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Foto credit: Matthäus Beczak

Im Club mit: Fear le Funk (Interview + Mix)

Wenn das Wiener Publikum neben den zahlreichen wöchentlichen DJ-Lines auch in den Genuss von Live-Konzerten von so namhaften Hip Hop Acts wie Apollo Brown, Guilty Simpson, Elzhi, Retrogott & Hulk Hodn, Rapsody & 9th Wonder oder Black Milk kommt, dann ist das der Crew von Fear le Funk zu verdanken. Kurz nach der vierjährigen Jubiläumsparty haben die Mitgründer, Mitveranstalter und Residents Ottomatic und Stanley Stiffla uns mehr über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ihres Projekts erzählt und gleich einen wunderschönen Mix mitgebracht..!

Fear le Funk – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Hinter diesem Namen stehen Nina, Mat, Ottomatic und Stanley Stiffla. Wir machen jetzt seit mittlerweile vier Jahren Veranstaltungen im Bereich Hip Hop hier in Wien. Anfangs war es eher so, dass wir hauptsächlich Produzenten zu unseren Happenings eingeladen hatten, mittlerweile sind wir da aber breit gefächert, haben sowohl DJ- und Producer-Sets als auch Konzerte, die wir aber immer im Rahmen einer Party über den gesamten Abend anlegen. Ottomatic und Stanley Stiffla fungieren als Resident-Djs, ansonsten sind wir zu viert ständig im Austausch über mögliche Bookings, anstehende Termine und organisieren und bewerben die gemeinsamen Abende.

Seit wann ist Fear le Funk im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Uns gibt es seit Oktober 2011. Gerade vor wenigen Wochen haben wir im WUK zusammen mit dem Kölner Label Entbs unser 4-jähriges Bestehen gefeiert. Peace an dieser Stelle an Chlodwigplatz Pütz Money und die Jungs!

Wie es dazu gekommen ist, dass wir Partys machen? Alles begann an sich damit, dass Stanley eine tatkräftige Truppe zusammenstellen wollte und uns alle kontaktiert und gefragt hat, ob es Interesse gäbe, gemeinsam Partys in Wien zu machen, die ihren Schwerpunkt zu Beginn vor allem auf Independent Producer legen wollten. Mat, Ottomatic und Stanley kannten sich dabei schon einige bis viele Jahre aus guten Freundschaften heraus. Nina stieß dann Mitte 2013 dazu. Da wir alle einen ähnlichen Zugang zu Hip Hop haben, war anfangs ziemlich schnell klar, dass wir das so angehen wollen und machen werden.

Und wie sieht es bei Fear le Funk aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

Fear le Funk mit Guilty Simpson, Elzhi und Phat Kat im B72 (Foto credit: Raphael Skrepek)
Fear le Funk mit Guilty Simpson, Elzhi und Phat Kat im B72 (Foto credit: Raphael Skrepek)

So übers Jahr gesehen machen wir an die fünf, sechs Veranstaltungen, phasenweise etwas mehr, dann wieder etwas weniger -je nachdem, was gerade möglich ist. Stanley Stiffla und Ottomatic legen ansonsten auch immer wieder bei anderen Veranstaltungen auf. Der simple Grundsatz lautet: Wir laden immer nur Artists ein, die wir auch selbst hören, feiern und schätzen. Vom Konzept her sollte es mit seinen Wurzeln immer im Hip Hop bleiben und idealerweise nationale und internationale Artists zusammenführen, auch wenn Genre-Überschneidungen natürlich kein Ausschlussgrund für uns sind. Wir haben ja auch schon Kooperationsveranstaltungen mit Canyoudigit, Beat Science oder dem Soundwave Croatia Festival gemacht, wo es dann vom Sound her etwas futuristischer zur Sache ging.

Was das Publikum betrifft, wollen wir niemanden aus- oder eingrenzen, das ist für uns so seit dem Start mit dem Ding ganz klar. Alle die sich für unsere Veranstaltungen und die auftretenden Künstler*innen interessieren, sind willkommen und sollen im Idealfall einfach eine gute Zeit mit den Artists und uns haben. Quality Time oder so ähnlich.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Wir wollen und müssen zum Glück nicht davon leben. 😉 Wir versuchen ganz einfach nur, dass sich die Veranstaltungen, so gut es eben möglich ist, selbst finanzieren. Was überbleibt, wird eins zu eins in weitere Veranstaltungen gesteckt. Uns macht es nach wie vor großen Spass, auch wenn bis zum Auftritt der eingeladenen Artists am Abend der Veranstaltung und bis die Party hoffentlich funktioniert natürlich jede Menge Arbeit steckt. Vor allem Stanley kann davon ein Lied singen, tut sich das Organisatorische wie alle anderen aus unserem Quartett aber auch gerne an, sonst ginge es sowieso nicht. Ebenso wäre vieles ohne Hilfe aus dem Freundes- und Bekanntenkreis so sicherlich nicht realisierbar gewesen.

Daher: Ein dickes Dankeschön an alle die uns unterstützen und unterstützt haben über die letzten Jahre! Viel Liebe.

Die Motivation kommt aus der Begeisterung zur Musik, unseren vergangenen Abenden und natürlich auch durch die Reaktionen unseres Publikums. In diesem Sinn: Nur die Liebe zählt oder wie es der Retrogott so schön sagt: “Peace, Unity, Love & having Fun!”

Wenn es ein Hauptproblem gibt, dann ist es für uns sicherlich die geeignete Location zur angedachten Veranstaltung zu finden. Da wir unsere Dinger nicht immer in den selben Locations veranstalten und sie idealerweise auch an die Gegebenheiten des Abend-Ambientes anpassen wollen, ist das vielleicht hin und wieder das größte Problem. Die Dichte der Veranstaltungen steigt in Wien insgesamt, das macht es für uns natürlich nicht gerade einfacher, ist aber an sich nichts Negatives.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Fear le Funk mit Radio Love Love im Cafe Leopold (Foto credit: Jonathan Meiri)
Fear le Funk mit Radio Love Love im Cafe Leopold (Foto credit: Jonathan Meiri)

Für uns hat Wien in Sachen Hip Hop in den vergangenen Jahren auf jeden Fall den Anschluss zu anderen europäischen Metropolen wie London, Paris und Berlin geschafft. Die Dichte, die Qualität aber auch die Nachfrage im Independent-Bereich sind sicherlich gestiegen. Woran es eventuell noch mangelt, sind mehr dieser kleinen aber feinen Wiener Clubs mit guter Anlage, für 150-300 Leute, in zentraler Lage. Da könnte sicherlich etwas mehr gehen. Wie auch medial sicherlich noch etwas mehr Support wünschenswert wäre. Die Clubs, die es gibt und die auch anspruchsvolleres Programm supporten, machen ihren Job aber gut bis herausragend, wenn ihr uns fragt. Siehe Cafe Leopold, Celeste, B72 oder auch das Porgy & Bess, WUK, Flex, das Loft, die Forelle oder Sauna, egal wie sympathisch man die einzelnen Venues jetzt findet oder nicht. Wenn man aber gerüchteweise hört, dass letztgenannte eventuell in ihrer aktuellen Form schon bald wieder Geschichte ist und ein weiterer Kommerzparty-Tempel daraus werden soll, ist das natürlich mehr als traurig und schade.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Puh… Da waren doch einige Abende dabei… Wenn wir welche hervorheben müssen, dann sicherlich zuletzt im Juni der Abend im Porgy & Bess mit Apollo Brown, Ras Kass und Rapper Big Pooh. Die Nächte im B72 mit Guilty Simpson, Phat Kat und Elzhi oder im Cafe Leopold mit Radio Love Love oder Figub Brazlevič und S. Fidelity waren auch absolut Hammer. Unsere bisher größte und letzte Veranstaltung im WUK mit den Jungs von Entbs war aber auf jeden Fall einfach nur unfasslich dope (hoffentlich nicht nur für uns 😉 ). Ansonsten ist sowas wirklich schwierig… Wir erinnern uns an viele feine Nächte, auch die “kleineren” Rap-ins-Gesicht Dinger im Einbaumöbel oder die anfänglichen Shows in der Auslage hatten ihre absoluten Höhepunkte.

Zusätzlich war auch die Produktion unserer 2xLP-Compilation, welche anlässlich unseres 2-jährigen Bestehens entstanden und via Vinyl und digital erschienen ist, eine sehr, sehr coole Erfahrung. Dafür auch nochmal Props und Liebe an alle involvierten Künstler*innen, die uns das zugetraut und uns mit ihren musikalischen Schätzen unterstützt haben.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Mit Sicherheit unser Abend mit 9th Wonder und Rapsody im Viper Room. Der war zwar musikalisch sehr gelungen, das Wiener Publikum hat uns damals aber leider anscheinend etwas übersehen oder vergessen… Lag wohl auch am Termin. Schade, aber ist passiert.

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Fear le Funk mit Apollo Brown, Ras Kass und Rapper Big Pooh im Porgy & Bess (Foto credit: Thomas Unterberger)
Fear le Funk mit Apollo Brown, Ras Kass und Rapper Big Pooh im Porgy & Bess (Foto credit: Thomas Unterberger)

Nein, absolut nicht! Wir sind da möglicherweise sogar ein bisschen verwöhnt, jeder Artist war auf seine persönliche Art und Weise absolut schätzenswert und top. Da können wir nur eines behaupten: Wie die Musik so auch die Künstler und Menschen dahinter -für uns auf jeden Fall sehr dope!

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Auf jeden Fall mal nicht irgendein wacker Hype, ohne Namen zu nennen und damit wiederum Werbung für diese zu machen. 😉

Die Party unserer Träume? Das wäre wohl ein zweitägiges Open Air Festival, zentral in Wien – eventuell im Prater – gelegen, mit allen Künstlern von Stones Throw, Entbs, Mello Music Group, Bastard Jazz, Hector Macello, Melting Pot Music, Redefinition, den Funkverteidigern, Beatgeeks, Ecke Prenz, Radio Love Love, Waxolutionists, Sichtexot, Jakarta, VOZ, Wortsport Entertainment, Flava In Ya Ear, der 1bm-Freestylesession Crew, Huhnmensch & böser Wolf, Kroko Jack, A Tribe Called Quest, Jurassic 5, De la Soul, Kool Keith, Run The Juwels, Action Bronson, Kaytranada, DJ Premier und Kendrick Lamar (die Reihenfolge ist dabei beliebig zu setzen).

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Wir werden nicht viel ändern: weiterhin hoffentlich fette, unterhaltsame und feine Abende! Am 7. Dezember 2015 begrüßen wir erstmal zum Jahresabschluss Apollo Brown Guilty Simpson, Phat Kat und die Demograffics im B72. Im Februar 2016 duellieren sich dann Radio Love Love und Ecke Prenz im Salon des Cafe Leopold. Und dann lassen wir uns mal überraschen, was noch so alles auf uns zukommt. Im Oktober feiern wir auf jeden Fall unseren fünften Geburtstag gebührend.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Wir kennen Play.fm ja schon lange und schätzen die Seite sehr. Die neue Homepage sieht ganz cool aus. Eventuell könnte man noch aktuelle Termine zu den gefeatureten Mixes in irgendeiner Form einbinden, dann hilft das auch den Veranstaltern. 😉

Anbei freuen wir uns, euch einen Mix von DJ Ottomatic präsentieren zu dürfen, in dem erdie jüngste Vier-Jahres-Party von Fear le Funk mit Retrogott & Hulk Hodn Revue passieren lässt – weiter geht’s am 7. Dezember im B72, mit Guilty Simpson, Apollo Brown, Phat Kat und den Demograffics live am Mikrofon und den Beat-Geräten!

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!