Im Club mit: Hædensa (Interview + Mix)

Erstens kommt es oft anders, und zweitens als man denkt: Weil er nicht nur ein großartiger DJ, sondern auch ein äußerst fleißiger wie fähiger Veranstalter ist, wollten wir den liebenswerten Hanzo nicht schon im ersten Teil unserer Wien-Serie verbraten, sondern als Fadenzieher hinter dem umtriebigen Kollektiv Wiener Endorphine zum Veranstalter-Interview bitten – den Mix, auf den wir recht geil waren, sollten wir ja so oder so bekommen. Als es dann soweit war allerdings die Hiobsbotschaft: Die Wiener Endorphine gehen für unbestimmte Zeit auf Pause und sind daher als Interview-Partner nicht verfügbar. Doch geht, um noch eine abgedroschene Redensart zu bemühen, ja immer dort eine Tür auf, wo eine andere zufällt, und in diesem Fall sogar zwei: Denn gleich mit zwei innovativen Club-Konzepten mischt Hanzo weiter das Wiener Nachtleben auf, namentlich Hædensa im Celeste und Adabei im Sass. Zu ersterer, aber eh auch vielem anderen, hat er uns freundlicherweise Rede und Antwort gestanden – und ja, den geilen Mix gibt’s natürlich auch..!

Hædensa – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Wir sind ein kleines aber feines Team. Gemeinsam mit meiner Freundin habe ich das Konzept entwickelt. Eduardo aka Moony Me und meine Wenigkeit stemmen die Party. Wir organisieren die Bookings, sitzen an der Abendkassa und legen auch noch auf.

Seit wann ist Hædensa im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Uns gibt’s seit heuer und zwar war am 14. Oktober unsere erste Veranstaltung im
Wiener Club Celeste. Meine Lust Partys zu veranstalten hab ich vor ca. 10 Jahren
entdeckt und seit dem vieles gemacht. Vor ca. 4 Jahren habe ich mit Freunden das Kollektiv „wiener endorphine“ gegründet. Nach wunderbaren Jahren war’s für mich jetzt Zeit etwas Neues zu machen.

Und wie sieht es bei Hædensa aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?
Hædensa findet monatlich statt, meist Donnerstags. Uns geht’s darum auf wienerisch gesagt „was laivandes zu machen“. Einen Abend zu gestalten an dem wir uns musikalisch austoben und wo wir befreundete DJs bzw. Produzenten auf ein Set einladen können. Es gibt in Wien sehr viele gute Leute, die cooles Zeug machen. Am Wochenende ist das Angebot oft so groß, dass man gar nicht mehr weiß wohin. Unter der Woche schaut’s meistens eher trüb aus. Da kommen wir ein ins Spiel…

Haedansa
Auch unter der Woche ausgelassen Feiern – Hædensa macht’s möglich!

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?
Haha, davon leben… eher nicht. Unsere Motivation ist die Liebe zur Musik, die Freude am Auflegen, am Sound machen und dabei das Publikum zu erreichen. Um in Wien mit Partys Geld zu verdienen, muss man das Ganze ein bisschen anders aufziehen, das ist allerdings aktuell nicht unser Plan. Wobei, ein Veranstalter-Problem möchte ich an dieser Stelle doch nennen: Die Vergnügungssteuer! Es ist irgendwie absurd, dass „ein Vergnügen“ mit Steuern belegt ist. Das schwammig formulierte Gesetz schreibt vor, dass man bei Parties diese Steuer bezahlen muss, wohingegen z.B. Konzerte – bei denen der Eintritt vielfach höher ist – nix dergleichen zu bezahlen haben (weil das Publikum dort per Definition nicht tanzt). Das ist unfair und gehört dahingehend geändert, dass kleine Veranstalter, die meistens nur vom Eintritt leben, z.B. von 3,5,8 Euro an der Tür, nicht 15% abgeben müssen.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?
Im Prinzip ist Wien eine geile Stadt. Bin jetzt seit über 10 Jahren hier und fad ist mir noch nie geworden. Find’s toll, dass immer wieder neue Sachen aufpoppen. Partyhauptstadt sind wir wohl nicht und es gibt Probleme. Doch wenn man ein bisschen über den Tellerrand schaut, dann gibt es viel größere Probleme. Ein Wunsch? Vielleicht noch 1,2 mittelgroße Clubs mit guten Soundsystem!

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?
Glückliche Gesichter. Neue Freundschaften. Aber auch die Arbeit mit vielen unterschiedlichen Künstlern ist immer interessant und inspirierend. Einmal hatten wir zum Beispiel eine interaktive Live-Übertragung aus Budapest. Veranstalten bedeutet viel aufwand und Stress hinter den Kulissen und wenn dann die Party aufgeht und der Moment kommt, an dem das Publikum seine Hemmungen ablegt und voll mitgeht, zahlt sich das alles immer wieder aus. Eines meiner schönsten Erlebnisse war, als Axel Boman mir nach seinem Set seine Kopfhörer geschenkt hat.

Die Masterminds hinter Hædensa: Hanzo (links) und Moony Me (rechts)
Die Masterminds hinter Hædensa: Hanzo (links) und Moony Me (rechts)

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?
Ein Stressfaktor kann immer wieder die Technik sein, da muss man flexibel bleiben. Aber wenn die Anlage (oder ein Teil davon) plötzlich ausfällt, dann ist kann die geilste Party ganz schnell vorbei sein. Einmal hat eine Location unseren Termin an eine Werbeveranstaltung weiter gebucht, ohne uns zu informierten. Das war schon eine Frechheit. So mussten wir schnell eine Ersatzlocation finden, alle Poster händisch überkleben, ein Booking ändern und versuchen so viele Fans wie möglich auf die neue Location aufmerksam zumachen. Und ja, ich war seit dem nicht mehr in dieser Location.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?
Schon ja, aber wir hatten da bisher eigentlich immer Glück und mussten keinen unserer internationalen Gäste in Rosenwasser baden. Im Vorhinein informieren schadet auf jeden Fall nicht (die Wiener Szene ist nicht so groß und zumindest irgendwer kennt irgendwen der bescheid weiß) – aber man möchte seinen Gast-Künstlern ja auch eine gute Zeit bieten. Wo man auch ein bisschen aufpassen muss, ist bei der Zusammenarbeit mit Booking-Agenturen. Da habe ich schon erlebt, dass Dinge versprochen und dann nicht eingehalten wurden. Oder z.B. das Dinge verlangt wurden, die dem Künstler dann gar nicht sooo wichtig sind.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?
Wir würden aus aller Welt Leute einladen von deren Qualität wir überzeugt sind, die vielleicht noch nicht unbedingt so den großen Namen haben. Oder schon, aber muss nicht sein. Dafür würden wir natürlich keinen Eintritt verlangen (oder schon und für guten Zweck spenden).

Adabei - 7. November
Adabei, der Schwesternclub von Hædensa, feiert am 7. November ebenfalls Premiere!

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?
Viele erstklassige nationale Bookings und vielleicht das ein oder andere internationale. We will see. Übrigens: noch vor Jahresende (am 7. November) startet mit „Adabei“ eine weitere neue Veranstaltungsreihe von mir im Sass. Zu Gast sind der Berliner Gratts – übrigens zum ersten Mal in Wien! – sowie 7 Citizens und Laminat. Würd mich freuen wennst adabei bist!

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?
Pipifein. Danke für diese Möglichkeit. Keine weiteren Wünsche.

Die zum Abschluss obligaten Eventhinweise sind somit zumindest zur Hälfte bereits genannt: Am 7. November zu Adabei ins Sass, und gar nicht viel später, genauer gesagt am 19. November, dann wieder ins Celeste zur zweiten Runde von Hædensa – diesmal mit der Österreichpremiere von Delfonic, dem Manager des Berliner Labels Box aus Holz, sowie dem jungen Ausnahmetalent Franz Ganz! Als Einstimmung für beides und überhaupt hier nicht weniger als eine Stunde und fünfzig Minuten von und mit Hanzo – enjoy!

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!