Joja (V ARE)

Vienna Players #5: Joja (V ARE)

In der Reihe Vienna Players stellen wir euch im Mai und Juni insgesamt 30 Wiener DJs vor, die man unbedingt gehört haben sollte. Der heutige Beitrag kommt von Joja, die nicht nur als DJ diverse Genregrenzen durchbricht, sondern auch als Initiatorin von V ARE Musik, Kunst, Design und diverse andere Disziplinen unter einen Hut bringt.

Was hat dich ursprünglich in die Musik-/Clubszene verschlagen?
Zum einen war es der wöchentliche Besuch im Dub Club, dessen vielfältiges Programm ich bis heute eigentlich vermisse, zum anderen die HipHop Kultur. Waxolutionists, Total Chaos und Wisdom und Slime im Speziellen, waren meine Schule. Felix Bergleiter (ein Drittel der Waxos, Praterei Labelboss und Produzent unter der Harmonika 7 Citizens) gab mir den Rat mit HipHop anzufangen, denn wer HipHop auflegen kann, wird sich mit geraden House oder Techno Beats nicht weiter schwer tun. .
Das erste mal allein hinter 1210ern und vor Publikum war allerdings in ganz anderem Kontext, nämlich auf der Insel Vis in Kroatien, bei einem Architekturstudenten-Europa-Camp. Ich belegte natürlich den „sounds“ workshop und habe mich schnell mit der DJ+VJ Crew angefreundet, die dort das Nachmittags- und Abendprogramm sound- und visual-technisch lieferten. Pytzek (Labelchef von burek – Zagreb) überließ mir seine Plattentasche eines Nachmittags und sagte „play some, i have to go, i ll be back“.

Was macht gerade Wien zum idealen Mittelpunkt für deine musikalischen Aktivitäten?
Ich liebe Wien! Das ist schon Grund genug. Um ehrlich zu sein, wurde ich einfach hier geboren und bin internationalen endeavors durchaus aufgeschlossen .. das viele Reisen war und ist für mich sehr wichtig.
In Wien haben wir wirklich sehr ambitioniertes Programm am Start, viele Veranstalter geben ihr Bestes und machen Wien zu einem relevanten Ort für internationale Musiker/innen. Allerdings bin ich schon der Meinung, dass unsere Musikkultur Unterstützung in Form eines finanzierten Ortes brauchen kann! Denn die Kosten zu decken, ist meistens ein Drahtseilakt, vor allem dann, wenn auf (noch) nicht bekannte Artists gesetzt wird. Ende 2011 haben Marlene Engel von moun10, Mateusz Najder und ich, aus unserer eigenen Tasche Disclosure gezahlt. Die Arbeit seitens nicht kommerzieller Veranstalter fällt oft in die Rubrik „Leidenschaft“ und kann nicht monetarisiert werden. Überhaupt: Ideal wäre es hier, wenn wir so etwas wie eine DJ Gewerkschaft hätten und unsere Arbeit auch als diese angesehen wird: Versichern müssen wir uns als Selbstständige selbst, Pensionsjahre? Fremdwort in unserer Szene und das, obwohl wir „Nachtarbeit“ leisten. Es ist ja trotzdem Arbeit, auch wenn diese mit viel Freude verbunden ist.

Ein Freund aus Übersee kommt zu Besuch nach Wien und hat den festen Vorsatz, eine unvergessliche Nacht zu erleben. Welches Abendprogramm stellst du für ihn zusammen?
Joja bei
Hängt natürlich von den Bookings ab, die in dieser Nacht spielen. Aber z.B. waren Mount Kimbie, als ich sie nach unserem gemeinsamen Spiel für CanUDigIt, ins Celeste mitgenommen habe, total begeistert von der Location, sie meinten, so etwas hätten sie in London nicht. Früher wäre das Morisson ein Fixpunkt gewesen. Grundsätzlich jedenfalls würde ich die Nacht mit einem Abendessen entweder im Zweitbester oder im Heuer beginnnen, dann vermutlich einen Warm Up Cocktail in der Loos Bar zelebrieren, weil das natülich ein architektonisches Highlight ist, und dann zu der Party mit dem spannendsten Sound weiterziehen, wo das ist, ist eher Veranstalter abhängig als ortsgebunden. Für Cineasten würde ich einen Besuch im Filmcasino einplanen.

Du kommst unerwartet zu 100 Euro. Wo in der Stadt wirst du sie wahrscheinlich ausgeben und wofür?
Hängt von der Tagesverfassung ab. Entweder ich gehe Platten kaufen zu Fritz ins Market, oder ich schaue mich nach einer wunderbaren Erweiterung meiner Garderobe bei We Bandits, in der Theobaldgasse, um. Verzehnfacht das Budget und ich bin im Wavemeister zu finden!
Flohmarkt wäre auch toll, und weil für € 100.- zuviel Fundstücke zum nach Hause tragen drin wären, würde ich noch ein Essen bei Der Fuchs und die Trauben in der Kandlgasse, genießen.

Du hast die Chance, für einen ganzen Abend ein Festival Line-Up ganz nach deinem Geschmack zusammenzustellen, einzige Voraussetzung: Es darf nur aus Wiener DJs bestehen. Wie sieht dein Line-Up aus?

Was ist das Schönste an Wiens Clubszene?
Dass sich alle kennen.

Was ist das Nervigste an Wiens Clubszene?
Dass sich alle kennen.

Wo verbringst du deine Zeit, wenn du nicht gerade auflegst?
Die ersten paar Semester meines Architekturstudiums war ich sogar unter Mindestzeit, das hat sich allerdings durch mein ausgeprägtes Nachtleben schnell geändert und so hat es mit dem Abschluss dann etwas länger gedauert.
Neben der Musik habe ich mich immer schon in anderen Bereichen der Kultur engagiert und z.B. projektbezogen für das Bundeskanzleramt bzw das Ministerium für Unterricht, Kunst und Kultur gearbeitet. Außerdem war ich bei Superfly, von Anfang an, eine der ersten Stimmen on air – und konnte dort neben meiner bezahlten Tätigkeit (Moderation, Newssprecherin), auch meine eigene wöchentliche Sendung joja’s nightedit machen (2008-2012).
Mit meinem Verein V ARE organisieren wir Ausstellungen, die neben den gezeigten Arbeiten (Malerei, Skulptur, Photographie, Installation, ..), joja_300x300_02auch Musik als weiteres künstlerisches Werk einbinden und die Architektur als kuratierte Position verstehen. Wir kreieren Szenen für den gesamten Sinnesapparat. Mit Podiumsdiskussionen und Workshops, als auch anderen möglichen Spielarten der Kunst- und kreativ-Arbeits-Präsentation, werden wir in Zukunft unser Programm ausbauen.
Persönlich arbeite ich in vielen Bereichen. Ich sehe meine Stärke im Vernetzen von unterschiedlichen Strukturen. Meine Kenntnisse reichen von Programmierung (html, css, Drupal, jquery, linux shell, etwas php) über Grafik, zu Architektur und eigener künstlerischer Arbeit (Malerei, Zeichnung, Video, Musik).

Lass uns zum Schluss noch folgendes von dir wissen:

  • Erster Gig – wann und wo? Vis [Coratia] . Easa 2002
  • Vinyl, Digital oder ganz was anderes? 1210er + CDJs
  • Größe deiner Musiksammlung? Keine Ahnung – in mehr als zehn Jahren kommt da schon einiges zusammen. Platten habe ich hauptsächlich aus Friedrich Plöckingers Händen und dem Rave Up. Selten bestelle ich online Vinyl (habe keine Kreditkarte… =)
    Das Internet stellt sicher die stärkste Quelle für meine Sammlung dar. Ich liebe junge, noch unendeckte Produzent/innen. Die digitale Situation ist sicher einerseits erschlagend, aufgrund des Daten Tsunamis, der sich da seit einem Jahrzehnt entwickelt hat, so kommen aber auch ganz besondere Perlen zu Tage! Daher habe (auch) ich einen großen mp3 Sumpf angesammelt, den ich nicht abschätzen kann. Dadurch, dass ich nicht mit Computer spiele, durchforste ich meine Sammlung immer wieder, um Altes und Neues aus dem digitalen Datenwahnsinn zu sortieren und in mein CD Archiv aufzunehmen.
    Grundsätzlich empfinde ich die quantitative Begrenzung bei Gigs als sehr angenehm. Als z.B. letztes Jahr Kenny Dixon Jr. nach seinem Gig in der Forelle seine Plattentasche sortierte, wurde seine Erfahrung ersichtlich, die Tasche war nicht randvoll bepackt, sondern beinhaltete eigentlich nur die Platten, die er auch gespielt hat, kein unnötiger Balast.
    Begrenzung in Stil erlebe ich aber immer als langweilig. Am liebsten sind mir vielfältige Sets, denn ich glaube, dass in der Vielfalt und daher der Toleranz, der Schlüssel zu einem besseren Miteinander liegt. Sie fördern die Fähigkeit zur eigenen Meinungsbildung und dem Hinterfragen. Grundelemente für jede ausgeglichene Gesellschaft.
  • BpM-Range: Von – bis? 65-160

Joja war so nett und hat uns für Vienna Players einen exklusiven Mix zur Verfügung gestellt – wer mehr davon hören möchte hat unter anderem am 15. Mai bei Zirkus Maximus im Brut, tags darauf beim Maispace Open Air auf der Arenawiese, am 30. Mai bei den Weekend Sounds im MuseumsQuartier und am 13. Juni im Salotto im Rahmen der Vienna Biennale Möglichkeit dazu.

 

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