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Paradiso

Im Club mit: Paradiso (Interview + Mix)

Nicht wenige Veranstaltungen in Wien reißen sich darum, die größte, lauteste, geilste oder tollste zu sein – wir erlauben uns, an dieser Stelle Paradiso zur schönsten zu küren. Hier trifft kunterbunte Musik aus aller Damen und Herren Länder auf Rauminszenierungen mit viel Liebe zum Detail, und je nach Anlass dürfen auch so schöne Nebensachen wie Minigolf und Toast Hawaii eine Rolle spielen. Wir haben die drei Hosts Kalifornia Kurt, Tobsen und Monsieur Broccoli zum Interview und an die Plattenspieler gebeten – und nett, wie sie sie sind, sind sie der Einladung nachgekommen.

Paradiso Crew
Die Paradiso-Hosts: Monsieur Broccoli, Tobsen und Kalifornia Kirt (v.o.n.u.)

Paradiso – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Paradiso sind Kalifornia Kurt, Tobsen und Monsieur Broccoli. Wir machen Partys auf denen wir uns wohl fühlen und die wir lustig finden. Wir sind zuständig.

Seit wann ist Paradiso im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Paradiso wurde im Januar 2012 von Kalifornia Kurt und Tobsen gegründet. Dazu kam es nachdem Kalifornia bei einer Vernissage auflegte, bei der Tobsen kellnerte. Der Abend endete damit, dass Tobsen auf der Bar tanzte und Kurts Musik sehr liebte, weil er sich selbst in ihr erkannte. Dann kamen sie drauf, dass sie beide relativ nah aneinander wohnten, worauf hin sie ziemlich viel Zeit miteinander im Kaffee Urania verbrachten und sich nicht mehr nur noch in ihrer Musik, sondern auch in ihrer selbst gegenseitig erkannten. Schon bald fand dann die erste Party im Kaffee Urania statt. 2014 holten sie Broccoli, damals noch Basstrojani, ins Team.

Alle drei waren vorher schon unabhängig von einander einige Jahre im Wiener, Grazer und Linzer Nachtleben aktiv.

Und wie sieht es bei Paradiso aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Das Konzept von Paradiso war Anfangs Parties an unüblichen Orten wie eben dem Kaffee Urania, einem leerstehenden Cevapcici Grill, einer Werkstätte, einem Minigolfplatz und ähnlichen Plätzen zu veranstalten. Zuletzt fanden einige unserer Partys im Celeste statt. Vor allem auch aus Bequemlichkeit, weil Tobsen dort arbeitet. Über den Sommer fanden aber wieder vier Parties am Minigolfplatz statt.

Grundsätzlich geht es bei Paradiso sehr stark um Atmosphäre, Wir stecken vor jeder Party viel Zeit und wenig Geld in Dekoration. In den ersten zwei Jahren von Paradiso gab’s noch bei jeder Party Toast Hawaii. Das haben wir aus olfaktorischen Gründen aufgehört, verkörpert aber sehr stark die Stimmung, die wir uns wünschen. Eine fehlgeleitete, romantische und ein wenig verstaubte Sehnsucht. Wir wollten auch nie zu große Veranstaltungen machen, Intimität ist ganz wichtig. Man soll sich bei uns wohl fühlen.

Early Paradiso
Paradiso: Wie alles begann…

Musikalisch schaut das sehr ähnlich aus. Ein gemeinsamer Nenner ist sicher obskurer Früh-80er-Boogie. Vor allem Kalifornia Kurt steht noch immer sehr stark für diesen Sound. bei Monsieur Broccoli kann es schon mal sein, dass er ein Calypso Set spielt. Tobsen hat kürzlich eine Vorliebe für cheesy elektronische Früh-80er Cocktail Sounds entdeckt. Grundsätzlich kann aber alles passieren. Wichtig ist, das es warm und nicht zu technologisch ist, wobei das eine ein wenig schwammige Grenze ist.

Unsere Gast-DJs haben wir Anfangs immer dazu angehalten, sich ein musikalisches Thema auszusuchen. Es ging dabei immer darum die Möglichkeit zu bieten Platten zu spielen, die man eventuell auf anderen Parties nicht spielen würde. Zuletzt haben zum Beispiel im Sommer Brenk Sinatra und Fid Mella bei Putt Putt Paradiso am Minigolfplatz ein fast vierstündiges Austro Pop Set gespielt, und Sam Irl hat bei unserer letzten Party ein Reggae und Dub Set gespielt.

Wir wollen das beste Publikum ansprechen.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Paradiso Toaster
Ein früher Paradiso-Resident: Der Toaster

Wir wollen von Paradiso gar nicht leben, dafür planen wir unsere Parties zu klein, und stecken zu viel Aufwand rein. Wir verdienen wirklich nur in Ausnahmefällen mit unseren Veranstaltungen, und bei vielen, wie zum Beispiel der Minigolfgeschichte, ist von Anfang an klar, dass wir ein Minus machen. Der Großteil der Einnahmen geht an die Gast-DJs, der Rest kommt in einen Socken, und haben wir mal zu wenig, wird der Socken halt entleert.

Da wir selbst aber bei unseren Parties unglaublich viel Spass haben, und unsere Gast-DJs meist sehr glücklich nach Hause gehen, brauchen wir diese Motivation auch nicht.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Tobsen: Ich sehe die momentane Entwicklung im Veranstalter Bereich durchwegs positiv. Es gibt vielfältigere Veranstaltungen denn je, und es gibt einen Haufen Menschen, die ohne Rücksichtnahme auf Gewinn und Trends daran arbeiten aus Wien eine musikalisch offenere Stadt zu machen.

Tatsächlich gibt es in der Nische, der wir uns zugehörig fühlen vielleicht fünf Locations, die wir frequentieren. Wien ist einerseits sicher groß genug das zu bewerkstelligen, anderseits so klein, dass sich eh jeder kennt und man sich bei schwierigen Bookings absprechen kann. Natürlich passieren da manchmal blöde Überschneidungen, aber im Großen und Ganzen sehe ich eine sehr positive Entwicklung…

Anders sieht das von Seite der Behörden aus. Sollte Wien ein Interesse daran haben junge Kultur zu fördern, wäre es wichtig dafür Grundlagen zu schaffen und Veranstaltern und Club-Betreibern nicht ständig das Leben unnötig schwer zu machen. Hier sehe ich momentan die größte Gefahr.

Anmerkung Kurt: Broccoli und Kurt sind beide Väter und haben keine Ahnung von der Wiener Club-Szene.

Open Air mit Paradiso
Paradiso gibt es an vielen schönen Orten – auch Open Air

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Die erste Party war sicher ein besonderer Moment, weil wir eigentlich nicht damit gerechnet hätten, dass überhaupt mehr als unsere paar Maxerln kommen, und plötzlich wars bumvoll.

Grundsätzlich laufen wir aber zumindest bei jeder zweiten Party mit einem unglaublichen Grinsen herum und busseln uns gegenseitig ab. Wir schmalzen.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Die, bei denen wir nach einer Party am längsten aufräumen mussten. Und Toaster putzen.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Eigentlich laufen alle unsere Bookings auf sehr freundschaftlicher Ebene ab, somit gab’s da nie Probleme. Zwar haben wir auch immer wieder internationale Bookings wie Jan Schulte, Beppe Loda und Tahira, aber das war eigentlich auch immer sehr amikal.

Paradiso in Graz
Paradiso zu Gast in Graz – übrigens nicht das erste und auch nicht das letzte Mal!

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Wir würden uns das Jury-Häuschen auf der Trabrennbahn Krieau mieten, wie einen Christbaum dekorieren und auf drei immer kleiner werdenden Floors parallel auflegen, das wär unser Traum.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Wir planen selten länger als zwei Wochen im voraus.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Wir sind schon seit langer Zeit Abonnenten des Play.boy und .girl und freuen uns immer über die interessanten Texte.

Nach einem aufregenden Jahr mit vielen schönen Veranstaltungen wie “Paradiso aus Hawaii”, “Zebras in Rom”, “Schulte an Schulte” und ganzen vier Editionen des sommerlichen Putt-Putt-Paradiso geht Paradiso am 19. Dezember in die Endrunde für dieses Jahr – an dem Ort wo alles begann, dem Kaffee Urania und mit Ali Europa als Gast-DJ. 2016 geht das Vergnügen am 23. Jänner dann im celeste weiter und ebendort mit Joscha Kreutzfeld aus Köln. Als verfrühtes Weihnachtsgeschenk hat die Crew zudem drei exklusive Mixes aus dem Sack gelassen, der Intensität wegen in exakt dieser Reihenfolge empfohlen!

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!

Shalamanda

Im Club mit: Shalamanda Hifi (Interview + Mix)

Die vielfältigste Clubszene wäre unvollständig ohne ein authentisches Reggae Soundsystem – in Wien übernehmen Shalamanda Hifi dankenswerterweise diesen Part. Mit meterhohen Boxentürmen, von deren Subwoofer viele Besucher der früheren Dubquake-Veranstaltungsreihe heute noch feuchte Träume haben, tourt das Kollektiv nicht nur durch die Bundeshauptstadt, sondern veranstaltet auch ein Reggae-Festival – vielleicht nicht das erste, das es in Österreich gab, aber definitiv das beste. Dimitrij und Niko, zwei der Gründungsmitglieder, haben uns im Interview mehr darüber erzählt.

Shalamanda HiFi – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Hinter Shalamanda HiFi steht ein ganzes Kollektiv an tatkräftigen und engagierten Menschen. Wenn man Videos oder Bilder sieht, sieht man meistens nur uns beide, Dimitrij und Niko – aber 2 Menschen sind weit zu wenig um ein Soundsystem am Laufen zu halten. Wir beide haben da auf jeden Fall keine strikte Aufteilung – wir beide MCn und wir beide Selecten und Operaten den Sound, wie man im Jargon so sagt.

Seit wann ist Shalamanda HiFi im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Als Shalamanda selber seit 2006 in Wien tätig – damals haben wir noch unter einer etwas anderes Konstellation zusammen gearbeitet. Unsere ersten Veranstaltungen fanden im Kaleidoskop unter dem Namen Treasure Hunt statt. Das Soundsystem begonnen wir dann im Jahr 2008 zu bauen. Zuerst hatten wir “nur” zwei Scoops und heute sind es schon acht – und wir planen einen weiteren Ausbau. Wenn man so zurückblickt hat sich seitdem wirklich einiges getan.

Und wie sieht es bei Shalamanda HiFi aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Donau und Dub, erstmals vereint beim Donau Dubbing von und mit Shalamanda Hifi
Donau und Dub – erstmals vereint beim Donau Dubbing von und mit Shalamanda Hifi

In diesem Jahr bot sich zum ersten mal eine großartige Möglichkeit an, in Form des Donau Dubbings, welches wir dieses Jahr zum ersten Mal veranstaltet haben – und dann gleich noch ein zweites Mal! Soundsystem unter freiem Himmel und das kostenlos, auch das kam bei unserer Massive sehr gut an. Beim zweiten Donau Dubbing waren schon über 700 Besucher anwesend.

Jetzt arbeiten wir gerade etwas Neues in der Simm City aus. Eine Location die erst in diesem März eröffnet hat, etwas abseits aber doch gut genug gelegen ist um nur 2 Minuten von der U-Bahn entfernt zu sein. Wir sind sehr gespannt, was sich daraus ergeben wird. Fix ist, dass die nächste bzw. erste Session dort am 19.12.2015 stattfindet.

Unser Zielpublikum sind auf jeden Fall Menschen die sehr gerne Bass fühlen ODER Reggae bzw. Dub hören. Am besten ist es natürlich, wenn man beides mag, dann hat man sozusagen eine Ganzkörpererfahrung. Ein Soundsystem kombiniert mit positiver Musik und Message kann zu einem Werkzeug werden, welches wir auch so nutzen. Und da im es im Reggae bzw. im Rastafari vor allem sehr viel Positives gibt, ist das natürlich schon auch jeher in das Soundsystem eingeflossen – so wie auch bei uns.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Shalamanda HiFi in Action in der Linzer Stadtwerkstatt
Shalamanda HiFi in Action in der Linzer Stadtwerkstatt

Es ist zurzeit leider nicht einfach in Wien Partys in unserem Genre zu organisieren, vor allem mit Soundsystem. Die Magistrate machen das mit ihren Auflagen und Plombierungen für die Clubs schier unmöglich. Auch dass die meisten Clubs sehr nahe dem Siedlungsgebiet liegen und sehr schlechte Schallisolierungen haben ist da nicht besonders hilfreich. In vielen anderen Städten, auch in Österreich, sieht es hier locationmäßig oft weit besser aus. Vielleicht liegt dies auch an der Siedlungsdichte. Deshalb gab es die letzen zwei Jahre auch relativ selten einen regulären Dance von unserer Seite aus. Durch unser Rise & Shine Festival und auch sonstige Maßnahmen wie das Donau Dubbing oder einmalige Aktionen in Locations wie dem Spittelau10 versuchen wir jedoch, die Soundsystemkultur soweit als möglich am Leben zu erhalten. Wer behauptet davon leben zu können, der wird in dieser Szene wohl zu den wenigen gehören, die man an einer Hand abzählen kann.

Soundsysteme aus England wie Aba Shanti I, Shaka oder Channel One, solche können vielleicht davon leben, aber als Wiener Rootssound kann man froh sein, wenn die Reparaturen für die Speaker, Verstärker und den Transporter halbwegs wieder rein kommen.

Wir würden uns sehr wünschen, dass sich das mit der Simm City ab jetzt wieder ändert oder, dass sich dann zumindest eine geeignete Alternative bietet, in der wir dann auch endlich bleiben können.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Es gibt in Wien und im Umfeld sehr gute Selectors and Selectresses. Es gibt mittlerweile auch ein zweites Roots & Dub Soundsystem im Umfeld von Wien und es gibt auch einige Sounds. Also es gibt mittlerweile auf jeden Fall eine Szene bzw. eine heimische Soundsystemkultur. Das Schöne an der ganzen Sache ist, dass es immer wieder Menschen gibt, die das gleiche fühlen und empfinden, wenn es um eine Session geht und nach und nach in die Crew hineinwachsen. Und insofern freuen wir uns natürlich auch über jede Entwickling, die sich hier auftut und über alle anderen Veranstalter und Sessions.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Mit dem Dubquake im Wiener Fluc hatten wir definitiv eine Hochzeit im Wiener Raum. Wir hatten dort 16 unglaubliche Soundsystem Veranstaltungen, von denen die Menschen heute noch sprechen und sich gerne erinnern. Hier hatten wir die Möglichkeit, fast alle großen Soundsysteme und Produzenten nach Wien zu holen, die auch leistbar waren. Man kann schon sagen, das war der Startschuss von Dub & Soundsystem kombiniert in Wien. Dub gab es ja auch vorher schon – und auch Soundsysteme, aber diese Kombination ist so vorher noch nicht dagewesen.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Mit Rise & Shine veranstaltet Shalamanda Hifi seit fünf Jahren österreichs authentischstes Roots & Dub Festival (Foto credit: Sabine Zach)
Mit Rise & Shine veranstaltet Shalamanda Hifi seit fünf Jahren österreichs authentischstes Roots & Dub Festival (Foto credit: Sabine Zach)

Leider hat sich das Verhältnis bzw. die Möglichkeiten in der Location nach und nachgeändert, sodass es eher unangenehm wurde dort zu Veranstalten. Nach einem zwei Jahre langem Ausweichen aus der Wiener Innenstadt in den 23. Bezirk hatten wir auch hier hochkarätige internationale Künstler & Soundsysteme zu Gast.

Was wir natürlich auch noch erwähnen wollen ist, dass unsere Veranstaltungen sich nicht nur auf den Wiener Raum beschränken. Wir haben es tatsächlich geschafft ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen, welches mittlerweile zum 6. Mal statt findet – das Rise & Shine Festival in Falkenstein. Auf diese Veranstaltung konzentrieren wir uns über das Jahr gesehen auch am allermeisten, und natürlich auch darauf, dass wir selber auch national und international viel spielen und unterwegs sind.

Das möchten wir auch besonders hervorheben bzw. darauf sind wir besonders stolz, dass wir einfach nicht “nur” Veranstalter sind, sondern auch Musiker, die das eigentlich hauptsächlich deshalb Veranstalten, weil es niemand anderer macht – natürlich auch mit dem Einfluss eigener Visionen und Vorstellungen. Und das nehmen unsere Besucher sehr gerne an. Insofern sind wir auch schon in der glücklichen Lage zu sagen, dass wir die Party bzw. das Festival unserer Träume schon haben. Das macht uns sehr stolz.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde

Wir würden freilich dennoch gerne solche Acts wie Burning Spear nach WIen holen, oder die Abyssinians, oder Israel Vibration. All das sind großartige Roots Reggae Bands, welche auf den größten Bühnen der Welt die Besucher mit ihrer musikalischen Darbietung erfreut haben, und mittlerweile auch schon in einem respektvollem Alter sind. Wir würden gerne noch einige von diesen Legends nach Wien holen – aber dafür fehlt uns teilweise leider wirklich das nötige Kleingeld.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Was man 2016 von uns erwarten kann steht, wie es so schön heißt, noch in den Sternen. Jetzt schauen wir mal was mit der Simm City weiter passiert und ob es auch wieder ein Donau Dubbing geben wird. Was auf jeden Fall auch für 2016 wieder fix sein wird ist das Rise & Shine Festival in Falkenstein.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Die neue play.fm Seite sieht auf jeden Fall sehr modern aus. Es sind halt kaum Rootsreggae oder Dubmixes online – das müssen wir schleunigst ändern!

Let Jah Music Play - Flyer
Next date: 19. Dezember @ SimmCity

Eine Hörprobe davon, was es über das hauseigene Soundsystem von Shalamanda Hifi so zu hören gibt, könnt ihr euch im folgenden Mix holen, den die Jungs netterweise exklusiv für uns aufgenommen haben. Mehr davon, wie bereits im Interview erwähnt, am 19. Dezember bei der ersten Shalamanda Session in der SimmCity – mit Live-Auftritten von Souldja sowie Martin Zobel & Soulrise und natürlich basskräftiger Unterstützung von Shalamanda selbst!

Basstrace

Im Club mit: Basstrace (Interview + Mix)

Ein Umstand, der bei vielen unserer bisherigen Interviews mit Wiener Veranstaltungs-Crews bemängelt wurde, ist der besch..eidene Zustand der hiesigen Soundsysteme. Die Truppe von Basstrace nimmt die Dinge selbst in die Hand und zieht mit eigenem Soundsystem durch die Clubs – und dieses hat es in sich. Musikalisch drehen sich die Abende dabei naturgemäß um alles, was in niedrigeren Frequenzbereichen ordentlich wummert. Isonoe, einer der Mitgründer des Soundsystems, war so nett uns mehr davon zu erzählen.

Basstrace – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Wir sind eine Wiener Neigungsgruppe für elektronische Bassmusik, kollektive Herzschlagrate 130 – 160 bpm. Die meiste Zeit allerdings 140, weil Dubstep im Fokus steht. Dabei pflegen wir Verbindungen zum dubstep.at Netzwerk und darüber hinaus.

One big fam – und eigentlich verstehen wir uns als regelrechten Clan. Und so ein Clan der hat Rollen. Da gibt es von Clan-Daddies bis zum Einzelgängerkind fast alles dabei. Wie bei den Waltons. Wieviel waren das nochmal? Keine Ahnung, wir sind jedenfalls mehr! Über zwanzig Leute aus verschiedenen Ecken des Landes und darüber hinaus, aus mehreren Altersklassen (von 20 bis 35) machen Basstrace aus. Der Sound allein hat einen Haufen verschiedener solider Talente zusammengebracht. DJs, VJs, Soundmen, Soundboys & Soundgirls, Merch- & Goodie Produzent_innen, Bühnenbauer_innen, Fahrer, Clan Cater_innen, Securities und und und. Wir wachsen und gedeihen fortlaufend und freuen uns über jede_n der/die aktiv mitmachen will und kann.

An dieser Stelle many many shouts out to Moon, The Zion Archives, Nobody, Damask, Rubbah, SORA, Apoxid, Ronin, Leomann, Sprengmeister, Tetrapak, Syrup Visuals, Marina, Ronja, Nadine, Vali, Carina, Andi, Dani, Moritz, Michel, Billy!

Seit wann ist Basstrace im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Ein Teil der Basstrace Family
Ein Teil der Basstrace Family (Foto credit: Persé Photography)

Basstrace ist neu im Sinne von 2015 gegründet. Eigentlich ist das eine lange Geschichte, aber das war demnach der Kern der Frage. Also – es war einmal…

Log System Sound, ein Zwei-Mann-Soundsystem-Kollektiv. Isonoe und sein damaliger Partner haben über mehrere Jahre hinweg in liebevoller Kleinstarbeit ein besonders bass-starkes HiFidelity Soundsystem gebaut (eine Geschichte für sich, die hier nicht näher ausgeführt werden soll – besser man kommt und spürt selbst rein).

Das System wurde dann in Wien erstmals 2013 in der Fluc_Wanne aufgestellt, Veranstaltungstitel: “Speakers Corner”. Das war übrigens auch das Jahr in dem RAW in die Langzeitpause gegangen war und nachdem Bounce sich selbst für tot erklärt hatte. Funkstille in Wien am untersten Ende der Frequenz-Fahnenstange als wir kamen. Sehr hart für uns. Und hat sich dann doch nicht bewährt. Gründe gab es viele, aber vor allen Dingen der herannahende Ausstieg eines der beiden Soundmen.

Sollte Isonoe, also ich, die bis dahin hart erarbeiteten Träume auch wieder fallen lassen? Sicher nicht! Ich habe mir dann das ganze System auf den Buckel geschnallt, nicht wissend wo die Reise hinführt. Es wurden viel Kartoffeln gegessen. Systemanteile ablösen kann recht teuer sein. Und manchmal waren die Nächte schlaflos, weil 1,5 Tonnen Sound allein daheim zu haben manchmal ein schwerer Brocken ist. Wohin damit? Wie handeln? Und vor allem mit wem? Für wen? Phase 0 nannte ich das für mich. Immer viel Hoffnung dabei, dass sich was entwickeln wird. Und so kam es dann auch.

Über den Beitritt zu einem wundervollen Kollektiv (Spezial/Hoppala/Technosonntag), das non-kommerziell Open-Airs, Underground-Raves und sonstigen Techno-lala an unüblichen Wochentagen macht, wurden mir und damit Basstrace vor seiner Gründung schon wichtige Grundwerte vorgelebt: DIY, Community Spirit und die Freude an der Sache an sich. Diese bereichernden Erfahrungen und gute Gespräche mit diesen tollen Menschen sowie anderen langjährigen Weggefährten zeigten mir, dass es gut ist wie es gekommen war. Und dass die Zeit Ende 2014 reif war, wieder was für Bassmusik zu tun in einer Stadt, die vor House, Techno, Freetek geradezu am Überquellen war. Wo waren die eklektischen Musikliebhaber geblieben, die mehr als nur auf 4×4 zählen konnten? Bestimmt irgendwo da draußen, versteckt. Meine Mission: Basstrace. Let’s go find them. Let’s build a scene – together.

Ende Herbst 2014 waren wir zu zweit. The Zion Archives, Dubstep Producer, DJ, Illustrator und damit auch unser Grafiker, stieg sofort ein als ich ihm von dem Vorhaben erzählte. Wir traten mit dem Fluc in Kontakt und bekamen prompt für Jänner 2015 einen Termin. Die ersten Bassheads gaben sich in der Crowd schnell zu erkennen und neue Clanmitglieder kamen, die unsere Philosophie vom Fleck weg teilten.

Und wie sieht es bei Basstrace aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Das Basstrace Soundsystem
Das Basstrace Soundsystem (Foto credit: Kurt Prinz)

Kurz gesagt: “Basstrace is here to share, enjoy and recultivate what so many miss: the trueschool roots of dubstep. Providing an alternative to mainstream. Beyond mass spectrum.”

In einer Zeit, wo der Hype schon lange weitergezogen ist machen wir unser Ding in seinem Schatten. Koste was es wolle, wir haben da eigentlich keine Wahl. So ist das, wenn man etwas wahnsinnig liebt und es auch teilen will.

Live & direct, keine unnötigen selbstbekräftigenden Schnörkeleien, geradlinig und echt. Trueschool sound system culture eben. Und das in einem Spektrum, das gerade im Herkunftsland UK noch immer wahnsinnig boomt, doch hierzulande nach wie vor massiven Entwicklungsbedarf hat.

In Basstrace hörst du vor allem Eines: Dubstep, Dubstep, und noch mehr Dubstep. In all seinen Spielformen, EDM Brostep ausgenommen (eh klar). Wohldosierte Ergänzungen durch Artverwandtes (UK Bass, Grime, Garage/2-step, Halfstep DnB) kommen vor, werden aber sicher nie das Ruder übernehmen. Aus tiefer Überzeugung heraus und im Sinne einer kulturellen Artenvielfalt wollen wir gerade Dubstep den Raum geben den er verdient. Zumindest einmal im Monat. Von der intimen Fluc-Session im Café oben bis zum massiven Dubrave mit bass-schwerem Soundsystem an entsprechenden Off-Locations wie bisher dem Tüwi oder dem EKH.

Manch Eine_r weiß mitunter noch gar nicht, was er/sie verpasst. Im Ernst jetzt. Neben den Heads, die wissen was sie wollen und sich ein Bein bis zur nächsten Session wegfreuen, kommen auch immer wieder genrefremde Personen dazu. Die wissen zwar Anfangs nicht mal wie das Genre heißt, sind aber oft vom Fleck weg emotional berührt und löchern uns dann mit leuchtenden Augen 1000 Fragen in den Bauch.

Demografische Kategorien wie Alter (ab Volljährigkeit), Herkunft, soziale Schicht usw. sind natürlich völlig nebensächlich. Einzig wichtig ist uns, dass unsere Community friedlich vereint und frei von Ismen funktioniert. Das heißt, Respekt und Toleranz ist ein Muss. Gilt nicht für Blauwähler, die müssen uns mal vor der Türe draußen erklären, warum sie solchen Blödsinn machen *lacht*

Zu Basstrace gehört auch, dass wir wo auch immer wir können, ein sozialcharitatives Element einbauen. Schon im April hatten wir gemeinsam mit dem Label Red Moon Rising für den Humanitarian Bazaar, einem in Somalia tätigen Sozialprojekt, Spenden gesammelt sowie im Juli für das gerade überall rund um uns aufpoppende #refugeeswelcome Thema Geld- und Sachspenden entgegengenommen und zweckgebunden zugeführt. Wenn wir feiern, soll es in mehrfacher Sicht wirken. People have to feel it.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Die Basstrace Crowd
Die Basstrace Crowd (Foto credit: Persé Photography)

Brötchen verdienen wir am Tag woanders. Basstrace ist bislang nichts als Liebhaberei. Alles was reinkommt wird ins Kulturschaffen reinvestiert bzw. gespendet. Das gehört zum Underground-Dasein dazu.

Wovon wir aber sehr wohl „leben“ ist der Spirit. Glückliche Community, glückliche Location-Geber, glücklicher Clan. Einfach die Kraft, die bei unseren Nächten rüberkommt.

Von was wir wie alle anderen abhängig sind ist natürlich Geld. No money, no honey. Gutes Finanzmanagement ist wirklich essentiell, gerade als Underground Bewegung. Weil bei uns alles auf freiwilligen Spenden läuft, müssen wir hart wirtschaften. Da können uns keine Patzer leisten, sonst blutet einer (meistens ich) und steckt rein.

Wenn es um Dubraves mit Soundsystem geht, ist der größte Problemfaktor die Location. Da haben wir kaum uns bekannte Wahlmöglichkeiten. Was wir bisher probiert haben, war immer verbesserungswürdig, dh. wir haben entweder produktionstechnisch draufbezahlt oder die Leute sind nicht hingekommen, weil der Ort nicht extrabequem angebunden ist mit Nacht U-Bahn. Da könnte man schon auch sagen, es liegt auch ein bisschen an den Fortgehgewohnheiten der Wiener_innen. Wenn man nicht Freetek oder Goa Kultur innehat, will man nicht weit fahren.

Wir bräuchten jedenfalls echt eine solide und gut erreichbare Off-Location die wir nach unserem Geschmack mit unserem System bespielen können ohne dass uns wer zu viel dreinredet (Anrainer, Betreiber etc.).

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

The Zion Archives
The Zion Archives (Foto credit: Persé Photography)

Die Entwicklung des Publikumsgeschmacks folgt aus unserer Sicht gegenläufigen Trends. Während die einen vom Höher-Schneller-Weiter-Prinzip nicht genug kriegen können, mehrt sich die Zahl jener, denen es auch nach Anderem dürstet, was nicht immer aber auch gleichzusetzen ist mit Entschleunigung. Insofern eine Entwicklung in die richtige Richtung.

Dass zu viel los ist, unterschreiben wir sofort. Dass zu viel vom Gleichen passiert auch. Dass dadurch die Sichtbarkeit auf Neues unterbunden ist gehört da dazu. Immer noch zu viele rennen dort hin wo sie’s schon kennen. Teils blinder Konsum. Dass sie da zehnmal mehr Geld liegen lassen, als an einem spannenderen, aber nicht so etablierten Ort scheint noch zu oft egal zu sein.

Da sollten auch die Clubs couragierter dran und selbst mehr wagen in Sachen Preispolitik kultureller Diversität, auch wenn es schwierig ist. A) das liebe Geld, darin schwimmen die Clubs wohl auch nicht mehr (sagen sie zumindest – keine Ahnung). Und B) Besucherzahlen immer mehr von virtuellen Communities abhängt, die der Fremdveranstalter halt mal so mitliefern muss, um den Club über Break Even zu bringen.

Weiters würden wir uns mehr solide und gut erreichbare Off-Locations wünschen, die ohne großem Risiko bespielt werden könnte. Gerade wir Soundsystem-Leute brauchen mit unserem passende Räume. Vielleicht fände sich da was das man auch selbst verwalten könnte, sofern sich die Stadt Wien mal ernsthaft ins Zeug legt in Sachen Zwischennutzung.

Letzter Punkt dazu wenn wir gerade bei der Wechselbeziehung Politik und Gesellschaft sind: das Wiener Lärmschutzgesetz. Es ermöglicht jedem, der sich gestört fühlt, Veranstaltern und Location-Betreibern das Leben schwer zu machen. Ein Anruf bei den helfenden Freunden genügt und die „Verursachenden“ sind schnell abgedreht.

Egal wer zuerst da war und in welchem zeit- und ortsgebundenen Zusammenhang es steht. Hier appellieren wir an die Toleranz in der Bevölkerung und bei den Behörden. Ein koexistentes aufeinander Zugehen in einer wachsenden Stadt sollte da möglich sein, sind wir überzeugt.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

The Zion Archives
The Zion Archives (Foto credit: Persé Photography)

Wenn zum Beispiel unser Soundsystem den ersten Ton von sich gibt und sprichwörtlich zum organischen Wesen wird, das uns mit Bass und süßen Melodien im Innersten trifft, umfließt, dann hat das schon gewaltiges Motivationspotential!

Wenn alles weitere rundherum stimmig ist und sich gut anfühlt, haben wir einfach Lust auf mehr. Auch bei den Session ohne eigenem System macht uns die gute Musik, die wir mit allen Anwesenden teilen, echt glücklich. Toll finden wir auch, dass wir mit unseren Sessions wiederholt Leute außerhalb von Wien anziehen. Und das sogar wiederkehrend – aus der Steiermark, Oberösterreich, aber auch aus Ungarn oder Italien.

Dazu die Zuversicht, dass wir wiederholt sowohl durch unsere lokalen DJs und Producer sowie internationale Gästen extrem hohe Qualität liefern. Wir hatten bislang Egoless (der Taktgeber schlechthin im dubbigen Spektrum von Dubstep), LSN (Meister aller melodischen Sparten) oder Joe Nice (“The ambassador of dubstep in America”, ein weltbekanntes Urgestein über den sogar mittlerweile eine eigene Doku gedreht wurde – also auch eine Geschichte für sich). Und die haben sich echt wohl gefühlt in Wien!

Das Sahnehäubchen ist die Resonanz in der internationalen Dubstep-Community, d.h. wir sind sichtbar und pflegen Beziehungen zu Veranstaltern die anderswo auf dem Erdball genau dasselbe machen. Auch namhafte Artists wie Mala, Gantz, Kahn, Om Unit, uvm. kennen uns.

Schließlich wurden wir auch schon gleich dieses Jahr zur Sound System Culture Conference im Zuge vom Outlook Festival eingeladen, dem globalen Bass Music Mekka dieser Tage.

Ganz schön cool für uns Neulinge, oder? *grinst*

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Schwierig ist, wenn wir uns voll reinhauen, alles astrein läuft, wir gut kalkuliert haben aber wegen bereits erwähnten Faktoren doch nicht genug Besucher hinkriegen. Kam schon auch vor, Joe Nice im Juli zum Beispiel. Das schmerzt nicht nur finanziell sondern auch und von der vergebenen Liebesmüh her und was die nicht Anwesenden verpasst haben. Gerade Letzteres besonders. Aber motiviert umgekehrt nach einer Zeit des Wundenleckens umso mehr, noch weiter zu optimieren und noch besser “den Fuß in die Tür zu bekommen”.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Isonoe
Isonoe (Foto credit: Persé Photography)

Ja einmal, und das war keiner der oben Genannten. Der unliebsame Gast hat partout sein Serato nicht zum Laufen gebracht obwohl wir ihn angehalten haben, dass er sich besser mehr als 5 Minuten vor seinem Slot darum kümmern sollte bzw. wir ihm auch gerne helfen. Als er dran war war natürlich nix ready und dann mal 15 Minuten still. Er hat es vorgezogen – so wurde berichtet – seinen Status lieber dafür zu nützen alle möglichen Mädels anzugraben (inklusive der Freundin eines Kernmitglieds). Gar nicht professionell. Aufgelegt hat er übrigens auch grottenschlecht. Leider haben sich in Folge eine kleine Handvoll von Leuten im Publikum den Mund darüber zerrissen und es uns angekreidet.

Naja, sowas passiert garantiert nicht mehr. Wir legen seitdem noch mehr Wert auf eine gute Mischung aus persönlicher Beziehung und professionellem Anspruch mit den Artists.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Bomben Lineup (weniger Big Names, mehr Talente – die Liste ist zu lang zum Ausführen). Location ist da ein ordentliches Warehouse mit reichlich Infrastruktur (Hygienebereiche *grins*). Zwei Floors (groß, medium). Double Stack Soundsystem im einen, eine mittelgroße Void Anlage im Anderen. Stunning visuals everywhere. Tolle Bühnenaufbauten, wo es passt. Dazu ein Raum mit Pölstern, Wasserpfeifen am Boden zum Chillen und gutem Essen. Die Bars haben eine gute Auswahl an alternativen Erfrischungsgetränken und Alkoholika. Erschwingliche Preise.

Jede_r kann kommen. Freie Spenden gehen 50 % in unsere zukünftige Kulturarbeit, 50 % an ein gutes Sozialprojekt. Artists und alle Mitwirkenden bekommen eine adäquate Gage / Aufwandentschädigung. Purer Luxus sowas.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Basstrace Slipmat
Basstrace Slipmat (Foto credit: Persé Photography)

Weiterhin organisches Wachstum ohne Zwang. Nachhaltiges Kulturschaffen. Echte Erlebnisse die hängen bleiben – Killer Bookings und verstärkt auch wieder nationale Talentschauen. Arbeiten auch noch dran über unser eigenes Stamm-Format hinaus extern auftreten zu können, d.h. auf kleineren Festivals, in den anderen Bass-Mekkas des Landes bei unseren befreundeten Crews. Und sicherlich kommt auch eine weitere Location zum Fliegen (sachdienliche Hinweise sehr willkommen, liebe Leser_innen!)

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Respekt, eure Seite macht echt was her! Toll wäre, wenn ihr es schafft, noch mehr die lokalen Communities zu stärken, lokale Artists sichtbarer zu machen dadurch stärker auf eure Seite zu ziehen – weg von den Big Players wie Soundcloud, Facebook, o.ä. Wie ihr das hinbekommt außer über Initiativen wie diese, können wir euch leider nicht sagen. Wir wünschen uns das halt und euch dabei viel Erfolg!

Gleich eine ganze Reihe an Hörproben davon, was man bei Basstrace musikalisch so erwarten darf, hat uns die Crew hier zu Verfügung gestellt. Wer den Sound in full effect genießen möchte ohne es sich gleich mit den Nachbarn zu verscherzen hat in den nächsten Wochen gleich zweimal in der Fluc_wanne Gelegenheit dazu: Am Samstag, 28. November bei einer Free Party in Kooperation mit RAW und Vollkontakt sowie am Freitag, 11. Dezember beim nächsten “richtigen” Basstrace mit Dublix von der Deepnheavy Sounds Crew in Graz!

Mixes by Basstrace on play.fm

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!

Makossa (Swound Sound) - photo by Niko Havranek

Vienna Players #7: Makossa (Swound Sound)

Unter dem Titel “Vienna Players” stellen wir euch im Mai und Juni insgesamt 30 DJs vor, welche die Wiener Szene besonders prägen. Und geprägt hat sie unser heutiger Portrait-Gast wie kaum ein anderer: DJ Makossa hat bereits ganze Generationen an Musikenthusiasten herangezogen. Sei es in den Achtzigern als Plattendealer im Dum Dum Records, dem ersten DJ-Shop der Stadt, und Resident in U4 und Camera Club, seit 1992 als Host der wöchentlichen Swound Sound Radio Show – anfangs auf Ö3, später und bis heute auf FM4, wo Makossa auch Musikchef ist – oder als eine Hälfte des Produzentenduos Makossa & Megablast, mit Releases auf Gigolo Records und G-Stone.

Was hat dich ursprünglich in die Musik-/Clubszene verschlagen?
Die Liebe zur Musik.

Was macht gerade Wien zum idealen Mittelpunkt für deine musikalischen Aktivitäten?
Es ist meine Heimatstadt & mein Lebensmittelpunkt.

Makossa (Swound Sound)Ein Freund aus Übersee kommt zu Besuch nach Wien und hat den festen Vorsatz, eine unvergessliche Nacht zu erleben. Welches Abendprogramm stellst du für ihn zusammen?
Abhängig vom Wochentag & den jeweilgen line-ups der div. Clubs.

Du kommst unerwartet zu 100 Euro. Wo in der Stadt wirst du sie wahrscheinlich ausgeben und wofür?
Gut essen gehen.

Du hast die Chance, für einen ganzen Abend ein Line-Up ganz nach deinem Geschmack zusammenzustellen, einzige Voraussetzung: Es darf nur aus Wiener DJs bestehen. Wie sieht dein Line-Up aus?
DJ Lessi (Camera resident 70’s)
DJ Adjoni / Wolfgang Strobl (U4 resident 80’s)
DJ Arno (Soul Seduction resident 90’s)

Was ist das Schönste an Wiens Clubszene?
Stets wachsendes Angebot an Clubs, Veranstaltungen, Producern, DJs, VJs & trotzdem noch überschaubar.Makossa (Swound Sound)
Einzigartige (Outdoor) Locations.

Was ist das Nervigste an Wiens Clubszene?
Vinylnazis & YouTube mp3 DJs.

Wo verbringst du deine Zeit, wenn du nicht gerade auflegst?
Family.

Lass uns zum Schluss noch folgendes von dir wissen:

  • Erster Gig – wann und wo? Herbst 1983 / Monte.
  • Vinyl, Digital oder ganz was anderes? Alles ist möglich
  • Größe deiner Musiksammlung? Vinyl / Cds je ca. 20 000
  • BpM-Range: Von – bis? 0 – 180

Makossa hat für die “Vienna Players” Reihe einen Mix bereitgestellt, der zwar schon etwas älter ist, jedoch umso besser ins Konzept passt: Er beinhaltet nämlich ausschließlich Musik österreichischer Künstler, von 1995 bis 2013, von 98 bis 126 BPM! Aufgenommen im Rahmen der Swound Sound Radioshow, die er gemeinsam mit Sugar B. gestaltet. Die Aufnahme-Sessions dafür kann man auch live besuchen – in den nächsten Wochen zum Beispiel am 20. Mai im celeste, am 22. Mai im Fluc und am 27. Mai im Vienna City Beach Club, wo Makossa nebenbei seinen Geburtstag mit nicht weniger als 50 DJs feiern wird.