Moogle (Bebop Rodeo) - photo by Julian Mullan

Vienna Players #28: Moogle (Bebop Rodeo)

Unter dem Titel Vienna Players stellen wir euch derzeit 30 der interessantesten, gefragtesten, aktivsten oder auf sonstige Weise besonders bemerkenswerten DJs unserer Stadt vor – und da all das und noch viel mehr auf Moogle zutrifft, darf er natürlich nicht fehlen. Moogle ist einer diese Szene-Aktivisten, bei denen man sich fragt, wann sie eigentlich schlafen: Abends legt er mehrmals die Woche an allen Ecken und Enden der Stadt und darüber hinaus auf, dazwischen ist er Booker und Artist-Manager einiger spannender österreichischer Acts, organisiert mit seiner Crew Bebop Rodeo Partys und einen bereits über hundert Mixes starken Podcast, und recherchiert, schreibt und gestaltet Reviews, Interviews und vieles mehr für das Popkulturmagazin The Gap und den österreichischen Ableger von Noisey. Wo er zwischen all dem die Zeit aufgetrieben hat, unseren Fragebogen zum Leben und Feiern in Wien zu beantworten und dazu noch einen einstündigen Exklusiv-Mix aufzunehmen – es verwundert uns, freut uns aber noch wesentlich mehr.

Was hat dich ursprünglich in die Musik-/Clubszene verschlagen?
Hm, klingt komisch, aber ich habe mich selbst dort hinverschlagen. Klar gab es auch prägende Freunde, Momente und Platten, aber die gibt es immer. Wenn man sich für Musik begeistert, ist der Club in vielerlei Hinsicht immer noch ein Sehnsuchtsort, der einen magisch anzieht. Klingt pathetisch, aber ich empfinde das so.
Meine Jugend verbrachte ich im oberösterreichischen Teil des Salzkammergutes. Dort sind gute Veranstaltungen und Clubs eher Mangelware. Ich konnte es kaum erwarten nach Wien zu ziehen und endlich Angebote und Andockpunkte für meine Leidenschaft zu haben. Als ich Anfang der Nuller Jahre zum Studieren nach Wien gezogen bin, dauerte es nicht lange bis ich clubmusikalisch total angefixt war, mir Turntables kaufte, begann aufzulegen und zu veranstalten. Eigentlich ein recht klassischer und irgendwie auch logischer Werdegang.

Was macht gerade Wien zum idealen Mittelpunkt für deine musikalischen Aktivitäten?
Moogle (Bebop Rodeo) - Photo by CrowdstrudelIn Wien bleibt einem als DJ, Veranstalter und Musiker einfach noch genügend Raum. Im wörtlichen, aber auch im übertragenen Sinne. In Wien ist noch nicht alles besetzt und durchdekliniert. Wien zeichnet ebenfalls der halbwegs gute Mix aus leistbaren Lebenshaltungskosten und einer hohen Lebensqualität aus.

Ein Freund aus Übersee kommt zu Besuch nach Wien und hat den festen Vorsatz, eine unvergessliche Nacht zu erleben. Welches Abendprogramm stellst du für ihn zusammen?
Das hängt natürlich stark von den Bookings der paar ambitionierten Wiener Promoter ab. Den Abend würden wir definitiv mit Essen und Drinks starten. Die Energie für den bevorstehen Abend muss ja auch irgendwo herkommen. Das Zweitbester in der Heumühlgasse ist eine gute kulinarische Wahl. Danach würde ich wohl vorschlagen ein gutes Konzert im Rhiz, der Arena oder dem Venster99 zu besuchen. Weil nur Clubmusik alleine ist mir zu einseitig. Danach würden wir vermutlich einen Sprung in die Tonstube, das Celeste oder das Brut schauen, bevor wir zu Werk, Grelle Forelle oder Pratersauna weiterziehen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Du kommst unerwartet zu 100 Euro. Wo in der Stadt wirst du sie wahrscheinlich ausgeben und wofür?
Da muss ich nicht lange überlegen – Ich investiere den Hunderter in schwarzes Gold. Meine Vinyl-Dealer heißen Das Market, Substance Recordsstore, Teuchtler, Tongues und Discus Thrower.

Du hast die Chance, für einen ganzen Abend ein Line-Up ganz nach deinem Geschmack zusammenzustellen, einzige Voraussetzung: Es darf nur aus Wiener DJs bestehen. Wie sieht dein Line-Up aus?
Die Frage, die aus der Hölle kam. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit liste ich einfach ein paar DJs auf, die ich soundseitig sehr schätze:
Anna Leiser, Fauna aka Ranah Geist, Minor Sick, Zanshin, Amblio, Farbtechnographie aka Goldcut Grates & Bcksrckr, Armin Schmelz, Kalifornia Kurt, Cher Monsieur, Tobi Tobsen, Laminat, Roman Rauch, Slick, Kido Soon, Wahsko, DJ Odd, Heap, The Reboot Joy Confession, Sedvs, Luis Forever7 Citizens und ein paar andere.

Moogle (Bebop Rodeo) - Photo by LichtschalterWas ist das Schönste an Wiens Clubszene?
Diese Frage habe ich für Noisey / Vice (Alps) schon einmal beantwortet. Wer Interesse hat, kann das HIER nachlesen.

Was ist das Nervigste an Wiens Clubszene?
Die Anrainer machen den Wiener Clubs immer wieder das Leben schwer. Ach ja, und richtig gute Soundsysteme sind in Wien leider auch eher spärlich gesäht.

Womit verbringst du deine Zeit, wenn du nicht gerade auflegst?
Musik nimmt schöner Weise fast mein ganzes Leben in Beschlag. Neben dem Auflegen, bin ich ja auch im Musikbereich als Booker, Journalist und Veranstalter tätig. Davor habe ich Kunstgeschichte und Theater-, Film- und Medienwissenschaften studiert und in einem Plattenladen (Substance Recordstore) gearbeitet.
Wenn ich wirklich einmal eine Pause von Musik brauche, suche ich Ausgleich in Literatur oder Film. Freunde treffen und Skate- oder Snowboard fahren sind auch nicht schlecht um den Kopf frei zu bekommen. Im Winter fahre ich manchmal sogar noch Ski. Als oberösterreichischer Jugendlicher bin ich übrigens knapp an einer Skifahrer-Karriere vorbeigeschrammt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Lass uns zum Schluss noch folgendes von dir wissen:

  • Erster Gig – wann und wo? Puh, so genau weiß ich das nicht mehr. Erste Gigs fanden damals um 2005 sicher irgendwo zwischen Shelter, Badeschiff, Fluc oder Flex statt. Das erste Auflegen im Jugendzentrum Bad Ischl lasse ich hier absichtlich weg.
  • Vinyl, Digital oder ganz was anderes? Vinyl & CDs.
  • Größe deiner Musiksammlung? 3000 Platten, Hunderte Gigabytes Musik-Files, Tausende CDs, einige Mini-Discs und eine Kiste voller schöner Tapes.
  • BpM-Range: Von – bis? Im Prinzip von 60 – 160 BpM, je nach Lust und Laune. Aber oftmals pendle ich mich irgendwo zwischen 110 und 130 BpM ein.

Und hier die versprochenen (nahezu) 60 Minuten Moogle exklusiv in the mix mit so ziemlich allem, was die erwähnten 110-130 BpM so an seelenvoller Musik hergeben, gespickt mit einigen heimischen Produktionen von Sam Irl, Simon/off und Moogle selbst an der Seite von Langzeit-Compadre Laminat. Genau diese beiden im Tag Team gibt es übrigens für alle Wienerinnen und Wiener wie auch temporär Anwesende am 8. Juli bei der Sommerreihe Albert+Tina auf der Bastei des Albertina Museums zu hören – und wer den Genuss eines Moogle-Sets mit so richtig postkartentauglichem Wien-Tourismus verknüpfen möchte, hat dazu am 3. Juli Gelegenheit, wenn Moogle im Rahmen des Prater Unser Festivals im Wahrzeichen der Stadt, dem Riesenrad im Prater, auflegen wird.

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