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Sweet Heat

Im Club mit: Sweet Heat (Interview + Mix)

Zeichnet sich die Clubszene in Wien wie auch andernorts größtenteils durch Zuordenbarkeit, klar abgegrenzter Genre- und Subkultur-Zugehörigkeit und einem Maß an Vorab-Promotion aus, durch das man schon vor Einlass ganz gut weiß worauf man sich einlässt, gibt es hie und da doch Überraschungen, schwer bis Undefinierbares und Veranstaltungen, bei denen gar zu engstirnige Musikfanatiker meinen könnten, man wüsste gar nicht, wofür die genau stehen – während jene, die schlicht eine schöne, aufregende Zeit verbringen möchten, davon schwärmen, dass dort alles passieren könne und mit höchster Wahrscheinlichkeit auch wird. Ein solches Phänomen hat sich in der lokalen Szene über die letzten Jahre in Form von Sweet Heat gebildet – anfangs und die längste Zeit über in der Bar der Kunst- und Kulturstätte brut und damit auch eher einer Off-Location als einem dezidierten Musik- und Szeneclub, zuletzt in wechselnden Locations quer über die Stadt verteilt. Über das Leben, Wirken und vor allem Veranstalten in Wien haben uns die beiden Schöpfer dieses wundersamen Projekts Rede und Antwort gestanden.

Sweet Heat – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?
Hinter Sweet Heat stecken zwei Jungs: Agent Well und A++. Wir machen alles gemeinsam, vom Auflegen über das Booking bis hin zur Selektion der Visuals. Nur die Flyerherstellung haben wir ausgelagert an die großartige Lena Gold.

Seit wann ist Sweet Heat im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Sweet Heat ist seit bald 5 Jahren im Wiener Nachtleben aktiv, dazu gekommen ist es über Haiko, der damals Chef der Brut Wien war. Die Partyschiene steckte dort damals noch in den Kinderschuhen und er war gewillt, etwas Neues auszuprobieren. So kam es zu regelmäßigen und immer ausschweifenderen Parties.

Sweet Heat - die Hall of Fame...
Sweet Heat – die Hall of Fame…

Und wie sieht es bei Sweet Heat aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

In der Brut wird es bis auf weiteres keine Sweet Heat Parties mehr geben, das ist natürlich ein herber Verlust für uns; wir haben uns dort immer sehr wohl gefühlt. Sweet Heat wird für die nächsten Monate ein wenig herumtingeln: Im Oktober waren wir im Heuer zu Gast, im November bespielen wir das Leopold und das Celeste. Wir spielen grundsätzlich lieber in kleineren Locations, da ist es intimer und die Party oft umso intensiver.

Musikalisch bewegen wir uns zwischen House, Bass und HipHop, vielleicht geben wir noch einer Prise Disco dazu. Es war uns immer wichtig, zu spielen, was wir gut finden, ohne allzusehr auf Genres zu achten. Bester Wegweiser war immer unser Geschmack und eine gewisse Durchmischung.

Grundsätzlich sollte Sweet Heat haupsächlich eines sein: N i c e. Ein netter Abend in sympathischer Umgebung. Wer bloß zuhören will, bekommt spannendes Zeug geliefert, wer wegen des Tanzens da ist, kommt auch auf seine Rechnung. Rummachen geht sowieso immer.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Bei einem Eintrittspreis von 4-5€ sind unsere Parties nicht wirklich auf finanziellen Erfolg ausgelegt. Es geht hauptsächlich darum, Kosten zu decken, genug übrig zu haben, um vernünftige Bookings zu machen und diese auch fair zu entlohnen. Schließlich soll das ganze ja Spaß machen. Die Motivation kommt aus der Liebe zur Musik, der Möglichkeit, talentierten Artists eine Bühne zu bieten und, am allermeisten, aus der Freude, die ein gut unterhaltenes Publikum bei einer spannenden, unaffektierten Party ausstrahlt.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Es kann nie zu viele gute Veranstaltungen geben. Wien hat eine prächtig gedeihende Clubszene, die aus dem Zusammenspiel kreativer Djs, guter Veranstalterinnen und einem interessierten Publikum erwächst. Ein internationaler Vergleich ist nie ganz einfach: Schön in Wien ist natürlich die Unaufgeregtheit, es gibt kaum lange Schlangen, Dresscodes oder pöbelnde Türsteher. Selbst international anerkannte Stars wie z.B.: Mieux, Salute oder die Affine Crew können in diesem Umfeld gut gedeihen.

Schlecht ist natürlich die Tendenz, Clubs mithilfe von Lärmbeschwerden und unnötig komplexen Auflagen aus dem Stadtgebiet an die Peripherie zu drängen oder ganz zum Aufgeben zu bewegen.

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Salute bei Sweet Heat in der brut

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Wir erinnern uns gerne an Parties, die entstehen, wenn spannende Bookings und ein sympathisches Publikum aufeinandertreffen. Da gab es international bekannte Größen wie Salute, Dip Some, Lockah oder B.Visible, lokale Djs wie H∆NN∆, Mike Burns oder Testa und auch untypische Bookings, wie zB Vitus, der aus Nigeria stammende Lenker des Funky Taxi. Spaß hat es auch immer gemacht, mit anderen Clubs und Veranstaltern zu kooperieren, wie z.B. dem großartigen Salon 2000, dem ImPulsTanz oder mit den Game Designern vom ZAMSpielen, die bei uns ihre neuesten Kreationen gezeigt haben.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?
Die schwierigen Momente sind, so geht es wohl allen Veranstaltern, wenn man ein tolles Booking auf die Beine gestellt hat und das Publikum ausbleibt. Meistens kann man die Faktoren gar nicht genau festmachen: Die Theorien reichen dann von alternativen Parties, Wetter, Ferien, Prüfungen, Vollmond bis hin zu kosmischer Strahlung.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Wir haben lange überlegt und eigentlich gab es diese Bookings einfach nicht. Wir dürften wohl ein glückliches Händchen haben…

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Die Parties würden ähnlich aussehen, wir würden wohl ein wenig mehr Geld für Konfettikanonen und Welcome Drinks ausgeben und weniger Eintritt verlangen. Einladen würden wir dann wohl gerne Fatima Al Quadiri, Jamie xx, J’ai Paul, Sophie, Blood Orange. Die legen dann back to back auf.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Wir werden so weitermachen wie bisher, spannend wird für uns, wo wir unsere neue Heimat finden werden, aber bis dahin: Sympathische Parties, spannende Bookings.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Schön ist die. Und umfassend. Für Veranstalter wäre es wohl spannend, wenn die Seite ein möglichst komplettes Bild von den Parties vermitteln könnte: Location, Datum, Mix, Event link etc. Aber das ist vielleicht ein wenig viel verlangt…

Klingt spaßig? Ist es auch! Das breite musikalische Spektrum, mit dem die Resident und ihre wechselnden Gäste bei Sweet Heat epische Abende vertonen, lässt sich naturgemäß schwer in einer einzigen Hörprobe abbilden – der Versuch von Agent Well und A++, es dennoch zu tun, ist deshalb auch nicht weniger als zwei Stunden lang geworden. Mehr davon schon demnächst irgendwo in dieser Stadt, womöglich gleich bei dir ums Eck..!

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!