecht, als uns gar nicht so viel später der Flyer der ersten Beatmaker Sessions mit genau diesem Konzept in die Hände fiel, treffenderweise mit dem Untertitel “The Future of Music”. Gerade noch rechtzeitig vor dem vierjährigen Jubiläum – inklusive Release der neuen Beatmaker Sessions Compilation – hat sich Hauptveranstalter Alex netterweise noch Zeit genommen, mit uns über sein Projekt, die Szene und Wien und so einiges mehr zu plaudern.

Beatmaker Sessions – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Im Großen und Ganzen ist alles auf meinem Mist gewachsen. Sprich ich bin der Initiator des Events. Verantwortlich für Konzipierung, Projektmanagement, Booking, Art Direction, Ablauf, Promotion etc. Im Team und großer Bestandteil der Sessions sind DJ Straves und Wax 865, sowie unser Fotograf Dominik Vsetecka. Als auch externe Grafiker die dem Ganzen auch einen speziellen Look nach aussen verleihen.

Seit wann ist Beatmaker Sessions im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Das erste Event haben wir am 19. Dezember 2011 veranstaltet, um unseren Faible für alternative Elektronische Live Sets zu frönen und der lokalen Producer-Szene eine Plattform zu bieten.

Und wie sieht es bei Beatmaker Sessions aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Black Lotus Experiment
Black Lotus Experiment live bei den Beatmaker Sessions im fluc (Foto credit: Dominik Vsetecka)

Wir veranstalten von Oktober bis Mai, in den Locations fluc und celeste. Im fluc kann sich jeder Musik-Produzent der Lust und das Können hat für einen “Beatmaker L!VE Slot” bewerben, sowie seine eigenen Produktionen für das “Beatmaker DJ-Set” einreichen, das seit Anfang an fixer Bestandteil des Konzeptes ist.

Im celeste organisieren wir Special-Events mit mehr Live- und Party Charakter. Eine spezielle Richtung haben wir nie wirklich verfolgt. Wir waren von Anfang an für alle Elektronischen-Musikrichtungen offen – ganz nach unserem Motto “The Future of Music”. Das, was uns die Produzenten schicken, spielen wir, und interpretieren wir als die Zukunft der Musik. Aufgrund der Kuration der Live-Acts geht es ein bisschen mehr in die alternative elektronische und experimentelle Hip Hop Richtung. Unser Publikum besteht großteils aus lokalen Musikproduzenten und Musikinteressierten.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Davon leben können wir nicht. Da müsste man vielleicht in größeren Dimensionen arbeiten. Derzeit ist es mehr ein Hobby und Spielplatz für uns. Wir machen weiter da wir lieben, was wir machen, und aufgrund des postiven Feedbacks und Zuspruches des Publikums. Davon leben wir, und von den großartigen Momenten die wir bisher dadurch erlebten haben. Die Konkurrenz ist in Wien auf jeden Fall groß und schläft nicht. Jedoch, möchte ich behaupten, dass es so etwas wie wir machen in Wien und ganz Österreich sonst nicht gibt.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Kampfsportzwillinge
Kampfsportzwillinge bei den Beatmaker Sessions im fluc (Foto credit: Dominik Vsetecka)

Veranstaltungen gibt es für meinen Geschmack ausreichend, wenn nicht sogar zu viele. Im Sommer als auch im Winter steht man vor einer großen Auswahl an sehr guten Club-Nights, Konzerten und Festivals. Und das nicht nur am Wochenende sondern auch unter der Woche. Ein “drei Tage wach” Weekend ist da ohne Probleme möglich. Wien kann im internationalen Wettbewerb bestimmt mithalten. Durch das Internet kann sich jeder anhören was ihm lieb ist, und man kommt entsprechend leicht an neue oder alte Musik. Die Leute sind offen und aufgrund der Größe und Vielfalt der Stadt kann man mit der richtigen Nase bestimmt auch in seiner Nische Fuß fassen und seine Traum-Veranstaltung verwirklichen. Was ich mir für die Zukunft wünschen würde ist, dass die Fördertöpfe nicht an Großveranstaltungen wie zum Beispiel dem Electric Spring, vergeben werden, die die Gratis-Kultur fördern, sowie den anderen Veranstaltern, die seit Jahren für das Wachsen der Wiener Kultur einstehen, ein Bein stellen.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Highligts gab es einige. Viele Acts die da waren und uns einfach einen Grinser ins Gesicht zauberten. Sowie Vergleiche mit Low End Theory und Boiler Room. Als auch eine Freundin, die regelmäßig bei den Veranstaltungen ist und bei jeder meint “this is the best sound ever” – priceless. Oder Beatmaker L!VE Slots, die mit Kommentaren wie “best time of my life” nach Hause gehen. Das sind schöne Erinnerungen.

Windshadow
Windshadow bei den Beatmaker Sessions im fluc (Foto credit: Dominik Vsetecka)

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Kann mich da an keinen schwierigen Moment erinnern. Im Großen und Ganzen lief bisher alles ganz gut.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Nicht wirklich. Bei uns sind großteils lokale Acts die spielen wollen, Freude haben und daher nicht unbedingt Probleme machen.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Arena outdoor Stage mit Flying Lotus, Jeremy Ellis, Exile, Glitch Mob.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Beatmaker Sessions Compilation Volume 4
Out soon: Die Beatmaker Sessions Compilation Volume 4

Am 19. Dezember 2015 gibt es noch die 4-Jahresfeier im celeste, und den Album Release der Beatmaker Sessions Compilation Vol.4. Darauf freuen wir uns sehr. Weiter geht es dann im neuen Jahr mit den Sessions im fluc und celeste, sowie dem “Beatmaker Tracks Season #4” Contest im Frühling 2016. Wobei ich hier erwähnen möchte, dass wir die Anzahl der Veranstaltungen wegen zeitlichen und finanziellen Gründen etwas zurückgeschraubt haben. Statt wie bisher neun Events pro Saison im fluc gibt es nur mehr fünf.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Auf jeden Fall sehr schick. Gefällt uns gut. Was uns fehlt ist das Eintragen der Events. Wobei ich irgendwo mal gelesen habe dass das wahrscheinlich eh noch integriert wird. Wir sind gespannt. 🙂 Besten Dank für das Interview!

Beatmaker Sessions

Wer dieses außergewöhnliche Veranstaltungskonzept selbst erleben will, hat – sollten wir eingangs noch nicht ausdrücklich genug darauf verwiesen haben – am kommenden Samstag, den 19. Dezember, beim Vier-Jahres-Jubiläum der Beatmaker Sessions im Celeste Gelegenheit dazu. Ebendort wird auch erstmals die vierte Ausgabe der hauseigenen Compilation vorgestellt, die es in weiterer Folge – wie ihre Vorgänger – via Bandcamp zu erwerben geben wird. Der neue Compilation-Mix wurde leider zwischen den Vorbereitungen nicht mehr ganz fertig, dafür gibt es an dieser Stelle als Warm-Up jene der Ausgaben zwei und drei und damit vorerst auch mal genug Beats von heimischen Künstlern, die ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht gehört habt..!

 

 

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Belegschaft

Im Club mit: Belegschaft (Interview + Mix)

Ein weit verbreitetes Vorurteil alternder Szene-Personen ist (und war schon immer), dass aus der jüngeren Generation nichts Neues, Kreatives mehr folgt, sondern immer nur der selbe, wiederkehrende Einheitsbrei. Ein Gegenbeispiel, und unserer Meinung nach eines der spannendsten, stellt die Belegschaft dar: Ein junges Duo, das erst vor Kurzem, frisch mit Matura und ersten Erfahrungen als Veranstalter ausgestattet, von Kärnten nach Wien ausgewandert ist um hier ihre ziemlich außergewöhnliche Definition von Tanzmusik unter die Leute zu bringen. Uns haben sie mehr erzählt und gleich eine Hörprobe mitgebracht.

Belegschaft – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Belegschaft, das sind Philipp (Franz Ganz) und Martin (Rovan). Wir erledigen eigentlich alles gemeinsam, bis auf die Flyer, um die kümmert sich meistens Martin.

Seit wann ist Belegschaft im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Als wir uns vor einiger Zeit in Klagenfurt kennenlernten, haben wir schnell festgestellt, dass wir uns auf persönlicher und vor allem auch musikalischer Ebene super verstehen. Wir haben dann begonnen, gelegentlich in einem Caféhaus in Klagenfurt aufzulegen, und dann einige Partys im stereo und im Künstlerhaus organisiert. Als Martin dann vor zwei Jahren nach Wien gezogen ist, haben wir das ganze nach Wien verlegt, zuerst ins Dual, später dann ins celeste.

Und wie sieht es bei Belegschaft aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Aktuell sieht es so aus, dass wir am 18. Dezember eine kleine Weihnachtsfeier im AU machen, im Jänner sind wir wieder im celeste. Grundsätzlich liegt uns viel daran, dass unsere Partys in erster Linie (auch uns selbst) Spaß machen, und dass das Ganze nicht zu professionell wird. Unsere Veranstaltungen haben zwar immer so einen gewissen Do-It-Yourself Charakter (viele Dinge erledigen wir erst in letzter Sekunde), trotzdem steckt dahinter aber immer auch viel Energie und Zeit.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Franz Ganz (links) und Rovan (rechts) sind Belegschaft
Franz Ganz (links) und Rovan (rechts) sind Belegschaft

Momentan können wir noch recht gut davon leben, so wie in allen Bevölkerungsschichten spüren aber auch wir langsam aber stetig die Auswirkungen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise, die uns dazu zwingen werden, unseren nächsten Winter am Arlberg zu verbringen und Après Ski Musik aufzulegen.

Zu schaffen macht uns in Wien zurzeit der Mangel an kleineren Locations mit guter Anlage. Das wäre wirklich cool, wenn da in nächster Zeit was passiert, ansonsten sind wir eigentlich guter Dinge was die Zukunft betrifft, an Motivation fehlt’s uns definitiv nicht. Die Herausforderung für Veranstalter in Zukunft wird wohl darin liegen, Personen auch außerhalb von Facebook zu erreichen. Wir sehen das bei unserer eigenen Facebook Seite, ohne bezahlte Werbung (was wir nicht wollen) hat man mittlerweile oft kaum noch Response und Reichweite, ganz auf Facebook verzichten wollen wir aber (derzeit zumindest) noch nicht.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es
genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus
eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und
welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Wir glauben, dass gerade jetzt unglaublich viel cooles passiert. Veranstaltungen wie Ascending Waves, Basic Rhythm, Erdbahnkreuzer, A Made Up Reality oder Struma + Iodine zeigen, dass in Wien viel Neues, Ungewöhnliches möglich ist.

Im Vergleich zu London oder Berlin ist Wien natürlich ein Nest. Gerade das hat aber seine eigenen Qualitäten. Viele Veranstalter und Artists kennen sich persönlich. Wünschenswert wäre auf jeden Fall noch ein kleinerer Club mit guter Anlage und so etwas wie NTS oder Berlin Community Radio, das Artists untereinander noch besser verbindet und zum Austausch anregt.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Ein Bild aus Anfangstagen: Die Belegschaft und eine Lagerhalle in Klagenfurt
Ein Bild aus Anfangstagen: Die Belegschaft und eine Lagerhalle in Klagenfurt

Vor circa zwei Jahren haben wir in den Weihnachtsferien eine Auflegerei im Keller eines Antiquitätenlagers in Klagenfurt veranstaltet. Wir haben dazu ein viel zu überdimensioniertes Soundsystem, Plattenspieler, Nebelmaschine und Beamer von Freunden ausgeborgt, das Ganze in den unglaublich staubigen und stickigen Keller gestellt und die ganze Nacht lang aufgelegt. Unsere ganze Klagenfurter Crowd war da. Und wir hatten ein Dixi Klo angemietet! Gute Zeiten.

Auf was wir auch richtig gerne zurückblicken ist der Abend, oder besser gesagt das Wochenende mit Brassfoot aus London. Er war unser erstes internationales Booking und wir hatten noch nicht wirklich eine Vorstellung davon, wie so etwas abläuft. Als wir ihn in Bratislava vom Flughafen abholten, verstanden wir uns aber auf Anhieb ausgezeichnet. Eigentlich hätte er am nächsten Tag zurück nach London fliegen sollen um am darauffolgenden Tag wieder zurück nach Ljubljana zu fliegen und dort zu spielen. Total verrückte Reiseroute. Jedenfalls ist er dann kurzerhand einfach bei uns in Wien geblieben, wir haben einen Tag lang Kaffee getrunken, uns gegenseitig unsere eigene Musik vorgespielt und er hat noch eine weitere Nacht auf Philipps Couch geschlafen und ist dann mit dem Bus nach Ljubljana gereist.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

An dieser Stelle würden wir gerne eine kurze Anekdote aus den frühen Anfängen anbringen: Bevor das mit Belegschaft in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen losging, nannten wir uns noch “Mind Fucked Mother Fuckers”, Martin hat dazu ein verrücktes Logo entworfen und wir hatten unsere erste Party in einem für die beabsichtigten Zwecke viel zu teuren und viel zu schicken Café in Klagenfurt. Am Abend davor haben wir noch ein paar Flyer ausgedruckt und danach in ganz Klagenfurt mit Tixo aufgeklebt. Nachdem wir damit fertig und irrsinnig stolz darauf waren, die halbe Stadt beklebt zu haben, hat uns plötzlich die Angst gepackt, und wir waren in großer Sorge darüber, dass eine Assoziation mit “Mind Fucked Mother Fuckers” im Prinzip einer Rufschädigung des Cafés gleichkommt und nun das erzkonservative Stammpublikum dem Caféhaus beschämt den Rücken kehren wird. Es folgte eine Nacht – und Nebelaktion, und gerade noch rechtzeitig vor Ladenschluss, haben wir uns beim Saturn eine Schere gekauft und bei allen Flyern den “Mind Fucked Mother Fuckers” Schriftzug auf der Unterseite abgeschnitten. Wir hatten dann auch noch den gesamten Abend über riesige Angst davor, das sündhaft teure Interieur zu beschädigen; die Party ist dann letzten Endes aber doch noch sehr lustig geworden, das Stammpublikum blieb dem Caféhaus weitestgehend erhalten und wir haben bei der nächsten Auflage dann sogar ein kleines Bier vom Chef spendiert bekommen.

Brassfoot mit der Belegschaft im celeste
Brassfoot mit der Belegschaft im celeste

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Die bisherigen Gäste waren eigentlich immer sehr nett, angenehm und unkompliziert, wir hoffen, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Am liebsten wär uns eine Garage oder leerstehende Lagerhalle in der Vorstadt, die wir nach unseren eigenen Vorstellungen und Ideen gestalten und herrichten können. Es gibt keine Bar, dafür zahlreiche Bierautomaten, dazu ein gutes Soundsystem, rotes Licht und ganz viel Nebel.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Wie gesagt, im Jänner gibt’s eine Party im celeste, hoffentlich in noch regelmäßigeren Abständen als bisher. Wir würden auch gern öfters Mal von Zuhause aus streamen und dazu befreundete DJs einladen. Die Idee, ein eigenes Label zu gründen, geistert auch schon seit einiger Zeit in uns herum, früher oder später wollen wir das auch realisieren.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Die Veranstalter- und DJ- Features sind sehr gelungen, wir werden in Zukunft sicher öfters mal reinschauen.

belegschaft_04Wer nun unbändige Lust verspürt, das letzte Wochenende vor den Feiertagen noch mit der Belegschaft zu verbringen (was wir nur empfehlen können), hat am Freitag, den 18. Dezember, bei besagter Weihnachtsfeier im AU Gelegenheit dazu. Als Warm-Up dafür hat Rovan uns eine Stunde Belegschaft-Sound in Form seines jüngsten “Egyptian Hall”-Mixes mitgebracht.

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!

Manifest

Im Club mit: Manifest (Interview + Mix)

Als geneigte Clubbesuchende habt ihr es wahrscheinlich schon mitbekommen: Deep House ist wieder angesagt, aber nicht überall, wo Deep House draufsteht, ist auch Deep House drin. Eine sichere Bank für nicht nur deepen, aber durchgehend authentischen House stellt in Wien das Manifest-Kollektiv dar, deren Protagonisten nicht nur selbst vertrauenswürdige Connaisseure dieses Genres sind, sondern zuletzt auch einigen der spannendsten internationalen Acts eine Bühne geboten haben: Max GraefIron Curtis und S3A seien hier nur als Spitze des Eisbergs genannt. Vor der letzten ihrer monatlichen Spritzwein Sessions waren sie so nett, uns gleich im Kollektiv einige Fragen zu beantworten und zwei frische Mixes aufzunehmen.

Manifest – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Manifest
Manifest in Stirnreihe: Nico Nesta, Maaki, Roman Rauch und Fabe (v.l.n.r.)

Matthias: Dahinter steckt ein fünfköpfiges Gespann, das sich zum Ziel gemacht hat das Wiener Nachtleben ein wenig zu bereichern.Das sind eigentlich vier Jungs und ein Mädchen. Marie ist für die kreativen Arbeiten zuständig sprich die Gestaltung der Grafiken und sonstigem visuellem Auftreten. Den restlichen Arbeitsaufwand nehmen wir Jungs in die Hand. Nico ist meistens für die organisatorischen Fragen zuständig, der Kerl hat da einfach ein gutes Gespür dafür. Im Booking arbeiten wir viel über persönliche Kontakte, da Roman ja schon ewig in der Szene aktiv ist. Sonstige Entscheidungen werden meistens im Konsens getroffen.

Nico: Die Veranstaltungsbetreuung und Artistcare roliert bei uns, je nachdem wer spielt oder da ist. Jeder muss mal ran 🙂 . Hinzuzufügen ist, das Marie und Matthias die besten Gastgeber von uns sind. Unser Chef de Couisine ist aber auf jeden Fall Matthias mit seiner Schwester Eliana – mit dem Schnitzel haben wir sogar vegetarische DJs beim Dinner rumgekriegt 😛

Seit wann ist Manifest im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Nico: (lacht) Wie die Jungfrau zum Kinde. Wir sind seit einem Jahr in dieser Konstellation zusammen.  Mit meiner ersten Veranstaltungsreihe Heat&Defeat verlief sich das mit der Zeit, da wir sehr verstreut von einander gelebt haben und es wurde  immer schwieriger da noch etwas zusammen zu machen. Es war einfach mein persönlicher Wunsch eine Wiener Veranstaltungsreihe zu formieren, die einerseits heterogen im Bezug auf ihre Herkunft und andererseits eine gemeinsame musikalische Schnittstelle hat. Mit Marie und Matthias bin ich schon länger befreundet. Marie ist Urwienerin und Matthias, leicht am kratzigen Dialekt zu erkennen, kommt aus dem schönen Tirol. Fabe als Transdanubier habe ich, weil ich ihn so super fand, damals mit Thomé Rozier (Pomeranze) in meine Heimat an den Bodensee gebucht. Auf der gemeinsamen Zugfahrt trafen wir lustigerweise Roman, der einen Gig in Innsbruck gespielt hat. Die Wellenlänge war grandios und dann nach kurzer Überlegung konnten wir im Frühherbst 2014 das Projekt angehen.

Ganz vergessen: da hatte der Roman ja noch diesen geilen Facebooknamen, manche werden sich erinnern 😉

Fabe: Stimmt, die Zugfahrt war wirklich super witzig. Auch wenn es nicht leicht ist mit Nico 7h im Zug zu sitzen. Da wird man schnell mal in Grund und Boden geredet 🙂 Aber die Chemie stimmte auf Anhieb, was insbesondere die Kommunikation zwischen allen in der Crew extrem erleichtert.

Und wie sieht es bei Manifest aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Manifest Flyers
Manifest: The story so far, erzählt in Flyern

Nico: Unsere Spritzwein Sessions finden jeden vierten Freitag (mit Ausnahme jetzt im Dezember) im Monat in unserer Homebase SASS MUSIC CLUB statt. Die Idee, eben durch unsere Heterogenität bedingt, war eine Party für all diejenigen zu gestalten, die einfach Bock auf gute House und Disco Musik haben. Ein breites Spektrum an Menschen, egal welchen Alters und Herkunft  im Laden zu haben, das ist das Nonplusultra.

Roman: Für mich steht halt in erster Linie die musikalische Qualität im Vordergrund. Auch das familiäre Umfeld macht für mich einen guten Abend aus.

Fabe: Auch wenn es vielleicht abgedroschen klingen mag, aber wir sind nicht besonders darauf aus ein bestimmtes Publikum anzusprechen. Wie Nico es schon gesagt hat: Uns verbindet die gemeinsame Leidenschaft für gute Musik. Wir sind der Ansicht, dass es in Wien genügend junge und auch ältere Leute gibt, die unsere Leidenschaft teilen und deshalb zu uns in den Club kommen. Unser Job ist es “nur”, die richtigen Nummern zum richtigen Zeitpunkt zu spielen (haha).

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Manifest
Good Times mit der Manifest-Crew…

Nico: (haha). Ich glaube da kriegt ihr von jedem die gleiche Antwort. Es ist und bleibt für jeden ein bisschen Taschengeld (manchmal auch keines wenn die Party in die Hose geht). Natürlich wie bei vielen anderen die ihr hier schon im Interview hattet, ist es einfach die Freude an der Musik. Es gibt nichts Schöneres als wenn Menschen einem sagen, dass sie einen schönen Abend hatten und ihnen die Musik sehr gefallen hat. Man kann das mit einem Kurator einer Kunstausstellung vergleichen – du selektierst etwas nach deinem Geschmack und wenn es den Leuten gefällt, hast du den Job gut gemacht.

Was man durchaus feststellen und kritisieren kann, wovon ich uns evtl. nicht ausnehmen kann, ist, das die Parties in Wien in Mikrokosmen funktionieren. Ein geschlossener Kreis, der jeweilige Partyreihen anhand seiner kulturellen Vorlieben, Sympathie, seiner Herkunft oder Hippness besucht.  Ich konnte hier auch entnehmen, dass einige den Overload an Veranstaltungsreihen bemängeln. Das sehe ich persönlich nicht so. Es gibt zwar viele, aber das heißt per se nicht, das alle gut sind. Ich würde eher die mangelnde Zusammenarbeit, auch wenn man sich immer untereinander versteht, bemängeln.

Wenn Partyreihe A seine Party fünf Wochen vorher announced und die Partyreihe B am gleichen Veranstaltungstag drei Wochen später ein krasses Local Lineup raushaut, sehe ich da einfach nicht vorhandene Kooperationsbereitschaft oder auf gut Deutsch – jeder kocht da leider sein eigenes Süppchen. Aber Wien ist ja groß und es verteilt sich meist sehr gut.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Roman: Es ist immer sehr schwer abzuschätzen in welche Richtung es sich entwickelt. Im Laufe der Jahre gab es in Wien ja immer Up und Down-Phasen in der Clublandschaft, gerade scheint es leider wieder ein bisschen abzunehmen, wie man z.B. bei der Pratersauna sieht.

Marie: Die Anzahl guter Veranstaltungen ist sicher nicht das Problem. Ich sehe das Problem eher darin, dass die klassischen Wiener ein relativ träges und gemütliches Völkchen sind. Wenn sich etwas bewährt hat und für gut empfunden wurde, verblassen alle Alternativen oft im Hintergrund, was sehr schade ist. Das Weggehen ist für viele vorrangig da um sich zu betrinken, aufzureißen oder zum Sehen und Gesehen werden. Das ist meiner Meinung nach aber einfach eine vollkommen andere Sparte des Nachtlebens und glücklicherweise gibt es in Wien auch viele Veranstalter (und vor allem Gäste), für die Musik, Stimmung und Flair über allem anderen stehen. Ich bin deswegen auch immer sehr happy, wenn es mehr Auswahl gibt.

Roman: Da muss ich der Marie recht geben, diese typische Wiener Gemütlichkeit ist schon oft ein Problem, da wird’s manchmal schwer die Leute in den Club zu bewegen.

Nico: Da muss ich an den oberen Punkt anknüpfen. In letzter Zeit wird ja vor allem bei den Techno-Leuten die Dichte an neuen Events und hochkarätigen Bookings kritisiert. Einerseits denke ich, dass es wirklich nicht sein muss, das drei Größen am gleichen Tag hier spielen, andererseits belebt Konkurrenz das Geschäft. Das heißt, wir müssen uns noch mehr ins Zeug legen, damit die Leute unserem Angebot vertrauen. Wien international mit anderen Städten zu vergleichen halte ich für sehr schwierig, da die Stadt eine andere Infrastruktur vorweist und das Fortgehverhalten hier nicht zwangsläufig nach Musik gegliedert wird. Ich denke, viele Clubs machen hier einen tollen Job und geben sich wirklich Mühe, aber wenn ich nur mal in den Osten schaue, zum Beispiel nach Bukarest, dann kann Wien erstens bei der Qualität der Soundsysteme und zweitens bei den gebuchten Acts einfach einpacken. Beim ersten Punkt sehe ich das größte Problem – in Wien wird der Club nicht um das Heiligtum, der Anlage aufgebaut, sondern Design &  Bar stehen im Vordergrund. Mir wäre es zu peinlich, einen bekannten Act in einen Club zu buchen, wo das einfach nicht gegeben ist.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

...womöglich schon bald im Open-Air-Format?
…womöglich schon bald im Open-Air-Format?

Nico: Also nach so langer Zeit waren meine Highlights einerseits zwei Konzerte, Fiva aus München und Roosevelt, den ich im letzten Mai im Fluc präsentieren konnte, sowie Lazare Hoche, Iron Curtis und die letzte Ausgabe der Spritzwein Sessions mit Max Graef & Glenn Astro. Ganz hohes Niveau und tolles Feedback von den Gästen. So macht’s Spaß!

Fabe: Ich kann Nico voll und ganz zustimmen, wobei mir die Party mit unserem Kumpel Washerman auch lange im Gedächtnis bleiben wird. Ich bin und bleibe halt ein alter “90ies-House-Fetischist”. Ein echtes Highlight in meiner Laufbahn als Veranstalter ist sicher die erste Party meines vergangenen Kollektivs Underground Assassins, bei der wir TOMSKA aus Frankreich zu Gast hatten (damals noch im Market). Er hat damals eines der besten House-Sets gespielt, dass ich jemals gehört habe.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Marie: Wenn sich die Jungs mal wieder nicht auf eine Farbe für ein Coverbild einigen können zum Beispiel :D. Wir entscheiden alles sehr demokratisch – das ist nicht immer zwingend leicht… Da laufen beim einen oder anderen auch ab und zu die Tasten heiß in unserem Gruppenchat. Schlussendlich gelingt es uns aber dann doch immer, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Nico: Da kann ich Marie nur Recht geben. Dennoch würde ich mit Fug und Recht behaupten, dass unser Gruppenchat mit Abstand einer der lustigsten ist, die es gibt. Schlimm ist es natürlich immer, wenn man drauf zahlt. Kleine Beträge schmerzen nicht so, aber ich habe auch schon mal einen vierstelligen Betrag an einem Abend vernichtet. Deswegen halte ich es auch immer wichtig, Gästen klar zu machen, was uns so ein Abend kostet.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Roman: Da wir ja meisten befreundete Acts aus dem Ausland einladen, gab’s bis jetzt noch kein Booking, wo wir keinen Spaß mit dem Act gehabt hätten bzw. nicht auf der selben Wellenlänge gewesen wären.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Manifest
Das Logo – unverkennbar wie der Sound, der dahinter steckt

Nico: Haha, bin mir jetzt nicht sicher ob ich das sagen soll. Könnte ja sein, dass ich etwas vorwegnehme, was eventuell mal eintrifft :). Aber was ich echt mal gern machen würde: Ein großes Open Air/Festival außerhalb von Wien am Speckgürtel, mit allen Local DJs, die wir aus der heimischen Szene toll finden, gepaart mit einigen wenigen Headlinern.

Roman: Da bin ich voll beim Nico, ein größeres Open Air bzw. Festival wäre eine feine Sache und ist durchaus etwas, das in Wien meiner Meinung nach fehlt.

Matthias: Ich meine, dass es für eine gute Party nicht unbedingt viel Geld oder andere Ressourcen braucht. Klar kann man einen großen Namen in einen super Club buchen, das soll aber nicht gleich heißen, dass daraus eine super Party resultiert. Es ist doch immer die Stimmung, die eine Party ausmacht. Klar sind die oben genannten Faktoren für die Stimmung wichtig, das ist aber eben nicht immer so. Ich denke an dieser Stelle gern an den alten Morisson Club, als dieser noch in der Kettenbrückengasse ansässig  war. Da fand man weder eine gute Anlage noch einen bekannten DJ, und trotzdem waren dort mitunter die besten Wiener Partys. Die Party meiner Träume ist also ein Abend, bei dem alle Gäste mit dem was sie erwartet zufrieden sind und Spaß dran finden.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Nico: Wir werden weiter unserer Schiene und vor allem dem Sass Club treu bleiben. An dieser Stelle vielen Dank und liebe Grüße an das Sass Team. Wir haben dort für unsere Spritzwein Sessions eine optimale Heimat gefunden und bei den Acts haben wir vollstes Vertrauen von Ihrer Seite. Neben weiteren hochkarätigen Acts wird es auf jeden Fall eine heiße Geburtstagsparty geben. Wir selber als Kollektiv suchen aber auch noch Möglichkeiten, uns ein bisschen zu entfalten , Stichwort Open Air, Wohnzimmer Sessions oder auch in anderen Orten innerhalb Österreichs zu spielen.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Roman: Ich finde die neu gestaltete Play.fm Seite sehr schön designed und aufgeräumt im Vergleich zur alten Seite. Gerade jetzt, wo es bei Soundcloud immer mehr Probleme gibt mit Sachen wie zum Beispiel Copyright auftreten, finde ich es sehr schön, dass man bei euch ruhigen Gewissens seine Mixe und Mitschnitte raufladen kann. Auch den verstärkten Fokus auf die Wiener Clubszene finde ich sehr gut, da es meiner Meinung nach viele talentierte Leute gibt, die den internationalen Vergleich nicht scheuen zu brauchen.

Bevor Silvesterkorken und Feuerwerkskörper um die Wette knallen lädt Manifest am Freitag, 18. Dezember, noch ein letztes Mal im alten Jahr zu Spritzwein und House: Diesmal mit dem Münchner DJ- und Produzenten-Duo Rhode & Brown, sowie natürlich der gesammelten Crew selbst – das alles wie gehabt im Sass Music Club und damit auf einer der dicksten Anlagen, die die Stadt zu bieten hat. Als Vorgeschmack haben uns Fabe und Maaki zwei exklusive Mixes hochgeladen, die ihr euch genauso wenig entgehen lassen solltet wie die Party!

Manifest

 

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That Good Ẅibe Collective (interpretiert von Gersin)

Im Club mit: That Good Ẅibe Collective (Interview + Mix)

Dass die DJ- und Eventszene auch in Wien nach wie vor männlich dominiert ist, ist kein großes Geheimnis. Umso erfreulicher ist es, wenn es dann doch immer wieder weibliche Artists und Kollektive mit harter Arbeit und gutem Sound schaffen, sich darin ihren Platz zu erkämpfen. Eines der jüngsten Beispiele ist das That Good Ẅibe Collective, das sich in kürzester Zeit zu einer fixen Größe in Sachen Hip Hop und Bass Music entwickelt hat. Deshalb dürfen sie in unserer Interview-Reihe mit dreißig der bedeutendsten Player im Wiener Eventbusiness nicht fehlen – auch wenn sie bereits im Voraus eingewendet hatten, dass sie sich eigentlich mehr als DJs denn als Veranstalter definieren, aber darüber lassen wir sie am liebsten selbst erzählen.

That Good Ẅibe Collective – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Hinter dem Namen stecken vier Ẅiber unterschiedlichster Herkunft: Cn, Marina, Tmnit und Zeisl. Wir legen auf diversen Veranstaltungen auf und veranstalten ab und zu selbst eigene Events. Facebook Event Erstellung läuft meist über Marina und Cn – von der Grafik bis zum Text. Dennoch beschließen wir gemeinsam, welche Grafik oder welcher Text passt. Die Promotion und das Spreaden übernehmen großteils Tmnit und Zeisl. Booking Anfragen, die an Land gezogen werden, sei es über die allgemeine Email Adresse, oder über persönliche Anfragen, werden gemeinsam bearbeitet.

Seit wann ist That Good Ẅibe Collective im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Tmnit, Zeisl & Marina (That Good Ẅibe Collective) @ Mon Ami
Tmnit, Zeisl & Marina (That Good Ẅibe Collective) @ Mon Ami

Uns gibt es seit März 2014. Cn, Zeisl und Sara (leider nicht mehr Teil der Crew) haben sich über eine private Facebook-Gruppe kennengelernt, auf der man sich über Musik austauschen kann. Durch ähnlichen Musikgeschmack und die motivierenden Worten eines Wiener Veranstalters (you know who you are!) war die Connection schnell gegeben. Kurz darauf kamen noch Marina und Tmnit dazu, die ebenso Teil dieser Gruppe sind.

Und wie sieht es bei That Good Ẅibe Collective aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen oder Hostings? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Einmal im Monat hosten wir im Mon Ami, unserer Lieblingsbar in 1060, einen Abend. In unregelmäßigeren Abständen findet man uns auch im Cafe Leopold. Musikalisch sind wir ursprünglich im Hip Hop zuhause, dennoch bringt jede einzelne durch ihren eigenen, persönlichen Zugang zum Genre neue Richtungen mit ein. Aufgelegt wird neben Hip Hop und Rap vorwiegend R’n’B, Soul, Funk und Future Bass. Unser Publikum ist das, welches gute Vibes feiert.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Da wir uns nicht als Veranstalterinnen im herkömmlichen Sinne sehen, können wir das schlecht einschätzen. Als DJs bekommen wir unsere Gagen und genießen den Abend mit den jeweiligen Veranstaltern, die uns buchen.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Ausgehend von der Szene in der wir uns bewegen, können sich die Wiener Veranstaltungen im internationalen Vergleich sehr wohl sehen lassen … Manchmal ist es noch schwer zu unterscheiden, wo der Fokus bei manchen Veranstaltungen liegt und sich somit vieles überschneidet. Jedoch glauben wir, dass sich das mit der Zeit sowieso einpendeln wird (abhängig von der Location, der Gage usw.). Solange die Veranstalter untereinander kommunizieren, kann sich da auch keiner auf die Füße treten.

Cn & Zeisl (That Good Ẅibe Collective) @ Soundwave Croatia
Cn & Zeisl (That Good Ẅibe Collective) @ Soundwave Croatia

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Unser bisheriges Highlight war das Donauinselfest 2015, wo wir auf der Eutopia DJ/VJ Bühne Support für Acts wie Cid Rim und Hudson Mohawke sein durften. Außerdem haben unsere Ladies Cn und Zeisl das Kollektiv beim Soundwave Festival 2015 in Kroatien/Tisno vertreten. Anfang Oktober hatten wir zudem die Ehre und das Vergnügen bei Brenk’s Midnite Ride Release Party der Meute einzuheizen.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Unsere Laufbahn bisher verlief sehr unproblematisch, aber als quasi “Neulinge” im Game stellen sich Gagenverhandlungen ab und zu als Challenge heraus.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Dann würden wir ein „That Good Ẅibe“ Festival veranstalten, auf dem Questlove, die Soulection Crew und Michael Jackson um das Headlinen battlen. Die Crème de la Creme der Wiener Musik Szene dürfte natürlich auch nicht fehlen! 😉

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Erwarten darf man sich mehr Auslands- und Festivalbookings. Ansonsten stolpern wir weiterhin im Wiener Nachtleben herum, wie bisher auch. 😉 Also, darf man sich definitiv ein ziemlich cooles 2016 erwarten.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch davon wünschen?

Die Play.fm Seite hat sich, seit es sie gibt bis heute, sehr zum positiven verändert. Die Useability ist wesentlich einfacher zu handhaben und das Archiv ist durch die Jahre natürlich noch umfangreicher und größer geworden. Für richtige Musik Digger gibt es da sicher viel neues zu entdecken. Eines, was wir vielleicht bei den Mixes vermissen würden, wäre die Tracklist, aber durch Shazaam und diverse andere Apps heutzutage, vielleicht vernachlässigbar.

Zwei Hörproben von Marina gibt es im Folgenden in Form von zwei Mixes: Einmal smooth wie Schlagobers, einmal mit Senf (ob “an Siassn” oder “an Schoarfn” darf man in Wiener Tradition natürlich selbst entscheiden). Das gesamte Kollektiv gibt es dann, ein letztes Mal im alten Jahr, am Donnerstag, den 17. Dezember, zu hören – und zwar wie gewohnt in der Homebase Mon Ami!

 

senf by on play.fm

 

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Paradiso

Im Club mit: Paradiso (Interview + Mix)

Nicht wenige Veranstaltungen in Wien reißen sich darum, die größte, lauteste, geilste oder tollste zu sein – wir erlauben uns, an dieser Stelle Paradiso zur schönsten zu küren. Hier trifft kunterbunte Musik aus aller Damen und Herren Länder auf Rauminszenierungen mit viel Liebe zum Detail, und je nach Anlass dürfen auch so schöne Nebensachen wie Minigolf und Toast Hawaii eine Rolle spielen. Wir haben die drei Hosts Kalifornia Kurt, Tobsen und Monsieur Broccoli zum Interview und an die Plattenspieler gebeten – und nett, wie sie sie sind, sind sie der Einladung nachgekommen.

Paradiso Crew
Die Paradiso-Hosts: Monsieur Broccoli, Tobsen und Kalifornia Kirt (v.o.n.u.)

Paradiso – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Paradiso sind Kalifornia Kurt, Tobsen und Monsieur Broccoli. Wir machen Partys auf denen wir uns wohl fühlen und die wir lustig finden. Wir sind zuständig.

Seit wann ist Paradiso im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Paradiso wurde im Januar 2012 von Kalifornia Kurt und Tobsen gegründet. Dazu kam es nachdem Kalifornia bei einer Vernissage auflegte, bei der Tobsen kellnerte. Der Abend endete damit, dass Tobsen auf der Bar tanzte und Kurts Musik sehr liebte, weil er sich selbst in ihr erkannte. Dann kamen sie drauf, dass sie beide relativ nah aneinander wohnten, worauf hin sie ziemlich viel Zeit miteinander im Kaffee Urania verbrachten und sich nicht mehr nur noch in ihrer Musik, sondern auch in ihrer selbst gegenseitig erkannten. Schon bald fand dann die erste Party im Kaffee Urania statt. 2014 holten sie Broccoli, damals noch Basstrojani, ins Team.

Alle drei waren vorher schon unabhängig von einander einige Jahre im Wiener, Grazer und Linzer Nachtleben aktiv.

Und wie sieht es bei Paradiso aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Das Konzept von Paradiso war Anfangs Parties an unüblichen Orten wie eben dem Kaffee Urania, einem leerstehenden Cevapcici Grill, einer Werkstätte, einem Minigolfplatz und ähnlichen Plätzen zu veranstalten. Zuletzt fanden einige unserer Partys im Celeste statt. Vor allem auch aus Bequemlichkeit, weil Tobsen dort arbeitet. Über den Sommer fanden aber wieder vier Parties am Minigolfplatz statt.

Grundsätzlich geht es bei Paradiso sehr stark um Atmosphäre, Wir stecken vor jeder Party viel Zeit und wenig Geld in Dekoration. In den ersten zwei Jahren von Paradiso gab’s noch bei jeder Party Toast Hawaii. Das haben wir aus olfaktorischen Gründen aufgehört, verkörpert aber sehr stark die Stimmung, die wir uns wünschen. Eine fehlgeleitete, romantische und ein wenig verstaubte Sehnsucht. Wir wollten auch nie zu große Veranstaltungen machen, Intimität ist ganz wichtig. Man soll sich bei uns wohl fühlen.

Early Paradiso
Paradiso: Wie alles begann…

Musikalisch schaut das sehr ähnlich aus. Ein gemeinsamer Nenner ist sicher obskurer Früh-80er-Boogie. Vor allem Kalifornia Kurt steht noch immer sehr stark für diesen Sound. bei Monsieur Broccoli kann es schon mal sein, dass er ein Calypso Set spielt. Tobsen hat kürzlich eine Vorliebe für cheesy elektronische Früh-80er Cocktail Sounds entdeckt. Grundsätzlich kann aber alles passieren. Wichtig ist, das es warm und nicht zu technologisch ist, wobei das eine ein wenig schwammige Grenze ist.

Unsere Gast-DJs haben wir Anfangs immer dazu angehalten, sich ein musikalisches Thema auszusuchen. Es ging dabei immer darum die Möglichkeit zu bieten Platten zu spielen, die man eventuell auf anderen Parties nicht spielen würde. Zuletzt haben zum Beispiel im Sommer Brenk Sinatra und Fid Mella bei Putt Putt Paradiso am Minigolfplatz ein fast vierstündiges Austro Pop Set gespielt, und Sam Irl hat bei unserer letzten Party ein Reggae und Dub Set gespielt.

Wir wollen das beste Publikum ansprechen.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Paradiso Toaster
Ein früher Paradiso-Resident: Der Toaster

Wir wollen von Paradiso gar nicht leben, dafür planen wir unsere Parties zu klein, und stecken zu viel Aufwand rein. Wir verdienen wirklich nur in Ausnahmefällen mit unseren Veranstaltungen, und bei vielen, wie zum Beispiel der Minigolfgeschichte, ist von Anfang an klar, dass wir ein Minus machen. Der Großteil der Einnahmen geht an die Gast-DJs, der Rest kommt in einen Socken, und haben wir mal zu wenig, wird der Socken halt entleert.

Da wir selbst aber bei unseren Parties unglaublich viel Spass haben, und unsere Gast-DJs meist sehr glücklich nach Hause gehen, brauchen wir diese Motivation auch nicht.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Tobsen: Ich sehe die momentane Entwicklung im Veranstalter Bereich durchwegs positiv. Es gibt vielfältigere Veranstaltungen denn je, und es gibt einen Haufen Menschen, die ohne Rücksichtnahme auf Gewinn und Trends daran arbeiten aus Wien eine musikalisch offenere Stadt zu machen.

Tatsächlich gibt es in der Nische, der wir uns zugehörig fühlen vielleicht fünf Locations, die wir frequentieren. Wien ist einerseits sicher groß genug das zu bewerkstelligen, anderseits so klein, dass sich eh jeder kennt und man sich bei schwierigen Bookings absprechen kann. Natürlich passieren da manchmal blöde Überschneidungen, aber im Großen und Ganzen sehe ich eine sehr positive Entwicklung…

Anders sieht das von Seite der Behörden aus. Sollte Wien ein Interesse daran haben junge Kultur zu fördern, wäre es wichtig dafür Grundlagen zu schaffen und Veranstaltern und Club-Betreibern nicht ständig das Leben unnötig schwer zu machen. Hier sehe ich momentan die größte Gefahr.

Anmerkung Kurt: Broccoli und Kurt sind beide Väter und haben keine Ahnung von der Wiener Club-Szene.

Open Air mit Paradiso
Paradiso gibt es an vielen schönen Orten – auch Open Air

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Die erste Party war sicher ein besonderer Moment, weil wir eigentlich nicht damit gerechnet hätten, dass überhaupt mehr als unsere paar Maxerln kommen, und plötzlich wars bumvoll.

Grundsätzlich laufen wir aber zumindest bei jeder zweiten Party mit einem unglaublichen Grinsen herum und busseln uns gegenseitig ab. Wir schmalzen.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Die, bei denen wir nach einer Party am längsten aufräumen mussten. Und Toaster putzen.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Eigentlich laufen alle unsere Bookings auf sehr freundschaftlicher Ebene ab, somit gab’s da nie Probleme. Zwar haben wir auch immer wieder internationale Bookings wie Jan Schulte, Beppe Loda und Tahira, aber das war eigentlich auch immer sehr amikal.

Paradiso in Graz
Paradiso zu Gast in Graz – übrigens nicht das erste und auch nicht das letzte Mal!

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Wir würden uns das Jury-Häuschen auf der Trabrennbahn Krieau mieten, wie einen Christbaum dekorieren und auf drei immer kleiner werdenden Floors parallel auflegen, das wär unser Traum.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Wir planen selten länger als zwei Wochen im voraus.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Wir sind schon seit langer Zeit Abonnenten des Play.boy und .girl und freuen uns immer über die interessanten Texte.

Nach einem aufregenden Jahr mit vielen schönen Veranstaltungen wie “Paradiso aus Hawaii”, “Zebras in Rom”, “Schulte an Schulte” und ganzen vier Editionen des sommerlichen Putt-Putt-Paradiso geht Paradiso am 19. Dezember in die Endrunde für dieses Jahr – an dem Ort wo alles begann, dem Kaffee Urania und mit Ali Europa als Gast-DJ. 2016 geht das Vergnügen am 23. Jänner dann im celeste weiter und ebendort mit Joscha Kreutzfeld aus Köln. Als verfrühtes Weihnachtsgeschenk hat die Crew zudem drei exklusive Mixes aus dem Sack gelassen, der Intensität wegen in exakt dieser Reihenfolge empfohlen!

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!

Shalamanda

Im Club mit: Shalamanda Hifi (Interview + Mix)

Die vielfältigste Clubszene wäre unvollständig ohne ein authentisches Reggae Soundsystem – in Wien übernehmen Shalamanda Hifi dankenswerterweise diesen Part. Mit meterhohen Boxentürmen, von deren Subwoofer viele Besucher der früheren Dubquake-Veranstaltungsreihe heute noch feuchte Träume haben, tourt das Kollektiv nicht nur durch die Bundeshauptstadt, sondern veranstaltet auch ein Reggae-Festival – vielleicht nicht das erste, das es in Österreich gab, aber definitiv das beste. Dimitrij und Niko, zwei der Gründungsmitglieder, haben uns im Interview mehr darüber erzählt.

Shalamanda HiFi – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Hinter Shalamanda HiFi steht ein ganzes Kollektiv an tatkräftigen und engagierten Menschen. Wenn man Videos oder Bilder sieht, sieht man meistens nur uns beide, Dimitrij und Niko – aber 2 Menschen sind weit zu wenig um ein Soundsystem am Laufen zu halten. Wir beide haben da auf jeden Fall keine strikte Aufteilung – wir beide MCn und wir beide Selecten und Operaten den Sound, wie man im Jargon so sagt.

Seit wann ist Shalamanda HiFi im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Als Shalamanda selber seit 2006 in Wien tätig – damals haben wir noch unter einer etwas anderes Konstellation zusammen gearbeitet. Unsere ersten Veranstaltungen fanden im Kaleidoskop unter dem Namen Treasure Hunt statt. Das Soundsystem begonnen wir dann im Jahr 2008 zu bauen. Zuerst hatten wir “nur” zwei Scoops und heute sind es schon acht – und wir planen einen weiteren Ausbau. Wenn man so zurückblickt hat sich seitdem wirklich einiges getan.

Und wie sieht es bei Shalamanda HiFi aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Donau und Dub, erstmals vereint beim Donau Dubbing von und mit Shalamanda Hifi
Donau und Dub – erstmals vereint beim Donau Dubbing von und mit Shalamanda Hifi

In diesem Jahr bot sich zum ersten mal eine großartige Möglichkeit an, in Form des Donau Dubbings, welches wir dieses Jahr zum ersten Mal veranstaltet haben – und dann gleich noch ein zweites Mal! Soundsystem unter freiem Himmel und das kostenlos, auch das kam bei unserer Massive sehr gut an. Beim zweiten Donau Dubbing waren schon über 700 Besucher anwesend.

Jetzt arbeiten wir gerade etwas Neues in der Simm City aus. Eine Location die erst in diesem März eröffnet hat, etwas abseits aber doch gut genug gelegen ist um nur 2 Minuten von der U-Bahn entfernt zu sein. Wir sind sehr gespannt, was sich daraus ergeben wird. Fix ist, dass die nächste bzw. erste Session dort am 19.12.2015 stattfindet.

Unser Zielpublikum sind auf jeden Fall Menschen die sehr gerne Bass fühlen ODER Reggae bzw. Dub hören. Am besten ist es natürlich, wenn man beides mag, dann hat man sozusagen eine Ganzkörpererfahrung. Ein Soundsystem kombiniert mit positiver Musik und Message kann zu einem Werkzeug werden, welches wir auch so nutzen. Und da im es im Reggae bzw. im Rastafari vor allem sehr viel Positives gibt, ist das natürlich schon auch jeher in das Soundsystem eingeflossen – so wie auch bei uns.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Shalamanda HiFi in Action in der Linzer Stadtwerkstatt
Shalamanda HiFi in Action in der Linzer Stadtwerkstatt

Es ist zurzeit leider nicht einfach in Wien Partys in unserem Genre zu organisieren, vor allem mit Soundsystem. Die Magistrate machen das mit ihren Auflagen und Plombierungen für die Clubs schier unmöglich. Auch dass die meisten Clubs sehr nahe dem Siedlungsgebiet liegen und sehr schlechte Schallisolierungen haben ist da nicht besonders hilfreich. In vielen anderen Städten, auch in Österreich, sieht es hier locationmäßig oft weit besser aus. Vielleicht liegt dies auch an der Siedlungsdichte. Deshalb gab es die letzen zwei Jahre auch relativ selten einen regulären Dance von unserer Seite aus. Durch unser Rise & Shine Festival und auch sonstige Maßnahmen wie das Donau Dubbing oder einmalige Aktionen in Locations wie dem Spittelau10 versuchen wir jedoch, die Soundsystemkultur soweit als möglich am Leben zu erhalten. Wer behauptet davon leben zu können, der wird in dieser Szene wohl zu den wenigen gehören, die man an einer Hand abzählen kann.

Soundsysteme aus England wie Aba Shanti I, Shaka oder Channel One, solche können vielleicht davon leben, aber als Wiener Rootssound kann man froh sein, wenn die Reparaturen für die Speaker, Verstärker und den Transporter halbwegs wieder rein kommen.

Wir würden uns sehr wünschen, dass sich das mit der Simm City ab jetzt wieder ändert oder, dass sich dann zumindest eine geeignete Alternative bietet, in der wir dann auch endlich bleiben können.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Es gibt in Wien und im Umfeld sehr gute Selectors and Selectresses. Es gibt mittlerweile auch ein zweites Roots & Dub Soundsystem im Umfeld von Wien und es gibt auch einige Sounds. Also es gibt mittlerweile auf jeden Fall eine Szene bzw. eine heimische Soundsystemkultur. Das Schöne an der ganzen Sache ist, dass es immer wieder Menschen gibt, die das gleiche fühlen und empfinden, wenn es um eine Session geht und nach und nach in die Crew hineinwachsen. Und insofern freuen wir uns natürlich auch über jede Entwickling, die sich hier auftut und über alle anderen Veranstalter und Sessions.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Mit dem Dubquake im Wiener Fluc hatten wir definitiv eine Hochzeit im Wiener Raum. Wir hatten dort 16 unglaubliche Soundsystem Veranstaltungen, von denen die Menschen heute noch sprechen und sich gerne erinnern. Hier hatten wir die Möglichkeit, fast alle großen Soundsysteme und Produzenten nach Wien zu holen, die auch leistbar waren. Man kann schon sagen, das war der Startschuss von Dub & Soundsystem kombiniert in Wien. Dub gab es ja auch vorher schon – und auch Soundsysteme, aber diese Kombination ist so vorher noch nicht dagewesen.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Mit Rise & Shine veranstaltet Shalamanda Hifi seit fünf Jahren österreichs authentischstes Roots & Dub Festival (Foto credit: Sabine Zach)
Mit Rise & Shine veranstaltet Shalamanda Hifi seit fünf Jahren österreichs authentischstes Roots & Dub Festival (Foto credit: Sabine Zach)

Leider hat sich das Verhältnis bzw. die Möglichkeiten in der Location nach und nachgeändert, sodass es eher unangenehm wurde dort zu Veranstalten. Nach einem zwei Jahre langem Ausweichen aus der Wiener Innenstadt in den 23. Bezirk hatten wir auch hier hochkarätige internationale Künstler & Soundsysteme zu Gast.

Was wir natürlich auch noch erwähnen wollen ist, dass unsere Veranstaltungen sich nicht nur auf den Wiener Raum beschränken. Wir haben es tatsächlich geschafft ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen, welches mittlerweile zum 6. Mal statt findet – das Rise & Shine Festival in Falkenstein. Auf diese Veranstaltung konzentrieren wir uns über das Jahr gesehen auch am allermeisten, und natürlich auch darauf, dass wir selber auch national und international viel spielen und unterwegs sind.

Das möchten wir auch besonders hervorheben bzw. darauf sind wir besonders stolz, dass wir einfach nicht “nur” Veranstalter sind, sondern auch Musiker, die das eigentlich hauptsächlich deshalb Veranstalten, weil es niemand anderer macht – natürlich auch mit dem Einfluss eigener Visionen und Vorstellungen. Und das nehmen unsere Besucher sehr gerne an. Insofern sind wir auch schon in der glücklichen Lage zu sagen, dass wir die Party bzw. das Festival unserer Träume schon haben. Das macht uns sehr stolz.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde

Wir würden freilich dennoch gerne solche Acts wie Burning Spear nach WIen holen, oder die Abyssinians, oder Israel Vibration. All das sind großartige Roots Reggae Bands, welche auf den größten Bühnen der Welt die Besucher mit ihrer musikalischen Darbietung erfreut haben, und mittlerweile auch schon in einem respektvollem Alter sind. Wir würden gerne noch einige von diesen Legends nach Wien holen – aber dafür fehlt uns teilweise leider wirklich das nötige Kleingeld.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Was man 2016 von uns erwarten kann steht, wie es so schön heißt, noch in den Sternen. Jetzt schauen wir mal was mit der Simm City weiter passiert und ob es auch wieder ein Donau Dubbing geben wird. Was auf jeden Fall auch für 2016 wieder fix sein wird ist das Rise & Shine Festival in Falkenstein.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Die neue play.fm Seite sieht auf jeden Fall sehr modern aus. Es sind halt kaum Rootsreggae oder Dubmixes online – das müssen wir schleunigst ändern!

Let Jah Music Play - Flyer
Next date: 19. Dezember @ SimmCity

Eine Hörprobe davon, was es über das hauseigene Soundsystem von Shalamanda Hifi so zu hören gibt, könnt ihr euch im folgenden Mix holen, den die Jungs netterweise exklusiv für uns aufgenommen haben. Mehr davon, wie bereits im Interview erwähnt, am 19. Dezember bei der ersten Shalamanda Session in der SimmCity – mit Live-Auftritten von Souldja sowie Martin Zobel & Soulrise und natürlich basskräftiger Unterstützung von Shalamanda selbst!

Sound:frame

Im Club mit: sound:frame (Interview + Mix)

Die Vielfältigkeit der Wiener Clublandschaft zeigt sich nicht nur in musikalischer Sicht, sondern auch in der seit jeher äußerst lebendigen VJ-Szene – also jener oft übersehenen Künstlerinnen und Künstler, die das Cluberleben mit den richtigen Visuals versehen. Zumindest einmal im Jahr wird ihre Arbeit mit jener der DJs bzw. Live-Acts auf Augenhöhe gehoben, und zwar beim sound:frame, Wiens erstem und einzigen Festival für audiovisuelle Kunst. Eva Fischer, ihres Zeichens Gründerin und Kuratorin des Festivals, Österreicherin des Jahres 2010 im Bereich Creative Industries sowie Play.fm-Supportern der ersten Stunde hat sich während der Vorbereitungen zum zehnjährigen Jubiläum Zeit genommen, mit uns über das Veranstalten in Wien zu sprechen.

sound:frame – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Hinter dem Namen steckt zum einen unser Verein, der das gleichnamige Festival umsetzt und zum anderen die Agentur sound:frame AV, die ein Netzwerk audiovisueller KünstlerInnen vertritt und unterschiedliche Projekte im Bereich audiovisueller und interdisziplinärer Kunst und Kultur umsetzt.

Seit wann ist sound:frame im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Wir feiern 2016 unser 10-jähriges Jubiläum und freuen uns total drauf. In den zehn Jahren ist in Wien und vor allem im Wiener Nachtleben ganz schön viel passiert und wir wollen neben dem aktuellen Festivalprogramm natürlich auch noch einmal alles Revue passieren lassen. Man kann sich auf einige spannende, schöne und sicher auch witzige Rückblicke freuen.

Und wie sieht es bei sound:frame aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Andreya Triana & Band @ sound:frame Festival 2015
Andreya Triana & Band @ sound:frame Festival 2015 (Foto credits: Lichtschalter/sound:frame)

Wir konzentrieren uns als VeranstalterInnen vor allem auf das sound:frame Festival, das einmal im Jahr – meisten 2 – 3 Wochen im März/ April – stattfindet. Daneben machen wir immer wieder kleinere Veranstaltungen, meistens in Kooperation mit anderen oder werden eingeladen, z.B. das visuelle Programm einer Party zu hosten. sound:frame wollte schon immer aktuelle Strömungen zeigen, junge, neue Artists und gleichzeitig etablierte Namen nach Wien holen. Wir haben elektronisch begonnen, sind dann aber schnell breiter geworden und haben Genres wie Jazz, Hip Hop, Future Beats oder auch guten Pop integriert. Mir war es immer wichtig, vor allem Qualität zu zeigen, und nicht auf ein reines Headliner-Booking zu setzen. Und natürlich ist auch eine Portion eigener Geschmack im Booking dabei, ich geb’s zu! 😉

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Wien ist nicht unbedingt ein leichtes Pflaster, um Partys zu veranstalten. Wir konzentrieren unsere Kraft auch wirklich auf das Festival einmal im Jahr und sind ansonsten vor allem in Kooperationsprojekten involviert. Vom Partys-Veranstalten konnten wir noch nie leben. Und ohne eigenem Club und idealerweise auch noch einer eigenen Gastro ist es auch kaum möglich – zumindest in unserem Bereich – am Veranstalten gut zu verdienen. Es hat nach wie vor sehr viel mit Herzblut zu tun.

Leider ist auch das Gleichgewicht manchmal etwas aus dem Ruder – Artistgagen steigen in den letzten Jahren immer mehr, doch das Publikum ist oft nicht bereit dazu, Eintritt zu zahlen. Vielleicht, weil das Angebot so hoch ist, und man immer auch etwas findet, das günstiger oder gratis ist. Das ist prinzipiell natürlich total okay. Gute Qualität kostet jedoch – Zeit, Aufwand, Kraft – und Geld.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

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wife. x wagensommerer (Foto credits: Lichtschalter/sound:frame)

Die Wiener Szene ist toll! Es ist natürlich nicht immer leicht, alles unter einen Hut zu bringen und an manchen Tagen hast du das Gefühl, dass du dich zehnteilen müsstest, was für die einzelnen Veranstaltungen oft ein Nachteil ist. Dennoch ist Vielfalt natürlich großartig! Für jedeN ist etwas dabei und es ist schön, dass sich die Szene auch differenziert und nicht seit Jahren einen Einheitsbrei kocht.

Die Wiener Clubs sind ebenfalls super! Ich finde aber, dass es ruhig noch ein paar kleinere gemütlichere Clubs geben könnte, wie es zum Beispiel das Morisson war. Dort haben wir sooo gute Stunden verbracht! Tanzen im Wohnzimmer ist einfach etwas anderes als im großen Club. Beides ist großartig! Leider findet man nur wenige Plätze in Wien, an denen sich nicht irgendeinE NachbarIn gestört fühlt… Das ist unfassbar schade!

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Wir haben wirklich viele tolle Sachen gemacht! Das wird mir gerade wieder bewusst, weil wir ja derzeit ganz intensiv auf die vergangenen 9 Jahre zurückschauen. Eine Party mit 4.000 BesucherInnen in der Rinderhalle oder am Karlsplatz! ATOM, diese unglaublich tolle Performance mit dem Luftballonballet von Robert Henke und Christopher Bauder im Marx-Palast, großartige Abende in der Ottakringer Brauerei mit Acts wie AntiVJ, Jori Hulkkonen, planningtorock oder Machinedrum. Karl Bartos (ehemals Kraftwerk) im Gartenbaukino! Party-Hightlights waren sicher auch die Premiere von John Talabot in der Fluc Wanne. Oder eine großartige Feier dort mit der drumpoet community, bei der einfach niemand heimgehen wollte. Mein Liebling als Location ist ja auch das brut, weil der Raum so toll für audiovisuelle Umsetzungen ist. Die Premiere von Jonwanye barfuß auf der brut-Bühne. Die Premieren von SOHN mit Lampenschirm, Taylor McFerrin mit Valence oder ROBB mit fuxherz gemeinsam! Andreya Triana in der Grellen Forelle. Ich hab selten so viel geheult! 😉

Ich kann sie gar nicht alle aufzählen, meine Hightlights. Wir hatten tolle audiovisuelle Acts, VisualistInnen und musikalische Live Acts. Und natürlich vor allem großartige und spannende Installationen und interdisziplinäre Arbeiten in unseren Ausstellungen im MAK, dem Künstlerhaus oder anderen Ausstellungsflächen. Allein aus diesem Grund freue ich mich schon auf das Festival im nächsten Jahr, weil wir zum 10-Jährigen unter anderem vieles noch einmal Revue passieren lassen werden und viele der Highlights in der einen oder anderen Form zurückholen werden.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

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the ruff pack x jyd (Foto credits: Lichtschalter/sound:frame)

Puh, es gab auch so viele schwierige Momente. Viele, viele Tränen. Erschöpfung. Ärger. Frustration.

Mit dem Budget ist es so eine Sache. Wie gesagt ist es kaum möglich, vom Veranstalten zu leben. Alle arbeiten hier vor allem mit Herzblut, und weil ihnen die Sache wichtiger ist als das große Geld. Zwischendurch frustriert es jedoch ganz schön, wenn man für Durcharbeiten und Sich-Auspowern kaum bezahlt wird, bzw. bezahlen kann.

Es ist schwierig, wenn Dinge nicht so laufen, wie man sie sich vorgestellt hat – man denkt, man hat ein tolles Booking und auch sonst alles richtig gemacht, und dann regnet es und die Leute bleiben lieber zuhause.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Haha! Paul Kalkbrenner 😉 Gemeinsam mit resolut hatten wir ihn 2009 in die Fluc Wanne eingeladen und davor die Österreichpremiere von “Berlin Calling” gezeigt. Seine Musik war super, das Label auch und der Film war interessant. Da das ja aber kein Geheimnis ist, traue ich es mir auch zu sagen – er selbst war leider einer der anstrengendsten Künstler, die wir jemals eingeladen hatten. Viele, viele Extrawürsteln und Herumgezicke. Das würde ich mir nicht nochmal antun. Es geht ja auch darum, dass man mit den Artists und allen Beteiligten eine gute Zeit hat. Mittlerweile ist seine Gage, soweit ich weiß, auch um das 10- oder sogar 20fache von damals gestiegen und würde wohl mehr als unser gesamtes Festivalbudget verschlingen. Damit hat sich das Thema also ohnehin erledigt.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Wow, schöne Frage! Wenn man es gewöhnt ist, jeden Euro umdrehen muss, stellt man sich diese Frage manchmal gar nicht mehr. Aber natürlich gibt’s viele Träume. Ich will da gar keine Namen nennen, aber es wäre in jedem Fall eine Party mit vielen, vielen Namen. Mit Artists, die in ihren Arbeiten eine so tolle und eigene Handschrift haben, dass sie viele andere inspirieren und damit Geschichte geschrieben haben oder schreiben. Mit Räumen, in denen man laut und hell sein kann, soviel man will und mit Technik, die alle audiovisuellen Vorstellungen möglich macht. Da komm ich schnell ins Schwärmen und Träumen. Möglich und interessant wäre vieles! Es gibt so viele tolle Künstlerinnen und Künstler!

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

2016 wird groß! 🙂 Wir feiern uns selbst, feiern die Szene, mit der wir uns in den 10 Jahren unseres Bestehens mitentwickeln durften! Ich finde, es wird einfach mal wieder Zeit, richtig ausgelassen zu feiern und darauf freue ich mich! Ohne hier selbstverliebte Hohelieder singen zu wollen, ist es mir und meinem großartigen Team (das kann ich gar nicht oft genug sagen!) einfach ein Anliegen, das hochleben zu lassen, wofür wir brennen, woran wir seit Beginn an glauben und arbeiten, von dem wir seit Beginn an lernen und worin wir soviel Herzblut gesteckt haben. Wir wollen die gesamte Szene feiern, die so viele großartige Artists, Kollektive, VeranstalterInnen und TheoretikerInnen hervorgebracht hat und wir wollen zeigen, wie sich diese audiovisuelle und interdisziplinäre Kunstform, um die es uns seit 2007 geht, entwickelt hat und was sie kann und weiterhin leisten wird. Puh, große Worte, haha! 😉 Da sind wir wieder beim Schwärmen und Träumen. Ich freu mich jedenfalls drauf und bin gespannt, wie sound:frame 2016 “TEN” am Ende aussehen wird! Das Spannende am Umsetzen des Festivals war schon immer, dass man erst am ersten Festivaltag sieht, was sich aus den vielen Ideen, Gesprächen, Konzepten und Plänen schlussendlich zu einem Festival geformt hat.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Play.fm begleitet mich, seit ich in Wien bin und veranstalte. Über Play.fm habe ich schon zu Beginn so viele tolle Leute kennen gelernt und als Veranstalterin nutze ich die Seite auch aktuell zum Kennenlernen oder Nachhören von Musik.

Play.fm ist toll! Die Seite gefällt mir im aktuellen Gesicht sehr gut! 🙂 Weitermachen, ihr Lieben!

Um die Wartezeit auf das 10-Jahres-Jubiläum zu verkürzen, gibt es anbei gleich einen Warm-Up-Mix von sound:frame-Mitarbeiter Curley Sue – sowie am kommenden Monat, 7. Dezember, einen von sound:frame gehosteten Abend im mo.ë (dem übrigens leider die Schließung droht, weswegen unbedingt auf die laufende Petition zur Erhaltung hingewiesen werden sollte!), an dem das Duo le_mol gemeinsam mit AVRG an der Schnittstelle zwischen Konzert, Visual Art und Rauminstallation entlang performen werden. Ansonsten bleibt nur, sich den Zeitraum zwischen 15. und 24. April 2016 bereits im Kalender zu markieren – da wird sound:frame dann TEN!