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The Birds & The Bees

Im Club mit: The Birds & The Bees (Interview + Mix)

Keine Veranstaltungsreihe wurde in unseren bisherigen Interviews mit der Wiener Veranstalter-Szene dermaßen oft als Inspiration genannt wie The Loud Minority. Die existiert in seiner ursprünglichen Form leider nicht mehr – in den warmen Sommermonaten leben der Spirit, die Musik und der über die Jahre entstandene Freundeskreis jedoch weiterhin in Form von The Birds & The Bees fort. Liebhaber seelenvoller Tanzmusik können die Sommerabende unter diesem Brand wahlweise am Dancefloor, im Garten oder auf der Hollywoodschaukel verbringen. Mr. Guan, seit Beginn Resident und treibende Kraft sowohl hinter The Loud Minority als auch The Birds & The Bees hat uns mehr darüber erzählt und einen schönen Mix mitgebracht.

The Birds & The Bees
Erinnerungen an einen heißen Sommer: Mr. Guan (mi.) mit den Gast-DJs Janefondas

The Birds & The Bees – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

The Birds & The Bees soll eine Anspielung an die Gefühle des Sommers, des Erwachens, der Liebe und der Leichtigkeit sein. Ich veranstalte das wöchentliche Event seit letztem Jahr solo mit Hilfe von guten Freunden die sich um Konzept und Grafik kümmern, einem Promo Team und einer fixen Crew Vorort.

Seit wann ist The Birds & The BEes im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Vor fünf Jahren rief mich ein guter alter Freund an, der damals den Volksgarten Pavillon gemanagt hat, und fragte: “Warum machst du eigentlich nichts bei uns?”. Ich fand die Idee sofort gut, ein Abend von Freunden für Freunde guter Musik in einer großartigen Garten-Location. Die Veranstaltung war als lockere sommerliche Dj Residenz gedacht und ist aus dem Loud Minority Umfeld entstanden.

Und wie sieht es bei The Birds & The Bees aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Wir starten jedes Jahr ab dem 1. Freitag im Mai und bespielen die Location wöchentlich bis Mitte September. Unser Publikum ist großartig, bunt durchgemischt, von Szene-Kennern, Musikern, Tänzern und Künstlern bis hin zum Städtereisenden, Expat und Anzugträger ist alles dabei. Genauso abwechslungsreich ist die Musikalische Auswahl mit dem gemeinsamen Nenner qualitativer Dance Music.

The Birds & The Bees
Bei The Birds & The Bees hat man die Wahl: Gemütlicher Garten – oder volles Haus…!

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Finanziell geht sich alles unterm Strich aus, die Motivation ist aber in erster Linie leidenschaftlicher Natur.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Highlights waren zum Beispiel die “The Loud Minority” Konzert-Reihe im Porgy & Bess mit Künstlern wie Bilal, Thundercat, Aloe Blacc
Die familiären Abende damals im Roxy.. da werde ich ganz nostalgisch wenn ich daran denke. Sa-Ra Creative Partners im Planetarium!!!! Es gibt so viele…

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Nach viel Vorbereitung, Einsatz und Herzblut eine Veranstaltung mal nicht so gut gelaufen ist und man am Ende völlig erschöpft und müde Resümee ziehen muss.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Nope.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

The Birds & The Bees
Bereits das Artwork vermittelt eine Idee von Sommer, Sonne und good vibes…

Ein The Birds & The Bees New Years Eve / Full Moon Special in Mexico am Strand von Tulum mit DJ Jazzy Jeff, J Rocc, Karriem Riggins. Alle Gäste werden VIP mässig eingeflogen und verpflegt 😉

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Ich freue mich jetzt schon auf The Birds & The Bees Summer Season 2016 jeden Freitag im Volksgarten Pavillon.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Mir gefallt das schönes übersichtliche Design, die Suchfunktion über Städte ist ein nettes Feature.

Auch wir freuen uns schon auf weitere wahlweise ausgelassene oder gemütliche Freitag-Abende im kommenden Sommer – am 6. Mai 2015 geht es wieder los! Etwas Sonnenschein für die kalten Wintermonate findet ihr anbei im Mix von Mr. Guan, mitgeschnitten bei der diesjährigen Closing Party von The Birds & The Bees!

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!

Canyoudigit

Im Club mit: Canyoudigit (Interview + Mix)

Wie sehr Canyoudigit ihrer Zeit voraus sind, beschreibt ihr Februar-Booking 2013 wohl am treffendsten: Damals haben sie Baauer als sowas wie einen Geheimtipp aus dem gerade aufkeimenden Trap-Mikrokosmos gebucht – weil der Harlem Shake keine zwei Wochen vor dem Termin viral wurde, musste die Party dann kurzerhand vom Cafe Leopold ins Flex übersiedelt worden, um die Wahrscheinlichkeit einer Massenpanik in überschaubaren Grenzen zu halten. Aber auch abseits dieses populären Beispiels definiert Canyoudigit mit Acts wie RustieMount KimbieHudson MohawkeOnra oder Letherette den Sound von morgen aktiv mit. Gastgeber kidkut hat uns im Interview einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht.

Canyoudigit – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Canyoudigit habe ich (kidkut) damals mit zwei Freunden gegründet. Shoutout an Melik & Seb1 an dieser Stelle. Seit einigen Jahren kümmere ich mich zum größten Teil aber alleine um die Events. Antonia ist seit kurzem Resident DJ und teilweise auch in die Organisation involviert. Mit Vibestar arbeiten wir oft eng zusammen, König Laho ist unser Fahrer, Ra-B der Host, KajaKo macht die Visuals und die Flyer kommen von Florian Schrödl aka the great.

Seit wann ist Canyoudigit im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Im Jänner feiern wir unseren sechsten Geburtstag. Entwickelt hat sich das eigentlich ganz natürlich… Ich habe früher schon viel aufgelegt und wurde dann von einer Venue gefragt, ob ich nicht Lust hätte was bei ihnen zu machen. Yup.

Und wie sieht es bei Canyoudigit aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort - Canyoudigit mit Baauer im Flex
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – Canyoudigit mit Baauer im Flex

Veranstaltungen machen wir mindestens jeden zweiten Monat in der Homebase, dem Cafe Leopold und wie es sich gerade ergibt öfters auch in anderen Venues. Die Basis der Veranstaltungsreihe liegt, wie der Name vielleicht vermuten lässt, im Funk & Hip Hop. Beides spielen wir nach wie vor natürlich gerne, aber auch sehr viel “Bass Music”, Future Beats, Jersey, Disco, House, usw. Ansprechen wollen wir Menschen, die sich für Musik interessieren und/oder einfach nur eine schöne Zeit haben wollen.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Obwohl in Wien gerade momentan sehr viel weitergeht, kann man realistisch gesehen wohl eher nicht davon leben. Problematisch sind oft grantige Nachbarn, schlechte Anlagen und das veraltete Equipment in vielen Venues. Hauptmotivation ist das Musikalische. Gute Leute nach Wien holen, mit ihnen auflegen und sich austauschen.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Das Angebot an Veranstaltungen ist im Verhältnis zur Größe eigentlich enorm stark und gerade in unserem musikalischem Spektrum steht Wien aufgrund von Leuten wie Dorian Concept auch im internationalen Vergleich ziemlich gut da. Trotzdem dauert es, vielleicht auch wegen der gemütlichen Grundmentalität, immer ein bisserl länger bis die Leute gewisse Dinge annehmen und gut heißen können.

Schnappschuss eines Highlights: Jesse Boykins & Band bei Canyoudigit im Cafe Leopold
Schnappschuss eines Highlights: Jesse Boykins & Band bei Canyoudigit im Cafe Leopold

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Afterhour mit Seven Davis Jr. am Volksgarten Pool, Hudson Mohawke der nach dem Donauinselfest mit einer Packung Gummibärli in der Hand im Celeste Beenie Man auflegt oder während dem eigenen Set von Rustie gehostet zu werden, z.B.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Englische Booking Agenturen können richtig schwierig sein. Im Grunde hat bislang aber immer alles gut geklappt.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Das ist jetzt schon sehr lange her, aber an einem Abend ist unser Hauptact plötzlich mit nacktem Oberkörper, Bier zapfend, hinter der Bar gestanden und wollte mit unserem Lichttechniker kämpfen. Im Endeffekt ist dann aber glücklicherweise nichts passiert, und zumindest rückblickend ist das dann eh eine lustige Anekdote.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Spontan: Blood orange + Skepta + King Krule + Future Brown live,
Cashmere Cat, Brick Bandits, Soichi Terada, MCDE & Kutmah b2b J Rocc DJ-Sets.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Kidkut und Antonia - die Canyoudigit-Hosts in full effect
Kidkut und Antonia – die Canyoudigit-Hosts in full effect

Am 9. Jänner 2015 feiern wir mit vielen Freunden und internationalem Booking unseren Geburtstag. Vieles weitere ist in Planung, aber noch nicht spruchreif.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Die finden wir super!

Den 9. Jänner sollten sich Liebhaber von allem, was basslastig und funky ist, also schon mal vormerken: Da feiert Canyoudigit, wie gehabt im Cafe Leopold, seinen sechsten Geburtstag, und zwar mit Branko von Buraka Som Sistema und einer ganzen Reihe an befreundeten Acts aus Wien und darüber hinaus. Für die Zwischenzeit gibt’s im Anschluss zweimal Canyoudigit zum Immer-Wieder-Hören – einmal kidkut’s Warmup-Mix für den Hudson Mohawke Wahnsinn beim diesjährigen Donauinselfest, einmal Antonia exklusiv für unsere letzte Interview-Reihe!

 

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Klub Sir3ne

Im Club mit: Klub Sir3ne (Interview + Mix)

Die Musikszene einer Stadt sollte nicht zuletzt an ihrer Vielfältigkeit gemessen werden, und um diese steht es in Wien nicht unbedingt schlecht – nicht zuletzt dank der Crew vom Klub Sir3ne, die bereits seit einer gefühlten Ewigkeit dafür sorgt, dass die diversesten Sorten von Bass Music ihren gebührenden Platz hat. Dubstep, Grime, UK Funky, Jungle, Trap oder Juke und Footwork, hier kann unabhängig von aktuellen Hypes alles passieren was untenrum gut wummert und auf gute Art und Weise in die Magengrube geht. Wir haben die Crew zum Interview geladen – sie hat uns netterweise nicht nur erhört, sondern auch gleich einen Packen Mixes mitgebracht!

Klub Sir3ne
Die Crew, Teil 1: DJ Odd (links) und Beda Ranks (rechts) bei Upd8e im Club Dual

Klub Sir3ne – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Wir sind ein Kollektiv an Musiknerds: Rak3te, Koe, Odd, B.Ranks, Se.Vero und Steffi. Grundsätzlich versuchen wir alles gemeinschaftlich zu organisieren und zu entscheiden, Aufgaben werden dann je nachdem, wer gerade die Zeit und Möglichkeiten hat, verteilt.

Seit wann ist Klub Sir3ne im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Gemeinsam feiern zu Musik, die wir mögen, war eigentlich die größte Motivation. 2006 gab es die ersten kleinen Parties im Einbaumöbel bzw. Venster. Zur regelmäßigen und vor allem international ausgerichteten Veranstaltungsreihe wurde Klub Sir3ne in der Fluc Wanne, von 2007 bis 2012. Zusätzlich haben wir noch die donnerstägliche Dubstep-Reihe RAW monatlich im Fluc von 2010 bis 2013 organisiert. Seither waren bzw. sind wir in unregelmäßigen Abständen in verschiedenen Venues (Grelle Forelle, Fluc oben, Werk, Pratersauna, Solaris…) mit Crew-Abenden bzw. als 2nd floor-Hosts aktiv.

Und wie sieht es bei Klub Sir3ne aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Klub Sir3ne
Die Crew, Teil 2: Se.Vero (links) und Koe (rechts) im Fluc (Foto credit: Alvaro Yerovi)

Lange Zeit war unser Fokus auf internationalen Bookings, aber vor zwei Jahren haben wir uns diesbezüglich etwas zurückgezogen. Nach einer kurzen Pause haben wir wieder begonnen, bei kleinen unregelmäßigen Parties vor allem nationale Acts zu präsentieren. Unsere musikalische Ausrichtung lässt sich am ehesten mit UK zusammenfassen. Mit Ende der Dubstep-Welle haben wir als Veranstalter und DJs auch die Entwicklung vieler Produzenten hin zu Post-Dubstep, Garage, UK Funky, House und Techno mitgemacht.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Unsere grundsätzliche Motivation war es immer, gute Musik in einer angemessenen Lautstärke zu hören, nie Geld zu verdienen. Schwierig ist sicher, dass es mittlerweile ein gewisses Überangebot an Parties gibt, wir haben aber nach wie vor das Gefühl dass “unser Sound” eher unterrepräsentiert ist. Abgesehen davon macht es uns einfach extrem Spaß, in dieser Kombination Musik zu spielen!

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es
genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus
eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und
welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Die Crew, Teil 3: Rak3te bei RAW im Fluc (Foto credit: Alvaro Yerovi)
Die Crew, Teil 3: Rak3te bei RAW im Fluc (Foto credit: Alvaro Yerovi)

Es ist immer noch schwierig “UK Acts” zu präsentieren, die oft mit bunt gemischten Einflüssen daher kommen, da tendenziell traditionellere Ansätze in Wien dominieren. Im Vergleich zu anderen Städten in Österreich (keiner von uns stammt direkt aus Wien) gibt es jedoch eine vielfältige und vor allem präsente elektronische Musikkultur. Wünschen würden wir uns mehr internationalen Austausch, nicht nur eine Musik-Import Einbahnstrasse.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Absolute Highlights waren Pearson Sound, Loefah und Addison Groove. Pearson Sound hat 4h am Stück aufgelegt, Loefah ist bis zum bitteren Ende geblieben und hat gegen Ende b2b mit unserem Se.Vero noch eine Runde Jungle gespielt. Tony (AG) ist einfach ein super relaxter Typ, den wir gerne ganzjährig bei uns in Wien hätten. Von den Live-Sachen hier sind uns noch von der Frankreich-Fraktion Kaly Live Dub und HighTone eine besondere Erwähnung wert. Die haben die Fluc Wanne echt zum Beben gebracht.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Warten bis endlich die Hütte voll und wenigstens der finanzielle Break even erreicht ist.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Da würde uns niemand einfallen, auch im Nachhinein stehen wir zu allen Bookings, die wir gemacht haben. Nur einer unserer Gäste hatte den absonderlichen Wunsch, wenige Stunden nach Party-Ende mit uns bei Peek&Cloppenburg Klamotten shoppen zu wollen, wo er seine komplette Gage auf den Kopf gestellt hat, um danach fast den Zug zum nächsten Gig zu verpassen. Er sollte hier namentlich nicht genannt werden.

Se.Vero on stage mit Gast-DJ Loefah
Se.Vero on stage mit Gast-DJ Loefah

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Label-Nacht Schwerpunkte! Etwa Swamp81, Hessle Audio, Hyperdub… Ideen gäbe es genug!

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Wie es aussieht werden wir 2016 in Kooperation wieder beginnen vereinzelt internationale Acts zu präsentieren – man darf gespannt sein. Gleichzeitig möchten wir aber auch weiterhin kleine Abende “nur mit uns” machen bzw. unserer Leidenschaft des 2nd floor Hostings nachgehen.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Keine Crew ohne Crowd - eine Momentaufnahme des Floors bei Klub Sir3ne im Fluc
Keine Crew ohne Crowd – eine Momentaufnahme des Floors bei Klub Sir3ne im Fluc

Die neue Seite schaut super aus, ist sehr übersichtlich, einfach zu bedienen – gratuliere euch! Wir würden uns wünschen, dass ihr Wiener Veranstaltungsreihen, wie beispielsweise Klub Sir3ne Parties, live mitschneidet und auf eurer Homepage featured. Weiters fänden wir es wichtig nicht nur rein auf einer quantitativen Ebene Mixes und Radioshows zu bewerten und zu ranken, sondern auch auf die Qualität zu schauen – schließlich ist Musik sehr vielfältig!

Bevor es 2016 mit diversen Partys und Hostings von und mit Klub Sir3ne weitergeht – unter anderem am 26. Februar am zweiten Floor des Maschinenraum, mit dem wir uns vor kurzem auch schon unterhalten haben – dürfen wir euch im Folgenden eine Auswahl an frischen Mixes der Crew präsentieren, die naturgemäß eine Vielfalt an Genres aus dem Bass-Mikrokosmos bietet, deren Aufzählung den Rahmen sprengen würde – listen loud!

 

 

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Beatmaker Sessions

Im Club mit: Beatmaker Sessions (Interview + Mix)

Vor Jahren, als wir mit Play.fm noch ein Radiostudio im MuseumsQuartier hatten, hat unser damaliger Sendungsgestalter Alan Brown uns nach dem einen oder anderen alkoholhaltigen Konzept mal seine Version vom Club der Zukunft erzählt: Damals gab es im Londoner Plastic People eClub einen Abend namens CDR, bei dem nur Musik gespielt wurde, die zuvor von noch nicht gesigneten Produzenten eingereicht wurde. Wir einigten uns, dass sich in Wien wohl niemand über sowas drüber trauen würde – und staunten nicht schlecht, als uns gar nicht so viel später der Flyer der ersten Beatmaker Sessions mit genau diesem Konzept in die Hände fiel, treffenderweise mit dem Untertitel “The Future of Music”. Gerade noch rechtzeitig vor dem vierjährigen Jubiläum – inklusive Release der neuen Beatmaker Sessions Compilation – hat sich Hauptveranstalter Alex netterweise noch Zeit genommen, mit uns über sein Projekt, die Szene und Wien und so einiges mehr zu plaudern.

Beatmaker Sessions – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Im Großen und Ganzen ist alles auf meinem Mist gewachsen. Sprich ich bin der Initiator des Events. Verantwortlich für Konzipierung, Projektmanagement, Booking, Art Direction, Ablauf, Promotion etc. Im Team und großer Bestandteil der Sessions sind DJ Straves und Wax 865, sowie unser Fotograf Dominik Vsetecka. Als auch externe Grafiker die dem Ganzen auch einen speziellen Look nach aussen verleihen.

Seit wann ist Beatmaker Sessions im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Das erste Event haben wir am 19. Dezember 2011 veranstaltet, um unseren Faible für alternative Elektronische Live Sets zu frönen und der lokalen Producer-Szene eine Plattform zu bieten.

Und wie sieht es bei Beatmaker Sessions aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Black Lotus Experiment
Black Lotus Experiment live bei den Beatmaker Sessions im fluc (Foto credit: Dominik Vsetecka)

Wir veranstalten von Oktober bis Mai, in den Locations fluc und celeste. Im fluc kann sich jeder Musik-Produzent der Lust und das Können hat für einen “Beatmaker L!VE Slot” bewerben, sowie seine eigenen Produktionen für das “Beatmaker DJ-Set” einreichen, das seit Anfang an fixer Bestandteil des Konzeptes ist.

Im celeste organisieren wir Special-Events mit mehr Live- und Party Charakter. Eine spezielle Richtung haben wir nie wirklich verfolgt. Wir waren von Anfang an für alle Elektronischen-Musikrichtungen offen – ganz nach unserem Motto “The Future of Music”. Das, was uns die Produzenten schicken, spielen wir, und interpretieren wir als die Zukunft der Musik. Aufgrund der Kuration der Live-Acts geht es ein bisschen mehr in die alternative elektronische und experimentelle Hip Hop Richtung. Unser Publikum besteht großteils aus lokalen Musikproduzenten und Musikinteressierten.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Davon leben können wir nicht. Da müsste man vielleicht in größeren Dimensionen arbeiten. Derzeit ist es mehr ein Hobby und Spielplatz für uns. Wir machen weiter da wir lieben, was wir machen, und aufgrund des postiven Feedbacks und Zuspruches des Publikums. Davon leben wir, und von den großartigen Momenten die wir bisher dadurch erlebten haben. Die Konkurrenz ist in Wien auf jeden Fall groß und schläft nicht. Jedoch, möchte ich behaupten, dass es so etwas wie wir machen in Wien und ganz Österreich sonst nicht gibt.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Kampfsportzwillinge
Kampfsportzwillinge bei den Beatmaker Sessions im fluc (Foto credit: Dominik Vsetecka)

Veranstaltungen gibt es für meinen Geschmack ausreichend, wenn nicht sogar zu viele. Im Sommer als auch im Winter steht man vor einer großen Auswahl an sehr guten Club-Nights, Konzerten und Festivals. Und das nicht nur am Wochenende sondern auch unter der Woche. Ein “drei Tage wach” Weekend ist da ohne Probleme möglich. Wien kann im internationalen Wettbewerb bestimmt mithalten. Durch das Internet kann sich jeder anhören was ihm lieb ist, und man kommt entsprechend leicht an neue oder alte Musik. Die Leute sind offen und aufgrund der Größe und Vielfalt der Stadt kann man mit der richtigen Nase bestimmt auch in seiner Nische Fuß fassen und seine Traum-Veranstaltung verwirklichen. Was ich mir für die Zukunft wünschen würde ist, dass die Fördertöpfe nicht an Großveranstaltungen wie zum Beispiel dem Electric Spring, vergeben werden, die die Gratis-Kultur fördern, sowie den anderen Veranstaltern, die seit Jahren für das Wachsen der Wiener Kultur einstehen, ein Bein stellen.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Highligts gab es einige. Viele Acts die da waren und uns einfach einen Grinser ins Gesicht zauberten. Sowie Vergleiche mit Low End Theory und Boiler Room. Als auch eine Freundin, die regelmäßig bei den Veranstaltungen ist und bei jeder meint “this is the best sound ever” – priceless. Oder Beatmaker L!VE Slots, die mit Kommentaren wie “best time of my life” nach Hause gehen. Das sind schöne Erinnerungen.

Windshadow
Windshadow bei den Beatmaker Sessions im fluc (Foto credit: Dominik Vsetecka)

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Kann mich da an keinen schwierigen Moment erinnern. Im Großen und Ganzen lief bisher alles ganz gut.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Nicht wirklich. Bei uns sind großteils lokale Acts die spielen wollen, Freude haben und daher nicht unbedingt Probleme machen.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Arena outdoor Stage mit Flying Lotus, Jeremy Ellis, Exile, Glitch Mob.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Beatmaker Sessions Compilation Volume 4
Out soon: Die Beatmaker Sessions Compilation Volume 4

Am 19. Dezember 2015 gibt es noch die 4-Jahresfeier im celeste, und den Album Release der Beatmaker Sessions Compilation Vol.4. Darauf freuen wir uns sehr. Weiter geht es dann im neuen Jahr mit den Sessions im fluc und celeste, sowie dem “Beatmaker Tracks Season #4” Contest im Frühling 2016. Wobei ich hier erwähnen möchte, dass wir die Anzahl der Veranstaltungen wegen zeitlichen und finanziellen Gründen etwas zurückgeschraubt haben. Statt wie bisher neun Events pro Saison im fluc gibt es nur mehr fünf.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Auf jeden Fall sehr schick. Gefällt uns gut. Was uns fehlt ist das Eintragen der Events. Wobei ich irgendwo mal gelesen habe dass das wahrscheinlich eh noch integriert wird. Wir sind gespannt. 🙂 Besten Dank für das Interview!

Beatmaker Sessions

Wer dieses außergewöhnliche Veranstaltungskonzept selbst erleben will, hat – sollten wir eingangs noch nicht ausdrücklich genug darauf verwiesen haben – am kommenden Samstag, den 19. Dezember, beim Vier-Jahres-Jubiläum der Beatmaker Sessions im Celeste Gelegenheit dazu. Ebendort wird auch erstmals die vierte Ausgabe der hauseigenen Compilation vorgestellt, die es in weiterer Folge – wie ihre Vorgänger – via Bandcamp zu erwerben geben wird. Der neue Compilation-Mix wurde leider zwischen den Vorbereitungen nicht mehr ganz fertig, dafür gibt es an dieser Stelle als Warm-Up jene der Ausgaben zwei und drei und damit vorerst auch mal genug Beats von heimischen Künstlern, die ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht gehört habt..!

 

 

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Belegschaft

Im Club mit: Belegschaft (Interview + Mix)

Ein weit verbreitetes Vorurteil alternder Szene-Personen ist (und war schon immer), dass aus der jüngeren Generation nichts Neues, Kreatives mehr folgt, sondern immer nur der selbe, wiederkehrende Einheitsbrei. Ein Gegenbeispiel, und unserer Meinung nach eines der spannendsten, stellt die Belegschaft dar: Ein junges Duo, das erst vor Kurzem, frisch mit Matura und ersten Erfahrungen als Veranstalter ausgestattet, von Kärnten nach Wien ausgewandert ist um hier ihre ziemlich außergewöhnliche Definition von Tanzmusik unter die Leute zu bringen. Uns haben sie mehr erzählt und gleich eine Hörprobe mitgebracht.

Belegschaft – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Belegschaft, das sind Philipp (Franz Ganz) und Martin (Rovan). Wir erledigen eigentlich alles gemeinsam, bis auf die Flyer, um die kümmert sich meistens Martin.

Seit wann ist Belegschaft im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Als wir uns vor einiger Zeit in Klagenfurt kennenlernten, haben wir schnell festgestellt, dass wir uns auf persönlicher und vor allem auch musikalischer Ebene super verstehen. Wir haben dann begonnen, gelegentlich in einem Caféhaus in Klagenfurt aufzulegen, und dann einige Partys im stereo und im Künstlerhaus organisiert. Als Martin dann vor zwei Jahren nach Wien gezogen ist, haben wir das ganze nach Wien verlegt, zuerst ins Dual, später dann ins celeste.

Und wie sieht es bei Belegschaft aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Aktuell sieht es so aus, dass wir am 18. Dezember eine kleine Weihnachtsfeier im AU machen, im Jänner sind wir wieder im celeste. Grundsätzlich liegt uns viel daran, dass unsere Partys in erster Linie (auch uns selbst) Spaß machen, und dass das Ganze nicht zu professionell wird. Unsere Veranstaltungen haben zwar immer so einen gewissen Do-It-Yourself Charakter (viele Dinge erledigen wir erst in letzter Sekunde), trotzdem steckt dahinter aber immer auch viel Energie und Zeit.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Franz Ganz (links) und Rovan (rechts) sind Belegschaft
Franz Ganz (links) und Rovan (rechts) sind Belegschaft

Momentan können wir noch recht gut davon leben, so wie in allen Bevölkerungsschichten spüren aber auch wir langsam aber stetig die Auswirkungen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise, die uns dazu zwingen werden, unseren nächsten Winter am Arlberg zu verbringen und Après Ski Musik aufzulegen.

Zu schaffen macht uns in Wien zurzeit der Mangel an kleineren Locations mit guter Anlage. Das wäre wirklich cool, wenn da in nächster Zeit was passiert, ansonsten sind wir eigentlich guter Dinge was die Zukunft betrifft, an Motivation fehlt’s uns definitiv nicht. Die Herausforderung für Veranstalter in Zukunft wird wohl darin liegen, Personen auch außerhalb von Facebook zu erreichen. Wir sehen das bei unserer eigenen Facebook Seite, ohne bezahlte Werbung (was wir nicht wollen) hat man mittlerweile oft kaum noch Response und Reichweite, ganz auf Facebook verzichten wollen wir aber (derzeit zumindest) noch nicht.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es
genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus
eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und
welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Wir glauben, dass gerade jetzt unglaublich viel cooles passiert. Veranstaltungen wie Ascending Waves, Basic Rhythm, Erdbahnkreuzer, A Made Up Reality oder Struma + Iodine zeigen, dass in Wien viel Neues, Ungewöhnliches möglich ist.

Im Vergleich zu London oder Berlin ist Wien natürlich ein Nest. Gerade das hat aber seine eigenen Qualitäten. Viele Veranstalter und Artists kennen sich persönlich. Wünschenswert wäre auf jeden Fall noch ein kleinerer Club mit guter Anlage und so etwas wie NTS oder Berlin Community Radio, das Artists untereinander noch besser verbindet und zum Austausch anregt.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Ein Bild aus Anfangstagen: Die Belegschaft und eine Lagerhalle in Klagenfurt
Ein Bild aus Anfangstagen: Die Belegschaft und eine Lagerhalle in Klagenfurt

Vor circa zwei Jahren haben wir in den Weihnachtsferien eine Auflegerei im Keller eines Antiquitätenlagers in Klagenfurt veranstaltet. Wir haben dazu ein viel zu überdimensioniertes Soundsystem, Plattenspieler, Nebelmaschine und Beamer von Freunden ausgeborgt, das Ganze in den unglaublich staubigen und stickigen Keller gestellt und die ganze Nacht lang aufgelegt. Unsere ganze Klagenfurter Crowd war da. Und wir hatten ein Dixi Klo angemietet! Gute Zeiten.

Auf was wir auch richtig gerne zurückblicken ist der Abend, oder besser gesagt das Wochenende mit Brassfoot aus London. Er war unser erstes internationales Booking und wir hatten noch nicht wirklich eine Vorstellung davon, wie so etwas abläuft. Als wir ihn in Bratislava vom Flughafen abholten, verstanden wir uns aber auf Anhieb ausgezeichnet. Eigentlich hätte er am nächsten Tag zurück nach London fliegen sollen um am darauffolgenden Tag wieder zurück nach Ljubljana zu fliegen und dort zu spielen. Total verrückte Reiseroute. Jedenfalls ist er dann kurzerhand einfach bei uns in Wien geblieben, wir haben einen Tag lang Kaffee getrunken, uns gegenseitig unsere eigene Musik vorgespielt und er hat noch eine weitere Nacht auf Philipps Couch geschlafen und ist dann mit dem Bus nach Ljubljana gereist.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

An dieser Stelle würden wir gerne eine kurze Anekdote aus den frühen Anfängen anbringen: Bevor das mit Belegschaft in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen losging, nannten wir uns noch “Mind Fucked Mother Fuckers”, Martin hat dazu ein verrücktes Logo entworfen und wir hatten unsere erste Party in einem für die beabsichtigten Zwecke viel zu teuren und viel zu schicken Café in Klagenfurt. Am Abend davor haben wir noch ein paar Flyer ausgedruckt und danach in ganz Klagenfurt mit Tixo aufgeklebt. Nachdem wir damit fertig und irrsinnig stolz darauf waren, die halbe Stadt beklebt zu haben, hat uns plötzlich die Angst gepackt, und wir waren in großer Sorge darüber, dass eine Assoziation mit “Mind Fucked Mother Fuckers” im Prinzip einer Rufschädigung des Cafés gleichkommt und nun das erzkonservative Stammpublikum dem Caféhaus beschämt den Rücken kehren wird. Es folgte eine Nacht – und Nebelaktion, und gerade noch rechtzeitig vor Ladenschluss, haben wir uns beim Saturn eine Schere gekauft und bei allen Flyern den “Mind Fucked Mother Fuckers” Schriftzug auf der Unterseite abgeschnitten. Wir hatten dann auch noch den gesamten Abend über riesige Angst davor, das sündhaft teure Interieur zu beschädigen; die Party ist dann letzten Endes aber doch noch sehr lustig geworden, das Stammpublikum blieb dem Caféhaus weitestgehend erhalten und wir haben bei der nächsten Auflage dann sogar ein kleines Bier vom Chef spendiert bekommen.

Brassfoot mit der Belegschaft im celeste
Brassfoot mit der Belegschaft im celeste

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Die bisherigen Gäste waren eigentlich immer sehr nett, angenehm und unkompliziert, wir hoffen, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Am liebsten wär uns eine Garage oder leerstehende Lagerhalle in der Vorstadt, die wir nach unseren eigenen Vorstellungen und Ideen gestalten und herrichten können. Es gibt keine Bar, dafür zahlreiche Bierautomaten, dazu ein gutes Soundsystem, rotes Licht und ganz viel Nebel.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Wie gesagt, im Jänner gibt’s eine Party im celeste, hoffentlich in noch regelmäßigeren Abständen als bisher. Wir würden auch gern öfters Mal von Zuhause aus streamen und dazu befreundete DJs einladen. Die Idee, ein eigenes Label zu gründen, geistert auch schon seit einiger Zeit in uns herum, früher oder später wollen wir das auch realisieren.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Die Veranstalter- und DJ- Features sind sehr gelungen, wir werden in Zukunft sicher öfters mal reinschauen.

belegschaft_04Wer nun unbändige Lust verspürt, das letzte Wochenende vor den Feiertagen noch mit der Belegschaft zu verbringen (was wir nur empfehlen können), hat am Freitag, den 18. Dezember, bei besagter Weihnachtsfeier im AU Gelegenheit dazu. Als Warm-Up dafür hat Rovan uns eine Stunde Belegschaft-Sound in Form seines jüngsten “Egyptian Hall”-Mixes mitgebracht.

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!

Vihanna

Im Club mit: Vihanna (Interview + Mix)

“For greater glory in Vienna’s nightclub scene” liest es sich kurz und bündig auf der Facebook-Page des DJ- und Veranstaltungskollektivs Vihanna, und mehr müsste dazu eigentlich nicht gesagt werden. Wir tun es trotzdem und haben dafür die Verantwortlichen für viele durchtanzte Abende, in denen zwischen massentauglichem R&B und vertracktestem Underground Grime so ziemlich alles passieren kann, zum Interview gebeten!

Vihanna – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Wir sind insgesamt zu sechst und alle vor allem einmal DJs. Die Aufteilung bei den Veranstaltungen passiert dann immer spontan. In Kürze haben dann auch alle von uns einen Führerschein. Wirklich.

Seit wann ist Vihanna im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Unsere erste Veranstaltung war Anfang 2013. Wieso? Der Klassiker: Wir wollten unsere Musik auch wieder mehr im Club hören und eine gute Zeit haben. Nachdem die wegweisenden Loud Minority Parties immer weniger wurden, lag das ein bisschen brach. Es ging dann ziemlich schnell.

Vihanna #01 anno 2013
Vihanna #01 anno 2013

Und wie sieht es bei Vihanna aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Aktuell machen wir uns ein bisschen die Unregelmäßigkeit zur Regel. Hier und da Kollaborationen mit anderen, aber natürlich auch reine Eigenveranstaltungen. Als Nächstes haben wir mit den Fairlights DJ Haus und dann im Jänner wieder ein eigenes Festl.

Musikalisch kommt das alles aus dem Bass, Rap, Grime, Footwork, aber auch Pop und R’n’B‘ und was da noch dazu kommt. Konzept ist, was gefällt. Wir wollen uns nicht zu schade für irgendwas sein, ironisch ist dabei aber nichts.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Wir sind recht froh darüber, nicht davon leben zu müssen, einfach weil der Zwang wohl den Spaß ebnen würde. Wenn man sich ein Hobby zum Beruf macht, geht dann damit das Hobby flöten. Wir machen das, weil es uns gefällt, würde auch Jimmy Hoffer sagen.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Vihanna auf Ausflug in Vorarlberg
Vihanna auf Ausflug in Vorarlberg

Wien ist super. Mit den anderen Veranstaltern gibt es einen freundschaftlichen Austausch und so geht das eben dahin. Insgesamt weniger Jammern vielleicht. Ein paar zusätzliche Locations wären auch ganz nett, aber im Großen und Ganzen passt das hier schon alles. Ich finde, Wien ist in punkto Clubkultur ganz gut aufgestellt.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Highlights gab es einige, aber es ist ein bisschen schwer das zu trennen. Aus Sicht des Veranstalters freue ich mich über viele Gäste, aus DJ-Sicht über eine gute Stimmung und als Gast über beides und gute Musik. Unsere erste Party war vielleicht deshalb ein Highlight, weil es so unerwartet und spontan gut funktionierte.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Gerade die erste Party wurde fast abgesagt weil uns die Location zwei Tage davor abgesprungen ist. Wir haben uns gar nicht ausgekannt und geflattert was nur geht, aber dass dann aus der Not eine Tugend wurde freut uns natürlich. Sonst der ganz normale Wahnsinn wie:

  • Clubbesitzer um 01:00: “Das Bier ist aus.”
    Wir: “Oasch”
  • Clubbesitzer um 21:00: “Hi, das ist übrigens unser Rechtsvertreter. Ihr könnt dann hier unterschreiben, dass ihr für alles haftet und die Heisln putzen müsst.”
    Wir: “Oasch”
  • Clubbesitzer um 20:00: “Schauts da hab ich auch alles hingestellt.”
    Wir: AÄh, CDJs und Turntables sind alle hinüber und es gibt keinen Monitor.”
    Clubbesitzer: “Letzte Woche hat noch alles funktioniert. Ganz sicher.”
    Wir: „Oasch“

Usw.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Cid Rim bei Vihanna mit Bart-Simpson-USB-Stick im Mund (Foto credit: Andreas Hagenauer)
Cid Rim bei Vihanna mit Bart-Simpson-USB-Stick im Mund (Foto credit: Andreas Hagenauer)

Pfuh, Endgültigkeiten sind immer schwierig. Unser erstes Booking war Cid Rim und er wollte, dass wir ihm das Ticket für die 5er Linie zahlen, ihm alle paar Minuten die FA-Cup-Zwischenstände durchgeben und dann hat er mit seinem Bart-Simpson-USB-Stick im Mund die Kenny G Version von “My Heart Will Go On” gespielt. Es war sehr nett.

Wir hatten nie ein Problem mit einem Booking, ganz im Gegenteil. Manche waren rauschig, manche nicht. Manche wollten Erdnüsse, manche nicht. Alles voll ok und wir würden wohl jeden einzelnen wieder holen. Wichtig ist uns, dass die Menschen, die wir einladen auch eine gute Zeit haben. Vielleicht ist das auch irgendwo ein Vermächtnis der Loud Minority (Danke Claus).

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Das würde jeder einzelne von uns wohl anders beantworten. Und das ist auch gut so.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

2016 wird super.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Eure Seite ist auch sehr super.

Wie all das so ungefähr klingen kann präsentiert uns The Shambolic, ein Sechstel von Vihanna, im einstündigen Exklusiv-Mix – mehr davon wie erwähnt am Freitag, 27. November im Aux Gazelles, wo Vihanna in Kooperation mit dem Fairlight Club den grandiosen DJ Haus von Unknown To The Unknown präsentieren!

 

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Basstrace

Im Club mit: Basstrace (Interview + Mix)

Ein Umstand, der bei vielen unserer bisherigen Interviews mit Wiener Veranstaltungs-Crews bemängelt wurde, ist der besch..eidene Zustand der hiesigen Soundsysteme. Die Truppe von Basstrace nimmt die Dinge selbst in die Hand und zieht mit eigenem Soundsystem durch die Clubs – und dieses hat es in sich. Musikalisch drehen sich die Abende dabei naturgemäß um alles, was in niedrigeren Frequenzbereichen ordentlich wummert. Isonoe, einer der Mitgründer des Soundsystems, war so nett uns mehr davon zu erzählen.

Basstrace – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Wir sind eine Wiener Neigungsgruppe für elektronische Bassmusik, kollektive Herzschlagrate 130 – 160 bpm. Die meiste Zeit allerdings 140, weil Dubstep im Fokus steht. Dabei pflegen wir Verbindungen zum dubstep.at Netzwerk und darüber hinaus.

One big fam – und eigentlich verstehen wir uns als regelrechten Clan. Und so ein Clan der hat Rollen. Da gibt es von Clan-Daddies bis zum Einzelgängerkind fast alles dabei. Wie bei den Waltons. Wieviel waren das nochmal? Keine Ahnung, wir sind jedenfalls mehr! Über zwanzig Leute aus verschiedenen Ecken des Landes und darüber hinaus, aus mehreren Altersklassen (von 20 bis 35) machen Basstrace aus. Der Sound allein hat einen Haufen verschiedener solider Talente zusammengebracht. DJs, VJs, Soundmen, Soundboys & Soundgirls, Merch- & Goodie Produzent_innen, Bühnenbauer_innen, Fahrer, Clan Cater_innen, Securities und und und. Wir wachsen und gedeihen fortlaufend und freuen uns über jede_n der/die aktiv mitmachen will und kann.

An dieser Stelle many many shouts out to Moon, The Zion Archives, Nobody, Damask, Rubbah, SORA, Apoxid, Ronin, Leomann, Sprengmeister, Tetrapak, Syrup Visuals, Marina, Ronja, Nadine, Vali, Carina, Andi, Dani, Moritz, Michel, Billy!

Seit wann ist Basstrace im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Ein Teil der Basstrace Family
Ein Teil der Basstrace Family (Foto credit: Persé Photography)

Basstrace ist neu im Sinne von 2015 gegründet. Eigentlich ist das eine lange Geschichte, aber das war demnach der Kern der Frage. Also – es war einmal…

Log System Sound, ein Zwei-Mann-Soundsystem-Kollektiv. Isonoe und sein damaliger Partner haben über mehrere Jahre hinweg in liebevoller Kleinstarbeit ein besonders bass-starkes HiFidelity Soundsystem gebaut (eine Geschichte für sich, die hier nicht näher ausgeführt werden soll – besser man kommt und spürt selbst rein).

Das System wurde dann in Wien erstmals 2013 in der Fluc_Wanne aufgestellt, Veranstaltungstitel: “Speakers Corner”. Das war übrigens auch das Jahr in dem RAW in die Langzeitpause gegangen war und nachdem Bounce sich selbst für tot erklärt hatte. Funkstille in Wien am untersten Ende der Frequenz-Fahnenstange als wir kamen. Sehr hart für uns. Und hat sich dann doch nicht bewährt. Gründe gab es viele, aber vor allen Dingen der herannahende Ausstieg eines der beiden Soundmen.

Sollte Isonoe, also ich, die bis dahin hart erarbeiteten Träume auch wieder fallen lassen? Sicher nicht! Ich habe mir dann das ganze System auf den Buckel geschnallt, nicht wissend wo die Reise hinführt. Es wurden viel Kartoffeln gegessen. Systemanteile ablösen kann recht teuer sein. Und manchmal waren die Nächte schlaflos, weil 1,5 Tonnen Sound allein daheim zu haben manchmal ein schwerer Brocken ist. Wohin damit? Wie handeln? Und vor allem mit wem? Für wen? Phase 0 nannte ich das für mich. Immer viel Hoffnung dabei, dass sich was entwickeln wird. Und so kam es dann auch.

Über den Beitritt zu einem wundervollen Kollektiv (Spezial/Hoppala/Technosonntag), das non-kommerziell Open-Airs, Underground-Raves und sonstigen Techno-lala an unüblichen Wochentagen macht, wurden mir und damit Basstrace vor seiner Gründung schon wichtige Grundwerte vorgelebt: DIY, Community Spirit und die Freude an der Sache an sich. Diese bereichernden Erfahrungen und gute Gespräche mit diesen tollen Menschen sowie anderen langjährigen Weggefährten zeigten mir, dass es gut ist wie es gekommen war. Und dass die Zeit Ende 2014 reif war, wieder was für Bassmusik zu tun in einer Stadt, die vor House, Techno, Freetek geradezu am Überquellen war. Wo waren die eklektischen Musikliebhaber geblieben, die mehr als nur auf 4×4 zählen konnten? Bestimmt irgendwo da draußen, versteckt. Meine Mission: Basstrace. Let’s go find them. Let’s build a scene – together.

Ende Herbst 2014 waren wir zu zweit. The Zion Archives, Dubstep Producer, DJ, Illustrator und damit auch unser Grafiker, stieg sofort ein als ich ihm von dem Vorhaben erzählte. Wir traten mit dem Fluc in Kontakt und bekamen prompt für Jänner 2015 einen Termin. Die ersten Bassheads gaben sich in der Crowd schnell zu erkennen und neue Clanmitglieder kamen, die unsere Philosophie vom Fleck weg teilten.

Und wie sieht es bei Basstrace aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Das Basstrace Soundsystem
Das Basstrace Soundsystem (Foto credit: Kurt Prinz)

Kurz gesagt: “Basstrace is here to share, enjoy and recultivate what so many miss: the trueschool roots of dubstep. Providing an alternative to mainstream. Beyond mass spectrum.”

In einer Zeit, wo der Hype schon lange weitergezogen ist machen wir unser Ding in seinem Schatten. Koste was es wolle, wir haben da eigentlich keine Wahl. So ist das, wenn man etwas wahnsinnig liebt und es auch teilen will.

Live & direct, keine unnötigen selbstbekräftigenden Schnörkeleien, geradlinig und echt. Trueschool sound system culture eben. Und das in einem Spektrum, das gerade im Herkunftsland UK noch immer wahnsinnig boomt, doch hierzulande nach wie vor massiven Entwicklungsbedarf hat.

In Basstrace hörst du vor allem Eines: Dubstep, Dubstep, und noch mehr Dubstep. In all seinen Spielformen, EDM Brostep ausgenommen (eh klar). Wohldosierte Ergänzungen durch Artverwandtes (UK Bass, Grime, Garage/2-step, Halfstep DnB) kommen vor, werden aber sicher nie das Ruder übernehmen. Aus tiefer Überzeugung heraus und im Sinne einer kulturellen Artenvielfalt wollen wir gerade Dubstep den Raum geben den er verdient. Zumindest einmal im Monat. Von der intimen Fluc-Session im Café oben bis zum massiven Dubrave mit bass-schwerem Soundsystem an entsprechenden Off-Locations wie bisher dem Tüwi oder dem EKH.

Manch Eine_r weiß mitunter noch gar nicht, was er/sie verpasst. Im Ernst jetzt. Neben den Heads, die wissen was sie wollen und sich ein Bein bis zur nächsten Session wegfreuen, kommen auch immer wieder genrefremde Personen dazu. Die wissen zwar Anfangs nicht mal wie das Genre heißt, sind aber oft vom Fleck weg emotional berührt und löchern uns dann mit leuchtenden Augen 1000 Fragen in den Bauch.

Demografische Kategorien wie Alter (ab Volljährigkeit), Herkunft, soziale Schicht usw. sind natürlich völlig nebensächlich. Einzig wichtig ist uns, dass unsere Community friedlich vereint und frei von Ismen funktioniert. Das heißt, Respekt und Toleranz ist ein Muss. Gilt nicht für Blauwähler, die müssen uns mal vor der Türe draußen erklären, warum sie solchen Blödsinn machen *lacht*

Zu Basstrace gehört auch, dass wir wo auch immer wir können, ein sozialcharitatives Element einbauen. Schon im April hatten wir gemeinsam mit dem Label Red Moon Rising für den Humanitarian Bazaar, einem in Somalia tätigen Sozialprojekt, Spenden gesammelt sowie im Juli für das gerade überall rund um uns aufpoppende #refugeeswelcome Thema Geld- und Sachspenden entgegengenommen und zweckgebunden zugeführt. Wenn wir feiern, soll es in mehrfacher Sicht wirken. People have to feel it.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Die Basstrace Crowd
Die Basstrace Crowd (Foto credit: Persé Photography)

Brötchen verdienen wir am Tag woanders. Basstrace ist bislang nichts als Liebhaberei. Alles was reinkommt wird ins Kulturschaffen reinvestiert bzw. gespendet. Das gehört zum Underground-Dasein dazu.

Wovon wir aber sehr wohl „leben“ ist der Spirit. Glückliche Community, glückliche Location-Geber, glücklicher Clan. Einfach die Kraft, die bei unseren Nächten rüberkommt.

Von was wir wie alle anderen abhängig sind ist natürlich Geld. No money, no honey. Gutes Finanzmanagement ist wirklich essentiell, gerade als Underground Bewegung. Weil bei uns alles auf freiwilligen Spenden läuft, müssen wir hart wirtschaften. Da können uns keine Patzer leisten, sonst blutet einer (meistens ich) und steckt rein.

Wenn es um Dubraves mit Soundsystem geht, ist der größte Problemfaktor die Location. Da haben wir kaum uns bekannte Wahlmöglichkeiten. Was wir bisher probiert haben, war immer verbesserungswürdig, dh. wir haben entweder produktionstechnisch draufbezahlt oder die Leute sind nicht hingekommen, weil der Ort nicht extrabequem angebunden ist mit Nacht U-Bahn. Da könnte man schon auch sagen, es liegt auch ein bisschen an den Fortgehgewohnheiten der Wiener_innen. Wenn man nicht Freetek oder Goa Kultur innehat, will man nicht weit fahren.

Wir bräuchten jedenfalls echt eine solide und gut erreichbare Off-Location die wir nach unserem Geschmack mit unserem System bespielen können ohne dass uns wer zu viel dreinredet (Anrainer, Betreiber etc.).

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

The Zion Archives
The Zion Archives (Foto credit: Persé Photography)

Die Entwicklung des Publikumsgeschmacks folgt aus unserer Sicht gegenläufigen Trends. Während die einen vom Höher-Schneller-Weiter-Prinzip nicht genug kriegen können, mehrt sich die Zahl jener, denen es auch nach Anderem dürstet, was nicht immer aber auch gleichzusetzen ist mit Entschleunigung. Insofern eine Entwicklung in die richtige Richtung.

Dass zu viel los ist, unterschreiben wir sofort. Dass zu viel vom Gleichen passiert auch. Dass dadurch die Sichtbarkeit auf Neues unterbunden ist gehört da dazu. Immer noch zu viele rennen dort hin wo sie’s schon kennen. Teils blinder Konsum. Dass sie da zehnmal mehr Geld liegen lassen, als an einem spannenderen, aber nicht so etablierten Ort scheint noch zu oft egal zu sein.

Da sollten auch die Clubs couragierter dran und selbst mehr wagen in Sachen Preispolitik kultureller Diversität, auch wenn es schwierig ist. A) das liebe Geld, darin schwimmen die Clubs wohl auch nicht mehr (sagen sie zumindest – keine Ahnung). Und B) Besucherzahlen immer mehr von virtuellen Communities abhängt, die der Fremdveranstalter halt mal so mitliefern muss, um den Club über Break Even zu bringen.

Weiters würden wir uns mehr solide und gut erreichbare Off-Locations wünschen, die ohne großem Risiko bespielt werden könnte. Gerade wir Soundsystem-Leute brauchen mit unserem passende Räume. Vielleicht fände sich da was das man auch selbst verwalten könnte, sofern sich die Stadt Wien mal ernsthaft ins Zeug legt in Sachen Zwischennutzung.

Letzter Punkt dazu wenn wir gerade bei der Wechselbeziehung Politik und Gesellschaft sind: das Wiener Lärmschutzgesetz. Es ermöglicht jedem, der sich gestört fühlt, Veranstaltern und Location-Betreibern das Leben schwer zu machen. Ein Anruf bei den helfenden Freunden genügt und die „Verursachenden“ sind schnell abgedreht.

Egal wer zuerst da war und in welchem zeit- und ortsgebundenen Zusammenhang es steht. Hier appellieren wir an die Toleranz in der Bevölkerung und bei den Behörden. Ein koexistentes aufeinander Zugehen in einer wachsenden Stadt sollte da möglich sein, sind wir überzeugt.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

The Zion Archives
The Zion Archives (Foto credit: Persé Photography)

Wenn zum Beispiel unser Soundsystem den ersten Ton von sich gibt und sprichwörtlich zum organischen Wesen wird, das uns mit Bass und süßen Melodien im Innersten trifft, umfließt, dann hat das schon gewaltiges Motivationspotential!

Wenn alles weitere rundherum stimmig ist und sich gut anfühlt, haben wir einfach Lust auf mehr. Auch bei den Session ohne eigenem System macht uns die gute Musik, die wir mit allen Anwesenden teilen, echt glücklich. Toll finden wir auch, dass wir mit unseren Sessions wiederholt Leute außerhalb von Wien anziehen. Und das sogar wiederkehrend – aus der Steiermark, Oberösterreich, aber auch aus Ungarn oder Italien.

Dazu die Zuversicht, dass wir wiederholt sowohl durch unsere lokalen DJs und Producer sowie internationale Gästen extrem hohe Qualität liefern. Wir hatten bislang Egoless (der Taktgeber schlechthin im dubbigen Spektrum von Dubstep), LSN (Meister aller melodischen Sparten) oder Joe Nice (“The ambassador of dubstep in America”, ein weltbekanntes Urgestein über den sogar mittlerweile eine eigene Doku gedreht wurde – also auch eine Geschichte für sich). Und die haben sich echt wohl gefühlt in Wien!

Das Sahnehäubchen ist die Resonanz in der internationalen Dubstep-Community, d.h. wir sind sichtbar und pflegen Beziehungen zu Veranstaltern die anderswo auf dem Erdball genau dasselbe machen. Auch namhafte Artists wie Mala, Gantz, Kahn, Om Unit, uvm. kennen uns.

Schließlich wurden wir auch schon gleich dieses Jahr zur Sound System Culture Conference im Zuge vom Outlook Festival eingeladen, dem globalen Bass Music Mekka dieser Tage.

Ganz schön cool für uns Neulinge, oder? *grinst*

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Schwierig ist, wenn wir uns voll reinhauen, alles astrein läuft, wir gut kalkuliert haben aber wegen bereits erwähnten Faktoren doch nicht genug Besucher hinkriegen. Kam schon auch vor, Joe Nice im Juli zum Beispiel. Das schmerzt nicht nur finanziell sondern auch und von der vergebenen Liebesmüh her und was die nicht Anwesenden verpasst haben. Gerade Letzteres besonders. Aber motiviert umgekehrt nach einer Zeit des Wundenleckens umso mehr, noch weiter zu optimieren und noch besser “den Fuß in die Tür zu bekommen”.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Isonoe
Isonoe (Foto credit: Persé Photography)

Ja einmal, und das war keiner der oben Genannten. Der unliebsame Gast hat partout sein Serato nicht zum Laufen gebracht obwohl wir ihn angehalten haben, dass er sich besser mehr als 5 Minuten vor seinem Slot darum kümmern sollte bzw. wir ihm auch gerne helfen. Als er dran war war natürlich nix ready und dann mal 15 Minuten still. Er hat es vorgezogen – so wurde berichtet – seinen Status lieber dafür zu nützen alle möglichen Mädels anzugraben (inklusive der Freundin eines Kernmitglieds). Gar nicht professionell. Aufgelegt hat er übrigens auch grottenschlecht. Leider haben sich in Folge eine kleine Handvoll von Leuten im Publikum den Mund darüber zerrissen und es uns angekreidet.

Naja, sowas passiert garantiert nicht mehr. Wir legen seitdem noch mehr Wert auf eine gute Mischung aus persönlicher Beziehung und professionellem Anspruch mit den Artists.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Bomben Lineup (weniger Big Names, mehr Talente – die Liste ist zu lang zum Ausführen). Location ist da ein ordentliches Warehouse mit reichlich Infrastruktur (Hygienebereiche *grins*). Zwei Floors (groß, medium). Double Stack Soundsystem im einen, eine mittelgroße Void Anlage im Anderen. Stunning visuals everywhere. Tolle Bühnenaufbauten, wo es passt. Dazu ein Raum mit Pölstern, Wasserpfeifen am Boden zum Chillen und gutem Essen. Die Bars haben eine gute Auswahl an alternativen Erfrischungsgetränken und Alkoholika. Erschwingliche Preise.

Jede_r kann kommen. Freie Spenden gehen 50 % in unsere zukünftige Kulturarbeit, 50 % an ein gutes Sozialprojekt. Artists und alle Mitwirkenden bekommen eine adäquate Gage / Aufwandentschädigung. Purer Luxus sowas.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Basstrace Slipmat
Basstrace Slipmat (Foto credit: Persé Photography)

Weiterhin organisches Wachstum ohne Zwang. Nachhaltiges Kulturschaffen. Echte Erlebnisse die hängen bleiben – Killer Bookings und verstärkt auch wieder nationale Talentschauen. Arbeiten auch noch dran über unser eigenes Stamm-Format hinaus extern auftreten zu können, d.h. auf kleineren Festivals, in den anderen Bass-Mekkas des Landes bei unseren befreundeten Crews. Und sicherlich kommt auch eine weitere Location zum Fliegen (sachdienliche Hinweise sehr willkommen, liebe Leser_innen!)

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Respekt, eure Seite macht echt was her! Toll wäre, wenn ihr es schafft, noch mehr die lokalen Communities zu stärken, lokale Artists sichtbarer zu machen dadurch stärker auf eure Seite zu ziehen – weg von den Big Players wie Soundcloud, Facebook, o.ä. Wie ihr das hinbekommt außer über Initiativen wie diese, können wir euch leider nicht sagen. Wir wünschen uns das halt und euch dabei viel Erfolg!

Gleich eine ganze Reihe an Hörproben davon, was man bei Basstrace musikalisch so erwarten darf, hat uns die Crew hier zu Verfügung gestellt. Wer den Sound in full effect genießen möchte ohne es sich gleich mit den Nachbarn zu verscherzen hat in den nächsten Wochen gleich zweimal in der Fluc_wanne Gelegenheit dazu: Am Samstag, 28. November bei einer Free Party in Kooperation mit RAW und Vollkontakt sowie am Freitag, 11. Dezember beim nächsten “richtigen” Basstrace mit Dublix von der Deepnheavy Sounds Crew in Graz!

Mixes by Basstrace on play.fm

 

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Prasselbande

Im Club mit: Prasselbande (Interview + Mix)

Die Prasselbande darf man getrost zu jenen Crews zählen, die in den letzten paar Jahren am meisten Schwung in die Wiener Clubszene gebracht haben – und das obwohl sie sich musikalisch so überhaupt nicht festlegen mag. Auf ihrer monatlichen Haus- und Hofparty, dem Bande à Part im Cafe Leopold, darf man zwischen Hip Hop, Beats, Disco, House, Grime und Bass Music so ziemlich alles erwarten, was Spaß macht. Wodurch sich die Prasselbande denn definiert erzählen uns Matija, Markus, Jakob und Dominik im Interview!

Prasselbande – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Matija: Wie bei jeder Schulband hatten auch wir den Namen bevor wir überhaupt wussten, was und wie und wo.

Markus: Wer für was zuständig ist, wissen wir selbst nicht so genau, aber meistens schaffen wir es die Arbeit gut aufzuteilen, so dass niemand einen Monat schlafen kann ohne für unsere Parties zu arbeiten.

Dominik: Prasselbande bedeutet Freundschaft, Freiheit, Gleichberechtigung, Spass, Liebe und Frieden. Ein Kreis an Freunden, der sich nicht allzu ernst nimmt, aber sehr gern hat. Der harte Veranstalterkern beschränkt sich dabei auf Matija, Jakob, Markus und mich. Jeder von uns hat über die Jahre eine eigene Rolle bei der Bande eingenommen, ohne dass es einem gleich bewusst war. Wie es halt unter Freunden ist, hat jeder unterschiedliche Stärken und Schwächen, und anhand dessen haben sich dann auch die Aufgaben herauskristallisiert. Dennoch fällen wir jede grössere Entscheidung nach dem Mehrheitsprinzip. Da wir zu viert sind kann es aber manchmal auch länger dauern bis wir alle gleicher Meinung sind.

Seit wann ist Prasselbande im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Prasselbande und Bande à Part - was Sie bisher versäumt haben...
Prasselbande und Bande à Part – was Sie bisher versäumt haben…

Markus: Wir sind mehr oder weniger zufällig zusammen gekommen und haben uns einfach von Anfang an gut verstanden. Die Partys waren ein Weg selbst aufzulegen und unseren Freunden für wenig Eintritt viel zu bieten.

Dominik: Um es genauer zu sagen war Prasselbande zunächst eine Zusammenwürfelung an neuen Leuten die sich auf Anhieb gut verstanden haben. Das Wort Prasselbande ist an einem durchtanzten Abend zufällig erwähnt worden. Als wir dann die erste Party organisiert haben war zunächst nicht mal klar, wer dann wirklich im Organisationsteam dabei ist. Erst nach der 3. oder 4. Veranstaltung sind wir zusammen bei einem Bier zum Entschluss gekommen: “Jungs, es macht Spass, wir sind Freunde geworden und es funktioniert toll, lasst es uns öfters machen”. Nachdem unterschiedliche Freundeskreise zusammengekommen sind waren wir quasi die Bande, bei der sich alle ungezwungen wiedersehen und gemeinsam feiern konnten.

Und wie sieht es bei Prasselbande aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Matija: Natürlich steht bei unseren Events meistens die Musik im Vordergrund, zumindest wirkt es so nach außen. Mindestens genauso wichtig ist für uns aber auch, dass wir einen Abend schaffen, an dem jede/r Spaß haben kann. Es soll ein Abend sein, der mit dem Eintauchen ins Wiener Nachtleben Abstand vom Alltag schafft; nette Leute und gute Musik inklusive.

Markus: Wir binden am liebsten MusikerInnen und DJs ein, die für uns einen spannenden Sound verfolgen. Dies ist auch gar nicht an ein bestimmtes Genre gebunden, da dies alles was wir tun extrem eingrenzen würde. Innovation im Bezug auf die performte oder gespielte Musik und Genre-Nichen, die ansonsten vielleicht keinen oder nur wenig Platz in Wien bekommen würden, finden wir besonders spannend.

Jakob: Wir freuen uns auf ein Publikum bestehend aus musikaffinen, offenen und experimentierfreudigen Menschen, die sich mit unserem Konzept & Booking anfreunden können. Solche, die das noch nicht tun, sind auch herzlich willkommen, vielleicht können wir sie ja auf den Veranstaltungen noch von unseren Bookings und musikalischen Vorlieben überzeugen.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Matija: Wir können das, was wir selber gerne machen, mitgestalten. Das ist doch Motivation genug. Vor Probleme werden wir oft durch teure Mieten und die Politik der Clubs gestellt, die das Risiko auf den Veranstalter abwälzen wollen. Hier sehe ich noch deutlich mehr Potential zur engeren Zusammenarbeit.

Markus: Davon leben können wir sicher nicht, ist aber auch glaub ich nicht unser Ansporn, sonst müssten wir wesentlich öfter veranstalten und auch kommerzieller buchen. Außerdem wird einem durch hohe Mieten in den Clubs, Gagen die am englischen Markt orientiert sind (Pfund → Euro), die Vergnügungssteuer und den Mangel an Clubs in mittlerer Größe (300-500 Leute) das Leben nicht immer einfach gemacht.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

"Peace, love, happiness and partys" - die Eigendefinition der Prasselbande
“Peace, love, happiness and partys” – die Eigendefinition der Prasselbande (Foto credit: Dominik Geiger)

Matija: Es gibt Stimmen, die meinen, in Wien gäbe es zuviele Veranstaltungsreihen. Da frag ich mich, was daran das Problem sein sollte? Das zeigt doch nur, dass die Stadt sehr viele junge Leute hat, die Lust darauf haben, etwas zu machen. Am schönsten finde ich es, wenn kleine Veranstaltungen, die sich etwas trauen, mit Erfolg belohnt werden, wie zum Beispiel Basic Rhythm, Pomeranze oder Erdbahnkreuzer. Würde die Stadt nicht einen Club nach dem anderen zudrehen könnte Wien international so zu einer großartigen Clubstadt werden. Sehr viele TouristInnen kommen wegen der Oper, wenige wegen den Wiener Clubs – das könnte man doch ändern.

Markus: Ich glaube, das Problem liegt auch darin, dass die Politik nicht erkennt welche Chance – besonders für die Tourismusbranche – für eine Stadt wie Wien bestünde, wenn sie Clubs, VeranstalterInnen und auch den Feiernden nicht andauernd Steine in den Weg legen würde (wie zum Beispiel absurde Lärmbestimmungen, Vergnügungssteuer again und unfaire Strafen), sondern eine gut aufgestellte, organisierte Musikszene unterstützt und die Stadt damit zu einem international attraktiven Standort für eine internationale, breite Musikcommunity werden lässt. Gelunge Veranstaltungsreihen und Kollektive wie Bliss, Canyoudigit, Belegschaft oder disko404 in Graz und auch MusikerInnen und Produzenten rund um die Affine-Riege, Mieux, Franz Ganz, B.Visible und Franjazzco gibt’s zu Genüge in Wien. Es müsste nur endlich auch richtig wertgeschätzt werden.

Dominik: Blicke ich 10 Jahre zurück, dann erkenne ich Wien nicht mehr wieder. Es ist offener, belebter und vielfältiger geworden. Man merkt, dass Wien sich durchaus eine Eventstadt nennen darf. Leider gibt es auch Verbesserungspotential was rechtliche Hürden anbelangt, die international gesehen in Städten wie London und Berlin viel geringer und konkreter sind. Alleine die Vergnügungssteuer, die mehr Personalkosten verursacht als sie Einnahmen generiert, sowie die Ausländersteuer könnten durchaus abgeschafft werden um den Markt zu beleben – und so könnte die Stadt einen positiven Beitrag zur kulterellen Vielfalt leisten.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Markus: Das schönste ist wenn man es schafft, die Leute mit Musik zum Lachen und Tanzen zu bringen und viele bekannte Gesichter auf den eigenen Veranstaltungen zu sehen. Die schönsten Parties waren mitunter nicht die finanziell erfolgreichsten, und umgekehrt waren jene mit wenigen BesucherInnen oft wirklich schöne Abende, wo fast alle Leute die um vier noch da waren auch bis sechs blieben und gemeinsam der Musik gehuldigt haben.

Jakob: Kann dem Markus nur beipflichten, Highlights gibt es viele, jedoch das Schönste ist einfach wenn die Leute bis zum Schluss bleiben und sich mit einem Grinser im Gesicht die letzte Nummer auch noch anhören. Mit Jamie XX auf der eigenen Party zu spielen war aber auch nicht schlecht (:

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Jakob: Die Momente, wo man gegen 0:30 Uhr noch ein wenig nervös ist, da noch nicht viele Leute da sind, aber du weißt es wird noch.

Markus: Wenn man im Clubleben aktiv ist, muss man sich immer wieder neu erfinden, drehen, wenden und dennoch seinem eigenem Musikgeschmack treu bleiben. Dass dies manchmal auf Widerstand – zum Teil – aus dem eigenen Freundeskreis stößt und manche experimentellere Bookings einfach nicht so angenommen werden wie andere, kann ganz schön ermüdend werden. Innovation wird in diesem Sektor auch in Besucherzahlen gemessen nicht immer belohnt, weshalb sich viele VeranstalterInnen musikalisch auch nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen. Dies kann zum Teufelskreis werden und bremst die Entwicklung einer vielfältigen Clubkultur. Zum Glück gibt’s dann in Wien doch einige sehr motivierte VeranstalterInnen, denen dieser Vorwärtsgedanke wichtiger als der finanzielle Erfolg ist und die für die Vielfalt, ein Lächeln und ein paar Schulterklopfer sehr gerne auf den neuen Bugati verzichten.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Markus: Da wir eigentlich in all den Jahren kaum einen internationalen Act doppelt gebucht haben, auch weil wir ständig auf der Suche nach neuen KünstlerInnen sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass wir bei unseren monatlichen Veranstaltungen jemanden wieder holen. Das heißt aber nicht, dass dies nie passieren wird.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Matija: Vielleicht wie eine riesige WG-Party, nur mit guter Musik und ohne Nachbarn, die um Mitternacht die Polizei rufen.

Markus: Eine Party im alten Morisson mit befreundeten DJs, die Anlage etwas aufgestockt, Javi hinter der Bar, bummvoll, der Schweiß rinnt von den Wänden, nur musikalisch vielleicht etwas anders als damals. (:

Dominik: Ich würd alle wortwörtlich auf eine Reise schicken. Ein Bus ins Unbekannte, eine Burg, Ruine oder ähnliches, mitten in der Natur mit Off Location Floors, Wodka, Fackeln, Essen,Film, Kunst, Live, Essen Tanz. Ein Traum 🙂

Jakob: Jacuzzi, 69. Floor, GreyGoose Brunnen, ein schier unendlicher Vorrat an Minze und zu guter letzt Danny Brown b2b Goldlink!

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Markus: Wir haben bereits zum Saisonstart von Bande À Part im September eine neue visuelle Identität präsentiert und auch die musikalische Ausrichtung etwas verändert. Soviel sei verraten: Es wird auch weiterhin breit gebucht, ob das jetzt Gqom, Grime, House, Disco, Techno oder Acid ist, wird sich von Party zu Party unterscheiden.

Dominik: Wir haben für 2016 einiges vor, denn über die letzten Jahre haben wir uns meiner Meinung nach schon fast zu stark auf Bande À Part konzentriert, so dass bestehende Projekte vernachlässigt wurden. Das wird sich kommendes Jahr definitiv ändern. Zudem sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir neues ausprobieren wollen – und das nicht nur musikalisch, sondern auch konzeptuell. Wir haben zum Beispiel einen Film-Blog mit von uns geprüften Filmen, bei welchem wir Film und Filmmusik neu erleben lassen wollen. Auch mit Bande À Part beginnen wir neue Kooperationen einzugehen, wie mit der diesjährigen Viennale. Belleville haben wir im Frühjahr in der Pratersauna in die Pause geschickt, aber über die letzten Monate ist es bei uns wieder ein Thema geworden, denn hier können wir Bookings machen, die wir uns mit einer anderen Veranstaltungreihe nicht trauen würden. Wer bei der Gestaltung und Umsetzung neuer Konzepte mitwirken will, kann sich jederzeit bei uns melden. Denn 2016 wird mit neuer Energie ein gutes Jahr.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Markus: Ich finde es sehr schön, dass Play.fm sich die Mühe macht und Zeit nimmt auf die verschiedensten VeranstalterInnen Wiens einzugehen und so etwas wie einen Querschnitt erstellt. Das macht die oft unüberschaubare “Szene” wieder etwas kleiner und dadurch greifbarer. Außerdem wird Soundcloud wie es aussieht bald nicht mehr als DJ-Plattform genutzt werden können, da ist es mehr als zu begrüßen, dass Play.fm als Wiener Firma hier eine wunderbare Alternative bietet. Vielen Dank dafür!

Neben dem Interview waren Markus, Dominik und Matija alle drei so nett, uns jeweils einen Mix und damit zumindest einen Teil des schier unendlichen musikalischen Spektrums der Prasselbande zur Verfügung zu stellen. Und schier grenzenlos geht es gleich bei der nächsten Bande à Part Veranstaltung am 21. November im Cafe Leopold weiter – mit so spannenden wie unterschiedlichen Acts wie dem Südafrikanischen Affine-Import Okmalumkoolkat, dem Wiener Beats-Export B.Visible und Canyoudigit-Resident Antonia!

150++ by on play.fm

 

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Sweet Heat

Im Club mit: Sweet Heat (Interview + Mix)

Zeichnet sich die Clubszene in Wien wie auch andernorts größtenteils durch Zuordenbarkeit, klar abgegrenzter Genre- und Subkultur-Zugehörigkeit und einem Maß an Vorab-Promotion aus, durch das man schon vor Einlass ganz gut weiß worauf man sich einlässt, gibt es hie und da doch Überraschungen, schwer bis Undefinierbares und Veranstaltungen, bei denen gar zu engstirnige Musikfanatiker meinen könnten, man wüsste gar nicht, wofür die genau stehen – während jene, die schlicht eine schöne, aufregende Zeit verbringen möchten, davon schwärmen, dass dort alles passieren könne und mit höchster Wahrscheinlichkeit auch wird. Ein solches Phänomen hat sich in der lokalen Szene über die letzten Jahre in Form von Sweet Heat gebildet – anfangs und die längste Zeit über in der Bar der Kunst- und Kulturstätte brut und damit auch eher einer Off-Location als einem dezidierten Musik- und Szeneclub, zuletzt in wechselnden Locations quer über die Stadt verteilt. Über das Leben, Wirken und vor allem Veranstalten in Wien haben uns die beiden Schöpfer dieses wundersamen Projekts Rede und Antwort gestanden.

Sweet Heat – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?
Hinter Sweet Heat stecken zwei Jungs: Agent Well und A++. Wir machen alles gemeinsam, vom Auflegen über das Booking bis hin zur Selektion der Visuals. Nur die Flyerherstellung haben wir ausgelagert an die großartige Lena Gold.

Seit wann ist Sweet Heat im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Sweet Heat ist seit bald 5 Jahren im Wiener Nachtleben aktiv, dazu gekommen ist es über Haiko, der damals Chef der Brut Wien war. Die Partyschiene steckte dort damals noch in den Kinderschuhen und er war gewillt, etwas Neues auszuprobieren. So kam es zu regelmäßigen und immer ausschweifenderen Parties.

Sweet Heat - die Hall of Fame...
Sweet Heat – die Hall of Fame…

Und wie sieht es bei Sweet Heat aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

In der Brut wird es bis auf weiteres keine Sweet Heat Parties mehr geben, das ist natürlich ein herber Verlust für uns; wir haben uns dort immer sehr wohl gefühlt. Sweet Heat wird für die nächsten Monate ein wenig herumtingeln: Im Oktober waren wir im Heuer zu Gast, im November bespielen wir das Leopold und das Celeste. Wir spielen grundsätzlich lieber in kleineren Locations, da ist es intimer und die Party oft umso intensiver.

Musikalisch bewegen wir uns zwischen House, Bass und HipHop, vielleicht geben wir noch einer Prise Disco dazu. Es war uns immer wichtig, zu spielen, was wir gut finden, ohne allzusehr auf Genres zu achten. Bester Wegweiser war immer unser Geschmack und eine gewisse Durchmischung.

Grundsätzlich sollte Sweet Heat haupsächlich eines sein: N i c e. Ein netter Abend in sympathischer Umgebung. Wer bloß zuhören will, bekommt spannendes Zeug geliefert, wer wegen des Tanzens da ist, kommt auch auf seine Rechnung. Rummachen geht sowieso immer.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Bei einem Eintrittspreis von 4-5€ sind unsere Parties nicht wirklich auf finanziellen Erfolg ausgelegt. Es geht hauptsächlich darum, Kosten zu decken, genug übrig zu haben, um vernünftige Bookings zu machen und diese auch fair zu entlohnen. Schließlich soll das ganze ja Spaß machen. Die Motivation kommt aus der Liebe zur Musik, der Möglichkeit, talentierten Artists eine Bühne zu bieten und, am allermeisten, aus der Freude, die ein gut unterhaltenes Publikum bei einer spannenden, unaffektierten Party ausstrahlt.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Es kann nie zu viele gute Veranstaltungen geben. Wien hat eine prächtig gedeihende Clubszene, die aus dem Zusammenspiel kreativer Djs, guter Veranstalterinnen und einem interessierten Publikum erwächst. Ein internationaler Vergleich ist nie ganz einfach: Schön in Wien ist natürlich die Unaufgeregtheit, es gibt kaum lange Schlangen, Dresscodes oder pöbelnde Türsteher. Selbst international anerkannte Stars wie z.B.: Mieux, Salute oder die Affine Crew können in diesem Umfeld gut gedeihen.

Schlecht ist natürlich die Tendenz, Clubs mithilfe von Lärmbeschwerden und unnötig komplexen Auflagen aus dem Stadtgebiet an die Peripherie zu drängen oder ganz zum Aufgeben zu bewegen.

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Salute bei Sweet Heat in der brut

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Wir erinnern uns gerne an Parties, die entstehen, wenn spannende Bookings und ein sympathisches Publikum aufeinandertreffen. Da gab es international bekannte Größen wie Salute, Dip Some, Lockah oder B.Visible, lokale Djs wie H∆NN∆, Mike Burns oder Testa und auch untypische Bookings, wie zB Vitus, der aus Nigeria stammende Lenker des Funky Taxi. Spaß hat es auch immer gemacht, mit anderen Clubs und Veranstaltern zu kooperieren, wie z.B. dem großartigen Salon 2000, dem ImPulsTanz oder mit den Game Designern vom ZAMSpielen, die bei uns ihre neuesten Kreationen gezeigt haben.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?
Die schwierigen Momente sind, so geht es wohl allen Veranstaltern, wenn man ein tolles Booking auf die Beine gestellt hat und das Publikum ausbleibt. Meistens kann man die Faktoren gar nicht genau festmachen: Die Theorien reichen dann von alternativen Parties, Wetter, Ferien, Prüfungen, Vollmond bis hin zu kosmischer Strahlung.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Wir haben lange überlegt und eigentlich gab es diese Bookings einfach nicht. Wir dürften wohl ein glückliches Händchen haben…

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Die Parties würden ähnlich aussehen, wir würden wohl ein wenig mehr Geld für Konfettikanonen und Welcome Drinks ausgeben und weniger Eintritt verlangen. Einladen würden wir dann wohl gerne Fatima Al Quadiri, Jamie xx, J’ai Paul, Sophie, Blood Orange. Die legen dann back to back auf.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Wir werden so weitermachen wie bisher, spannend wird für uns, wo wir unsere neue Heimat finden werden, aber bis dahin: Sympathische Parties, spannende Bookings.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Schön ist die. Und umfassend. Für Veranstalter wäre es wohl spannend, wenn die Seite ein möglichst komplettes Bild von den Parties vermitteln könnte: Location, Datum, Mix, Event link etc. Aber das ist vielleicht ein wenig viel verlangt…

Klingt spaßig? Ist es auch! Das breite musikalische Spektrum, mit dem die Resident und ihre wechselnden Gäste bei Sweet Heat epische Abende vertonen, lässt sich naturgemäß schwer in einer einzigen Hörprobe abbilden – der Versuch von Agent Well und A++, es dennoch zu tun, ist deshalb auch nicht weniger als zwei Stunden lang geworden. Mehr davon schon demnächst irgendwo in dieser Stadt, womöglich gleich bei dir ums Eck..!

 

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Beat Science

Im Club mit: Beat Science (Interview + Mix)

Einen nicht unwichtigen Pfeiler der aktuellen Musik- und Clubkultur in Wien macht das Feld jener Genres und Mikro-Genres aus, deren internationales Aushängeschild man wohl getrost beim Namen Dorian Concept nennen darf. Beats und Bässe ohne wirklich definierbare Grenzen, deren gängigsten Muster sich am ehesten im gekonnten Hin und Her zwischen Half- und Fulltime Beats und epischen, durchaus Bigroom- und Festival-tauglichen Synthesizer-Hooks finden lassen und denen der Musikjournalismus gerne, egal ob dahinter “Bass”, “Beats” oder “Garage” steht, das Präfix “Future” umbindet. Dieser musikalische Mikrokosmos findet unter anderem in der Veranstaltungsserie Beat Science regelmäßig seine wohlverdiente Bühne, und das bislang mit Gastspielen aus den Rostern von Soulection, Project Mooncircle, HW&W oder All City. Mastermind Jeru war so nett, uns mehr über sein Schaffen und darüber, wie der Nährboden dafür in Wien aussieht, erzählt.

Beat Science – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Beat Science wurde Anfang 2012 von mir gegründet und bis vor kurzem Großteils alleine organisiert. Großteils, weil es ohne den abwechselnden Support von guten Freunden nicht funktioniert hätte. Allen voran Dizzy und Lukas und zuletzt auch Peter (B.Visible). Unser Grafiker El Puno ist seit Anfang an dabei, ebenfalls die Visual Artists von Dazedstyles.

Seit wann ist Beat Science im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Die erste offizielle Beat Science Veranstaltung gab es am 24. März 2012. Davor gab es ein paar wenige Events im Cafe Leopold, unter anderem Namen, die eher zufällig als wirklich geplant entstanden sind. Auslöser war im Grunde genommen der Unmut über die Wiener Musikszene. Ich wollte eine Eventreihe aufziehen, die neue Sounds nach Wien bringt und dabei fair mit den Künstlern umgeht. Nachdem ich selbst seit 1997 auflege und Musik mache und neben vielen tollen Momenten auch einiges an Negativem erlebt habe, wollte ich es besser machen.

Salute @ 3 Years Beat Science/Cafe Leopold (Foto: Raphael Skrepek)
Salute @ 3 Years Beat Science/Cafe Leopold (Foto: Raphael Skrepek)

Und wie sieht es bei Beat Science aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?
Wir versuchen grundsätzlich alle zwei Monate ein Event zu organisieren. Das Intervall kann sich aber immer wieder etwas verlängern oder verkürzen, je nachdem welche Booking Möglichkeiten sich auftun. Ursprung hat das Ganze eigentlich im Hiphop der 90 Jahre. Eine genaue Genreeingrenzung ist aber schwierig und würde vermutlich nicht das gesamte Soundspektrum umfassen. Man könnte es Future Beats oder Bass driven music bezeichnen. Mittlerweile gibt es so viele Namen für verschiedenste Subgenres, dass man vermutlich eine wissenschaftliche Arbeit darüber schreiben könnte. Eher ungern würden wir es als Trap oder EDM bezeichnen, das entfernt sich mittlerweile immer mehr von dem was wir eigentlich präsentieren wollen und verwandelt sich aktuell zum neuen Pop. Sogar Madonna hat jetzt Trap Instrumentals. Zielgruppe haben wir keine, wobei sich jeder der einen Hiphop-artigen Vibe mag und experimentellerem Sound nicht abgeneigt ist, eher angesprochen fühlen wird. Zentrales Element der Eventreihe ist sicherlich das early adopting.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?
Das Ganze ist im Prinzip ein Nullsummenspiel. Geld verdienen kann man in Wien vermutlich auf Dauer nur mit House-, Techno- oder Popveranstaltungen. Es passiert wirklich nur aus Liebe zur Musik. Das Ziel des Events ist es neue musikalische Strömungen zu entdecken und nach Wien zu holen. Mit dieser Vorgabe Geld verdienen zu wollen, wäre vermutlich bereits ein Widerspruch in sich. Wir sind teilweise, zumindest aus finanzieller Sicht, zu früh dran. Als wir damals Snakehips erstmals nach Wien geholt haben, ging der Abend gerade mal gut, einige Zeit später wieder in Wien, füllten sie die Pratersauna bis oben hin. Ich wurde vor kurzem gefragt ob wir nicht mal Mr. Carmack holen könnten: Leute das haben wir bereits getan, leider kannten ihn da noch sehr wenige. Wir sind quasi das Gegenteil vom verspäteten Hasen aus Alice im Wunderland.

Anfänglich war die Motivation hauptsächlich auf die eigene Musiksucht zurückzuführen, aber irgendwann hat sich das etwas verändert. Es ist einfach schön zu sehen wie sich junge Leute über die, doch nicht alltäglichen, Bookings freuen. Vielleicht werde ich aber auch nur alt und etwas sentimental. Bei all dem nationalen Schwachsinn, der uns in letzter Zeit von Rechts gepredigt wird, macht es auch Spaß Menschen aus aller Welt in Wien spielen zu sehen. Richtig erinnerungswürdig war zB. die Project Mooncircle Labelnight, mit Künstlern aus Russland, USA und Deutschland. Die Drei waren ein Herz und eine Seele. Das hat mich beeindruckt.

Wir denken natürlich in Lösungen. Die zunehmende internationale Bekanntheit des Genres führt jedoch dazu, dass gegenwärtig die Gagen nach oben schnellen. Künstler die wir vor 1-2 Jahren noch um € 500,- holen konnten, verlangen aktuell € 2.000,- und mehr. Das ist in Wien so nicht finanzierbar. Ich fürchte es wird eine Zeit auf uns zukommen, in der bekanntere Artists des Öfteren einen Bogen um Wien machen werden. Städte wie London geben hier gagentechnisch etwas vor, das man in Wien oft nicht umsetzen kann. Von ähnlichen Problemen werden House oder Techno Veranstalter vermutlich bereits ein Lied singen können. Lösbar wird das vermutlich nur durch höheren Eintritt werden. Momentan reagieren die Leute darauf aber gewohnheitsbedingt noch ziemlich verhalten und bleiben eher fern, wenn es mal mehr kostet.

Ganz @ 3 Years Beat Science/Cafe Leopold (Foto: Raphael Skrepek)
Ganz @ 3 Years Beat Science/Cafe Leopold (Foto: Raphael Skrepek)

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?
Gerade die letzten Jahre gab es eine Übersättigung bei den Clubs und den Veranstaltern in Wien. Ich fürchte 2016 wird es diesbezüglich eher eine negative Entwicklung geben. Den Clubs geht es definitiv nicht gut und es wird höchstwahrscheinlich zu Veränderungen kommen. Der ein oder andere wird schließen oder sich in eine kommerziell lukrativere Richtung entwickeln müssen, um überleben zu können. Das ist natürlich nie gut für die Abwechslung und hemmt innovative Impulse. Womit wir auch zur anderen Frage kommen, dem internationalen Vergleich: Leider sieht es auch hier schlecht aus. Zumindest dann wenn es um neue Musikeinflüsse geht. Wien ist kein Berlin, London oder Paris, es leben einfach viel weniger Menschen hier. Darüber hinaus sind die Wiener weniger experimentierfreudig und bevorzugen eher gewohnte Kost. Veranstalterkollegen aus Belgien und Holland füllen mit denselben Acts, die bei uns gerade irgendwie organisiert werden können, Hallen mit 1000 Besuchern und mehr. Man kann es also nicht nur der Größe der Städte zuschreiben. Etwas mehr Offenheit und Neugierde bei den Wienern wäre wünschenswert. Oft hat man das Gefühl man geht in Wien eher weg, weil man gesehen werden möchte und weniger wegen dem musikalisch Gebotenen. Das ist schade und führt leider immer wieder dazu, dass innovative und leider auch nicht besonders günstige internationale Bookings untergehen und daneben Events von Veranstaltern, die gerade hip sind, bis zum Bersten gefüllt sind. Dort spielen dann Leute die seit einem Jahr oder weniger auflegen, keinen Übergang hinbekommen und der Eintritt ist niedrig, weil ja auch keine hohen Kosten anfallen. Offensichtlich für manche ausreichend für den wöchentlichen Vollrausch. Interessanterweise verschwinden diese Projekte nahezu ausschließlich nach ein bis zwei Jahren wieder von der Bildfläche. Der Schaden bei den ernsthafteren Vertretern unter den Veranstaltern ist trotzdem bereits angerichtet. Quality first wäre ein gutes Motto für 2016. Es gibt natürlich auch heute bereits positive Ausnahmen. Immer wieder überraschen österreichische Newcomer, vor allem im Produktionsbereich. Einige davon können mittlerweile locker bei den Top Playern weltweit mithalten. Die Affine Jungs, Salute, Milo Mills oder Bvisible um nur ein paar davon zu nennen. Nur am Marketing sollte man noch etwas arbeiten. Da geht momentan aus meiner Sicht noch zu viel Potential verloren.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?
Jede Veranstaltung hatte etwas Besonderes. Mal ist es ein unerwartet gutes Dj-set eines Newcomers, dann wieder eine interessante Bekanntschaft oder sogar eine sich entwickelnde langjährige Freundschaft. Vor allem die Menschen die wegen der Musik kommen und uns supporten, geben uns die Energie weiterzumachen. Ich bin manchmal peinlich berührt und fühle mich etwas fehl am Platz, wenn mich jemand anspricht und mir dankt, wegen eines Bookings oder für das Event generell. Aber im Endeffekt geben einem genau diese schrägen Gespräche viel positive Energie mit auf den Weg, um weiter zu machen. Und weil wir gerade bei Energie sind. Ich habe mal gelesen dass ein Facebook like Glückshormone ausschüttet. Ich kenne da eine Seite die dringend eure Liebe nötig hätte. Irgendwas mit Beat Science oder so…

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?
Die bei denen zu wenig Leute zu einer Veranstaltung gekommen sind. Die Stimmung war aber durchgehend gut, das tröstet dann etwas über den Verlust hinweg. Und technische Probleme können einem ebenfalls immer weder ziemlich zusetzen. Die Equipment Vielfalt macht es heutzutage nicht leichter. Früher hatte man ein Mischpult und Plattenspieler, heute gibt’s unzählige Möglichkeiten aufzulegen. Von verschiedensten Controllern und diversester Software, bis zum touchpad, findet man mittlerweile alles auf der Bühne. Und wenn dann mal irgendetwas nicht funktioniert wird’s ziemlich ungemütlich.

MR • CAR/\\ACK @ Beat Science #12/Cafe Leopold (Foto: Raphael Skrepek)
MR • CAR/\\ACK @ Beat Science #12/Cafe Leopold (Foto: Raphael Skrepek)

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?
Auch wenn nicht immer alles glatt lief, gab es keine Bookings die wir nicht mehr machen würden. Vielleicht hatten wir aber auch immer nur Glück auf Menschen zu treffen die wir sympathisch fanden und umgekehrt. Wobei wir auch nie abgehobene Superstars gebucht haben, denen man vermutlich ab und zu eher negative Anwandlungen zuschreiben könnte.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?
Ein Festival mit gut abgestimmtem Function One System und allen Künstlern die wir bisher gebucht haben. Dazu dann Flume, Ta-ku, SBTRKT mit Sampha, Little Dragon, Kaytranada, Scratch Pickles, Rdj2, DJ Shadow, Goldlink, Bonobo, Atmosphere, die gesamte Soulection und Low End Theory Crew, Lootpack… Ich weiß eigentlich nicht wo ich anfangen oder aufhören sollte.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?
Wir werden uns an die Gegebenheiten anpassen und weiter unser Ding durchziehen. Erfahrungsgemäß haben Projekte die konstant Ihre Ziele verfolgen, die besten Chancen langfristig bestehen zu bleiben. Über die Jahre hinweg haben wir zu viele Crews und Künstler gesehen die kurzfristig und teilweise mit viel Ellenbogentaktik, einen Hype erzeugen konnten. Die Meisten davon gibt es heute nicht mehr und die Wenigsten können sich heute noch daran erinnern.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?
Österreichische Musikmagazine haben in den letzten Jahren einige Musiktrends verschlafen. Nachdem man endlich auf den Onlinezug aufgesprungen ist, hat man sich zu sehr auf Deep House und Techno konzentriert und die internationalen Entwicklungen nur beiläufig mitverfolgt. Langsam gibt es, teilweise etwas unbeholfene Ansätze in Form von Interviews, Features und diversen Beiträgen, um dieses Defizit aufzuholen. Das kann aber nur dann funktionieren, wenn sich Musikjournalisten mit diesem Genre intensiver auseinandersetzten und nicht nur auf die Schnelle, weil es gerade populärer wird, oder man sie darum gebeten hat, Beiträge darüber verfassen. Mr. Carmack, Esta, Ganz, Sam Gellaitry oder Snakehips waren in Wien! Kein einziger Musikjournalist hat sich wirklich dafür interessiert. Diese vertiefte Auseinandersetzung mit Neuem, würde nicht nur Wiener Veranstaltern und Künstlern helfen, sondern auch dem internationalen Clubgeschehen entsprechen und Wien wieder etwas mehr vom Image der verschlafenen Provinz zu dem einer musikalischen Weltstadt verhelfen. Aber Wien ist eben sehr gemütlich und alles braucht seine Zeit. Wenn Ihr dem entgegenwirkt, wird play.fm zu unserem Favoriten in der hierzulande agierenden Medienlandschaft. In diesem Sinne wünschen wir natürlich viel Erfolg!

Wie sich das alles so anhört? Eine 40-minütige Kostprobe davon gibt uns Jeru im folgenden Mix – wer mehr davon hören möchte ist mit einem Abonnement der Facebook-Seite von Beat Science gut beraten, wenn neue Events mit weiteren spannenden Gästen anstehen – und das tun sie so gut wie monatlich – erfahrt ihr es dort als erstes!

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!