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Manifest

Im Club mit: Manifest (Interview + Mix)

Als geneigte Clubbesuchende habt ihr es wahrscheinlich schon mitbekommen: Deep House ist wieder angesagt, aber nicht überall, wo Deep House draufsteht, ist auch Deep House drin. Eine sichere Bank für nicht nur deepen, aber durchgehend authentischen House stellt in Wien das Manifest-Kollektiv dar, deren Protagonisten nicht nur selbst vertrauenswürdige Connaisseure dieses Genres sind, sondern zuletzt auch einigen der spannendsten internationalen Acts eine Bühne geboten haben: Max GraefIron Curtis und S3A seien hier nur als Spitze des Eisbergs genannt. Vor der letzten ihrer monatlichen Spritzwein Sessions waren sie so nett, uns gleich im Kollektiv einige Fragen zu beantworten und zwei frische Mixes aufzunehmen.

Manifest – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Manifest
Manifest in Stirnreihe: Nico Nesta, Maaki, Roman Rauch und Fabe (v.l.n.r.)

Matthias: Dahinter steckt ein fünfköpfiges Gespann, das sich zum Ziel gemacht hat das Wiener Nachtleben ein wenig zu bereichern.Das sind eigentlich vier Jungs und ein Mädchen. Marie ist für die kreativen Arbeiten zuständig sprich die Gestaltung der Grafiken und sonstigem visuellem Auftreten. Den restlichen Arbeitsaufwand nehmen wir Jungs in die Hand. Nico ist meistens für die organisatorischen Fragen zuständig, der Kerl hat da einfach ein gutes Gespür dafür. Im Booking arbeiten wir viel über persönliche Kontakte, da Roman ja schon ewig in der Szene aktiv ist. Sonstige Entscheidungen werden meistens im Konsens getroffen.

Nico: Die Veranstaltungsbetreuung und Artistcare roliert bei uns, je nachdem wer spielt oder da ist. Jeder muss mal ran 🙂 . Hinzuzufügen ist, das Marie und Matthias die besten Gastgeber von uns sind. Unser Chef de Couisine ist aber auf jeden Fall Matthias mit seiner Schwester Eliana – mit dem Schnitzel haben wir sogar vegetarische DJs beim Dinner rumgekriegt 😛

Seit wann ist Manifest im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Nico: (lacht) Wie die Jungfrau zum Kinde. Wir sind seit einem Jahr in dieser Konstellation zusammen.  Mit meiner ersten Veranstaltungsreihe Heat&Defeat verlief sich das mit der Zeit, da wir sehr verstreut von einander gelebt haben und es wurde  immer schwieriger da noch etwas zusammen zu machen. Es war einfach mein persönlicher Wunsch eine Wiener Veranstaltungsreihe zu formieren, die einerseits heterogen im Bezug auf ihre Herkunft und andererseits eine gemeinsame musikalische Schnittstelle hat. Mit Marie und Matthias bin ich schon länger befreundet. Marie ist Urwienerin und Matthias, leicht am kratzigen Dialekt zu erkennen, kommt aus dem schönen Tirol. Fabe als Transdanubier habe ich, weil ich ihn so super fand, damals mit Thomé Rozier (Pomeranze) in meine Heimat an den Bodensee gebucht. Auf der gemeinsamen Zugfahrt trafen wir lustigerweise Roman, der einen Gig in Innsbruck gespielt hat. Die Wellenlänge war grandios und dann nach kurzer Überlegung konnten wir im Frühherbst 2014 das Projekt angehen.

Ganz vergessen: da hatte der Roman ja noch diesen geilen Facebooknamen, manche werden sich erinnern 😉

Fabe: Stimmt, die Zugfahrt war wirklich super witzig. Auch wenn es nicht leicht ist mit Nico 7h im Zug zu sitzen. Da wird man schnell mal in Grund und Boden geredet 🙂 Aber die Chemie stimmte auf Anhieb, was insbesondere die Kommunikation zwischen allen in der Crew extrem erleichtert.

Und wie sieht es bei Manifest aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Manifest Flyers
Manifest: The story so far, erzählt in Flyern

Nico: Unsere Spritzwein Sessions finden jeden vierten Freitag (mit Ausnahme jetzt im Dezember) im Monat in unserer Homebase SASS MUSIC CLUB statt. Die Idee, eben durch unsere Heterogenität bedingt, war eine Party für all diejenigen zu gestalten, die einfach Bock auf gute House und Disco Musik haben. Ein breites Spektrum an Menschen, egal welchen Alters und Herkunft  im Laden zu haben, das ist das Nonplusultra.

Roman: Für mich steht halt in erster Linie die musikalische Qualität im Vordergrund. Auch das familiäre Umfeld macht für mich einen guten Abend aus.

Fabe: Auch wenn es vielleicht abgedroschen klingen mag, aber wir sind nicht besonders darauf aus ein bestimmtes Publikum anzusprechen. Wie Nico es schon gesagt hat: Uns verbindet die gemeinsame Leidenschaft für gute Musik. Wir sind der Ansicht, dass es in Wien genügend junge und auch ältere Leute gibt, die unsere Leidenschaft teilen und deshalb zu uns in den Club kommen. Unser Job ist es “nur”, die richtigen Nummern zum richtigen Zeitpunkt zu spielen (haha).

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Manifest
Good Times mit der Manifest-Crew…

Nico: (haha). Ich glaube da kriegt ihr von jedem die gleiche Antwort. Es ist und bleibt für jeden ein bisschen Taschengeld (manchmal auch keines wenn die Party in die Hose geht). Natürlich wie bei vielen anderen die ihr hier schon im Interview hattet, ist es einfach die Freude an der Musik. Es gibt nichts Schöneres als wenn Menschen einem sagen, dass sie einen schönen Abend hatten und ihnen die Musik sehr gefallen hat. Man kann das mit einem Kurator einer Kunstausstellung vergleichen – du selektierst etwas nach deinem Geschmack und wenn es den Leuten gefällt, hast du den Job gut gemacht.

Was man durchaus feststellen und kritisieren kann, wovon ich uns evtl. nicht ausnehmen kann, ist, das die Parties in Wien in Mikrokosmen funktionieren. Ein geschlossener Kreis, der jeweilige Partyreihen anhand seiner kulturellen Vorlieben, Sympathie, seiner Herkunft oder Hippness besucht.  Ich konnte hier auch entnehmen, dass einige den Overload an Veranstaltungsreihen bemängeln. Das sehe ich persönlich nicht so. Es gibt zwar viele, aber das heißt per se nicht, das alle gut sind. Ich würde eher die mangelnde Zusammenarbeit, auch wenn man sich immer untereinander versteht, bemängeln.

Wenn Partyreihe A seine Party fünf Wochen vorher announced und die Partyreihe B am gleichen Veranstaltungstag drei Wochen später ein krasses Local Lineup raushaut, sehe ich da einfach nicht vorhandene Kooperationsbereitschaft oder auf gut Deutsch – jeder kocht da leider sein eigenes Süppchen. Aber Wien ist ja groß und es verteilt sich meist sehr gut.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Roman: Es ist immer sehr schwer abzuschätzen in welche Richtung es sich entwickelt. Im Laufe der Jahre gab es in Wien ja immer Up und Down-Phasen in der Clublandschaft, gerade scheint es leider wieder ein bisschen abzunehmen, wie man z.B. bei der Pratersauna sieht.

Marie: Die Anzahl guter Veranstaltungen ist sicher nicht das Problem. Ich sehe das Problem eher darin, dass die klassischen Wiener ein relativ träges und gemütliches Völkchen sind. Wenn sich etwas bewährt hat und für gut empfunden wurde, verblassen alle Alternativen oft im Hintergrund, was sehr schade ist. Das Weggehen ist für viele vorrangig da um sich zu betrinken, aufzureißen oder zum Sehen und Gesehen werden. Das ist meiner Meinung nach aber einfach eine vollkommen andere Sparte des Nachtlebens und glücklicherweise gibt es in Wien auch viele Veranstalter (und vor allem Gäste), für die Musik, Stimmung und Flair über allem anderen stehen. Ich bin deswegen auch immer sehr happy, wenn es mehr Auswahl gibt.

Roman: Da muss ich der Marie recht geben, diese typische Wiener Gemütlichkeit ist schon oft ein Problem, da wird’s manchmal schwer die Leute in den Club zu bewegen.

Nico: Da muss ich an den oberen Punkt anknüpfen. In letzter Zeit wird ja vor allem bei den Techno-Leuten die Dichte an neuen Events und hochkarätigen Bookings kritisiert. Einerseits denke ich, dass es wirklich nicht sein muss, das drei Größen am gleichen Tag hier spielen, andererseits belebt Konkurrenz das Geschäft. Das heißt, wir müssen uns noch mehr ins Zeug legen, damit die Leute unserem Angebot vertrauen. Wien international mit anderen Städten zu vergleichen halte ich für sehr schwierig, da die Stadt eine andere Infrastruktur vorweist und das Fortgehverhalten hier nicht zwangsläufig nach Musik gegliedert wird. Ich denke, viele Clubs machen hier einen tollen Job und geben sich wirklich Mühe, aber wenn ich nur mal in den Osten schaue, zum Beispiel nach Bukarest, dann kann Wien erstens bei der Qualität der Soundsysteme und zweitens bei den gebuchten Acts einfach einpacken. Beim ersten Punkt sehe ich das größte Problem – in Wien wird der Club nicht um das Heiligtum, der Anlage aufgebaut, sondern Design &  Bar stehen im Vordergrund. Mir wäre es zu peinlich, einen bekannten Act in einen Club zu buchen, wo das einfach nicht gegeben ist.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

...womöglich schon bald im Open-Air-Format?
…womöglich schon bald im Open-Air-Format?

Nico: Also nach so langer Zeit waren meine Highlights einerseits zwei Konzerte, Fiva aus München und Roosevelt, den ich im letzten Mai im Fluc präsentieren konnte, sowie Lazare Hoche, Iron Curtis und die letzte Ausgabe der Spritzwein Sessions mit Max Graef & Glenn Astro. Ganz hohes Niveau und tolles Feedback von den Gästen. So macht’s Spaß!

Fabe: Ich kann Nico voll und ganz zustimmen, wobei mir die Party mit unserem Kumpel Washerman auch lange im Gedächtnis bleiben wird. Ich bin und bleibe halt ein alter “90ies-House-Fetischist”. Ein echtes Highlight in meiner Laufbahn als Veranstalter ist sicher die erste Party meines vergangenen Kollektivs Underground Assassins, bei der wir TOMSKA aus Frankreich zu Gast hatten (damals noch im Market). Er hat damals eines der besten House-Sets gespielt, dass ich jemals gehört habe.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Marie: Wenn sich die Jungs mal wieder nicht auf eine Farbe für ein Coverbild einigen können zum Beispiel :D. Wir entscheiden alles sehr demokratisch – das ist nicht immer zwingend leicht… Da laufen beim einen oder anderen auch ab und zu die Tasten heiß in unserem Gruppenchat. Schlussendlich gelingt es uns aber dann doch immer, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Nico: Da kann ich Marie nur Recht geben. Dennoch würde ich mit Fug und Recht behaupten, dass unser Gruppenchat mit Abstand einer der lustigsten ist, die es gibt. Schlimm ist es natürlich immer, wenn man drauf zahlt. Kleine Beträge schmerzen nicht so, aber ich habe auch schon mal einen vierstelligen Betrag an einem Abend vernichtet. Deswegen halte ich es auch immer wichtig, Gästen klar zu machen, was uns so ein Abend kostet.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Roman: Da wir ja meisten befreundete Acts aus dem Ausland einladen, gab’s bis jetzt noch kein Booking, wo wir keinen Spaß mit dem Act gehabt hätten bzw. nicht auf der selben Wellenlänge gewesen wären.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Manifest
Das Logo – unverkennbar wie der Sound, der dahinter steckt

Nico: Haha, bin mir jetzt nicht sicher ob ich das sagen soll. Könnte ja sein, dass ich etwas vorwegnehme, was eventuell mal eintrifft :). Aber was ich echt mal gern machen würde: Ein großes Open Air/Festival außerhalb von Wien am Speckgürtel, mit allen Local DJs, die wir aus der heimischen Szene toll finden, gepaart mit einigen wenigen Headlinern.

Roman: Da bin ich voll beim Nico, ein größeres Open Air bzw. Festival wäre eine feine Sache und ist durchaus etwas, das in Wien meiner Meinung nach fehlt.

Matthias: Ich meine, dass es für eine gute Party nicht unbedingt viel Geld oder andere Ressourcen braucht. Klar kann man einen großen Namen in einen super Club buchen, das soll aber nicht gleich heißen, dass daraus eine super Party resultiert. Es ist doch immer die Stimmung, die eine Party ausmacht. Klar sind die oben genannten Faktoren für die Stimmung wichtig, das ist aber eben nicht immer so. Ich denke an dieser Stelle gern an den alten Morisson Club, als dieser noch in der Kettenbrückengasse ansässig  war. Da fand man weder eine gute Anlage noch einen bekannten DJ, und trotzdem waren dort mitunter die besten Wiener Partys. Die Party meiner Träume ist also ein Abend, bei dem alle Gäste mit dem was sie erwartet zufrieden sind und Spaß dran finden.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Nico: Wir werden weiter unserer Schiene und vor allem dem Sass Club treu bleiben. An dieser Stelle vielen Dank und liebe Grüße an das Sass Team. Wir haben dort für unsere Spritzwein Sessions eine optimale Heimat gefunden und bei den Acts haben wir vollstes Vertrauen von Ihrer Seite. Neben weiteren hochkarätigen Acts wird es auf jeden Fall eine heiße Geburtstagsparty geben. Wir selber als Kollektiv suchen aber auch noch Möglichkeiten, uns ein bisschen zu entfalten , Stichwort Open Air, Wohnzimmer Sessions oder auch in anderen Orten innerhalb Österreichs zu spielen.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Roman: Ich finde die neu gestaltete Play.fm Seite sehr schön designed und aufgeräumt im Vergleich zur alten Seite. Gerade jetzt, wo es bei Soundcloud immer mehr Probleme gibt mit Sachen wie zum Beispiel Copyright auftreten, finde ich es sehr schön, dass man bei euch ruhigen Gewissens seine Mixe und Mitschnitte raufladen kann. Auch den verstärkten Fokus auf die Wiener Clubszene finde ich sehr gut, da es meiner Meinung nach viele talentierte Leute gibt, die den internationalen Vergleich nicht scheuen zu brauchen.

Bevor Silvesterkorken und Feuerwerkskörper um die Wette knallen lädt Manifest am Freitag, 18. Dezember, noch ein letztes Mal im alten Jahr zu Spritzwein und House: Diesmal mit dem Münchner DJ- und Produzenten-Duo Rhode & Brown, sowie natürlich der gesammelten Crew selbst – das alles wie gehabt im Sass Music Club und damit auf einer der dicksten Anlagen, die die Stadt zu bieten hat. Als Vorgeschmack haben uns Fabe und Maaki zwei exklusive Mixes hochgeladen, die ihr euch genauso wenig entgehen lassen solltet wie die Party!

Manifest

 

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