Pomeranze
Foto: Paul Pieper

Im Club mit: Pomeranze (Interview + Mix)

Wien ist nicht zuletzt als eine Stadt der Künste bekannt – der städtische Tourismus wird noch einige Jahrhunderte lang vom kulturellen Erbe Otto Wagners, Gustav Klimts, Egon Schiele und Kolo Mosers laben und die lokalen Veranstaltungskalender bieten regelmäßig schier unzählbare Listen von Ausstellungen, Performances und Festivals zu Film, Fotografie oder Literatur an. Kein Wunder, dass entlang der wachsenden Wiener Clubkultur auch Schnittstellen zum zeitgenössischeren Teil der Kunstszene entstehen – eine der interessantesten hat sich über die letzten Jahre in Form des Kollektivs Pomeranze etabliert. Wie es dazu kam, wozu es überhaupt kam und wozu es noch kommen wird erzählen uns die Pomeranze-Gründer im folgenden Interview.

Pomeranze – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?
Hinter Pomeranze stehen die drei Gründer Phil, Carlo und Christian und schlägt unser musikalisches Herz – Thomé Rozier, Kia Mann, DJ Moe und Minou Oram.

Seit wann ist Pomeranze im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Im Jänner 2013 gründeten wir Pomeranze als Bühne und Plattform für befreundete Kunst- und Musikschaffende. Unser Wunsch war und ist es, das Nachtleben in Wien mitzugestalten, Künstler, die wir lieben, nach Wien einzuladen und Musik zu buchen, die uns fasziniert.

Und wie sieht es bei Pomeranze aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?
Aktuell in der Pratersauna, der Grellen Forelle, dem Club Titanic, früher im celeste – und immer regelmäßiger: Waren es 2013 noch drei, sind es mittlerweile schon über zehn Veranstaltungen pro Jahr. Ein Schwerpunkt unseres musikalischen Konzepts ist es Liveshows aus dem klassischen Konzertrahmen herauszubrechen und in die Clubnacht zu integrieren. Ansprechen wollen wir dabei sensible, stille, sympathische, laute, offene und großzügige Menschen.

Flyer von Florent Hadjinazarian für die Zwei-Jahres-Feier von Pomeranze in der Wiener Pratersauna
Flyer von Florent Hadjinazarian für die Zwei-Jahres-Feier von Pomeranze in der Wiener Pratersauna

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?
Wir können nicht davon, aber damit leben. Uns motiviert die Zusammenarbeit mit Wiener und internationalen Künstlern. Es macht Spaß und ist ein Privileg, Musiker einfach nach Wien holen zu können und mit ihnen in persönlichen Kontakt zu treten. Darüber hinaus möchten wir ein Netzwerk schaffen, Pomeranze stetig wachsen lassen, immer mehr tun, immer weiter denken, andere Städte bereisen, eingeladen werden.

In Bezug auf das Veranstalten in Wien fehlt uns beispielsweise immer noch die perfekte innerstädtische Konzertlocation, um auch unter der Woche hochqualitative Livekünstler zu buchen. Dazu bereiten uns hohe Mieten, Sperrzeiten und schlechte Anlagen oft Sorgen.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?
Das Jahr 2016 hält ein paar spannende Entwicklungen parat, da wird man heuer noch abwarten müssen. Freuen würden wir uns über einen neuen Club, neue Veranstalter und eine wachsende Zielgruppe, Menschen deren Herz für die gleiche Musik schlägt.

Nach einem gefühlten Überangebot vieler ähnlicher Veranstaltungen lichtet sich das Programm gerade wieder, es gibt aber weiterhin hochqualitative Veranstaltungen wie Ascending Waves, Basic Rhythm, Erdbahnkreuzer, Meat Market, Bliss, um nur einige zu nennen.

International wollen wir an dieser Stelle Wien nicht vergleichen, es ist besonders hier, die Stadt würden wir nicht tauschen wollen. Für die Zukunft wünschen wir uns die Abschaffung der Vergnügungssteuer und mehr staatliche Unterstützung für Kultur abseits der großen Institutionen.

Installation von Lukas Matuschek bei Pomeranzes Disco Citrus Vulgaris Veranstaltung im Bunkerfloor der Pratersauna (Foto: Paul Pieper)
Installation von Lukas Matuschek bei Pomeranzes Disco Citrus Vulgaris Veranstaltung im Bunkerfloor der Pratersauna (Foto: Paul Pieper)

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?
Sternstunden waren DJ-Sets von Hunee, Kemal, HAJJ und das Feuerwerk bei unserer Bootsparty auf dem Lighthouse Festival. Zu gerne erinnern wir uns auch an die Konzerte von Touchy Mob, Easter, Antoine93, Primitive Art und alle anderen, sowie an alle glückseligen Momente, die nebelig in Gedanken bleiben und schöne TänzerInnen.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?
Wir würden wohl ein Festival veranstalten oder direkt einen Club kaufen. Auch ohne finanzielle Limits, entstehen besondere Orte oder Nächte aber oft durch begrenzte Mittel, da Grenzen die Kreativität anregen. Keine zu sehr gemachten Räume, große Namen und zweitausend Gäste, sondern klein, fein und roh. Die Liste der von uns begehrten Namen würde wohl den Rahmen sprengen.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?
Oh, wir haben große Pläne, möchten wir an dieser Stelle aber noch nichts verraten, falls es dann doch nicht klappt.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?
Seitdem es Play.fm gibt, brauchen wir kein SoundCloud mehr.

Neugierig geworden? Hier gibt’s ein Abbild des musikalischen Schaffens von Pomeranze sowie einigen Gästen und Affiliates in Form des noch recht frischen, aber stetig wachsenden hauseigenen Podcasts zum Eintauchen und Durchhören! Updates zu zukünftigen Aktivitäten findet ihr auf TumblrFacebook und natürlich auf Play.fm!

Mixes by Pomeranze on play.fm

 

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