Funkroom

Im Club mit: Funkroom (Interview + Mix)

Es ist kein Geheimnis, dass Techno und House – in Wien wie so ziemlich überall auf der Welt – mit den Jahren durchaus zu einem nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor geworden ist. Und so erfreulich die weiterhin steigende Reichweite für eine ehemals verkannte Subkultur grundsätzlich sein mag, ruft sie naturgemäß auch Mengen von Trittbrettfahrern auf den Plan und es entsteht eine Kluft zwischen jenen Szene-Protagonisten, die aus niederen Motiven wie wirtschaftlichem Erfolg oder gesellschaftlichem Status aktiv sind und solchen, denen man das Herzblut bei jeder Kickdrum anhört. Zu letzterer Gattung darf man die Burschen vom Funkroom getrost zählen, die seit Jahren mit nahezu fanatischer Begeisterung Platten sammeln und auflegen, internationale Acts mit ebensolchen Ambitionen in die Stadt holen, sich dabei durchaus in Understatement üben und inmitten des Marketing-Trubels lediglich vereinzelt lauter zu hören sind – einfach, weil es ihnen dermaßen wichtig ist. Viel mehr Realness geht nicht. Grund genug, Roli alias Rol:e und Oli alias Moxx im Zuge unserer Interview-Serie auszufragen!

Funkroom – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Wir sind ein Kollektiv aus Künstlern, DJs, Musikproduzenten und Plattensammlern. Gemeinsam veranstalten wir Partys, tauschen Know-How aus und pflegen unsere Freundschaft.

Seit wann ist Funkroom im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Roli: Wir kennen uns aus der Clubszene. Der gemeinsame Gedanke, dass wir die Wiener Partyszene bereichern können, führte letztendlich dazu, dass wir Funkroom ins Leben gerufen haben.

Oli: Seit 2008 ca., als ich mir ein Mixtape vom Schicki angehört habe und mit ihm zusammenarbeiten wollte. Angefangen haben wir mit Einzelveranstaltungen, als die Crew dann größer wurde, sind wir auf eine monatliche Partyreihe umgestiegen.

Moxx (Funkroom) @ Club Auslage
Moxx (Funkroom) @ Club Auslage

Und wie sieht es bei Funkroom aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Roli: Vor 3-4 Jahren starteten wir unsere monatliche Partyreihe, welche nach einem halben Jahr in den Club Auslage übersiedelte. Im Moment veranstalten wir Afterparties in Off-Locations und hosten diverse Clubnights. Aktuell immer nachzulesen auf www.funkroom.net.
Ein Auszug unserer Philosophie beschreibt unser musikalisches Konzept ziemlich genau: “We aim to live pure dj culture by presenting artists who play extended sets, that reflect diverse styles and a broad spectrum of music.”

Oli: Neben musikaffinem Publikum sind natürlich alle weiteren Ausgeher herzlich eingeladen bei uns vorbeizuschauen. Prinzipiell ist jeder willkommen, der gerne unserer Musik lauscht und einen Abend mit netten und offenen Menschen verbringen möchte. Diskriminierung jeglicher Art hat jedoch keinen Platz bei uns.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Oli: Natürlich nicht… Die Gründe, weswegen wir Partys veranstalten sind keine monetären, sondern vorwiegend gesellige und musikalische.

Roli: Die Quelle meiner Motivation sind meist neue Platten und die Performances von Kollegen.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Oli: Es gibt einige seriöse Veranstalter, die ihr Bestes geben, um den Gästen ein tolles Programm zu bieten und interessante Künstler buchen. Mit denen wollen und werden wir auch zusammenarbeiten. Bei einigen kann ich jedoch nicht von einer Entwicklung sprechen, wenn seit Jahren immer dieselbe, hirnlose Musik gespielt wird… Ich würde mir generell mehr Offenheit und Toleranz gegenüber ausgefallener und artifiziellerer Tanzmusik wünschen.

Roli: Es gibt Licht und Schatten. Privat besuche ich gerne Veranstaltungen von Maschinenraum, Ascending Waves, Turbo oder die Klubnacht in der Pratersauna.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Oli: Silvester 2014 @ Metz. Das war eine unfassbare sicke Party… Gerne blicke ich auch auf einige Partys in der Auslage vor dem Umbau zurück. Ich bin im Nachhinein froh, dass wir dort veranstaltet und viele neue Leute kennengelernt haben.

Roli: Ich erinnere mich gern an Steve Rachmad und Dario Zenker in der Auslage.

Moxx & Rol:e (Funkroom)
Moxx & Rol:e (Funkroom)

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Oli: Nachhause schicken und -fahren nach der Party.

Roli: Montagmorgen.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Oli: Auch wir entwickeln uns musikalisch weiter… trotzdem bereue ich keines unserer Bookings. Unsere Gäste waren sehr freundlich und wir hatten eine gute Zeit.

Roli: Die waren eigentlich alle sehr umgänglich 😉

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Roli: Jeff Mills, Mad Mike, Robert Hood @ Grelle Forelle

Oli: Stinson @ Planet Mars, open air

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Oli: Wir konzentrieren uns derzeit vor allem auf unser YOSHI Label. Hier und da übernehmen wir ein Hosting oder bespielen das Metz. Es wird aber weitere Veränderungen geben, über die wir noch nichts Konkretes berichten können.

Roli: Überraschung.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Oli: Eventuell eine Eventsektion verlinkt mit dem Artist-Profil, um live Termine auszuchecken.

Roli: Einen Downloadbutton.

Funkroom gehört praktischerweise zu jenen Veranstaltern, die wir gar nicht erst um einen aktuellen Mix bitten mussten – sie sind bei der Verbreitung ihrer musikalischen Message ohnehin so konsequent, dass der regelmäßige Mix-Upload auf Play.fm zur Selbstverständlichkeit gehört. Daher sei an dieser Stelle auf diese angenehm umfangreiche Sammlung an Mixes und Mitschnitten verwiesen, die es aus dem Funkroom ins Internet geschafft haben – Zeit nehmen lohnt sich, jeder einzelne ein Juwel! Wer mehr davon hören möchte hat dazu am 21. November in der Grellen Forelle Gelegenheit, wo Moxx den Support für Ryan Elliott übernimmt, sowie bei der Yoshi Label Night am 28. November im Metz mit Buffered Multiple – dem Techno-Moniker von Microthol!

Mixes by Funkroom on play.fm

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!