Deep Baked

Im Club mit: Deep Baked (Interview + Mix)

Galt “Deep” vor nicht allzu langer Zeit als ein Umstandswort für Musik, deren Zauber eigensinnigen Einzelbrötlern vorenthalten und im Clubkontext schwer bis unmöglich vermittelbar schien, kann es selbst dem gängigsten EDM-Großevent aktuell nicht groß genug auf den Drucksorten stehen. Der inflationären Ausschlachtung des Begriffs zum Trotz füllt die Crew von Deep Baked derzeit mit hochqualitativen Bookings ganze Hallen – im Sass oder der Grellen Forelle hosten sie so illustre Acts wie DixonBarnt oder Ten Walls (ja, wir wissen – dazu später mehr) – was sie genau tun, wie und warum sie es tun und wie sie sich in dieser Stadt damit tun erzählen uns die sympathischen Jungspunde im folgenden Interview!

Deep Baked – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Eins vorweg, wir sind nicht alle eingeschworene Pottheads. Den Begriff „Deep“ in unserem Namen assoziieren wir nicht mit irgendeinem Musikgenre. Der Name ist uns einfach mal in einer lustigen Runde in den Sinn gekommen und er prägt sich einfach sehr schnell bei den Menschen ein. Es ist einfach nur ein Name!

Unseren allgemeinen Fahrplan und Themen wie: Bookings, wie viele Dates im Jahr etc. bestimmen wir als Crew gemeinsam. Die Grafiken macht immer Baha, der schüttelt das mit links aus dem Ärmel. Klassische Back-Office Arbeit wie Bookings/Korrespondenz mit Agencies etc., machen Aleksej und Francis. Ferenc übernimmt am Tag und vor allem am Abend der Veranstaltung die meiste Arbeit. Ralf ist unser „Finanzminister“ und wird intern gern auch als DJ Grasser bezeichnet.

Wenn es um Street-Promo, wie z.B. das allseits unbeliebte Plakatieren geht, läuft es sehr demokratisch ab. Alle müssen mal ran! (Auf der Straße munkelt man, Aleksej sei der beste Plakatierer Wiens.)

Die "Wall of Fame" der Deep Baked Veranstaltungen - diese und noch mehr Highlights hat die Crew bereits nach Wien geholt!
Die “Wall of Fame” der Deep Baked Veranstaltungen – diese und noch mehr Highlights hat die Crew bereits nach Wien geholt.

Seit wann ist Deep Baked im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Wir haben keine Plattensammlung oder DJ-Tools geerbt bekommen, sondern waren einfach sehr gern in den Wiener Szene-Clubs unterwegs. Unser großes Musikinteresse hat dazu geführt, dass wir uns DJ-Equipment für zu Hause gekauft haben – ein Mixer und zwei Plattenspieler. Die Vorstellung und der Wunsch in einem Club zu spielen war sehr bald da. So kam es zu unseren ersten „Gigs“ im Deli, Donau Techno etc. Nach einer spontanen Party im Werk, die wir binnen sieben Tagen auf die Beine gestellt haben, und am Ende so ein Erfolg war, dass dem Club das Bier ausging, waren wir motiviert weiterzumachen. Kurz darauf hatten wir unser Kick-off-Event als Deep Baked im Sass. Mit wachsender Community wurden auch die Events größer, und irgendwann fanden wir uns selbst mitten in der Wiener Szene. Nächstes Jahr im April feiern wir unser offizielles Dreijähriges in unserem Stammclub Grelle Forelle.

Und wie sieht es bei Deep Baked aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Grundsätzlich veranstalten wir ungefähr alle zwei Monate im Club Grelle Forelle, dazwischen nach wie vor im Sass. Zusätzlich hosten wir regelmäßig bei diversen Veranstaltungen einen Floor, dadurch sind wir das ganze Jahr ganz gut eingedeckt.

Über unser musikalisches Konzept könnten wir ein ganzes Essay schreiben. Fassen wir’s mal so zusammen, dass man uns schwer in eine Schublade stecken kann, so klischeehaft das nun klingen mag. Wir sind fünf Leute mit jeweils fünf verschiedenen Vorlieben. Manche mögen es percussion-getrieben, der andere mal technoider oder auch vollbepackt mit Synthies. Wir begeistern uns aber gerne immer wieder aufs Neue für aktuelle Stilströmungen, das ist ein wichtiger Teil unseres Konzepts, und prägt unsere Herangehensweise bei den Events und Sets. Auf alle Fälle vermeiden wir es, viel zu viele Sub-Genres in ein Set zu packen. Ein Set muss eine Geschichte erzählen, keinesfalls jedem Geschmack entsprechen. Genau aus diesem Grund, sprechen wir jene Leute an, die diese Überzeugung teilen.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Selbst ohne Vergnügungssteuer, könnten wir zu fünft nicht davon Leben. Es war von Anfang an klar, wir machen dass alles nur aus idealistischen Gründen und aus Spaß. Wir haben alle unsere Berufe bzw. studieren nicht im Bereich Eventmanagement. Wir finden, wenn man als Veranstalter davon leben muss, besteht die Gefahr, dass die Qualität darunter leidet, da man einem enormen Erfolgsdruck ausgesetzt ist.

Nebenher und mehrmals im Jahr kleine bis große Veranstaltungen zu planen, ist wie ein zweiter Teilzeit-Job. Es macht einfach Spaß ein gemeinsames Projekt voranzutreiben, der Zuspruch und das positive Feedback, das man aus den Events mitnimmt, sind dann noch das i-Tüpfelchen und lassen uns mit Freude weiterarbeiten. Der eine oder andere von uns könnte sich auch vorstellen, sich mit Musikproduktion ein zweites Standbein aufzubauen.

Deep Baked - eine lustige Crew mit seriöser Musik
Deep Baked – eine lustige Crew mit seriöser Musik

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Wir beobachten gerade eine starke Welle an Techno, speziell Berghain- und Detroit-Techno,

Leftfield-House und klassischen Chicago-House Events etc., die wir absolut gut heißen und cool finden. Wie vorhin angedeutet, können aufgrund des Erfolgsdrucks nicht alle Veranstalter gewagte/innovative Bookings realisieren. Das führt leider zu sich wiederholenden „Selbstläufer-Events“. Wir denken, dass pathetischer Sample-Pack Tech/Deep House noch viel zu sehr in den Underground Clubs Wiens vertreten ist.

Zum Thema Szene allgemein, ist uns bewusst, dass es in den 90er Jahren in Wien eine durchaus ausgeprägte Techno-Subkultur gab, die rund ums Millennium abgeschwächt ist, sich jedoch langsam wieder aufbaut. Das freut uns sehr!

Im Vergleich zu anderen internationalen Partymetropolen ist Wien bislang etwas „leiser“. Das heißt aber nicht, dass diese Stadt kein Potential hat. Wien wurde in den letzten Jahren „lauter“!

Speziell mit der Grellen Forelle hat sich ein Club auf internationalem Niveau etablieren können. Dem kürzlich angekündigten Umbau sehen wir sehr freudig entgegen. Auch das Sass bleibt nach wie vor, als gern besuchter Club, für Wiener Crews attraktiv. Und wir sind gespannt was noch auf uns und unsere Hauptstadt zukommt.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Da gibt’s sehr viele… wir sind nicht immer einer Meinung, aber unser zweijähriges Jubiläum mit Dixon war für jeden von uns DAS Highlight!

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Wir hatten in unseren knappen drei Jahren das Glück, von tragischen Momenten verschont zu bleiben. Man zittert nach wie vor bis 1 Uhr im Club, nervös Vodka Makava trinkend und fragt sich wann der Club endlich voll wird, aber alles andere haben wir recht gut im Griff.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Also hier haben wir kein Problem auch Namen zu nennen. Unsere erste Jahresfeier mit Ten Walls im Flex war absolut großartig, jedoch haben wir uns schon einmal in einem Post öffentlich von seiner homophoben Hetze distanziert. So etwas dulden wir nicht!

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Wir würden sofort ein ähnliches Festival wie vor allem das „ADE“ (Amsterdam Dance Event) oder etwas wie das „Off Sonar“ in Wien aufziehen. Jedoch wissen wir alle, wie schwer es einem die Behörden machen können. Wer Geld hat, findet Vettern 🙂

Umrisse einer Clubnacht mit Deep Baked - die Atmosphäre spricht für sich...
Umrisse einer Clubnacht mit Deep Baked – die Atmosphäre spricht für sich…

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten

Mit der Grellen Forelle haben wir einen Stammclub gefunden, in dem wir es schaffen unsere kreativen Ideen umzusetzen und großartige Künstler zu präsentieren. Wir versuchen nach wie vor innovativ in unseren Bookings zu bleiben und freuen uns auf weitere intensive Nächte im kommenden Jahr.

Jedoch spielen wir in letzter Zeit auch mit dem Gedanken Projekte im Bereich von Konzertveranstaltungen zu realisieren. Hier gibt es einige elektronische Bands, die wir gerne nach Wien bringen würden. Weitere Ideen schwirren uns ständig im Kopf herum. Wie vorhin erwähnt, hat der eine oder andere von uns vor, sich im Bereich Musik oder Kunst ein zweites Standbein aufzubauen. Die meisten DJs und Veranstalter träumen doch oft von einem eigenen Label. Wer weiß, wer weiß…

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Das Design finden wir gelungen. Die Möglichkeit Sets nach Herkunftsstadt zu filtern, ist super, und spart Zeit. So bleiben vor allem die Local Acts gut im Überblick. Das ist ein bedeutender Schritt in Richtung „support your locals“.

Als Veranstalter könnte man sich ein kleines Forum vorstellen, indem man Events als Veranstalter bewerben kann, abseits von Facebook.

Der nächste Streich von Deep Baked findet schon bald, nämlich am 13. November, im Heimatclub Grelle Forelle statt – natürlich mit einem weiteren musikalischen Leckerbissen in Form vom Berliner Trio FJAAK! Bereits heute als Warm-Up dafür ein Mix von Deep Baked Mitbegründer und Resident Aleksej mit einem selbst auferlegten Tempolimit von smoothen 109 Bpm – deeper geht’s kaum!

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!