Shalamanda

Im Club mit: Shalamanda Hifi (Interview + Mix)

Die vielfältigste Clubszene wäre unvollständig ohne ein authentisches Reggae Soundsystem – in Wien übernehmen Shalamanda Hifi dankenswerterweise diesen Part. Mit meterhohen Boxentürmen, von deren Subwoofer viele Besucher der früheren Dubquake-Veranstaltungsreihe heute noch feuchte Träume haben, tourt das Kollektiv nicht nur durch die Bundeshauptstadt, sondern veranstaltet auch ein Reggae-Festival – vielleicht nicht das erste, das es in Österreich gab, aber definitiv das beste. Dimitrij und Niko, zwei der Gründungsmitglieder, haben uns im Interview mehr darüber erzählt.

Shalamanda HiFi – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Hinter Shalamanda HiFi steht ein ganzes Kollektiv an tatkräftigen und engagierten Menschen. Wenn man Videos oder Bilder sieht, sieht man meistens nur uns beide, Dimitrij und Niko – aber 2 Menschen sind weit zu wenig um ein Soundsystem am Laufen zu halten. Wir beide haben da auf jeden Fall keine strikte Aufteilung – wir beide MCn und wir beide Selecten und Operaten den Sound, wie man im Jargon so sagt.

Seit wann ist Shalamanda HiFi im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Als Shalamanda selber seit 2006 in Wien tätig – damals haben wir noch unter einer etwas anderes Konstellation zusammen gearbeitet. Unsere ersten Veranstaltungen fanden im Kaleidoskop unter dem Namen Treasure Hunt statt. Das Soundsystem begonnen wir dann im Jahr 2008 zu bauen. Zuerst hatten wir “nur” zwei Scoops und heute sind es schon acht – und wir planen einen weiteren Ausbau. Wenn man so zurückblickt hat sich seitdem wirklich einiges getan.

Und wie sieht es bei Shalamanda HiFi aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Donau und Dub, erstmals vereint beim Donau Dubbing von und mit Shalamanda Hifi
Donau und Dub – erstmals vereint beim Donau Dubbing von und mit Shalamanda Hifi

In diesem Jahr bot sich zum ersten mal eine großartige Möglichkeit an, in Form des Donau Dubbings, welches wir dieses Jahr zum ersten Mal veranstaltet haben – und dann gleich noch ein zweites Mal! Soundsystem unter freiem Himmel und das kostenlos, auch das kam bei unserer Massive sehr gut an. Beim zweiten Donau Dubbing waren schon über 700 Besucher anwesend.

Jetzt arbeiten wir gerade etwas Neues in der Simm City aus. Eine Location die erst in diesem März eröffnet hat, etwas abseits aber doch gut genug gelegen ist um nur 2 Minuten von der U-Bahn entfernt zu sein. Wir sind sehr gespannt, was sich daraus ergeben wird. Fix ist, dass die nächste bzw. erste Session dort am 19.12.2015 stattfindet.

Unser Zielpublikum sind auf jeden Fall Menschen die sehr gerne Bass fühlen ODER Reggae bzw. Dub hören. Am besten ist es natürlich, wenn man beides mag, dann hat man sozusagen eine Ganzkörpererfahrung. Ein Soundsystem kombiniert mit positiver Musik und Message kann zu einem Werkzeug werden, welches wir auch so nutzen. Und da im es im Reggae bzw. im Rastafari vor allem sehr viel Positives gibt, ist das natürlich schon auch jeher in das Soundsystem eingeflossen – so wie auch bei uns.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Shalamanda HiFi in Action in der Linzer Stadtwerkstatt
Shalamanda HiFi in Action in der Linzer Stadtwerkstatt

Es ist zurzeit leider nicht einfach in Wien Partys in unserem Genre zu organisieren, vor allem mit Soundsystem. Die Magistrate machen das mit ihren Auflagen und Plombierungen für die Clubs schier unmöglich. Auch dass die meisten Clubs sehr nahe dem Siedlungsgebiet liegen und sehr schlechte Schallisolierungen haben ist da nicht besonders hilfreich. In vielen anderen Städten, auch in Österreich, sieht es hier locationmäßig oft weit besser aus. Vielleicht liegt dies auch an der Siedlungsdichte. Deshalb gab es die letzen zwei Jahre auch relativ selten einen regulären Dance von unserer Seite aus. Durch unser Rise & Shine Festival und auch sonstige Maßnahmen wie das Donau Dubbing oder einmalige Aktionen in Locations wie dem Spittelau10 versuchen wir jedoch, die Soundsystemkultur soweit als möglich am Leben zu erhalten. Wer behauptet davon leben zu können, der wird in dieser Szene wohl zu den wenigen gehören, die man an einer Hand abzählen kann.

Soundsysteme aus England wie Aba Shanti I, Shaka oder Channel One, solche können vielleicht davon leben, aber als Wiener Rootssound kann man froh sein, wenn die Reparaturen für die Speaker, Verstärker und den Transporter halbwegs wieder rein kommen.

Wir würden uns sehr wünschen, dass sich das mit der Simm City ab jetzt wieder ändert oder, dass sich dann zumindest eine geeignete Alternative bietet, in der wir dann auch endlich bleiben können.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Es gibt in Wien und im Umfeld sehr gute Selectors and Selectresses. Es gibt mittlerweile auch ein zweites Roots & Dub Soundsystem im Umfeld von Wien und es gibt auch einige Sounds. Also es gibt mittlerweile auf jeden Fall eine Szene bzw. eine heimische Soundsystemkultur. Das Schöne an der ganzen Sache ist, dass es immer wieder Menschen gibt, die das gleiche fühlen und empfinden, wenn es um eine Session geht und nach und nach in die Crew hineinwachsen. Und insofern freuen wir uns natürlich auch über jede Entwickling, die sich hier auftut und über alle anderen Veranstalter und Sessions.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Mit dem Dubquake im Wiener Fluc hatten wir definitiv eine Hochzeit im Wiener Raum. Wir hatten dort 16 unglaubliche Soundsystem Veranstaltungen, von denen die Menschen heute noch sprechen und sich gerne erinnern. Hier hatten wir die Möglichkeit, fast alle großen Soundsysteme und Produzenten nach Wien zu holen, die auch leistbar waren. Man kann schon sagen, das war der Startschuss von Dub & Soundsystem kombiniert in Wien. Dub gab es ja auch vorher schon – und auch Soundsysteme, aber diese Kombination ist so vorher noch nicht dagewesen.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Mit Rise & Shine veranstaltet Shalamanda Hifi seit fünf Jahren österreichs authentischstes Roots & Dub Festival (Foto credit: Sabine Zach)
Mit Rise & Shine veranstaltet Shalamanda Hifi seit fünf Jahren österreichs authentischstes Roots & Dub Festival (Foto credit: Sabine Zach)

Leider hat sich das Verhältnis bzw. die Möglichkeiten in der Location nach und nachgeändert, sodass es eher unangenehm wurde dort zu Veranstalten. Nach einem zwei Jahre langem Ausweichen aus der Wiener Innenstadt in den 23. Bezirk hatten wir auch hier hochkarätige internationale Künstler & Soundsysteme zu Gast.

Was wir natürlich auch noch erwähnen wollen ist, dass unsere Veranstaltungen sich nicht nur auf den Wiener Raum beschränken. Wir haben es tatsächlich geschafft ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen, welches mittlerweile zum 6. Mal statt findet – das Rise & Shine Festival in Falkenstein. Auf diese Veranstaltung konzentrieren wir uns über das Jahr gesehen auch am allermeisten, und natürlich auch darauf, dass wir selber auch national und international viel spielen und unterwegs sind.

Das möchten wir auch besonders hervorheben bzw. darauf sind wir besonders stolz, dass wir einfach nicht “nur” Veranstalter sind, sondern auch Musiker, die das eigentlich hauptsächlich deshalb Veranstalten, weil es niemand anderer macht – natürlich auch mit dem Einfluss eigener Visionen und Vorstellungen. Und das nehmen unsere Besucher sehr gerne an. Insofern sind wir auch schon in der glücklichen Lage zu sagen, dass wir die Party bzw. das Festival unserer Träume schon haben. Das macht uns sehr stolz.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde

Wir würden freilich dennoch gerne solche Acts wie Burning Spear nach WIen holen, oder die Abyssinians, oder Israel Vibration. All das sind großartige Roots Reggae Bands, welche auf den größten Bühnen der Welt die Besucher mit ihrer musikalischen Darbietung erfreut haben, und mittlerweile auch schon in einem respektvollem Alter sind. Wir würden gerne noch einige von diesen Legends nach Wien holen – aber dafür fehlt uns teilweise leider wirklich das nötige Kleingeld.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Was man 2016 von uns erwarten kann steht, wie es so schön heißt, noch in den Sternen. Jetzt schauen wir mal was mit der Simm City weiter passiert und ob es auch wieder ein Donau Dubbing geben wird. Was auf jeden Fall auch für 2016 wieder fix sein wird ist das Rise & Shine Festival in Falkenstein.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Die neue play.fm Seite sieht auf jeden Fall sehr modern aus. Es sind halt kaum Rootsreggae oder Dubmixes online – das müssen wir schleunigst ändern!

Let Jah Music Play - Flyer
Next date: 19. Dezember @ SimmCity

Eine Hörprobe davon, was es über das hauseigene Soundsystem von Shalamanda Hifi so zu hören gibt, könnt ihr euch im folgenden Mix holen, den die Jungs netterweise exklusiv für uns aufgenommen haben. Mehr davon, wie bereits im Interview erwähnt, am 19. Dezember bei der ersten Shalamanda Session in der SimmCity – mit Live-Auftritten von Souldja sowie Martin Zobel & Soulrise und natürlich basskräftiger Unterstützung von Shalamanda selbst!