Switch!

Im Club mit: Switch! (Interview + Mix)

Wien und Drum & Bass verbindet seit jeher eine enge, innige Beziehung, und Acts wie D.Kay bzw. Ill.Skillz, Camo & Krooked, Disaszt, Paul SG und Shroombab internationale Botschafter dieser Liaison. Logisch, dass es auch an Veranstaltungen in diesem Genre nicht mangelt – eine jener, die am längsten besteht und nach wie vor großen Spaß macht, ist Switch!. Ein monatlicher Club der, sämtlichen mehr oder weniger kurzlebigen Hypes und Trends zum Trotz, den ursprünglichen Flair früher Drum & Bass Partys weit über die Jahrtausendwende gerettet hat – brachiale Breakbeats, ungeniert wobbelnde Basslines, MCs, wenig Licht, umso mehr Nebel und eine gesunde Portion Ekstase. Worum es Switch! dabei genau geht und wie man im Jahr 2015 in Wien damit durchkommt, hat uns Chef-Promoterin DJ Pandora im Interview erzählt. 

Switch! – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Switch! sind und waren immer Coda & Pandora, seit gemeinsamer Gründung machen wir nach wie vor alles gemeinsam und sind beide für alles zuständig. Obwohl man schwerpunkttechnisch vor allem ob unserer Location (Coda in London, Pandora in Wien), vielleicht erkennen kann, dass sich Coda tendenziell mehr ums Label kümmert, während ich natürlich verstärkt die Events organisieren.

Seit wann ist Switch! im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Wir haben 2007, kurz nachdem Coda gerade erst wieder nach London zurückgegangen war (er hatte ja jahrelang in Wien gelebt), beschlossen, trotzdem gemeinsam einen Club in Wien zu machen. Ein Freund hatte uns gefragt, ob wir nicht einen Freitag im Monat in der Fluc Wanne ein Event machen wollen, und da konnten wir einfach nicht nein sagen. Es gab in Wien nichts vergleichbares, kein Event, dass so war, wie wir es wollten; Mehr Partyvibe, weniger Neuro, mehr MCs. Wien war DnB-technisch immer schon im darken und im Neuro-Bereich sehr stark, das wollten wir ändern.

Und wie sieht es bei Switch! aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

DJ Pandora - die eine Hälfte von Switch!...
DJ Pandora – die eine Hälfte von Switch!…

Switch! ist nun seit mehreren Jahren konstant jeden zweiten Freitag im Monat. In unterschiedlichen Clubs, waren wir nicht zuerst in der Fluc Wanne, dann im The Zoo, im Badeschiff und in der Camera und jetzt in der Auslage, aber der Termin ist immer gleich!

Grundsätzlich stehen wir natürlich für JumpUp, ganz klar! Wichtig ist es uns aber auch immer, musikalisch offen zu bleiben. Unsere beider Lieblings-DJs sind eigentlich zumeist die, die es noch schaffen (es werden immer weniger), alle Styles in einem Set gut zu vereinen. Drum’N’Bass als ganzes abzubilden. So kommt es, dass dies auch in unseren Line-Ups immer wieder zumindest teilweise berücksichtigt wird. Unsere Resident-DJs spielen oft auch anderen Sound, wichtig ist bei uns: Partyvibe! Alles, was Party macht, darf bei uns den Dancefloor rocken 🙂

Nicht zuletzt deswegen war uns auch von Anfang an das MC-Konzept sehr wichtig! Hier geht es um Interaktion mit der Crowd, Stimmung, Hype, Spaß. Das gehört also unbedingt zum Switch!, man wird wohl nie ein Switch! erleben, das nicht von einem MC begleitet wird, das wäre einfach nicht das gleiche.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Nein, von einem Event, vor allem wenn man es zu zweit veranstaltet, kann man natürlich nicht leben. Zumal wir ja jetzt kein Mainstream-Event sind – JumpUp wird zur Zeit zwar auch hierzulande populärer, dennoch sprechen wir von einer Nische im Drum’N’Bass.

Was uns motiviert weiterzumachen ist eigentlich genau das gleiche, was uns motiviert hat, zu beginnen: Unseren eigenen Club zu gestalten, die eigenen Ideen umzusetzen und im besten Fall sogar erleben, dass es der Crowd genau so taugt, wie man sich das vorgestellt hat. Und vor allen Dingen: Der Spaß an der Sache, der ist ganz essentiell. Wir freuen uns auf jedes Switch! erneut, als wäre es das erste, jedes einzelne Event ist ganz speziell für uns. Es ist halt nur einmal im Monat, dass wir mit unseren Leuten zu unserem Sound abgehen können. Das sollte für Veranstalter immer ganz im Vordergrund stehen, zumindest abseits des kommerziellen Bereiches.

Probleme wüssten wir nicht, welche. Natürlich wäre es schön, wenn man davon leben könnte, aber da hätten wir uns vielleicht eine andere Musikrichtung aussuchen müssen. In Wien gibt es darüber hinaus keine Probleme. Wir leben in einer Stadt, in der es viele Events gibt und auch schon vier gleichzeitig an einem Tag stattgefunden haben, die alle funktioniert haben. Es gibt also genug Publikum. Die Szene hat sich hier gut aufgebaut und hält sich auch sehr gut.

Und, wenn man einen Wunsch nach der Wahl deponieren darf: Ein Absehen von der Vergnügungssteuer wäre natürlich sehr wünschenswert. 🙂

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

...und DJ Coda, die andere!
…und DJ Coda, die andere!

Da steckt jetzt schon einiges in der Antwort davor. Zu viele Veranstaltungen gibt es zur Zeit eigentlich nicht. Es gibt immer mal mehr und mal weniger, mal probieren neue Veranstalter etwas aus, und das ist gut so. Man sagt ja immer: Konkurrenz belebt das Geschäft und das ist tatsächlich so. Wenn neue DJs, Veranstalter und Produzenten kommen, bedeutet das nur, dass die Szene lebt und floriert. Natürlich gäbe es einen Level, auf dem es zu viel wäre, aber da sind wir zur Zeit nicht. Hoffen wir, dass es so bleibt. Und wenn nicht: Drum`N`Bass geht immer leicht auf und ab, bleibt aber doch relativ stabil, zumindest in Wien. Und das freut uns sehr!

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Es gab so viele! Wie schon gesagt ist jedes einzelne Switch! für uns speziell. Und Highlights sind nicht notwendigerweise, wenn viele Leute kommen – das Schöne ist immer wieder, das wir auch an schlechten Abenden großartige Parties erlebt haben!

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Die ersten Jahre. Denn abseits von guter Stimmung, geht es nun mal auch um Geld, und wenn das einfach partout nicht reicht, muss man sich durchaus ernsthaft überlegen, ob man weitermacht, weitermachen kann! Schließlich haben wir alle Rechnungen zu zahlen 🙂

Und das haben wir uns nicht nur einmal sehr ernsthaft überlegt. Aber dank des Feedbacks unzähliger Leute, des guten Supports und den vielen Beschwichtigungen, doch dran zu bleiben, taten wir das auch. Irgendwann ging es dann gottseidank.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Es gab natürlich Events, an denen wir am nächsten Tag gesagt haben, aus, den buchen wir nicht mehr. Einfach wegen Superstar-Attitüden, schwierigen Ridern, mühsamen Anforderungen. Aber am Ende des Tages zählt dann doch die Musik, man bucht die Leute, weil sie gut sind und nicht weil sie nett sind, also bucht man sie doch wieder. Dann weiss man ja auch schon, worauf man sich einlässt und kann sich entsprechend vorbereiten.

Außerdem müssen wir da sagen, haben wir sehr viel Glück. Mit vielen Artists haben wir jetzt schon wiederholt gearbeitet, sie wissen, dass sie sich auf uns verlassen können und dass sie eine gute Party haben werden, daher freuen sie sich immer wieder, zu uns zurückzukommen. Die meisten sind eh ganz pflegeleicht 🙂

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Naja, wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden, wäre die Szene sehr rasch extrem übersättigt und damit tot. Also will ich den Gedanken eigentlich gar nicht weiterspinnen 🙂

Wir haben eh Monat für Monat die Party unserer Träume, und so über die Jahre aufgeteilt ist das eigentlich viel besser als alles auf einmal. 🙂

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Nicht nur als Partyreihe, auch als Label ist Switch! höchst aktiv
Nicht nur als Partyreihe, auch als Label ist Switch! höchst aktiv

Zum Jahresende gleich ein Wort: Wir sind sehr glücklich, dass wir auch dieses Jahr Sylvester in unserem neuen Club, der Auslage, feiern dürfen! Das hat jetzt schon ein bisschen Tradition und da geht’s üblicherweise ziemlich gut ab! 🙂

2016 geht es wie bisher jeden zweiten Freitag weiter. Vor allem werden wir jetzt aber auch viel an unserem Label, Switch! Recordings, arbeiten, der erste Release im Jahr 2016 wird gleichzeitig unsere Nummer 10, auf der wir viele unterschiedliche, internationale und bereits gut bekannte Artists featuren. Wir haben hier schon viel Anerkennung dafür bekommen, nun ist es uns ein Anliegen, etwas weiter oben mitzuspielen. Nicht zuletzt deswegen, weil es wirklich einige sehr gute Artists gibt, die mehr Anerkennung verdient haben, die wir unbedingt supporten möchten.

Eventtechnisch gibt es das ein oder andere Special, dazu möchten wir aber noch nicht zu viel verraten! 🙂

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Das Design ist super: Einfach, übersichtlich und dezent schick, alles was man braucht. Überladene Pages gibt es genug, viel wichtiger ist ja, dass sie übersichtlich ist.

Ein bisschen fehlt auf den ersten Blick eine Art News-Section, die gleich anzeigt, wo es aktuelles gibt. Als Veranstalter wünscht man sich eigentlich immer nur, dass das Event beworben wird. Aber dafür ist ja eure Seite nicht unbedingt zuständig. Vielleicht wäre ne „Crew-SubSection“ ganz nett, aber das ist dann auch schwierig wsl, wen man in welchen Topf wirft. Ich denke, da seid ihr mit solchen Projekten wie diesen eh am besten bedient. 🙂

Sowohl Pandora selbst als auch ihr Partner in Crime DJ Coda waren so nett, uns jeweils einen Mix als Hörprobe zukommen zu lassen, beide 100% Switch! Style. Wer das live erleben möchte (und so toll die Musik zuhause, bei der Arbeit oder unterwegs ist, auf einer guten Club-Anlage entfaltet sie erst ihr gesamtes Potential!) hat dazu vor Jahresende noch zwei Mal Gelegenheit: Am 13. November mit Serum und DJ Limited, die regelmäßigen Switch!-Gästen bereits von vergangenen Nächten bestens in Erinnerung sind, sowie bei der großen Neujahrsgala am 31. Dezember – beides wie gehabt im Club Auslage!

Mixes by Switch! on play.fm

 

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