Prasselbande
Foto credit: Dominik Geiger

Im Club mit: Prasselbande (Interview + Mix)

Die Prasselbande darf man getrost zu jenen Crews zählen, die in den letzten paar Jahren am meisten Schwung in die Wiener Clubszene gebracht haben – und das obwohl sie sich musikalisch so überhaupt nicht festlegen mag. Auf ihrer monatlichen Haus- und Hofparty, dem Bande à Part im Cafe Leopold, darf man zwischen Hip Hop, Beats, Disco, House, Grime und Bass Music so ziemlich alles erwarten, was Spaß macht. Wodurch sich die Prasselbande denn definiert erzählen uns Matija, Markus, Jakob und Dominik im Interview!

Prasselbande – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Matija: Wie bei jeder Schulband hatten auch wir den Namen bevor wir überhaupt wussten, was und wie und wo.

Markus: Wer für was zuständig ist, wissen wir selbst nicht so genau, aber meistens schaffen wir es die Arbeit gut aufzuteilen, so dass niemand einen Monat schlafen kann ohne für unsere Parties zu arbeiten.

Dominik: Prasselbande bedeutet Freundschaft, Freiheit, Gleichberechtigung, Spass, Liebe und Frieden. Ein Kreis an Freunden, der sich nicht allzu ernst nimmt, aber sehr gern hat. Der harte Veranstalterkern beschränkt sich dabei auf Matija, Jakob, Markus und mich. Jeder von uns hat über die Jahre eine eigene Rolle bei der Bande eingenommen, ohne dass es einem gleich bewusst war. Wie es halt unter Freunden ist, hat jeder unterschiedliche Stärken und Schwächen, und anhand dessen haben sich dann auch die Aufgaben herauskristallisiert. Dennoch fällen wir jede grössere Entscheidung nach dem Mehrheitsprinzip. Da wir zu viert sind kann es aber manchmal auch länger dauern bis wir alle gleicher Meinung sind.

Seit wann ist Prasselbande im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Prasselbande und Bande à Part - was Sie bisher versäumt haben...
Prasselbande und Bande à Part – was Sie bisher versäumt haben…

Markus: Wir sind mehr oder weniger zufällig zusammen gekommen und haben uns einfach von Anfang an gut verstanden. Die Partys waren ein Weg selbst aufzulegen und unseren Freunden für wenig Eintritt viel zu bieten.

Dominik: Um es genauer zu sagen war Prasselbande zunächst eine Zusammenwürfelung an neuen Leuten die sich auf Anhieb gut verstanden haben. Das Wort Prasselbande ist an einem durchtanzten Abend zufällig erwähnt worden. Als wir dann die erste Party organisiert haben war zunächst nicht mal klar, wer dann wirklich im Organisationsteam dabei ist. Erst nach der 3. oder 4. Veranstaltung sind wir zusammen bei einem Bier zum Entschluss gekommen: “Jungs, es macht Spass, wir sind Freunde geworden und es funktioniert toll, lasst es uns öfters machen”. Nachdem unterschiedliche Freundeskreise zusammengekommen sind waren wir quasi die Bande, bei der sich alle ungezwungen wiedersehen und gemeinsam feiern konnten.

Und wie sieht es bei Prasselbande aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Matija: Natürlich steht bei unseren Events meistens die Musik im Vordergrund, zumindest wirkt es so nach außen. Mindestens genauso wichtig ist für uns aber auch, dass wir einen Abend schaffen, an dem jede/r Spaß haben kann. Es soll ein Abend sein, der mit dem Eintauchen ins Wiener Nachtleben Abstand vom Alltag schafft; nette Leute und gute Musik inklusive.

Markus: Wir binden am liebsten MusikerInnen und DJs ein, die für uns einen spannenden Sound verfolgen. Dies ist auch gar nicht an ein bestimmtes Genre gebunden, da dies alles was wir tun extrem eingrenzen würde. Innovation im Bezug auf die performte oder gespielte Musik und Genre-Nichen, die ansonsten vielleicht keinen oder nur wenig Platz in Wien bekommen würden, finden wir besonders spannend.

Jakob: Wir freuen uns auf ein Publikum bestehend aus musikaffinen, offenen und experimentierfreudigen Menschen, die sich mit unserem Konzept & Booking anfreunden können. Solche, die das noch nicht tun, sind auch herzlich willkommen, vielleicht können wir sie ja auf den Veranstaltungen noch von unseren Bookings und musikalischen Vorlieben überzeugen.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Matija: Wir können das, was wir selber gerne machen, mitgestalten. Das ist doch Motivation genug. Vor Probleme werden wir oft durch teure Mieten und die Politik der Clubs gestellt, die das Risiko auf den Veranstalter abwälzen wollen. Hier sehe ich noch deutlich mehr Potential zur engeren Zusammenarbeit.

Markus: Davon leben können wir sicher nicht, ist aber auch glaub ich nicht unser Ansporn, sonst müssten wir wesentlich öfter veranstalten und auch kommerzieller buchen. Außerdem wird einem durch hohe Mieten in den Clubs, Gagen die am englischen Markt orientiert sind (Pfund → Euro), die Vergnügungssteuer und den Mangel an Clubs in mittlerer Größe (300-500 Leute) das Leben nicht immer einfach gemacht.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

"Peace, love, happiness and partys" - die Eigendefinition der Prasselbande
“Peace, love, happiness and partys” – die Eigendefinition der Prasselbande (Foto credit: Dominik Geiger)

Matija: Es gibt Stimmen, die meinen, in Wien gäbe es zuviele Veranstaltungsreihen. Da frag ich mich, was daran das Problem sein sollte? Das zeigt doch nur, dass die Stadt sehr viele junge Leute hat, die Lust darauf haben, etwas zu machen. Am schönsten finde ich es, wenn kleine Veranstaltungen, die sich etwas trauen, mit Erfolg belohnt werden, wie zum Beispiel Basic Rhythm, Pomeranze oder Erdbahnkreuzer. Würde die Stadt nicht einen Club nach dem anderen zudrehen könnte Wien international so zu einer großartigen Clubstadt werden. Sehr viele TouristInnen kommen wegen der Oper, wenige wegen den Wiener Clubs – das könnte man doch ändern.

Markus: Ich glaube, das Problem liegt auch darin, dass die Politik nicht erkennt welche Chance – besonders für die Tourismusbranche – für eine Stadt wie Wien bestünde, wenn sie Clubs, VeranstalterInnen und auch den Feiernden nicht andauernd Steine in den Weg legen würde (wie zum Beispiel absurde Lärmbestimmungen, Vergnügungssteuer again und unfaire Strafen), sondern eine gut aufgestellte, organisierte Musikszene unterstützt und die Stadt damit zu einem international attraktiven Standort für eine internationale, breite Musikcommunity werden lässt. Gelunge Veranstaltungsreihen und Kollektive wie Bliss, Canyoudigit, Belegschaft oder disko404 in Graz und auch MusikerInnen und Produzenten rund um die Affine-Riege, Mieux, Franz Ganz, B.Visible und Franjazzco gibt’s zu Genüge in Wien. Es müsste nur endlich auch richtig wertgeschätzt werden.

Dominik: Blicke ich 10 Jahre zurück, dann erkenne ich Wien nicht mehr wieder. Es ist offener, belebter und vielfältiger geworden. Man merkt, dass Wien sich durchaus eine Eventstadt nennen darf. Leider gibt es auch Verbesserungspotential was rechtliche Hürden anbelangt, die international gesehen in Städten wie London und Berlin viel geringer und konkreter sind. Alleine die Vergnügungssteuer, die mehr Personalkosten verursacht als sie Einnahmen generiert, sowie die Ausländersteuer könnten durchaus abgeschafft werden um den Markt zu beleben – und so könnte die Stadt einen positiven Beitrag zur kulterellen Vielfalt leisten.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Markus: Das schönste ist wenn man es schafft, die Leute mit Musik zum Lachen und Tanzen zu bringen und viele bekannte Gesichter auf den eigenen Veranstaltungen zu sehen. Die schönsten Parties waren mitunter nicht die finanziell erfolgreichsten, und umgekehrt waren jene mit wenigen BesucherInnen oft wirklich schöne Abende, wo fast alle Leute die um vier noch da waren auch bis sechs blieben und gemeinsam der Musik gehuldigt haben.

Jakob: Kann dem Markus nur beipflichten, Highlights gibt es viele, jedoch das Schönste ist einfach wenn die Leute bis zum Schluss bleiben und sich mit einem Grinser im Gesicht die letzte Nummer auch noch anhören. Mit Jamie XX auf der eigenen Party zu spielen war aber auch nicht schlecht (:

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Jakob: Die Momente, wo man gegen 0:30 Uhr noch ein wenig nervös ist, da noch nicht viele Leute da sind, aber du weißt es wird noch.

Markus: Wenn man im Clubleben aktiv ist, muss man sich immer wieder neu erfinden, drehen, wenden und dennoch seinem eigenem Musikgeschmack treu bleiben. Dass dies manchmal auf Widerstand – zum Teil – aus dem eigenen Freundeskreis stößt und manche experimentellere Bookings einfach nicht so angenommen werden wie andere, kann ganz schön ermüdend werden. Innovation wird in diesem Sektor auch in Besucherzahlen gemessen nicht immer belohnt, weshalb sich viele VeranstalterInnen musikalisch auch nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen. Dies kann zum Teufelskreis werden und bremst die Entwicklung einer vielfältigen Clubkultur. Zum Glück gibt’s dann in Wien doch einige sehr motivierte VeranstalterInnen, denen dieser Vorwärtsgedanke wichtiger als der finanzielle Erfolg ist und die für die Vielfalt, ein Lächeln und ein paar Schulterklopfer sehr gerne auf den neuen Bugati verzichten.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Markus: Da wir eigentlich in all den Jahren kaum einen internationalen Act doppelt gebucht haben, auch weil wir ständig auf der Suche nach neuen KünstlerInnen sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass wir bei unseren monatlichen Veranstaltungen jemanden wieder holen. Das heißt aber nicht, dass dies nie passieren wird.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Matija: Vielleicht wie eine riesige WG-Party, nur mit guter Musik und ohne Nachbarn, die um Mitternacht die Polizei rufen.

Markus: Eine Party im alten Morisson mit befreundeten DJs, die Anlage etwas aufgestockt, Javi hinter der Bar, bummvoll, der Schweiß rinnt von den Wänden, nur musikalisch vielleicht etwas anders als damals. (:

Dominik: Ich würd alle wortwörtlich auf eine Reise schicken. Ein Bus ins Unbekannte, eine Burg, Ruine oder ähnliches, mitten in der Natur mit Off Location Floors, Wodka, Fackeln, Essen,Film, Kunst, Live, Essen Tanz. Ein Traum 🙂

Jakob: Jacuzzi, 69. Floor, GreyGoose Brunnen, ein schier unendlicher Vorrat an Minze und zu guter letzt Danny Brown b2b Goldlink!

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Markus: Wir haben bereits zum Saisonstart von Bande À Part im September eine neue visuelle Identität präsentiert und auch die musikalische Ausrichtung etwas verändert. Soviel sei verraten: Es wird auch weiterhin breit gebucht, ob das jetzt Gqom, Grime, House, Disco, Techno oder Acid ist, wird sich von Party zu Party unterscheiden.

Dominik: Wir haben für 2016 einiges vor, denn über die letzten Jahre haben wir uns meiner Meinung nach schon fast zu stark auf Bande À Part konzentriert, so dass bestehende Projekte vernachlässigt wurden. Das wird sich kommendes Jahr definitiv ändern. Zudem sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir neues ausprobieren wollen – und das nicht nur musikalisch, sondern auch konzeptuell. Wir haben zum Beispiel einen Film-Blog mit von uns geprüften Filmen, bei welchem wir Film und Filmmusik neu erleben lassen wollen. Auch mit Bande À Part beginnen wir neue Kooperationen einzugehen, wie mit der diesjährigen Viennale. Belleville haben wir im Frühjahr in der Pratersauna in die Pause geschickt, aber über die letzten Monate ist es bei uns wieder ein Thema geworden, denn hier können wir Bookings machen, die wir uns mit einer anderen Veranstaltungreihe nicht trauen würden. Wer bei der Gestaltung und Umsetzung neuer Konzepte mitwirken will, kann sich jederzeit bei uns melden. Denn 2016 wird mit neuer Energie ein gutes Jahr.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Markus: Ich finde es sehr schön, dass Play.fm sich die Mühe macht und Zeit nimmt auf die verschiedensten VeranstalterInnen Wiens einzugehen und so etwas wie einen Querschnitt erstellt. Das macht die oft unüberschaubare “Szene” wieder etwas kleiner und dadurch greifbarer. Außerdem wird Soundcloud wie es aussieht bald nicht mehr als DJ-Plattform genutzt werden können, da ist es mehr als zu begrüßen, dass Play.fm als Wiener Firma hier eine wunderbare Alternative bietet. Vielen Dank dafür!

Neben dem Interview waren Markus, Dominik und Matija alle drei so nett, uns jeweils einen Mix und damit zumindest einen Teil des schier unendlichen musikalischen Spektrums der Prasselbande zur Verfügung zu stellen. Und schier grenzenlos geht es gleich bei der nächsten Bande à Part Veranstaltung am 21. November im Cafe Leopold weiter – mit so spannenden wie unterschiedlichen Acts wie dem Südafrikanischen Affine-Import Okmalumkoolkat, dem Wiener Beats-Export B.Visible und Canyoudigit-Resident Antonia!

150++ by on play.fm

 

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