Electroboot

Im Club mit: ElectroBoot (Interview + Mix)

Strahlender Sonnenschein statt Stroboskopblitzen, der Duft des blauen Donauwassers statt dem von Rauch und eingetrocknetem Bier, ein Schiffsdeck anstatt eines Kellerclubs – so außergewöhnlich lässt es sich in Wien dank dem ElectroBoot feiern. Wir haben Armin, den Chefkapitän dieser Veranstaltungsreihe, zum Interview gebeten – er hat uns Rede und Antwort gestanden und ein paar schöne Live-Mitschnitte mitgebracht!

ElectroBoot – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

ElectroBoot besteht aus keinem fixen Team, auch die Aufgabenbereiche werden immer wieder neu verteilt. Es sind hauptsächlich Freunde, die das Projekt unterstützen und ihre Ideen mit einbringen, um jedes Jahr aufs Neue etwas Einzigartiges für Wien zu schaffen. Einige sind von Anfang an dabei gewesen, manche nur für die eine oder andere Veranstaltung.

Seit wann ist EletroBoot im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Geduldiges Anstellen bei der Anlegestelle...
Geduldiges Anstellen bei der Anlegestelle… (Foto credit: Georgeye)

Ich war immer viel auf Reisen um Freunde zu besuchen und mit ihnen auf die verschiedensten Festivals und Parties zu gehen. Was mich dabei interessiert hat, war natürlich in erster Linie die Musik, aber auch immer das Gesamtkonzept, von der Location angefangen bis hin zur Deko. In den vielen Jahren habe ich es aber leider nie auf eine Boot Party gechafft, sei es aus Zeitgründen oder weil sie schon ausverkauft waren. Bis heute war ich nur auf meinen eigenen.

Im Sommer 2012, nach einem Kurzbesuch in London und einer weiteren Boot Party auf die ich wieder einmal nicht gehen konnte, habe ich mich entschlossen in Wien selber eine für und mit meinen Freunden auf die Beine zu stellen. Ursprünglich sollte es nur eine private Boot Party werden, aber da es in Wien nicht so eine große Auswahl an Schiffen gibt und das kleinste welches in Frage gekommen ist für ca. 200 Gäste ausgestattet ist, war der nächste logische Schritt, einen Veranstaltungsnamen samt Logo zu gestalten, Tickets zu verkaufen und so eine öffentliche Veranstaltung daraus zu machen.

Schnell fanden sich viele Freunde um gemeinsam das Projekt ElectroBoot zu realisieren, und das Vienna Summerbreak Festival, welches Anfang September stattfand, hat sich optimal dazu angeboten es zu promoten.

So entstand in wenigen Wochen das ElectroBoot mit einem kleinen Truck im Look vom ElectroBoot Logo auf der Streetparade, Afterparty im Badeschiff und Afterhour in der Pratersauna. Es hat so viel Spass gemacht und so ein tolles Feedback bekommen, dass klar war: Es gibt 2013 eine Wiederholung.

Und wie sieht es bei ElectroBoot aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Bis 2014 fand das ElectroBoot immer nur einmal im Jahr statt, und immer auf Schiffen der DDSG, an Bord gab’s bisher immer Techno und House. Dieses Jahr haben wir ein wenig herum experimentiert, mehrmals auf Schiffen, auch von anderen Schifffahrtsunternehmen veranstaltet und auch mal Drum & Bass an Bord gehabt, aber grundsätzlich wollen wir unserer Linie treu bleiben.

Wenn eine Location außergewöhnlich ist, kann es auch gerne etwas anderes als ein Schiff sein, dann meistens aber unter einem anderen Namen.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

...und ausgelassenes Feiern an Bord!
…und ausgelassenes Feiern an Bord! (Foto credit: Georgeye)

Einige können bestimmt davon leben, ich rede da aber eher von kommerziellen Groß-Veranstaltungen – die Mehrheit von Veranstaltern glaube ich nicht. Ich weiss nicht was die Motivation der anderen ist, für mich ist es, dass die Menschen für ein paar Stunden aus der Realität entspringen können und gemeinsam mit einer unglaublichen Energie kollektiv feiern.

Die behördlichen Hürden und die vielen Steuern, vor allem die Vergnügungssteuer, sind das größte Problem. Meiner Meinung nach verhindert das sicher so einiges an Kreativität, die es in unserer Stadt gibt. Ich weiß, da stehe ich sicher nicht alleine mit meiner Meinung da. Ich hoffe es wird in der Regierung bald ein Umdenken zu diesem Thema geben.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Im internationalen Vergleich ist Wien sicher noch ein wenig hinten nach, braucht sich aber auch nicht zu verstecken, es gibt einige sehr gute Clubs und Veranstaltungsreihen. Für die Größe unserer Stadt gibt es zum Teil vielleicht auch zu viele Veranstaltungen, aber ich glaube das wird sich schon einpendeln und macht die die Szene auch kreativer in der Frage, wie sie das Publikum anzieht.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Das erste ElectroBoot, der TechnoGrill Open Air im Prater letztes Jahr und das Season Opening im April gehören auf jeden Fall zu meinen Favoriten.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Ganz klar, die Reinigung des Schiffes nach einer exzessiven Party, um es innerhalb weniger Stunden wieder zum ursprünglichen Touristen-Dampfer herzustellen 🙂

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Ja klar, aber dazu äußere ich mich jetzt nicht.

...und nach dem fröhlichen Donauausflug heißt es rechtzeitig zur Afterparty wieder anlegen :)
…und nach dem fröhlichen Donauausflug heißt es: Rechtzeitig zur Afterparty wieder anlegen 🙂 (Foto credit: Georgeye)

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Wenn Geld und Ressourcen keine Rolle spielen wäre die ganze Welt eine Riesenparty.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Das steht noch alles in den Sternen, aber man kann gespannt sein.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Dazu fällt mir nur ein Wort ein. Geil!

Da es sich in den kühlen Wintermonaten auf einem offenen Deck naturgemäß weniger gut feiern lässt, ist das ElectroBoot in den nächsten Monaten mal auf wohlverdienter Pause – wer über die nächsten Ausflüge informiert bleiben möchte, sollte unbedingt die Facebook-Page von ElectroBoot abonnieren. Zur Überbrückung hat uns die ElectroBoot-Crew außerdem sonnige Mitschnitte vom diesjährigen Season Opening zur Verfügung gestellt – insgesamt vier Stunden Musik mit so viel sonnigen Vibes, dass sich selbst der bitterste Winter gut übertauchen lässt!

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!