Maschinenraum

Im Club mit: Maschinenraum (Interview + Mix)

Techno – mehr bräuchte es als Einleitung für dieses Interview eigentlich nicht. Denn wenn es in Wiens Nachtleben sowas wie Techno in Reinkultur gibt, dann beim monatlichen Maschinenraum im Werk. Etwas mehr über das wer, wie, wo, wann und warum erzählen uns Tilo Stahl und DJ Mushroom, beide Mitgründer, Mitveranstalter und Residents des Maschinenraums.

Tilo Stahl (Foto credit: VJ Azz)
Tilo Stahl (Foto credit: VJ Azz)

Maschinenraum – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Die Crew:

Tilo Stahl (Event Coordinator, Resident DJ)
Jojo Todos (Event Coordinator, Resident DJ)
Dj Mushroom (Event Coordinator, Resident DJ)
Lena:k (Resident DJ)
Zosima (Noiztank Records Mastermind, Resident DJ)
Schwartz (Schwartz Records Mastermind, Resident DJ)
Stuwer (Graphic Designer, Resident DJ)
Peter Balon (Club Founder)
Florian Bogdan (Website Admin, Club Founder)

Seit wann ist Maschinenraum im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Angefangen hat alles am 21.12.2011 in der Fluc Wanne. Unsere erste Veranstaltung hieß Klub der Maschinen und wurde von den Gründervätern Peter Balon und Florian Bogdan organisiert. Headliner war damals Mussurunga, ein Projekt von Didi Bruckmayr.

Da wir damals alle den Einheitsbrei aus schlechtem Minimal und Techhouse auf den Parties dieser Stadt satt hatten, musste etwas geschehen. Es ging uns vor allem darum, harten, düsteren, industriallastigen, basslastigen State of the Art Techno und damit verwandte Genres in den Club zu bringen. Roher Sound, analoge und digitale Maschinen, Berlin und Detroit als Bezugspunkte standen für uns im Vordergrund. Hirn einschalten und den Körper spüren statt sich zu Billigsound wegballern war die Devise. Daraus entwickelte sich einige Monate späterdie Veranstaltungsreihe Maschinenraum.

Maschinenraum #1 fand am 20.04.2012 mit Tilo Stahl, Jojo Todos und DJ Mushroom an den Decks im Expedit Keller statt. Mittlerweile haben wir #28 erreicht.

Und wie sieht es bei Maschinenraum aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Jojo Todos (Foto credit: VJ Azz)
Jojo Todos (Foto credit: VJ Azz)

Seit März 2013 ist das Werk unsere feste Homebase. Jeden vierten Freitag im Monat kann man uns hier antreffen.

Dem musikalischen Konzept sind wir seit den Anfängen treu geblieben. Wir versuchen allerdings auch, ständig mit der Zeit zu gehen. So konnten wir bei unserer letzten Veranstaltung einen modernen internationalen Act (SNTS) präsentieren, der ein Hybrid Set – sprich DJ Set kombiniert mit analogen und digitalen Klangerzeugern – zum Besten gab.

Auf den Punkt gebracht geht es um modernen, frischen, zukunftsorientierten Techno. Die Vergrößerung des Werks auf zwei Floors gab uns Gelegenheit zu Kooperationen mit befreundeten, geistesverwandten Crews wie Mutter oder Commandyoursoul, aber auch zu Ausflügen zu musikalischen Roots wie Detroit Techno, Industrial, Dark Ambient, Acid House, IDM, New Beat, Electronic Body Music etc.

Wir wollen ein Publikum ansprechen, welches unsere Bemühungen zu würdigen weiß. Verantwortungsbewusstsein, Respekt, die richtige Stimmung und Atmosphäre sind der Maschinenraum-Community wichtig.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Wir können momentan nur vom Werk sprechen. Wir fühlen uns sehr wohl hier. Die Kommunikation zwischen uns und dem Club funktioniert gut und ist von gegenseitiger Wertschätzung getragen.

Leben können und wollen wir von unseren Veranstaltungen nicht. Wir sind nicht profitorientiert. Es ist ein ständiges Nullsummenspiel.

Was uns antreibt, ist unsere gemeinsame Leidenschaft zur Musik und unsere Freundschaft. So wie wahrscheinlich die meisten unserer Kollegen würden auch wir uns eine andere Sperrstundenregelung wünschen.

Wir hoffen, dass uns in Zukunft neue Regelungen und Gesetze nicht die Arbeit erschweren.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

DJ Mushroom (Foto credit: Ursula Leitgeb)
DJ Mushroom (Foto credit: Ursula Leitgeb)

Die Wiener Technoszene, der wir uns verbunden fühlen, ist nach wie vor recht überschaubar, aber immerhin seit ein paar Jahren wieder lautstark präsent. Die Community, die bei Partyreihen wie Maschinenraum, Kanal Royal oder Meat Market die Dancefloors füllt, ist entsprechend dedicated und musikalisch anspruchsvoll. Wiener Labels wie Bare Hands, Noiztank, Schwartz, Minimalsoul, Felga Ltd., Yoshi oder Mego haben unseren vollen Respekt und Support.

Im internationalen Vergleich fällt auf, dass in Wien generell wenig Wert auf gute Tonanlagen gelegt wird. Ein Sound auf Kneipenniveau macht die adäquate Präsentation elektronischer Musik nicht einfacher. In diesem Bereich hat unsere Stadt definitiv Aufholbedarf. Voraussetzung dafür wäre natürlich zuerst mal ein Wegfallen bürokratischer Schikanen sowie das politische Bekenntnis zu einer lebendigen urbanen Musikszene auch abseits der subventionierten Festivals.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Alle unsere Veranstaltungen waren für uns Highlights, auf die wir gerne zurückblicken. Ein Tisch voller Equipment, ein angenehm gefüllter Club und gute Stimmung sind für uns Dinge, an die wir uns gerne erinnern.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten

Unangenehm sind für uns Momente, bei denen sich Leute nicht angemessen verhalten. Von Taschendiebstählen über Agression bis zu sexueller Belästigung haben wir schon einiges miterlebt. Solche Leute werden, sofern wir sie erwischen, umgehend nach draussen befördert.

Mühsam können sich auch Preisverhandlungen an der Kassa gestalten, zumal sich bei uns niemand persönlich bereichert und beim MR schon sehr lange eine Newsletter-Aktion läuft, bei der allen, die sich dort einmalig anmelden, immer ein reduzierter Eintrittspreis garantiert wird!.

Zosima (Foto credit: Ursula Leitgeb)
Zosima (Foto credit: Ursula Leitgeb)

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Mit den Künstlerinnen und Künstlern hatten wir bis jetzt überwiegend positive Erfahrungen.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Wir wollen von dem ausgehen, was wir haben und nicht von “was wäre wenn”. Teure Bookings sind kein Garant für den Erfolg einer Party. Wichtiger ist uns eine konsequente musikalische Ausrichtung, die auch von der Crowd am Dancefloor honoriert wird.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Wir setzten unsere Reihe im Werk jeden vierten Freitag im Monat fort und bleiben unserer Linie treu. Geplant sind spannende Kollaborationen mit anderen Veranstaltern. Verstärkt werden wir den Focus auf unsere Residents, Locals und Newcomer setzen. Internationale Acts wird es auch geben.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Die neue Seite macht einen modernen, übersichtlichen Eindruck. Wir finden es schade, dass niemand von uns bei der 30 Wiener DJ Liste dabei ist.

Das hoffen wir hiermit gebührend nachgeholt zu haben – dass Tilo Stahl wie auch die restliche Crew auf jeden Fall zum Besten gehören, was Wien in Sachen Techno zu bieten hat, stellt er im nachfolgenden Mix unter Beweis! Wer nun auf den Geschmack gekommen ist trägt sich am besten gleich in besagten Newsletter ein und feiert zum Beispiel am Freitag, 27. November, zum Spezialpreis: Wie jeden vierten Freitag im Monat gastiert der Maschinenraum da nämlich im Werk, diesmal mit Verstärkung aus Frankfurt in Form der DJs Plague, Pentaton und Maus!

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!