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United Colors Of Beton

Im Club mit: United Colors of Beton (Interview + Mix)

Wer in Wien nach freundlichen, stressfreien Partys sucht, die gänzlich ohne Hochglanzflyer, Promoted Facebook Posts und Star-DJs mit Business-Class-Flügen und Fünf-Stern-Hotelzimmern auskommen, ist mit dem United Colors of Beton Kollektiv gut beraten. Ein sympathischer Haufen erfahrener DJs, die sich schlicht aus Lust an der Laune und Liebe zur Musik zusammengerottet haben um Partys mit ebenso ausgelassener wie familiärer Atmosphäre zu schaffen. Im Interview erzählen Sie uns die Kumpanen Thomas, Roman, Kris und Rudi mehr über sich, natürlich mit einem freshen Mix im Gepäck.

United Colors of Beton – wer steckt hinter diesem Namen? Was macht ihr und wer ist bei euch wofür zuständig?

Thomas: Hinter ucob stehen Roman (wladimir glitchcore), Kris (Kayoz), Rudi (RawShitz), Clarissa und ich (nutrasweet). Clarissa ist bei uns für alles Grafische verantwortlich. Ansonsten teilt sich die Arbeit recht gleichmäßig auf alle auf.

Seit wann ist United Colors of Beton im Wiener Nachtleben aktiv, und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Thomas: Individuell sind wir seit Ende der 90er Jahre als DJs und Promotoren unterwegs. ucob ist aus dem Wunsch entstanden, Partys für unsere Freunde zu machen. Wir sind alle schon etwas älter und wollten einen regelmäßigen Abend hosten, von Freunden für Freunde quasi. Die ersten Partys waren auch noch Free Partys, damit auch wirklich keiner eine Ausrede hat.

Roman: Die Idee wurde von Thomas und mir auf einer houztekkparty im fluc geboren. Kris (kayoz), Rudi (rawshitz) und unsere Grafikerin Clarissa, kamen quasi am nächsten Tag dazu. Die Notwendigkeit gemeinsam Parties zu veranstalten entsprang dem Bedürfnis, wieder öfter aufzulegen, unsere Liebelingsmusik selbst öfter zu hören, zu spielen und natürlich mit Freunden zu feiern.

Und wie sieht es bei United Colors of Beton aktuell aus – wo und wie oft macht ihr Veranstaltungen? Welche Idee und welches musikalische Konzept verfolgt ihr, und welches Publikum wollt ihr damit ansprechen?

United Colors of Beton
Party unter Freunden: Wladimir Glitchcore back2back (hier im wahrsten Sinne des Wortes) mit Nutrasweet (Foto credit: Milla Kollinsky)

Thomas: 2015 haben wir so um die zehn Parties veranstaltet. Seit diesem Jahr haben wir im Werk unser Zuhause gefunden. Dort passt es für uns alle ganz gut. Es ist die Art von Club, in der wir uns selbst alle sehr wohl fühlen. Musikalisch wollen wir unseren Gästen einfach einen tollen Abend bieten, wobei wir zurzeit hauptsächlich im Techno und House anzutreffen sind. Allerdings wollen wir uns nicht unbedingt auf diese beiden Genres beschränken. Unsere Plattenarchive geben da noch einiges her. Wir wollen Leute ansprechen, die gerne feiern, denen der Vibe auf der Party wichtiger ist als der Name des internationalen Top DJs.

Roman: Ursprünglich ging es uns musikalisch vorzugsweise um dreckigen Techno mit industrieller Attitüde, von rauer Gangart – dark und druckvoll. Mittlerweile hat sich das natürlich wieder ein bisschen gewandelt. In Wahrheit lief bei uns nie nur eine Musikrichtung. Bei einer unserer ersten Parties in der Mangabar kamen z.B. Myriel von den Sendling Boogie Breaks aus München, und TJ Hicks vorbei. Beide hatten Platten mit und Lust sich bei uns einzuklinken. Uns war es natürlich eine Ehre die beiden an die Decks zu lassen. Im Einbaumöbel haben wir auch mal eine Party mit Steril aka Latex und Sebastian Schlachter organisiert, auf der fast ausschließlich Miami Bass und Electro lief. In letzter Zeit wird’s auch gerne wieder etwas deeper und housiger. Wir sind ja auch alle ganz unterschiedliche Typen mit unterschiedlicher musikalischer Sozialisierung und Prägung. Beim beton kommt es auf die richtige Mischung an. Ich weiss nicht ob es den typischen “ucob Sound” überhaupt gibt, aber es gibt auf jeden Fall immer eine gemeinsame Richtung.

Wie ist es aktuell, in Wien Partys zu veranstalten, könnt ihr davon leben? Was motiviert euch, damit weiter zu machen, was macht euch eher zu schaffen, welche Probleme seht ihr?

Thomas: Also wir können uns nicht beklagen. Es wird halt generell viel gesudert in Wien. Unsere Motivation ist es, unseren Gästen einen tollen Abend zu bereiten, sowie unsere musikalische Verwirklichung. Jeder von uns legt gerne auf und wir lieben es, unsere Platten vor Publikum zu spielen.

Roman: Wir müssen zum Glück nicht vom Raven bzw. Veranstalten oder Auflegen leben. Dies erlaubt uns einen gewissen Idealismus in der musikalischen Gestaltung und im Booking. So können wir es uns erlauben auch mal Acts einzuladen, die vermutlich keine Garantie für einen vollen Laden mitbringen, die wir aber sehr schätzen und von denen wir überzeugt sind. Dieses Konzept hat bisher sehr gut funktioniert. Wenn wir, wie bei unserer Zwei-Jahres-Feier im Oktober, den Metaboman von Musik Krause aus Jena einfliegen, dann, weil er einen Sound spielt, den man hierzulande eher selten hört und weil er wunderbar zu uns passt. Der hat dann ein vierstündiges DJ-Set mit zwei Octratracks am kleinen Floor im Werk gespielt und die Leute sind extrem mitgegangen.

In welche Richtung entwickelt sich die Wiener Szene eurer Meinung nach, gibt es genug gute Veranstaltungen oder vielleicht sogar zu viele? Wie steht Wien aus eurer Sicht im internationalen Vergleich da, wie seht ihr die Wiener Clubs und welche Entwicklungen würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

United Colors of Beton
Artwork by Clarissa

Kris: Entwicklung gibt es immer, da gibt es gute und schlechte. Wir versuchen uns davon weitgehend auszunehmen. Es gibt Veranstaltungen die uns interessieren und andere. Ob das der Menge nach zu viel oder zu wenig sind, können wir nicht beurteilen. Das Werk deckt eine wichtige Komponente im Clubleben ab, ein Raum ohne Konsumzwang, guter musikalischer Programmierung, ein angenehmes, ranziges, subkulturelles Ambiente und eine Crew, die mit Herzblut bei der Sache ist. Zwei Schritte weiter werden die HiFi-Raver in der Forelle bedient. Eine ebenfalls sehr wichtige Institution im Wiener Nachtleben und ein von uns sehr geschätztes Etablissement.

Roman: Mir kommt es so vor, als würde es diesen Konsenssound, der in allen Clubs läuft, in Wien immer weniger geben. Das ist eine durchaus positive Entwicklung. Ich glaube und hoffe es wird musikalisch gerade wieder etwas spezieller. Vor ein paar Jahren war es mir oft zu langweilig, da ich das Gefühl hatte, überall das Gleiche zu hören. Dies war mit Sicherheit auch ein Grund für uns, wieder etwas Eigenes zu machen. Nur zu sudern bringt da nichts.

Wenn ihr auf eure bisherige Laufbahn als Veranstalter zurückblickt: Was waren die Highlights, woran erinnert ihr euch gerne?

Thomas: Die bereits erwähnte Zwei-Jahres-Feier mit Metaboman war definitiv ein Highlight! Sein Set war einfach unglaublich spannend und kam bei den Leuten sehr gut an. Er selbst war auch sehr happy und hat sich bei uns für den Abend bedankt.

Roman: Der Abend war auf jeden Fall legendär! Wobei ich mich hier auch bei allen anderen DJs bedanken muss: Laminat, .maxi von Viennoise, Doc Snyder und Je:wax aus Graz, Reiner “the legend” Mauch aus Bayern und Uciel von Houztekk aus Linz haben diese Nacht sehr bunt gestaltet. Ansonsten könnten wir hier vermutlich jede einzelne Party aufzählen. Besonders waren sie, aus meiner Sicht, alle.

Und welche Momente waren für euch am schwierigsten?

Roman: Nachdem es in der Mangabar,ob der Lautstärke,Probleme mit dem Magistrat gab und wir dort nicht mehr veranstalten konnten, waren wir gezwungen mit ucob in unterschiedlichen Locations zu gastieren. Diese Unbeständigkeit war sicherlich sehr mühsam für alle beteiligten. Teilweise mussten wir unser gesamtes Equipment selbst mitbringen und eine Anlage ausleihen etc…

Gab es bei euren bisherigen Partys auch Bookings, die ihr definitiv nicht mehr machen würdet? Und wenn ja, wieso?

Nein.

Wenn Geld und sonstige Ressourcen keine Rolle spielen würden – wie würde die Party eurer Träume aussehen, und wer würde dort auftreten?

Thomas: Am liebsten wäre mir eine komplette Off Location, irgendwo an der Wiener Peripherie. Vielleicht ein mehrtägiges Open Air mit einem stark improvisierten Charakter. Soundtechnisch würde ich verstärkt auf Locals setzen, eventuell zwei Bühnen, wobei eine mehr Band-Charakter hat und die zweite von DJs bespielt wird.

Roman: Auf einer Südseeinsel mit tausend Leuten, einer Handvoll internationaler Acts nach unserem Geschmack und sonst einem Lineup, das nur aus unseren Freunden und uns besteht, könnte ich es mir allerdings auch ganz gut vorstellen.

Nachdem sich das Jahresende mit großen Schritten nähert: Was darf man 2016 und darüber hinaus von euch erwarten?

Thomas: Wir freuen uns 2016 wieder fixer Bestandteil im Werk sein zu dürfen. Am 23.01. starten wir mit der Spittelauer Kernschmelze, bei der wir gemeinsam mit den funkrooms das Werk hosten. Es wird auch wieder ein Sommerfest geben und wir werden uns auch wieder für die Flüchtlinge engagieren und im März eine Benefizveranstaltung mit Hausgemacht organisieren.

Roman: Außerdem fahren wir als ucob-DJ-Kollektiv sicher auch mal in die Bundesländer, spielen bei anderen Veranstaltungen und man darf sich auch schon auf Silvester 2016/17 freuen.

Und zum Schluss natürlich die obligatorische Frage – wie gefällt euch die neue Play.fm-Seite, was würdet ihr euch als Veranstalter davon wünschen?

Rudi: Grundsätzlich gibt es ein paar Features, welche wir noch vermissen. Dazu zählen die Möglichkeit, das Hintergrund und Profilbild zu ändern sowie das Zusammenführen von Crews und Followern. Weiters fänden wir es cool, wenn es eine Art Stammbaum gibt, wo man sieht, in welcher Beziehung die einzelnen Crews und Protagonisten zueinander stehen. Und wir vermissen eine Möglichkeit, die Liked Mixes zu sortieren.

Vielleicht noch ein paar Worte zu euren Mixen?

Roman & Thomas: Wir haben einen exklusiven und spontanen 60-Minuten-Mix für Play.fm aufgenommen. Der trifft unseren derzeitigen Stil vielleicht ganz gut.

 

Somit wäre alles gesagt, was sonst in den abschließenden Worten Platz findet, über den folgenden Mix wisst ihr ebenso bescheid wie über die nächste Party. Bleibt nur mehr beides wärmstens zu empfehlen und viel Freude damit zu wünschen!

 

Noch nicht genug? Mehr Mixes aus Wien findest du in unserem Vienna City Channel!