Sound:frame

Im Club mit: sound:frame (Interview + Mix)

Die Vielfältigkeit der Wiener Clublandschaft zeigt sich nicht nur in musikalischer Sicht, sondern auch in der seit jeher äußerst lebendigen VJ-Szene – also jener oft übersehenen Künstlerinnen und Künstler, die das Cluberleben mit den richtigen Visuals versehen. Zumindest einmal im Jahr wird ihre Arbeit mit jener der DJs bzw. Live-Acts auf Augenhöhe gehoben, und zwar beim sound:frame, Wiens erstem und einzigen Festival für audiovisuelle Kunst. Eva Fischer, ihres Zeichens Gründerin und Kuratorin des Festivals, Österreicherin des Jahres 2010 im Bereich Creative Industries sowie Play.fm-Supportern der ersten Stunde hat sich während der Vorbereitungen zum zehnjährigen Jubiläum Zeit genommen, mit uns über das Veranstalten in Wien zu sprechen.

sound:frame – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Hinter dem Namen steckt zum einen unser Verein, der das gleichnamige Festival umsetzt und zum anderen die Agentur sound:frame AV, die ein Netzwerk audiovisueller KünstlerInnen vertritt und unterschiedliche Projekte im Bereich audiovisueller und interdisziplinärer Kunst und Kultur umsetzt.

Seit wann ist sound:frame im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Wir feiern 2016 unser 10-jähriges Jubiläum und freuen uns total drauf. In den zehn Jahren ist in Wien und vor allem im Wiener Nachtleben ganz schön viel passiert und wir wollen neben dem aktuellen Festivalprogramm natürlich auch noch einmal alles Revue passieren lassen. Man kann sich auf einige spannende, schöne und sicher auch witzige Rückblicke freuen.

Und wie sieht es bei sound:frame aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Andreya Triana & Band @ sound:frame Festival 2015
Andreya Triana & Band @ sound:frame Festival 2015 (Foto credits: Lichtschalter/sound:frame)

Wir konzentrieren uns als VeranstalterInnen vor allem auf das sound:frame Festival, das einmal im Jahr – meisten 2 – 3 Wochen im März/ April – stattfindet. Daneben machen wir immer wieder kleinere Veranstaltungen, meistens in Kooperation mit anderen oder werden eingeladen, z.B. das visuelle Programm einer Party zu hosten. sound:frame wollte schon immer aktuelle Strömungen zeigen, junge, neue Artists und gleichzeitig etablierte Namen nach Wien holen. Wir haben elektronisch begonnen, sind dann aber schnell breiter geworden und haben Genres wie Jazz, Hip Hop, Future Beats oder auch guten Pop integriert. Mir war es immer wichtig, vor allem Qualität zu zeigen, und nicht auf ein reines Headliner-Booking zu setzen. Und natürlich ist auch eine Portion eigener Geschmack im Booking dabei, ich geb’s zu! 😉

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Wien ist nicht unbedingt ein leichtes Pflaster, um Partys zu veranstalten. Wir konzentrieren unsere Kraft auch wirklich auf das Festival einmal im Jahr und sind ansonsten vor allem in Kooperationsprojekten involviert. Vom Partys-Veranstalten konnten wir noch nie leben. Und ohne eigenem Club und idealerweise auch noch einer eigenen Gastro ist es auch kaum möglich – zumindest in unserem Bereich – am Veranstalten gut zu verdienen. Es hat nach wie vor sehr viel mit Herzblut zu tun.

Leider ist auch das Gleichgewicht manchmal etwas aus dem Ruder – Artistgagen steigen in den letzten Jahren immer mehr, doch das Publikum ist oft nicht bereit dazu, Eintritt zu zahlen. Vielleicht, weil das Angebot so hoch ist, und man immer auch etwas findet, das günstiger oder gratis ist. Das ist prinzipiell natürlich total okay. Gute Qualität kostet jedoch – Zeit, Aufwand, Kraft – und Geld.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

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wife. x wagensommerer (Foto credits: Lichtschalter/sound:frame)

Die Wiener Szene ist toll! Es ist natürlich nicht immer leicht, alles unter einen Hut zu bringen und an manchen Tagen hast du das Gefühl, dass du dich zehnteilen müsstest, was für die einzelnen Veranstaltungen oft ein Nachteil ist. Dennoch ist Vielfalt natürlich großartig! Für jedeN ist etwas dabei und es ist schön, dass sich die Szene auch differenziert und nicht seit Jahren einen Einheitsbrei kocht.

Die Wiener Clubs sind ebenfalls super! Ich finde aber, dass es ruhig noch ein paar kleinere gemütlichere Clubs geben könnte, wie es zum Beispiel das Morisson war. Dort haben wir sooo gute Stunden verbracht! Tanzen im Wohnzimmer ist einfach etwas anderes als im großen Club. Beides ist großartig! Leider findet man nur wenige Plätze in Wien, an denen sich nicht irgendeinE NachbarIn gestört fühlt… Das ist unfassbar schade!

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Wir haben wirklich viele tolle Sachen gemacht! Das wird mir gerade wieder bewusst, weil wir ja derzeit ganz intensiv auf die vergangenen 9 Jahre zurückschauen. Eine Party mit 4.000 BesucherInnen in der Rinderhalle oder am Karlsplatz! ATOM, diese unglaublich tolle Performance mit dem Luftballonballet von Robert Henke und Christopher Bauder im Marx-Palast, großartige Abende in der Ottakringer Brauerei mit Acts wie AntiVJ, Jori Hulkkonen, planningtorock oder Machinedrum. Karl Bartos (ehemals Kraftwerk) im Gartenbaukino! Party-Hightlights waren sicher auch die Premiere von John Talabot in der Fluc Wanne. Oder eine großartige Feier dort mit der drumpoet community, bei der einfach niemand heimgehen wollte. Mein Liebling als Location ist ja auch das brut, weil der Raum so toll für audiovisuelle Umsetzungen ist. Die Premiere von Jonwanye barfuß auf der brut-Bühne. Die Premieren von SOHN mit Lampenschirm, Taylor McFerrin mit Valence oder ROBB mit fuxherz gemeinsam! Andreya Triana in der Grellen Forelle. Ich hab selten so viel geheult! 😉

Ich kann sie gar nicht alle aufzählen, meine Hightlights. Wir hatten tolle audiovisuelle Acts, VisualistInnen und musikalische Live Acts. Und natürlich vor allem großartige und spannende Installationen und interdisziplinäre Arbeiten in unseren Ausstellungen im MAK, dem Künstlerhaus oder anderen Ausstellungsflächen. Allein aus diesem Grund freue ich mich schon auf das Festival im nächsten Jahr, weil wir zum 10-Jährigen unter anderem vieles noch einmal Revue passieren lassen werden und viele der Highlights in der einen oder anderen Form zurückholen werden.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

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the ruff pack x jyd (Foto credits: Lichtschalter/sound:frame)

Puh, es gab auch so viele schwierige Momente. Viele, viele Tränen. Erschöpfung. Ärger. Frustration.

Mit dem Budget ist es so eine Sache. Wie gesagt ist es kaum möglich, vom Veranstalten zu leben. Alle arbeiten hier vor allem mit Herzblut, und weil ihnen die Sache wichtiger ist als das große Geld. Zwischendurch frustriert es jedoch ganz schön, wenn man für Durcharbeiten und Sich-Auspowern kaum bezahlt wird, bzw. bezahlen kann.

Es ist schwierig, wenn Dinge nicht so laufen, wie man sie sich vorgestellt hat – man denkt, man hat ein tolles Booking und auch sonst alles richtig gemacht, und dann regnet es und die Leute bleiben lieber zuhause.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Haha! Paul Kalkbrenner 😉 Gemeinsam mit resolut hatten wir ihn 2009 in die Fluc Wanne eingeladen und davor die Österreichpremiere von “Berlin Calling” gezeigt. Seine Musik war super, das Label auch und der Film war interessant. Da das ja aber kein Geheimnis ist, traue ich es mir auch zu sagen – er selbst war leider einer der anstrengendsten Künstler, die wir jemals eingeladen hatten. Viele, viele Extrawürsteln und Herumgezicke. Das würde ich mir nicht nochmal antun. Es geht ja auch darum, dass man mit den Artists und allen Beteiligten eine gute Zeit hat. Mittlerweile ist seine Gage, soweit ich weiß, auch um das 10- oder sogar 20fache von damals gestiegen und würde wohl mehr als unser gesamtes Festivalbudget verschlingen. Damit hat sich das Thema also ohnehin erledigt.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Wow, schöne Frage! Wenn man es gewöhnt ist, jeden Euro umdrehen muss, stellt man sich diese Frage manchmal gar nicht mehr. Aber natürlich gibt’s viele Träume. Ich will da gar keine Namen nennen, aber es wäre in jedem Fall eine Party mit vielen, vielen Namen. Mit Artists, die in ihren Arbeiten eine so tolle und eigene Handschrift haben, dass sie viele andere inspirieren und damit Geschichte geschrieben haben oder schreiben. Mit Räumen, in denen man laut und hell sein kann, soviel man will und mit Technik, die alle audiovisuellen Vorstellungen möglich macht. Da komm ich schnell ins Schwärmen und Träumen. Möglich und interessant wäre vieles! Es gibt so viele tolle Künstlerinnen und Künstler!

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

2016 wird groß! 🙂 Wir feiern uns selbst, feiern die Szene, mit der wir uns in den 10 Jahren unseres Bestehens mitentwickeln durften! Ich finde, es wird einfach mal wieder Zeit, richtig ausgelassen zu feiern und darauf freue ich mich! Ohne hier selbstverliebte Hohelieder singen zu wollen, ist es mir und meinem großartigen Team (das kann ich gar nicht oft genug sagen!) einfach ein Anliegen, das hochleben zu lassen, wofür wir brennen, woran wir seit Beginn an glauben und arbeiten, von dem wir seit Beginn an lernen und worin wir soviel Herzblut gesteckt haben. Wir wollen die gesamte Szene feiern, die so viele großartige Artists, Kollektive, VeranstalterInnen und TheoretikerInnen hervorgebracht hat und wir wollen zeigen, wie sich diese audiovisuelle und interdisziplinäre Kunstform, um die es uns seit 2007 geht, entwickelt hat und was sie kann und weiterhin leisten wird. Puh, große Worte, haha! 😉 Da sind wir wieder beim Schwärmen und Träumen. Ich freu mich jedenfalls drauf und bin gespannt, wie sound:frame 2016 “TEN” am Ende aussehen wird! Das Spannende am Umsetzen des Festivals war schon immer, dass man erst am ersten Festivaltag sieht, was sich aus den vielen Ideen, Gesprächen, Konzepten und Plänen schlussendlich zu einem Festival geformt hat.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Play.fm begleitet mich, seit ich in Wien bin und veranstalte. Über Play.fm habe ich schon zu Beginn so viele tolle Leute kennen gelernt und als Veranstalterin nutze ich die Seite auch aktuell zum Kennenlernen oder Nachhören von Musik.

Play.fm ist toll! Die Seite gefällt mir im aktuellen Gesicht sehr gut! 🙂 Weitermachen, ihr Lieben!

Um die Wartezeit auf das 10-Jahres-Jubiläum zu verkürzen, gibt es anbei gleich einen Warm-Up-Mix von sound:frame-Mitarbeiter Curley Sue – sowie am kommenden Monat, 7. Dezember, einen von sound:frame gehosteten Abend im mo.ë (dem übrigens leider die Schließung droht, weswegen unbedingt auf die laufende Petition zur Erhaltung hingewiesen werden sollte!), an dem das Duo le_mol gemeinsam mit AVRG an der Schnittstelle zwischen Konzert, Visual Art und Rauminstallation entlang performen werden. Ansonsten bleibt nur, sich den Zeitraum zwischen 15. und 24. April 2016 bereits im Kalender zu markieren – da wird sound:frame dann TEN!